Wie man Investoren findet?

Fundraising ist knifflig – man muss viele Bälle jonglieren und letztlich das Tagesgeschäft und die Finanzierung unter einen Hut bekommen. Das richtige Netzwerk, eine gute Equity Story, Verhandlungspsychologie, Timing und Erfahrung führen zum Erfolg. Unerfahrene Gründer haben hier einen drastischen Nachteil und das ist ganz natürlich. Die meisten Rookie-Gründer stolpern buchstäblich durch ihre erste Investmentrunde und überzeugen dabei mehr oder weniger erfahrene Business Angels – wobei sich dies oft erst 12 bis 24 Monate später herausstellt.

Business Angels sind meist sehr tief in den Startup-Ökosystemen verwurzelt und sind es gewohnt, junge Talente in einem sehr frühen Entwicklungsphasen zu entdecken, abzuholen und aufzubauen. Venture Funds steigen erst später ein und sind in ihrer Zugangsweise ein Stückchen anders.

Fonds haben in der Regel eine viel höhere Sichtbarkeit – alleine schon mal weil sie mehr Geld verwalten und ein ganzes Vollzeit Team beschäftigen. Sie pflegen ihre Marke und sind pro-aktiv in der Kommunikation und das hat einfache Gründe:

  • Eine gute Marke generiert zusätzlichen Deal-Flow,
  • sie stärkt die Position am Verhandlungstisch,
  • sie erhöht die Sichtbarkeit ihrer Portfoliounternehmen und zieht letztlich auch Investoren (sog. LPs) für ihre Fonds an.

Als Startup sollte man sich nicht unbedingt in einem ersten Schritt gleich an einen Fonds wenden. Häufig ist es besser einen Business Angel oder Mentor zu finden.

Venionaire unterstützt seit fast sieben Jahren Start-Ups bei der Mittelbeschaffung und Skalierung ihrer Geschäfte. In der Zeit ist das Wort „Start-Up“ fast schon inflationär geworden und die Investoren-Landschaft hat sich in Europa und den USA auch erheblich verändert. Heute gibt es viele neue Spieler am Feld und wöchentlich kommen neue dazu. Das Geschäft ist heute streng reguliert (siehe AIFM Gesetz) – die Zeiten für Cowboys sind vorbei.

Es gibt neben traditionellen Fonds heute auch viele Investmentnetzwerke (u.a. superangels.club), Family Offices, Stiftungen sowie einzelne vermögende Privatpersonen die regelmäßig und durchaus professionell in Start-Ups investieren. Aktuell sind rund 400 Business Angels in Österreich in Netzwerken registriert und man geht von weiteren 800 Personen aus die auf eigene Faust aktiv sind.

Gute Investoren teilen ihre Erfahrungen und helfen uns neue Investoren regelmäßig weiterzubilden – da es auch auf Seiten der Investoren Fehler gibt die man dringend vermeiden sollte. Das Business Angel Institute, welches ich vor einigen Jahren mitgegründet habe, bietet mittlerweile seine Investoren-Trainings in Europa und im Arabischen Raum (Saudi Arabien und Bahrain) als Marktführer an.

Wie findet man den richtigen Investor?

Gut 90% der Gründer ziehen das Thema Fundraising direkt an sich – weil sie vermeidlich Kosten sparen wollen und sich der Verantwortung stellen wollen. Löblich, aber nicht immer ganz schlau. Die internen Kosten werden gerne vernachlässigt. Gründer sollten sich sich auf ihre Produkte konzentrieren, Teams entwickeln und Meilensteine erreichen – 3-6 Monate auf ein anderes Thema (wie etwa Fundraising) zu konzentriert kann für ein Start-Up zu einem echten Problem werden.

Nachstehender 10 Punkte Leitfaden (ursprünglich auf Englisch auf venionaire.com von mir veröffentlicht) soll helfen, das Thema Fundraising so effizient wie möglich zu strukturieren und zu gestalten:

  • Bauen Sie einen „Funnel“ (Trichter) für Investoren, genau wie Sie es für Ihre Werbe-Newsletter (hoffentlich) machen – z.B. Landing Page & Newsletter über HubSpot / MailChimp.
  • Starten sie mindestens sechs Monate vor Ihrer nächsten Runde mit der verstärkten Aktivierung ihres Trichters.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Aktivierung jener Investoren, die über Ihre Kanäle ein aktives Engagement für Ihr Produkt und Ihr Team zeigen (lassen Sie Tools wie HubSpot die Auswertung machen).
  • Pflegen Sie intensive Beziehungen zu rund 10 Investoren und lernen sie wonach diese Investoren suchen (KPIs, Traction, Team, etc.).
  • Kommunizieren Sie Ihre Unternehmensentwicklung durch ihren Investoren-Newsletter (inkl. der Pipeline zukünftiger Investoren).
  • Bespielen Sie regelmäßig und professionell die Presse, Social Media und Konferenzen.
  • Halten Sie Ihr Pitchdeck und Ihre Unterlagen immer für Investoren bereit (niemand sollte darauf warten müssen).
  • Seien Sie vernünftig in Bezug auf Bewertung und Konditionen – professionelle Investoren werden Sie nicht ausnutzen, da in den kommenden Runden zu Problemen führt und da sie in der Regel sehr auf ihren Ruf achten.
  • Laden Sie Ihre bestehenden Investoren frühzeitig zu einer Überbrückungsfinanzierungsrunde „Bridge“ ein (falls nötig). Wenn Ihnen die Liquidität ausgeht, wird Ihre Position außerordentlich gefährlich. Sie verlieren viel Energie, Unternehmensanteile und Vertrauen der Stakeholder.
  • Verhandeln Sie nicht zu lange – schließen Sie Ihre Runden innerhalb von maximal drei Monaten ab!

Wenn Sie den Luxus haben, sich zwischen Investoren entscheiden zu können, empfehlen ich Ihnen einige Parameter abzufragen:

  • Anzahl der Portfoliounternehmen / Investmentmanager

Warum? Sie möchten wissen, ob sie über Ressourcen verfügen, um Ihr Unternehmen in der nächsten Entwicklungsphase zu unterstützen.

  • Internationales Expertennetzwerk

Warum? Es ist einfacher, einem bestehenden Netzwerk beizutreten, als eines von Grund auf neu zu erstellen.

  • Unterstützungsnetzwerk (Öffentlichkeitsarbeit, Personalwesen, Growth Hacking, Entwickler, etc.)

Warum? Sie benötigen Dienstleistungen, um Ihr Unternehmen zu stärken. Während Marketing in der Regel eher einfach zu lösen ist, wird die Einstellung von Talenten mit internationaler Erfahrung früher oder später zu einem echten Problem in jedem Hub werden.

  • Aktive Co-Investoren mit Portfoliounternehmen

Warum? Je besser ein Investor seine Investitionen auswählt und strukturiert, desto besser sind seine Beziehungen zu hoch angesehenen Co-Investoren. Einige Investoren werden sogar Co-Investoren einladen, ein Unternehmen während der Due Diligence zu begutachten.

  • Die Laufzeit des aktuellen Fonds und der Desinvestitionsdruck auf frühere Fonds.

Warum? Die meisten Fonds haben eine Laufzeit von zehn Jahren, nach 3-5 Jahren Investition und fünf Jahren Ernte müssen sie ihr Portfolio verkaufen. Sie wollen nicht im Portfolio eines Fonds landen, der schon bald durch unter Abverkaufsdruck steht.

Ein letzter Tipp:

Lassen Sie sich nicht von Stereotypen von Fondsmanagern täuschen. Man hat mir tausendmal gesagt, dass Investmentbanker im Vergleich zu ehemaligen Unternehmern schlechte VC-Investoren sind. Die Wahrheit ist aber das beide „Gruppen“ für sich nicht besonders gute Chancen haben – außer sie verschränken ihr Know-How. Ich habe mehrere Firmen gegründet und das Investmentbanking Geschäft über fast 10 Jahre von Grund auf gelernt. Erfahrungen aus beiden Welten helfen mir täglich.

Warum überhaupt die Positionierung? Es ist einfach Marketing – ehemalige Gründer positionieren sich gründerfreundlich und dafür reklamieren sie regelmäßig bessere Konditionen (einige übertreiben das – Achtung!). Banker haben häufig einen nüchterneren Zugang zu Zahlen und Prozessen, da sie wissen das es leichter ist mit professionell aufgestellten Startups zu arbeiten, ganz besonders in Folgerungen. In der Regel überzeugen Sie mit besseren „Later-Stage“ Investment Zugängen. Ideal ist es wenn ein Investor know-how aus beiden Welten in seinen Reihen hat.

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