Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation

Ich kann mich noch gut erinnern, als unsere Politiker an die Medien getreten sind und sagten „Koste es was es wolle“ versprochen haben, die Wirtschaft aufzufangen. Eine Pandemie wie wir sie heute haben, hatten wir nicht erwartet. Wir wurden eiskalt erwischt. Geld in die Hand nehmen wie einst Kreisky, statt einem Nulldefizit war plötzlich die Devise. Das Pandemiegesetz wurde kurzerhand geändert – einen generellen Schadenersatz wollte man dann doch nicht leisten. Egal. In der ersten Welle hatten die Unternehmer noch Rücklagen. Jeder hat versucht so schnell und professionell zu reagieren, wie es nur möglich war. Wir lernten von der neuen Politik des „Hammer and Dance“. Wir gewöhnten uns und unsere Kollegen bzw. Mitarbeiter an Home-Office. Wir entwickelten neue digitale Produkte. Die Lernkurve war steil. Die tägliche Corona Statistik kam auf die Startseite von ORF.at. Die Hoffnung auf Rettungsprogramme und Förderungen – zur Abfederung des Schadens – war groß, die Ernüchterung bei vielen Unternehmern leider auch. Die zweite Welle trifft uns härter. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Kräfte sind verzerrt. Die Ratlosigkeit ist groß. Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation, aber die Betreuung bleibt vorerst aus. Quo vadis?

Wieviel kann man Unternehmern zumuten?

Als unser geschätzter Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer sinngemäß sagte, die Wirtschaft liege auf der Intensivstation und wir werden sie wiederbeleben, atmeten wir durch. Unternehmer wissen, dass Milliarden an Geldmitteln aus Beiträgen in der Kammer liegen. Die Kriegskasse ist voll. Danach kommt die Reha (der Wideraufbau). Es war alles klar. Die Hoffnung das Klein- und Mittelbetriebe aufgefangen werden war groß. Es würde hart werden, aber die Chance das wir das meistern, war gegeben. Natürlich mussten wir auch akzeptieren, dass nicht jedem geholfen werden kann. Strenge Regeln werden Missbrauch verhindern und das war / ist gut so.

Wir Unternehmer haben darüber hinweggesehen, dass das Pandemiegesetz kurz vor dem sog. „Lockdown“ geändert wurde. Eigentlich hätten wir auf die Strasse gehen müssen. Das Gesetz hatte vielen Betrieben einen Anspruch auf Schadenersatz gesichert. Eine Pandemie ist in gewisser Weise eine Naturkatastrophe, niemand hat Schuld daran und genau deshalb sollte es in einem Land wie Österreich ein engmaschiges Auffangnetz geben.

Unternehmer haben alle Energie und Mittel, die sie noch zur Verfügung hatten, investiert, um möglichst gestärkt oder wenigstens mit geringem Schaden aus der Krise zu kommen. Die Hoffnung war ein „V“ Effekt, ein kurzer Einbruch der Wirtschaft, den man durchtauchen kann. Möglichst schnell wieder zurück zum Normalzustand, das war das Ziel. Arbeitsplätze sollten und mussten erhalten werden. Wenn es bald wieder bergauf gehen soll, dann darf man niemanden entlassen. Für jeden Unternehmer sind Angestellte die höchste Priorität (auch wenn das vielleicht nicht immer so wirkt). Man weiß über die Existenzen, Familien und Schicksale und natürlich auch, dass man ohne Mitarbeiter nicht wieder hochfahren kann.

Anfangs wurden Unternehmer noch in Sounding-Boards eingebunden. Interessensvertretungen, wurden aktiv eingebunden. Später wurde mit Michael Altrichter ein „Startup Beauftragter“ medienwirksam vorgestellt und dann wurde es still. Die Realität war ernüchternd. In vielen Branchen und für viele Betriebe griffen die angebotenen Programme nicht. Bürokratie und rechtliche Hürden führten dazu das Garantien vielfach nicht für die Kreditvergabe von Banken ausreichten. Teilweise waren Fördertöpfe so klein, dass sie innerhalb eines Tages leer waren – man hatte seitens der Politik die Nachfrage vielfach derart falsch eingeschätzt, dass man den Eindruck bekam es geht ehr um Pressekonferenzen als echte Hilfe. Ansprechpartner gab es keine mehr.

Betriebe die Mitarbeiter in Kurzarbeit hatten, und sich an die Regeln gehalten haben mussten bei der Endabrechnung ebenfalls die ein oder andere Überraschung hinnehmen. Die Richtlinien zur Abrechnung, waren zum Zeitpunkt der Vergabe noch unklar – am Ende muss der Unternehmer mit der Auslegung des AMS leben und in einigen Fällen sogar einen Teil der Zuschüsse die er nach langer Wartezeit erhalten hat zurückbezahlen. Da kommt Freude auf und der Druck auf Sparmaßnahmen steigt einmal mehr.

Die einst kolportierte Geschwindigkeit in den Medien wurde nicht eingehalten. Die bereite Maße bekam das gar nicht mit, sie wahren vielfach vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Umso größer das erstaunen, wenn man erzählt wie kompliziert die Maßnahmen tatsächlich in der Praxis sind und wieviel länger es dauert bis man Gewissheit hatte. In Pressekonferenzen wurde eine gewaltige Show abgezogen. Die Belastung für die Liquidität, der emotionale Stress (durch Unsicherheit) für Unternehmer war unermesslich. Da ist auch verständlich das die Emotionen hochgehen. Während Mitarbeiter einen Anspruch auf Geld am Ende des Monats hatten, mussten Unternehmer mit der Unsicherheit und den wagen Auskünften von Beamten leben deren Gunst plötzlich zur Überlebenssicherung von Betrieben wichtig war. Man war nicht mehr selbstständig, sondern fremdbestimmt.

Heute sind die Kassen leer, die Wirtschaft ist über den Sommer – nach den Lockerungen der sog. Covid-Maßnahmen – nicht wieder so stark zurückgekommen wie gewünscht. Aufholen konnte man die Verluste des Lockdowns nicht. Jene die sich mit geförderten Krediten über Wasser halten konnten sind heute überschuldet. Viele Betriebe haben keine andere Wahl, also nochmal in die Pedale zutreten und alles geben. Reichen wird es trotz aller Anstrengungen vielfach nicht. Die Puste geht schneller aus als noch Anfang des Jahres und die Verzweiflung viel größer. Man muss damit Rechnen, dass es kein Rettungsnetz gibt. Kündigungen sind ein Indiz dafür das wir in keine Rezession, sondern in eine waschechte Depression schlittern. Die Zahl der zu erwartenden Insolvenzen lasst mich bleich vor Angst werden.

Wer glaubt Neugründungen werden das Wirtschaftswachstum wieder zurückbringen, der vergisst das es im Schnitt rund 8 Jahre dauert, um einen Betrieb eine Million-Umsatz und nachhaltig positiven Ergebnissen aufzubauen. Der Verweis auf die Finanzkrise (wo primär Banken betroffen waren) ist trügerisch. Damals wurden mehrheitlich top ausgebildete Menschen arbeitslos. Diesmal sind alle Einkommens- und Ausbildungsschichten betroffen. Das sind naturgemäß weniger Akademiker weil es schlicht weniger davon gibt. Investoren gibt es auch weniger und damit ein schwierigeres Umfeld für Gründungen.

Die zweite Welle wird brutal

Jetzt kommt eine zweite Welle. Pünktlich zum Herbst. Pünktlich zum Beginn der Grippe-Saison. Diesmal liegen unsere Betriebe auf der Intensivstation. Die Abwehrkräfte sind geschwächt, sie befinden sich in einem Überlebenskampf. Eine Impfung (Vorbereitung im Sommer) gab es (gefühlt) nicht. Der große Unterschied zur ersten Welle ist, dass das Vertrauen fehlt. Unternehmer sollen sich (wenn es nach der Politik geht) für Investitionsprämien bewerben, oder Lehrlinge einstellen – also Investieren. Man fragt sich womit?

Während der im Wahlkampf um Wien verhaftete Finanzminister mit der EU über ein zweites Fixkostenzuschussprogramm streitet, verzweifeln jene die ihm Geld in die Kassen spielen sollten. Das erste Fixkostenzuschussprogramm war, kein besonders attraktives und wurde entsprechend wenig angenommen. Programme wie der Covid-Hilfsfonds hingegen hatten sehr hohen Zuspruch, damit konnte schnell Kapital von privaten Investoren mobilisiert werden. Heute ist dieses Programm ausgelaufen und die Politik hat sich klar gegen eine Aufstockung ausgesprochen. Investoren aus Österreich investieren daher eher im Ausland (etwa Berlin oder Hamburg), wo ihr Kapital gehebelt wird. Man fragt sich, wieviel man der Wirtschaft eigentlich zumuten kann?

Gesetze, Regelungen und ein wenig Utopie

Ich bin kein Gastronom und auch kein Hotelier. Ich gestehe auch das ich mit keiner dieser wohl am am intensivsten betroffenen Berufsgruppen allzu viel (beruflich) zu tun habe. Mein gesunder Menschenverstand – mein eigenes Hirn – hingegen erlaubt mir ein paar bauernschlaue Gedanken: Wenn man wöchentlich, mit Vorliebe am Freitagabend, neue Regelungen vorstellt, die ab Montag gelten sollen – dann treiben wir Unternehmer über kurz oder lang direkt in die Burn-Out Klinik. Mir leuchtet ein, dass die Kommunikation von Neuigkeiten vor dem Wochenende, das Volk besonders gut erreicht – aber man darf nicht vergessen wer die angekündigten Verordnungen oder beschlossenen Gesetze sofort umsetzen muss. Gastronomie- und Hotel-Unternehmer schlagen sich hier seit Monaten die Wochenenden um die Ohren und kommen nicht zur Ruhe – von den Kosten, zusätzlichen Beratungsaufwänden wollen wir gar nicht erst anfangen.

Warum ergreifen wir nicht die Chancen, die in der Krise liegen? Dr. Keyvan Rastegar hat kürzlich im Startup-Online Magazin „Trending Topics“ viele valide Punkte zum Thema „Gesellschaftsrechtsreform“ aufgeworfen. Der Katalog an Ideen von Marktteilnehmern, die allesamt weder blöd noch blind sind, wäre lang. Warum fragt man nicht? Warum nicht das richtige tun? Warum nicht zusammenarbeiten? Parteien, Wahlkampf und Co. dürfen in einer Pandemie nicht bestimmend sein – hier gebe ich Innenminister Nehammer recht (er hatte dies gestern in der Freitagabend – Pressekonferenz gesagt)

Macht eine Bereinigung in der Unternehmenslandschaft Sinn?

Wer gerne leichtfertig argumentiert, die Wirtschaft soll ruhig mal ein reinigendes Gewitter erleben, der möge die nächsten Zeilen sehr aufmerksam lesen. Wenn ein Betrieb einmal geschlossen ist, kann man nicht einfach wieder öffnen. Die Wirtschaft kann also bei einem zurückkommen der Nachfrage nicht mehr so schnell hochfahren – da keiner etwas verkauft. Wer kaufen will kauft im Ausland. Unternehmen etablieren über Zeit ihre Marke, ihren Kundenstock, Vertrauen und internes Knowhow oder auch Patente. Bei einer Schließung oder einem Notverkauf geht das alles verloren. Kauft ein Ausländern, wandern Betriebe mittelfristig ab. Österreich ist als Standort sehr schön, aber nicht günstig.

Auf der Nachfrageseite brauchen wir eine kaufkräftige Kundschaft. Das gilt für den Endkunden, aber auch für den Firmenkunden. Investiert weder der eine noch der andere, sieht es düster aus. Sind zu viele Menschen in Arbeitslosigkeit, und die Betriebe geschlossen, dann haben wir ein Dilemma. In der Spieltheorie nennt man das ein Gefangenendilemma. Der Staat ist dann der letzte und mit Abstand größte Arbeitgeber, dieser bezahlt Gehälter aus Steuereinnahmen oder aus Staatsschuldverschreibungen (Staatsanleihen). Was passieren muss, wenn nur noch ein kleiner Teil „produktiver“ Privatwirtschaft über ist? In so einer Depression, einem Dilemma ohne Firmen und ohne Arbeitsplätze ist auch er Staat gezwungen Menschen freizusetzen – außer man entscheidet sich für das Kommunismus.

Was aber am gefährlichsten ist an diesem Szenario, ist der soziale Zündstoff, der in der Vernichtung von Arbeitsplätzen und betrieblichen Vermögen steckt. In der Geschichte waren solche Rahmenbedingungen stets Brandbeschleuniger für Unruhen und sogar für Kriege. Es ist nicht verkehrt, wenn wir sagen: „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut.“

Gehen wir bitte – mit Maske – vor die Tür, schauen wir mit anderen Augen auf Unternehmer. Zeigen wir etwas Respekt und helfen wir wo wir können. Geben wir unserer demokratisch legitimierten Regierung Feedback, in guten wie in schlechten Zeiten. Ohne Feedback kann kein Manager arbeiten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir werden weiterhin so viele Unternehmer auf ihrem Weg begleiten, wie es uns möglich ist.

Startups brauchen mehr Sichtbarkeit

Als Business Angel muss man in Zeiten der Krise kreativ werden. Startups haben mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen und suchen folglich vermehrt nach frischem Kapital, die Stimmung unter den Investoren ist aber gedämpft was sich in deutlich in verringerter Bereitschaft für neue Investitionen zeigt. Der Wettbewerb um die verbliebenen Investoren ist damit so hoch wie noch nie und der Kampf um jeden zahlenden Kunden umso bedeutender will man überleben. Was also tun? Wird der Staat alle retten? Wohl eher nicht. Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten mit verschiedenen Initiativen die Sichtbarkeit für Startups zu erhöhen und Instrumente für Fundraising zur Verfügung zu stellen.

Hacking Fundraising

Wir können unmöglich alle Projekte betreuen die an uns herangetragen werden. Das haben wir früh erkannt. Im ersten Lock-Down war meine Inbox täglich voll und wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir in dieser Situation helfen können. Die Entscheidung viel auf ein günstiges on-demand Kursprogramm, ergänzend zu bereits bestehenden Online-Beratungsangeboten von Venionaire Capital, unter dem Titel „Hacking Fundraising„, welches seit gestern online ist. Wir mussten das Rad nicht neu erfinden, dennoch kostete die Produktion des Video-Materials und der Downloads mehr Zeit als wir uns ursprünglich dachten.

Wir stellen Gründern ein DIY (do-it-yourself) Kit für Fundraising bestehend aus einer Toolbox (Downloads) zur Verfügung die u.a. 300 Investoren (Status Liste) und einen Videokurs enthält. Der Kurs hilft typische Fehler im Fundraising zu vermeiden und wertvolle Zeit zu sparen wenn man sich auf die Ansprache von Investoren vorbereitet bzw. mit diesen bereits in oberflächlichen Verhandlungen steckt. Der Kurs ersetzt keine professionelle Begleitung eines Prozesses, erhöht aber sicherlich die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss eines Deals. Know-how und Erfahrung ist in diesem Bereich nicht zu unterschätzen.

100 Startups – Made in Austria

Eine weitere Initiative die ich aktuell mit viel Herzblut unterstütze ist das Buch „100 Startups – Made in Austria“. Hier wählt die Startup Community 100 Startups die in einem englischsprachigen Buch von Home Town Media (Maggie Childs) in Interviews ihre Geschichte erzählen dürfen. Das Buch wird dank einer Kooperation mit go-international in allen Außenhandelsstellen der WKÖ aufliegen und international sehr viel Sichtbarkeit erzeugen. Wir haben großartige Gründer und Startups, mit fantastischen und bewegenden Geschichten die wir erzählen müssen.

Der Startup-Standort hat darüber hinaus in Sachen Ökosystem viel zu bieten und wir werden natürlich auch über die wichtigsten Player schreiben. So ein Projekt ist ein kleines Mammut – aber es macht auch Spaß und dank Partnern wie dem Science Park Graz, der Wirtschaftsagentur Wien, derBrutkasten, European Super Angels Club und vielen mehr verteilt sich die Last auf verschiedene Schultern. Schön zu sehen, dass wir im Ökosystem an einem Strang zeihen wenn es darauf ankommt.

Tech – Made in Europe

Eine weitere Initiative die in der Krise entstanden ist und dank der freundlichen Unterstützung von Felix Häusler – dem Gründer von www.grape.io – schnell umgesetzt werden konnte ist „TECH – MADE in EUROPE“ eine offene App die europäischen Softwarelösungen als Alternative zu internationalen Riesen positioniert.

In einem Interview mit Business Angels Europe (BAE) habe ich kürzlich erklärt, warum es wichtig ist das wir aktuell auf unsere „eigenen“ Lösungen vertrauen und nicht immer gleich internationale Services nutzen. Jeder Euro Umsatz hilft heute Arbeitsplätze zu erhalten und die Krise damit aktiv abzumildern. Man muss dabei nicht einmal große Abstriche machen – Lösungen aus Europa können sich wirklich sehen sehen lassen und müssen sich im direkten Vergleich nicht verstecken, auch wenn die Konkurrenz Milliarden wert ist.

Kopf hoch – gemeinsam schaffen wir das!

Wenn das Marktumfeld schwierig wird, kann man laut um Hilfe rufen – oder die Ärmel aufkrempeln und selbst Lösungen suchen. Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Wir werden nach der Krise wissen, wer unsere Freunde sind, welche Firmen bzw. Unternehmer bereit waren eine Extra-Meile zu gehen und mit einem Blick zurück wissen welche Entscheidungen besser gewesen wären. Wenn wir aber nichts versuchen, dann fahren wir mit Sicherheit an die Wand. Darauf hab ich keinen Bock und ich werde unermüdlich versuchen so vielen wie möglich zu helfen, die bereit sind an Lösungen zu arbeiten.

Neues Buchprojekt: 100 Startups – Made in Austria

Es freut mich ganz besonders, dass mein neues Buchprojekt gemeinsam mit Florian Kandler und dem Verlag Hometown Media in Umsetzung geht. Unter dem Titel „100 Startups – Made in Austria“ werden wir Gründergeschichten von 100 Startups beleuchten, die ihren Weg machen. Wir werden von zukünftige Hidden Champions, von Deep-Tech bis zu digitalen Wettbewerbern in kurzen Fakten Checks und Interviews vorstellen. Das Buch selbst wird global beworben, an ausgewählte VCs in ganz Europa versandt. Die Community selbst wählt aus einer Liste von rund 200 Startups, welche 100 Unternehmen für das Buch eingeladen werden sollen.

Hintergrund zum Buch

Die Idee zu „100 Startups – Made in Austria“, entstand gemeinsam mit dem Verlag Home Town Media. Es ist handelt sich bis zu einem bestimmten Grad um eine englischsprachige Fortführung des früheren Buch-Projekts „Erfolgsgründer: Made in Austria“ von Berthold Baurek-Karlic, Fabian Greiler und Helmut Pöllinger (November 2014) Taschenbuch. Der Aufbau des Buchs wird etwas verändert und soll für den Leser dadurch noch interessanter werden. Das Ziel ist international mehr Aufmerksamkeit auf das gewachsene Ökosystem in Österreich zu lenken. Unser neues Buch baut auf dem rund 6 Jahre alten Buchprojekt Erfolgsgründer auf. Es wird sich aber in wesentlichen Punkten unterscheiden. Die Community selbst wird diesmal entscheiden, wer für ein Interview in dem Buch eingeladen wird. Gemeinsam mit Florian Kandler haben wir ein paar sog. growth-hacks entwickelt, die den Startups viel Reichweite abseits vom Buch selbst bringen sollen. Viel zu oft, leiden heimische Startups darunter international zu wenig Sichtbarkeit zu bekommen, wie aufmerksame Leser bereits in meinen letzten Beiträgen auf diesem Blog gelesen haben.

Welche 100 Startups sollen ins Buch?

Auf der Landing-Page zum Buch kann man seit heute für seine Favoriten abstimmen. Die Stimmenabgabe ist einmal täglich möglich. Das österreichische Startup Ökosystem hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben sich mehr und mehr innovative Unternehmer und Investoren gefunden, die etwas verändern wollten. Erste internationale Erfolge waren als Bestätigung dieses Wegs wichtig.

Mittlerweile lesen wir regelmäßig von internationalen Größen, die in heimische Startups investieren. Der Austrian Startup Monitor 2019 belegte in Zahlen, wie groß der Wirtschaftsfaktor Startups geworden ist. 2.200 Startups wurden seit 2008 gegründet, wovon 9 von 10 Mitarbeiter angewachsen sind und laufend neue Arbeitsplätze geschaffen haben. In Summe arbeiteten rund 17.500 Menschen in österreichischen Startups. Finanziert wurden startups zu 52% mit Wachstumskapital. Bemerkenswert ist das 90% der Startups bereits Ende 2019 Umsätze im Ausland verbuchten und somit die DNA möglicher zukünftiger Hidden Champions in sich tragen.

Der mehrfache Unternehmensgründer und Co-Autor des Buchs, Florian Kandler unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Erfolgreiche Unternehmen wissen oft gar nicht, wie stark ihre Geschichte einen indirekten Einfluss auf unsere Wirtschaft übt. Jedes Mal wenn sie ihr Wissen und ihre Story mit Jungunternehmern und der Community teilen, passiert in den Köpfen der Zuhörer etwas. Es sind Stories, die Menschen zum Unternehmertum bringen und Wissen, das der nächste Generation von GründerInnen auf ihrem unternehmerischen Weg hilft.“. Florian lernte 2011 als er im Silicon Valley lebte, wie wertvoll es ist wenn erfahrene Unternehmer Wissen mit einem teilen. Er propagiert seither die #PayItForward Geisteshaltung und geht selbst mit gutem Beispiel voran, wie Freunde seine Podcasts „Gründer und Zünder“ oder Leser des Austrian Startup Monitors, oder seines Buches „Business Angels vs. Business Devils“ wissen.


Margaret Childs, ist in der Startup-Szene seit Jahren sehr aktiv und war als Verlegerin perfekt. Als Gründerin des englisch sprachigen Magazins und der zugehörigen Online-Platform „Metropole“ blickt sie regelmäßig hinter die Kulissen der Bundeshauptstadt Wien und teilt wissenswertes über alles was sich in Österreich tut. Zu ihren Lesern zählt eine internationale Community – sogenannte Expats. Corporate Publishing ist neben dem Magazin ein wesentlicher Teil ihres Geschäfts geworden und somit hat sie das Buchprojekt initiiert von Florian Kandler und Berthold Baurek-Karlic sofort angesprochen. „Wir wollen das Bewusstsein für Startups – Made in Austria schärfen. Es gibt großartige Erfinder und Gründer in Österreich, diese sind aber häufig in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Die Pandemie hat uns aufgezeigt, dass wir diesen Produkten, Services und Europäischen Alternativen zu internationalen Tech-Riesen mehr Beachtung schenken müssen.“.

Du willst unser Projekt unterstützen? Der Vorverkauf ist eröffnet, die beste Unterstützung ist eine Ausgabe unserer Hardcover „Special Edition“ vorab zu bestellen -> siehe Infoseite 100 Startups – Made in Austria.

Tech – Made in Austria – wichtiger den je!

Was ist eigentlich los mit uns Österreichern? Wir sind doch nicht ohne Hausverstand auf die Welt gekommen. In ökonomischen Fragen setzt dieser dennoch regelmäßig viel zu oft aus. Wenn wir als Nation halbwegs unbeschadet aus der Krise kommen wollen, müssen wir zusammenrücken und müssen mehr den je Zusammenarbeiten. Jeder kann helfen, in dem etwas mehr Sensibilität für regionale Produkte, Services und Dienstleistungen aufgebracht wird. Ein klein wenig gesunder Patriotismus ist heute angebracht, keine Aufrufe zum Klassenkampf á la „Millionärssteuer“. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass es maximal im Bundeshaushalt (wo letztes Jahr mehr als EUR 190 Mrd. Ausgaben verbucht wurden), das Potenzial für Einsparungen lege, wobei (realistisch) Einsparungen hier wohl ebenfalls kaum rasch umsetzbar sind. Was bleibt, ist die Wirtschaft anzukurbeln, die Beschäftigung nach oben zu bekommen und damit wiederum Steuereinnahmen in den nächsten Jahren.

Nachbars Rasen ist grüner

Jede Woche lese ich auf Facebook, LinkedIN in Beiträgen, wo sich Menschen echauffieren über die reichsten Milliardäre der Welt, wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg und ihre Konzerne wie Amazon, Microsoft und Facebook. Zu reich und zu mächtig sind sie alle samt geworden. In der Welt der Technologie-Riesen spielen wir Österreicher bzw. Europäer nicht mit, aber gestohlen wurde uns auch nichts. Wir haben hier schlicht eine Welle verschlafen. Warum eigentlich? Österreich ist doch ein Land mit weltweit erfolgreichen Unternehmen (siehe Leitbetriebe Österreich). Weit über 200 Hidden Champions (gem. EU Definition), setzen bis heute nicht nur in einer Branche Standards. Darauf dürfen wir stolz sein. Das Geschäft mit Bits & Bytes kann bei uns ebenfalls funktionieren, aber wir müssen darauf vertrauen und in unsere Hidden Champions von morgen investieren. Raunzen bringt uns nicht weiter. Jeder Konsument kann in diesem Bereich, als Kunde, mit einem Investment in heimische Lösungen helfen. Digitalisierung ist eine riesen Chance für den Standort, das Thema gehört weder den Amerikanern noch den Chinesen.

Dornröschen wach auf

Europa hat vieles verschlafen. Das Bewusst sein das wir in totale Abhängigkeit geschlittert sind haben in den letzten Wochen wirklich alle hautnah mitbekommen. Im Shock – nach 40 Jahren fehlgesteuerter Politik – jegliche Produktion nach Hause zu holen, halte ich für überzogen. Die Globalisierung werden wir nicht Rückabwickeln können. Eine Zeitreise in die Vergangenheit und ein wieder herbei sehnen der Industrialisierung wäre ein Rückschritt, abgesehen davon das es unrealistisch ist dies kurzfristig unter Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit zu bewerkstelligen. Es würde schon reichen, wenn wir bei regionalen Onlineshops kaufen, statt bei Amazon, wenn wir Kommunikationslösungen wie Grape (aus Wien), statt Slack, Videotelefonie von Eyeson (aus Graz) statt Zoom, Webinare mit courseticket.com statt über gotowebinar anbieten.

Wenn wir auf E-Commerce, Software und Kommunikationssektor schauen, sieht es fast so aus als ob es keine Alternativen zu US Lösungen gebe. Das ist aber ein Irrtum, ich habe selbst bewusst vor vielen Jahren begonnen in die meisten der oben genannten Firmen investiert weil ich keine Abhängigkeit internationaler Tech-Konzerne in diesem Bereich haben wollte. In der Breite sind diese Lösungen noch viel zu unbekannt, das wird sich aber ändern – wenn wir alle etwas sensibler darauf achten welche Lösungen wir einsetzen. Es gibt immer noch Branchen (wie z.B. Apotheken) die das Internet gerne verbieten würden, der Online-Handel wird dort – trotz Angeboten aus ihren eigenen Reihen, wie Beavit.at – noch als feindlich betrachtet. Diese Abwehrhaltung hat dazu geführt das Schweizer, Tschechische und Holländische Online-Apotheken einen Siegeszug starten konnten und in Österreich täglich weitere Marktanteile abknabbern. Wachen wir hier auch erst auf, wenn es zu spät ist? Die Taxi Innung hat hundert tausende Euro in Klagen gegen UBER investiert, statt eine vernünftige Branchenlösung auf den Markt zu bringen, die dem Kunden, vergleichbare Vorteile gebracht hätte. Mit welchem Erfolg? Warum können wir uns so schlecht mit einem Online-Business anfreunden? Warum unterstützen und motivieren wir nicht heimische Unternehmen in diesen Bereich hineinzuwachsen?

Ich habe die Hoffnung, dass Europa – unser Dornröschen – in Sachen Digitalisierung in durch die Krise ein klein wenig aufgewacht ist. Die Corona-Pandemie zwang auch den letzten Verweigerer zur Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Bereits Jahre zuvor wurden Förderungen und Initiativen für mehr Risikokapital in Europa vorangetrieben, sie zeigten aber nur schleppend Wirkung – wenn wir das Ausmaß der globalen Transformation der Wirtschaft betrachten. Es haben sich vor allem “Insider” mit der Materie beschäftigt und kleine Erfolge gefeiert, aber von einer breiten Bewegung sind wir noch weit entfernt. Meines Erachtens sollte es große steuerliche Anreize (etwa Freibeträge) geben, die Milliarden für eine Aufholjagt auf diesem Sektor entfesseln.

Mangels kurzfristig zu erwartender Erfolge, waren bisher Politik und Konzern-Vorstände mit echten Investitionen (weil zuviel „Risiko“) in Zukunftstechnologien bisher zu verhalten. Nehmen wir die Raiffeisen Bank International, das einzige Bankhaus in Österreich das einen Corporate Venture Fonds aufgelegt hat, mit EUR 15 Millionen. Der Größe des Konzerns wären EUR 150 Millionen. im europäischen Vergleich und EUR 500 Millionen im internationalen Vergleich angemessen gewesen. Der erste Schritt wurde hier aber wenigstens gesetzt, wo sind die übrigen Banken und Pensionskassen? Wenn Finanzinstitute nicht in die Zukunft unseres Standorts investieren, wer dann?

Einzelne Erfolge gab es im Startup Sektor natürlich – auch auf unserem Kontinenten – trotz angezogener Handbremse. Sie haben als Leuchttürme gezeigt was möglich ist. Die stiefmütterliche Sicht auf Innovation, muss heute ein Ende haben. Mit angezogener Handbremse ist kein Rennen zu gewinnen, und Krisen sind nicht zuletzt ein Motor für Innovation. Sie treffen uns außerhalb der Komfortzone, wo wir mit mutigen Schritten entgegnen können.

Nicht blenden lassen

Opportunisten gibt es immer. Sie vertreten die Ansicht, dass wir gut aufgestellt sind in Europa ohne dabei zuviel in Fakten einzutauchen. Der einfältige Verweis auf erste Unicorns tut weh. Es gibt natürlich Beispiele aus Europa die es in die Weltelite der Tech-Startups geschafft haben, der globale Anteil dieser ist aber verschwindend gering und bei weitem nicht der wirtschaftlichen Position von Europa in der Welt angemessen. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, nicht alles was glänzt ist Gold. Man darf sich nicht täuschen lassen. Man muss schon auch hinterfragen warum, wer Erfolg gehabt hat und versuchen daraus zu lernen.

Meistens findet man internationale DNA, hinter den erfolgreichsten Startups. Die Gründer hätten es wahrscheinlich überall geschafft – so eben auch sogar aus Europa heraus. Europäische Investoren glänzen zu meist mit schnellen Exits, man verkauft bevor man ein nachhaltiges Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Wir sind so zum Weltmeister im Export von Talenten und Technologien geworden. Schauen wir auf ein erfolgreiches Unternehmen mit internationaler Beteiligung – N26 (die ausgewanderten Österreicher), die aus Berlin heraus ein Unicorn gebaut haben. Die Mittel und die Unterstützung (abgesehen von den Business Angels erster Stunde, die sehr schnell herausgekauft wurden), kamen maßgeblich vom US Investor Peter Thiel, sowie u.a. den chinesischen Technologieriesen HorizonX und Tencent. Warum waren nicht von Anfang an auch große Europäer dabei? Ich kann mir nur auf den Kopf greifen, wenn heimische Politiker diese Erfolgsgeschichte für sich verbuchen wollen, der Beitrag war hier (leider) minimal – ich hätte hier gerne stärkeres Engagement europäischer Investoren gesehen und frage mich, wie solche Stories angesichts des kolportierten Investionskontrollgesetzes zu wiederholen sind.

Wir müssen Umdenken

Ja, wir müssen umdenken. Es muss ja nicht gleich “Silicon-Valley-Mindset“ sein. Man muss nicht gleich den Anzug an den Nagel hängen und ab morgen mit Jeans, Holzfäller-Hemd, Hoodie und langem Bart – ganz im Stil eines Hipsters – ins Büro gehen. Veränderung passiert von innen. Es reicht schon wenn wir ein klein wenig mehr Hausverstand in Wirtschaftsfragen einfließen lassen und akzeptieren die Digitalisierung als Chance zu sehen. Wenn wir ein klein wenig mehr Mitdenken, hinterfragen, lernen und zusammenhalten, haben wir bereits ein Rezept zum Erfolg.

In Österreich verwechseln wir gerne Solidarität mit Vollkasko-Versicherung. Wir fordern viel zu schnell vom Staat ein Probleme für uns zu lösen. Was wäre wenn, wir selbst Teil der Aufholjagd werden? Was wäre wenn wir wieder stolz werden auf “Made in Austria” oder “Made in Europe” und unser Land gemeinsam wieder aufpäppeln?

Wie? Ganz einfach, Computer auf, Google an und lernen, oder als Konsumenten (inkl. Staat, Land, Gemeinde und Kammern als Vorbilder) mit überlegten Kaufentscheidungen. Wir entscheiden selbst, wo wir uns sauer verdientes Geld ausgeben. Wir entscheiden, ob das Geld in Österreich arbeitet und damit im Wirtschaftskreislauf kommt – oder ob wir es ins Ausland schicken und die reichsten Milliardäre noch mehr füttern. Ein klein wenig Patriotismus ist heute angebracht, ich denke sogar das wir eine Pflicht dazu haben.

Wenn wir nicht begreifen und im kleinen beginnen umzudenken, werden wir Schritt für Schritt in Richtung Planwirtschaft gehen, oder gar einen Staatsbankrott heraufbeschwören. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft verschwinden, wenn Unternehmen verschwinden. Der Staat als Arbeitgeber alleine wird hier nicht helfen.

Change beginnt beim Kopf

In einem Unternehmen, genauso wie in einem Staat, ist es wichtig das die Führungsspitze einen Change-Prozess einläutet und trägt. Es ist wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen. Impulse aus der Masse, kann man nur erwarten, wenn man einen Weg selbst vorlebt (außer man legt es auf eine Revolution an). In Österreich haben wir genau in diesem Punkt bisweilen ein veritables Problem. Die vorgelebten Beispiele von Oben fehlen. Die Wirtschaftskammer, Ministerien, Schulen und Krankenhäuser kaufen – leider – eine Flut an Produkten, Services und Dienstleistungen aus dem Ausland (Microsoft & Co.), obwohl es heimische Anbieter gebe die international durchaus erfolgreich sind. Aus meiner Sicht ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Unternehmer. Man bedenke das hier Gelder aus Kammerbeiträgen genutzt werden, um Konkurrenz aus dem Ausland zu finanzieren. Gerade in der Krise wurden Unternehmer an den Rand der Gesellschaft gedrückt, zu Bittstellern gemacht, in dieser Phase zählen Umsätze mehr den je. Wenn wir uns schon darauf verständigen den Konjunkturmotor anzuwerfen, dann bitte mit Signalwirkung!

Wie kommen wir aus der Krise?

In der letzten Woche ist, nach dem European Venture Sentiment Index, nun auch der ausführliche Venture Sentiment Bericht der Deutschen Börse erschienen. Die Berichte kommen zum selben Ergebnis, die Stimmung der Venture Investoren fällt ab. Beide Berichte zeigen klare Trends auf und sollten uns durchaus zum Nachdenken bringen. Investoren würden eher im eigenen Portfolio helfen, frisches Kapital für neue Investments, wird aber sehr viel restriktiver vergeben werden. Rund ein Viertel der Startups könnte Existenz bedroht sein.

In unserem westlichen Nachbarland – der Schweiz – kämpfen Nikolas Berg und viele weitere prominente Vertreter der dortigen Startup Community, um einen staatlichen Venture Capital Fonds der Investments privater Investoren bzw. privater Fonds verdoppelt. In Österreich wurde mit dem Corona Hilfsfonds bereits ein solches Modell vorgestellt, die Ausschreibung des Corona Venture Fonds-Managements lässt aber noch auf sich warten.

Weniger neue Investments

Nur wenige Investoren machen aktuell “business as usual” und sind bereit mitten in der Krise Deals abzuschließen – die die Innovationskraft eines Standorts birgt das große Gefahren. 78% der Investoren sehen ihr Portfolio von der Pandemie betroffen. 82,8% haben angegeben, dass sie mehr „Energie“ als üblich auf bestehende Beteiligungen konzentrieren. Neue Investitionen werden eher in Form von “Cherry Picking” erfolgen, erwartungsgemäß zu günstigen Bewertungen, in Erwägung gezogen. Die Vorschau des European Venture Sentiment Index fiel ebenfalls negativ aus – in wieweit die jeweiligen Startup-Rettungsschirme das Sentiment nächstes Quartal abfangen können steht noch in den Sternen.

Soweit so klar. Das Stimmungsbild bestätigt sich laufend – was tun wir aber eigentlich um wieder aus der Krise zu kommen? Lasst uns mal konkrete über Maßnahmen nachdenken und ein Stimmungsbild hierzu zeichnen. Was brauchen Startups wirklich? Greifen die bisherigen Maßnahmen ausreichend? Wie stehen die Chancen unserer Startups nach der Krise?

Greifen aktuelle Hilfsprogramme?

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Informationen zu Hilfsprogrammen?

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Startups brauchen derzeit wirklich?

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Der Innovations- Startup-Standort braucht mehr Sichtbarkeit und Attraktivität

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Wie schnell brauchen Startups eine Lösung?

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Ich würde mir eine stärkere Einbindung von Experten wünschen:

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Der Startup Beauftragte (Michael Altrichter) vertritt meine Interessen:

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Das Krisenmanagement der Regierung in Bezug auf Startups beurteile ich aktuell mit:

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Österreichs Startup Rettungsschirm – „Austrian Runway Fund“

Ein Massensterben der Innovationstreiber Österreichs, der Startups, ist nicht im Interesse der Politik und dringend notwendige Maßnahmen für diesen Sektor wurden letzte Woche vorgestellt. Wir wissen ja, dass das Sentiment der Investoren im Moment einem Abwärtstrend unterliegt und das Startups dringend Kapital benötigen, um zumindest stabilisiert durch die Krise zu kommen.

Letzte Woche wurde Österreichs Rettungsschirm für Startups vorgestellt. Die Politik holte bereits vor ein paar Wochen Konzepte diverser Interssensvertretungen (AAIA, AVCO, WKÖ) und des Think Tanks Austrianstartups ein. Ich habe hier natürlich gerne tatkräftig mitgearbeitet. Der Corona Hilfsfonds (eine Art Zuschuss der AWS für Investmentrunden) und der Corona Venture Fonds, dessen Management nun ausgeschrieben wird, bilden den Kern des Pakets. Was muss der Fonds können, um volle Wirkung zu entfalten?

Corona Venture Fonds – „Austrian Runway Fund“

Im Zuge der Sondierung geeigneter Lösungen wurde der in Großbritannien geforderte „Runway Fund“ unseren politischen Entscheidungsträgern – als best-practice – vorgeschlagen. Das britische Vorbild basiert auf einer Forderung der gewichtigen Londoner Ökosystem Vertreter, wartet aber bis heute auf seine Umsetzung. Der „Austrian Runway Fund“ (wie ich „unseren“ Corona Venture Fund jetzt nenne), ist in der Idee und in Anlehnung an diesen Ansatz vollkommen richtig. Ich frage mich aber, ob man das „britische Modell“ bei uns eins zu eins abbildbar ist?

Im britischen Modell ist vorgesehen, dass „Convertible Debt“, also Wandeldarlehen oder Wandelanleihen, gewerblich investiert wird. In unseren Breitengraden ist hier ein juristischer Seiltanz oder gar Kampf vorprogrammiert, da man hier leicht ins Bankwesengesetz (BWG) rutscht und somit der Fondsmanager eine Banklizenz bräuchte – was wohl nicht im Sinne der Erfinder ist. Venture Capital Fonds sind strickt Eigenkapital Investments bzw. Instrumente vorbehalten!

Der angedachte Venture Fonds soll in atemberaubender Geschwindigkeit (angestrebt werden nur wenige Wochen) von privaten Investoren befüllt werden. Diese Investoren erhalten als Anreiz eine bis zu 50%ige Garantie der Republik für ihr Kapital. Während mir führende Marktteilnehmer letzte Woche mitteilten, dass es für sie schwierig werden würde, das Kapital in der nötigen Zeit aufzustellen – sie sind wohl in stärker betroffenen Investoren-Zielgruppen unterwegs – trudelten bei uns erste Anfragen nach einem Investment in einen solchen Fonds ein. Investoren kamen (pro-aktiv) auf uns zu. Wir mögen uns für das Management des Fonds bewerben, so der einheitliche Tenor – was uns natürlich ehrt. Wir hatten es aber auch vor, das sei hier ganz offen gesagt.

Wir nehmen uns dieser Aufgabe mit bedacht an und haben bereits mit den Vorbereitungen begonnen, soweit es möglich ist. Wie der Fonds letztlich ausgeschrieben wird, das werden wir erst nächste Woche erfahren. Wir rechnen jedenfalls mit Anpassungen zu dem kolportierten britischen Modell, bedingt durch vorgegebene Rechtsnormen. Die Ziele des Fonds sind jedoch klar:

1.) Es soll in jene Startups investiert werden, die bereits vor der Krise eine Runde am Weg hatten,
2.) mit dem Ziel schnell zu agieren und
3.) in Form von dringend benötigtem Eigenkapital.

Gemeinsam mit meinen Experten bei Venionaire Capital habe ich ein Konzept ausgegraben, welches in Landes- und Beteiligungsverwaltungen der Bundesländer altbekannt und bewährt ist. Es handelt sich um einen „Equity Mezzanin“ Ansatz, welcher es uns erlauben würde im Eilverfahren – in enger Zusammenarbeit mit großen Partnern – eine Vielzahl von Investments nach einem Standardverfahren zu evaluieren und zu standardisierten Bedingungen zu investieren. Binnen wenigen Wochen könnten wir so 50 bis 100 Investments in Form von Eigenkapital machen und würden Investoren und Steuerzahlern eine gute Ertragschance im Fonds gewähren. Das Risiko, dass die staatliche Haftung schlagend wird, kann einerseits durch die breite Streuung, aber auch durch die Wahl dieses Instruments stark reduziert werden. Startups würden darüber hinaus über ihre Hausbank zusätzlich Zugang zu den staatlich garantierten Finanzierungen erhalten, da das zusätzliche Eigenkapital beim Erreichen der URG Kriterien sofort helfen wird. Das Investment des Fonds wäre damit sofort ein vielfaches Wert. Der Fonds selbst könnte in unserem Ansatz im übrigen auch binnen einer Woche aufgesetzt werden und bei der FMA zur Registierung gebracht werden.

Startups würden durch unseren Lösungsansatz ihre wertvollen Talente an Board halten, Technologien, Produkte, Services weiterentwickeln und letztlich an einem soliden Weg aus der Krise arbeiten, können.

Schulterschluss der Community erforderlich

Wir sind uns bewusst, dass es für dieses Instrument einen Schulterschluss der heimischen Startup-Szene brauchen wird. Keine leichte Übung, ob der verschiedenen Machtgefüge und Interessenlagen. Ich bin dafür, jetzt zusammen zu arbeiten und an einem Strang zu zeihen. Wir wollen möglichst viele Stakeholder, aus allen wesentlichen Hubs in Österreich – von Tirol bis Wien – an Board haben. Das Angebot zur Kooperation ist draußen und wir haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Wir sind zuversichtlich eingestellt, dass dieser Schulterschluss gelingen kann. In unserem Ansatz wollen wir jedenfalls einer breiten Gruppe von Marktteilnehmern ein Stück weit Kontrolle und Einsicht gewähren, da alle die Gewissheit haben müssen das Gelder fair, gerecht und auch nachhaltig investiert werden. Wir sind nicht die größten, auch nicht die stärksten und mit Sicherheit nicht die lautesten Marktteilnehmer, aber wir stehen für Fairness, Offenheit und Transparenz bei Venionaire.

Die ersten Rettungspakete halfen nur beschränkt – das Angebot des Corona Rettungsschirms bzw. des „Austrian Runway Funds“ ist eine riesen Chance dem Ökosystem den bitter notwendigen Rückhalt zu geben. URG Kriterien standen mangels ausreichend starker Eigenkapitalquoten als häufigster Ausschlussgrund in der Kritik. Ein schnelles und wirksames Eigenkapital-Instrument kann unglaublich positive Wirkung entfalten.

Wer unseren Weg unterstützt, oder weitere Ideen hat – die wir gerne soweit möglich berücksichtigen – bitte auf LinkedIN kommentieren!

Pleiten, Chinesen und Protektionismus

Die Virusepidemie beschert uns mehr und mehr das Risiko einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Der Goldpreis steigt, Investoren suchen einen sicheren Hafen. Der Ölpreis ist in den Keller gefallen, reduzierte Fördermengen waren die Folge. Die Gemüter in Middle-East sind erhitzt. In Europa ist das Klima nicht minder angespannt. Italien und der Rest der EU spüren die Folgen der Pandemie haut nah. Wir leben in Quarantäne, Home-Office wurde verordnet für Wochen – das neue Hashtag #quarantanamo spricht für sich. In Deutschland legt eine Rechtsanwältin bereits ihre Zulassung zurück, weil sie den Rechtsstaat für gestorben erachtet, auch hierzulande diskutieren Experten in Diskussionsrunden über die teils massiven Eingriffe in unsere Freiheit – der einfache Bürger ist längst überfordert. Juristen bringen immer häufiger die Frage der Verhältnismäßigkeit auf. In einem Punkt sind wir uns alle (hoffentlich) immer noch einig: Kein Preis den wir als Volkswirtschaft zahlen, kann den Wert der geretteten Menschenleben übersteigen. Wir erleben eine Ausnahmesituation!

Überlegt und vorausschauend handeln müssen wir dennoch. Die Nerven wegwerfen, hilft nicht. Gemeinsam schaffen wir das. Als Unternehmer muss ich eine Lanze für unsere Wirtschaft brechen. Wir befördern diese gerade geschlossen auf die Intensivstation und schauen nicht richtig hin! Analog zu Krankenhäusern, sind auch hier die Kapazitäten beschränkt. Wenn zu viele (gute) Firmen gleichzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geraten, werden wir eine Kettenreaktion sehen und reihenweise Pleiten sehen. Es drohen explodierende Arbeitslosenzahlen, die Abwanderung von Talenten und der Verlust von wertvollem Know-How auf dem unser Wohlstand aufbaut, ist die Folge. Wenn zu viele Firmen ans Beatmungsgerät – also Liquidität – müssen, um zu überleben, dann stellt sich schnell die Frage wer überleben darf und wer nicht? Einige werden aus der Insolvenz vielleicht wiederbelebt, aber sicher nicht alle, Insolvenzen sind generell in unserem Rechtsstaat niemandem zu wünschen.

Freundliche Investoren, so genannte White-Knights, Business Angels, Venture Fonds oder klassische Private Equity Fonds, werden bei weitem nicht der Aufgabe gewachsen sein – es gibt einfach nicht genügend davon in unseren Breitengraden. Deren Lust zu investieren schwindet auch (siehe Grafik 1) Was können wir – Konsumenten, Unternehmer, Bürger – tun? Wie werden wir Teil der Lösung? Entscheidungsträger und Experten versuchen alles – der Staat ist aber keine Vollkaskoversicherung. Es wird reagiert so gut es geht, naturgemäß bleiben aber Antworten auf brennende Fragen der Unternehmer aus und sie haben viele Sorgen dieser Tage.

Grafik 1 – Quelle: www.venionaire.com

Verblüffend, eine Pandemie ist kein Schwarzer Schwan, sagen die Ökonomen. Wir mussten tragischer Weise damit rechnen. Dennoch wurden wir überrascht. Haben wir uns zu wenige Gedanken über Krisenszenarios gemacht? Wie konnte das passieren? In Europa droht nicht nur ein starker Einschnitt in unseren komfortablen Wohlstand, es steht auch unsere Innovationskraft und damit die Zukunftssicherung unserer Volkswirtschaft auf dem Spiel. Firmen brauchen jetzt schnelle, unbürokratische Unterstützung. Liquidität und Stabilität, müssen sichergestellt werden, sonst fallen wir um Jahrzehnte zurück.

Wer die Krise als Chance sieht und angreift, etwa mit Staatsfonds (z.B. aus China), der kann aus so einer Krise massiv Kapital schlagen. Es ist keine beliebte Strategie, aber wenn man selbst die Chance ziehen lässt darf man sich meines Erachtens auch nicht beschweren. „Protektionismus“ – also das beschränken ausländischer Investitionen – erscheint als Reaktion eines Staates nur all zu logisch. Den Firmen hilft aber das Aussperren der Investoren nicht, es schützt in erster Linie staatliche und somit strategische Interessen, die wirtschaft braucht am Ende alternative Zugänge zur Finanzierung. Die EU hat entsprechende Verordnungen zu Investitionskontrolle bereits seit längerem in Umsetzung, in Deutschland und Frankreich wurden 2018 und 2019 entsprechende Gesetze erlassen und weitere Staaten ziehen langsam nach. Bisher wurden die Gesetze noch kaum exekutiert – ändert sich das nun? Die Gefahr dieser Gesetze ist, dass sie zu einem Boomerang werden. In Europa haben wir einen viel zu schwachen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektor, wir können uns eigentlich gar nicht leisten ausländische Investoren auszusperren. Wir würden mit nur wenigen Alternativen da stehen und Betriebe erst recht in die Pleite schicken.

40 Jahre zuspät für Protektionismus

Wer mich kennt weiß, dass ich seit vielen Jahren kritisiere das wir über Jahrzehnte viel zu leichtfertig über den Ausverkauf unserer mittelständischen Unternehmen hinweg gesehen haben. Schulter zuckend haben wir zur Kenntnis genommen, wenn Flaggschiffe der Mittelstandsindustrie von Chinesen gekauft wurden. Wir haben viel zu häufig bei Exits von Startups und deren Abwanderung ins Ausland gejubelt und Investoren für diese Erfolge gefeiert. In diesen Momenten hatten wir genaugenommen Steuergelder und Innovationskraft verloren – eher traurig, wenn man drüber nachdenkt. Wir hätten uns aber fragen müssen warum kein Europäer solche Firmen kauft? Ein wenig Ärger, zur rechten Zeit, hätte uns vielleicht wach gerüttelt und eine wichtige Erkenntnis gebracht. Wir hätten immer schon einen funktionierenden Private Equity Markt gebraucht. Gerade jetzt noch viel mehr als jemals zuvor. Private Equity kann die Intensivstation für unsere Wirtschaft sein.

In schmerzlicher Erinnerung sind mir noch zu gut die Milliardenübernahme des österreichischen Automobilzulieferers ZKW durch LG-Automotive (Süd Korea), Mitte 2018, im selben Jahr wurde Wolford aus Vorarlberg verkauft. Bereits 2009 ist der staatliche chinesische Luftfahrtkonzern AVIC beim Oberösterreischen High-Tech Unternehmen FACC maßgeblich eingestiegen. Die Liste der Unternehmen mit signifikanter chinesischer Beteiligung in Österreich ist sehr lang, sie reicht von C-Quadrat, über Steyr Motors, Rosenberger, bis zu Palfinger, oder der ehem. Hypo oder auch Raiffeisen Vorarlberg. Würde man Eigentümer aus Indien, den USA oder UK hinzufügen bzw. Abwanderungen von Startups ergänzen, würde die Liste noch viel länger.

Jetzt in der Krise wollen wir plötzlich eine Korrektur einleiten? Etwas zu spät, fürchte ich. Böse Zungen behaupten 40 Jahre zuspät. Vielleicht, besser spät als nie? Wenn wir dem also einen Riegel – ein Investitionskontrollgesetz – vorspannen, wer finanziert unsere Unternehmen dann? Gibt es Doping für den Notarzt Private Equity?

Welche Alternativen haben wir?

Selbst unsere nationalen Fonds sind Sammelbecken internationaler Investoren, größere Summen stemmen wir bislang nicht aus den eigenen Reihen. Für einen Private Equity Manager klingt es im ersten Moment gerade zu verrückt, wenn man verordnet das ausländische Investitionen fortan stärker kontrolliert und allenfalls sogar ausgesperrt werden sollen. Ist es das Aus für Private Equity in Österreich, oder erleben wir einen unerwarteten Aufstieg, eine Heldengeschichte?

Die Regierung hat zweifelsohne erkannt, dass privates Eigenkapital (etwa von Business Angels, Venture Capital oder Private Equity Fonds) wichtiger ist den je – davon bin ich überzeugt. Der Private Equity Markt (inkl. Venture Capital) könnte für institutionelle Investoren leicht attraktiver gemacht werden. Sie verwalten die größten Vermögen Österreichs und könnten mit einen kleinen Anteil davon großes bewirken. Nur 5% ihrer Assets-under-Management würden das verfügbare Private Equity in Österreich mindestens vervielfachen. Bestehende Fonds konnten mit frischem Kapital sofort, mit gegebener regionaler Nähe und Expertise investieren. Sie würden Firmen auffangen und ein gestärktes Wachstum nach der Krise ermöglichen. Der Ausverkauf an internationale Investoren und Staatsfonds wäre damit eingedämmt und die Flut an Patienten auf der Intensivstation bliebe aus.

Anreize für Business Angels wären ebenfalls in Hinblick auf Startups wichtig. Alleine werden sie auch nicht alle auffangen könne, aber ihre Wirkung sollte man auch nicht unterschätzen. Größere Startups, sog. Scaleups (> 30 Mitarbeiter und deutlich über EUR 1m Finanzierung), bräuchten allerdings Investments in der Größenordnung mehrerer Millionen. Diese könnten müssen wiederum durch Fonds – Venture Capital – kommen. Kurzarbeit, das Stunden von Steuern oder Sozialabgabe oder Garantien für Kredite, verschieben bei vielen betroffenen Firmen nur Symptome – 4 Wochen Stillstand, ohne Aussicht auf eine baldige Rückkehr zu einem normalen Marktumfeld hinterlassen ihre Spuren – das hochfahren nach der Krise wird viel Kraft benötigen.

Wir brauchen Mut zu echten Investments

Die Conclusio ist offensichtlich. Was es wirklich bräuchte wäre eine mutige Stärkung des heimischen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektors. Es wäre die einfachste Alternative und würde ein besseres Signal senden als Staatsfonds oder Garantien, die in Konkurrenz zu bestehenden Marktteilnehmern treten. Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren in diesem Sektor, sind direkt, aktiv und mit marktüblichen Gewinnabsichten für den Steuerzahler (als Investor) auch ein Garant dafür, dass das Geld nach 5-10 Jahren mit guten Renditen zurück kommt. Die spezifische Expertise für verschiedene Branchen und Industrien der Fondsmanager und die regionale Nähe wären große Vorteile. Wir haben gute Manager, vertrauen wir ihnen.

Wir wollen Teil der Lösung sein!

Wir sitzen zu Hause, die Zeit steht aber nicht still. Wir versuchen händeringend unsere Firmen zu retten, die Rettungspakete kommen aber noch nicht an. Unsicherheit prägt den Alltag. Die Wirtschaft liegt am Boden. Wir sind auf Notbetrieb. Wie lange wird das dauern? Können wir tatsächlich nicht produktiv sein und remote arbeiten? Nahezu alle Kunden verschieben ihre Projekte, kündigen Verträge oder zahlen offene Rechnungen nicht mehr. Es scheint fast so, als ob alle in Schockstarre verfallen sind. Die Aufgabenstellungen der verbliebenen Kunden sind andere als üblich – das ist klar. Zum Lachen gibt es auch immer noch etwas. Glücksitter melden sich aktuell laufend – berichten unsere Startups. Sie haben gehört, dass wegen der Krise alles gratis sei und wollen gerne konsumieren. Was es den gibt, will man wissen? Verrückte Zeiten.

Unsere Gesundheit hat oberste Priorität. Die Wirtschaft schon auch, aber in erster Linie wollen wir das der Staat sich darum kümmert. Wir sind „Vollkasko“ Service gewohnt. Krisen sind unangenehm, die wollen wir gar nicht. Wir müssen helfen, koste es was es wolle. Das sehen wir wie unsere Politiker. Wir verschenken Leistungen, Produkte, Services und fühlen uns gut. Wäre da nicht das Problem, dass wir noch immer auf die Bestätigung unserer Rettungspakete warten. Hoppla – nochmal nachgerechnet – jetzt wird es eng. Investoren haben im Moment auch keine Lust frisches Geld zu investieren. Vielleicht haben wir doch ein Problem und können uns das so gar nicht leisten?

Wer etwas kostenpflichtig anbietet, bekommt einen Shitstorm angetragen. Soviel ist klar. So richtig darüber nachgedacht wird da nicht. Es wird vielfach übersehen das die Geschenke, die wir aktuell bejubeln vielfach in den Folgejahren – etwa durch leichtfertig unterschriebene Verträge – ganz schön teuer werden können. Vorsicht bei „Freemium“ Modellen und Vertragsbindungen. Gratis ist nicht immer günstig. Es empfiehlt sich das Kleingedruckte zu lesen. Reflektieren wir kurz und überlegen wir ob das Verschenken in dieser Zeit die Krise generell schlau ist. Verstärkt sich die Krise möglicherweise, wenn wir verschenken was wir uns nicht leisten können? Wäre es nicht besser das Unternehmen weiterhin Umsatz machen, Steuern zahlen, als sich an Rettungsschirme und Rettungspakete zu klammern?

www.yodel.io

Unternehmer lieben in der Regel ihre Freiheiten und scheuen nicht vor harter Arbeit oder Herausforderungen zurück – warum machen wir sie kollektiv zu Bittstellern? Warum fordern wir von EPUs, Startups und Co., dass sie mit der Gratis-Welle verschiedener internationaler Technologiekonzerne mithalten? Unsere Startups sind keine Opfer, sie können in vielen Fällen wertvolle Lösungsanbieter sein. Einige Startups haben – neben ihrem Core-Produkt rasch Lösungen umgesetzt wie www.gutschein-nachbar.at, wo sie eben genau diese wichtigen Umsätze vermitteln. Austrian Startups veranstalten unter dem Titel „HACK THE CRISIS“ einen Hackathon und wollen sich weitere smarte Lösungen einfallen lassen – SUPER INITIATIVEN DANKE!

www.gutschein-nachbar.at

Der Arbeitsalltag eines Unternehmers ist im Moment nicht ohne. Mitarbeiter werden geschützt durch Kurzarbeit, aber wer schützt den Unternehmer? Richtig gelesen – wir Unternehmer machen uns gerade richtig sorgen. Wir haben die Wahl zwischen Verschuldung (verschieben von SV und Steuern), noch mehr Verschuldung mit Garantien (KMU Garantie) oder einem Härtefonds dessen Details wir noch nicht kennen. Wir kämpfen um Liquidität und müssen in fast allen Programmen erneut Liquidität vorstrecken (wie so oft bei Förderungen). Man verbringt Stunden und Tage um sich in die Programme einzulesen. Das Ausfüllen der Fülle der Anträge ist nicht gerade selbsterklärend. In der aktuellen Lage fühlen wir uns nicht wohl – wir sind Unternehmer geworden, weil wir Selbstbestimmung schätzen und wir sind Bittsteller geworden. Wir sind bereit mehr zu leisten. Wir wollen arbeiten, Teil der Lösung sein und keine Opfer.

www.butleroy.com

Die Politik tut das was sie kann. Nach bestem Wissen und Gewissen werden schnell und (hyper)aktiv Maßnahmen gegen den Abschwung entwickelt und präsentiert. Hilfsprogramme greifen aber nicht sofort und auch nicht flächendeckend. Es gibt zu viele Spezialfälle. Ein Härtefall in einem Betrieb mit 25 Personen, ist schon kein Kleinstunternehmen mehr und wird nichts aus dem Fonds der WKO bekommen / außer der Unternehmer entlässt 15 Mitarbeiter bis 31.3.2020 (Stichtag). Wenn das Unternehmen  Kurzarbeit angemeldet hat, darf es nicht mehr (Kündigungsschutz) entlassen. Von 48 Stunden war die Rede, viele Warten bereits eine Woche. Wie lange es noch dauern wird bis man Rechtssicherheit hat, das kann einem keiner sagen. Nach einem freundlichen Telefonat mit dem AMS, ist man kaum beruhigt. Sie wissen auch nicht mehr. Wenn die Überbrückung bis zur Auszahlung der AMS Gelder (bis zu 90 Tage / man rechnet aber laut Kronenzeitung mit 2 Monaten) nicht zwischenfinanziert werden kann, dann wird das Unternehmen auch kaum KMU Garantien bekommen (URG).

Es sind dramatische Zeiten. Arbeitslosenzahlen steigen. Existenzen stehen auf dem Spiel. Milliarden an Fördergeldern und Investments für Österreichs Innovatoren und Zukunftsunternehmen der letzten 10 Jahre drohen zu implodieren. Als Standort drohen wir zurückzufallen. Was tun? Wie kann man hier helfen und ein Teil der Lösung werden?

Wir müssen umdenken! Die Bevölkerung sollte von Unternehmern fordern, dass sie nicht aufgeben und ihnen den Rücken stärken. Lokal kaufen und regionale Services beziehen ist der beste Weg, um den Motor laufen zu lassen. Wir brauchen eine Bewegung mit ein wenig volkswirtschaftlichem Verständnis. Mir ist bewusst das ist viel verlangt. Hashtags a la #wirschaffendas – motivieren und sind gut, aber wir brauchen Taten. Wir müssen unser Geld dort einsetzen, wo unsere Worte sind. Österreichs Wirtschaft lebt von Unternehmern und Kunden, von Lieferanten, Dienstleistern, Erfindern, Produzenten und der Infrastruktur – es ist ein komplexes Netz. Wenn wir alle auf die Bremse treten und in Schockstarre verfallen – dann haben wir die Büchse der Pandora geöffnet.

Ärzte, Apotheker, Logistiker, Infrastruktur und Lebensmitteleinzelhandelskräfte Arbeiten tapfer weiter. Warum also raunzen und auf Hilfe warten. Nutzen wir die Zeit. Wenn die einen den Notbetrieb aufrecht halten können, dann können wir auch ein produktiver Teil der Wirtschaft sein. Sehen wir es als Chance. Denken wir um und machen wir die Welt zu einer besseren – nach der Krise. Remote Arbeit war lange für viele Dinosaurier undenkbar, jetzt sehen wir wie gut es funktioniert. Ohne Dienstreisen und Büros auszukommen wäre möglich – die Welt nach der Krise kann eine andere sein und das meine ich durchaus positiv.

Wir können vielmehr als nur raunzen! Lasst uns kreativ sein. Handel betreiben und hören wir auf mit dem Finger zu zeigen, wenn jemand etwas Kostenpflichtiges anbietet. Nicht jeder ist gleich ein Abzocker. Im Gegenteil viele Startups bieten unter ihren Infrastrukturkosten an, weil sie versuchen mit Tech-Riesen (Google, Microsoft und Co) mitzuhalten. Diese stürmen gratis in den Markt und binden Kunden viele Jahre in Folge. Der Kunde kann hier bewusst eine Entscheidung für unseren Standort treffen und als (kleiner) fair zahlender Kunde Arbeitsplätze und gemeinsam den Standort retten.

Wenn Kunden einer Branche nicht kaufen können, dann könnte der Staat als Käufer – statt mit einem Rettungspaket – auftreten und Produkte, Services oder Lizenzen für diese Branchen zur Verfügung stellen. Der Effekt der durch Umsatz ausgelöst von Staatlichen-, Landes- und Gemeindebetrieben erzielt werden würde, würde viel schneller in der Wirtschaft ankommen. Umsatz hilft schneller als jedes Hilfspaket. Man spart sich viel Bürokratie und hält den Fokus der Unternehmen auf ihrem Kerngeschäft. Vergaberechtlich gibt es für eine solche Lösung sicherlich Einschränkungen, aber wenn die EU-Schuldengrenzen aussetzen kann, dann kann man vielleicht auch hier über eine Lösung sprechen. Wo ein Wille da ein Weg denke ich mir.

Angesichts der enormen Schulden, die notwendigerweise gemacht werden, erlaube ich mir einen letzten Gedanken. Wir sollten uns ebenfalls darauf verständigen, dass es ein wichtiges Gegengeschäft geben muss. Ein Gegengeschäft das insb. Konzerne und deren Aktionäre im Hinterkopf behalten sollten. Unternehmen die wir (Steuerzahler) retten, sollten in Zukunft daran arbeiten mit uns gemeinsam den Planeten zu retten. Nutzen wir Technologien und unseren Wohlstand, um Gutes zu tun. Unter dem Titel “If We’re Bailing Out Corporations, They Should Bail Out the Planet“ bringt dieses Thema ein fantastischer Artikel im New Yorker auf den den Punkt.

Lasst den Kopf nicht hängen. Spendet Applaus für gute Ideen. Helft wo ihr könnt, aber hört auf alles zu verschenken. Wenn wir alles verschenken, begeben wir uns in eine Abwärtsspirale, die kein Rettungspaket jemals auffangen könnte. Kauft und verkauft, betreibt Handel – das ist nichts Unanständiges, solange ihr fair bleibt. Kopf aus dem Sand nehmen und beginnen nach vorne zu schauen. Es geht für viele von uns auch ohne Förderungen. Es ist Zeit das unternehmerische Talent und unser Gewissen als Konsumenten (nicht nur im Lebensmittel Einzelhandel) zu aktivieren.

10 Top-Picks in der Corona Krise

Wer in diesen Tagen die Finanzmärkte beobachtet wird Zeuge einer atemberaubenden Achterbahnfahrt. Es ist eine Fahrt, die noch einige Zeit dauern wird und einige Chancen und Risiken birgt. Wie bei einer Achterbahn üblich startet die Fahrt mit einem schnellen Start bergab, gefolgt von einer ersten Korrektur und wir wissen alle das noch die ein oder andere Welle kommt – wer mag kauft und verkauft schnell, die konservativen unter uns warten erst einmal ab. Vermögensverwalter werden ihnen in Zeiten wie diesen nicht Raten zu zocken, sie halten sich in der Regel an zwei einfache Regeln: erstens Panik vermeiden und zweitens Risiken managen. Sie nehmen Risiko aus dem Portfolio und gehen zu nächst in Cash, viele Investoren legen frisches Geld zu ihren Banken und sagen „wenn es soweit ist investiert – ich will von tiefen Kursen profitieren“. Analysten und Fondsmanager sind sich ihrer Verantwortung bewusst, sie überlegen aktuell sehr genau, welche Firmen von der Krise profitieren und welche in besonders schwere Zeiten schlittern. Die Übung habe ich für mich auch gemacht

Ich muss gestehen ich habe in dieser Krise gleich ein paar Mal Glück. Einerseits sind Technologie Unternehmen in der Krise sehr gefragt, da sie uns helfen unsere Jobs auch von zuhause aus zu verrichten. Es gewinnen nicht alle Unternehmen, sehr wahrscheinlich aber jene die Services in den Bereichen Cloud, Video, Telefonie, Messenger, Daten-Analyse und Broadcasting (Webinare) rund um das Thema Home-Office anbieten.  Einer der offensichtlichen Profiteure ist ist die Zoom Video Aktie. Ich hatte sie selbst zu sehr attraktiven Konditionen gekauft, allerdings auch schnell wieder verkauft da der Titel viel zu schnell ein neues „all-time-high“ erreichte und viel zu stark überbewertet war. Mein Motto ist stehts – sei gierig wenn Preise attraktiv sind, gehe zufrieden wenn sie hoch sind, auch wenn das bedeutet das ich nun ein paar Wochen zuschauen muss wie die Aktie weiter steigt. Ich jage weder die Hochs noch die Tiefs.

Meine persönlichen 10 Top-Picks sind Titel die ich grundsätzlich (aus heutiger Sicht) ein Jahr halten möchte. Ich führe die Liste – bewusst ohne nähere Kommentare – in diesem Artikel (unten) an, möchte aber darauf hinweisen das ich damit ausdrücklich keine Kaufempfehlung abgebe, hinsichtlich einer Veranlagung berate und sogar strikt davor warne ohne Rücksprache mit einem professionellen Berater in Aktien zu investieren.

Handelt sich um eine große Krise?

Setzen wir die Krise zunächst einmal in Relation. Wie ist das Ausmaß der Krise zu beurteilen? Die Covid19 Krise hat bereits Geschichte geschrieben, es war der stärkste Kursverfall seit 1987. Wir wurden wohl alle auf dem falschen Fuss erwischt. Deutsche Medien sehen die deutsche Wirtschaft bereits in eine Rezession schlittern Automobilindustrie. Wenn die stärkste Volkswirtschaft in der EU und der wichtigste Handelspartner Österreichs in derartige Schwierigkeiten kommen sollte, dann wird dies wohl auch bei uns spürbar werden. Die Rettungspakete für die Wirtschaft erscheinen unter diesem Licht mehr als verständlich – manch einer rechnet jetzt eventuell nach und wird sich fragen ob die Maßnahmen ausreichend sind.

Manchmal hat man Glück, im Unglück. Manche nennen es das Glück der tüchtigen. Die Einschätzung überlasse ich jedem selbst. Ich für meinen Teil hatte jedenfalls Glück. Vor den großen Kursabstürzen an der Börse hatte ich bereits das Risiko in meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ deutlich reduziert – allerdings nicht wegen Covid19. Die Auswirkungen des Virus und dessen Ausbreitung in Europa und in den USA hätte ich mir in dieser Form damals noch nicht vorstellen können. Ich hatte vielmehr die Erkenntnis gewonnen, dass die Bewertungen einzelner Aktien zu stark aufgeblasen waren. Eine Korrektur musste kommen. Das Hoch oder Tief erwischt man selten, ich habe mir auch abgewöhnt darauf zu wetten und habe in Kauf genommen zu früh das Risiko zurück zu nehmen. Relativ zu meiner wichtigsten Benchmark, dem Technologie Index NASDAQ und zu einer gut vergleichbaren Strategie hat sich mein Wikifolio ausgesprochen gut geschlagen.

Besser als die Benchmark

Ich war zwischenzeitlich bis zu 60% in Cash und konnte so den Kursrutsch am NASDAQ gut abfedern. Was mich allerdings noch etwas mehr freut, ist dass ich eines der am besten bewerteten Wikifolios „High-Stockpicking“ zumindest in dieser Marktsituation um rund 15% out-performend habe.

Was zählt ist natürlich die langfristige Performance, dessen bin ich mir bewusst. Von der aktuellen Situation kann man gut profitieren, wenn man ausreichend cash hat um sich sukzessive in die richtigen Titel einzukaufen. Wenn Aktien in kurzer Zeit 50% oder mehr an Wert verlieren, dann kommt es in der Regel zu einer Gegenbewegung und es gibt die Chance auf eine satte Outperformance steigt – diesen Effekt sieht man grundsätzlich gut in Statistiken zu historischen Krisen. Andreas Kern – der Gründer von Wikifolio – teilte hierzu kürzlich auf Facebook nachstehende Grafik die dies sehr schön veranschaulicht.

Meine Top 10

Ich glaube fest daran das die aktuelle Krise eine Chance für uns darstellen kann. Ich halte wenig davon in Depression zu verfallen und empfehle jedem das meiste aus dem Home-Office herauszuholen. Ich denke für können viel dazu lernen, uns Methoden von Startups aneignen und auch mit Kreativität neue Geschäftsmodelle für uns finden.

Nachstehende Unternehmen werden aus meiner Sicht in der Krise unbeschadet bzw. teilweise sogar als Sieger hervorgehen – das sind meine 10 Top-Aktien für 2020:

  • Amazon
  • Alteryx
  • Facebook
  • Wirecard
  • Microsoft
  • Zoom
  • Tencent
  • Oracle
  • Slack
  • Paypal

Ich freue mich über alle Freunde des Social Tradings und natürlich über jeden aktiven Follower meines Wikifolios „Digital Gamechangers“. Viel Erfolg und kommt gesund durch die Krise.

Die Performance Organisation

Jeden Morgen schreiben sie auf ihre To-Do Liste das sie eine Präsentation überarbeiten wollen, aber der Alltag holt sie regelmäßig ein? Meetings über Meetings ermöglichen es ihnen kaum Luft zu holen oder das Besprochene zu reflektieren und in die Umsetzung zu gehen? Wo ist die Zeit geblieben, die sie früher hatten um Projekte aktiv, hands-on, weiterzubringen? Heute entstehen ständig neue Aufgaben (Tasks) – als Manager behalten sie zwar noch den Überblick – aber es wird zunehmend schwieriger Projekte auf Zug zu halten. Delegieren alleine hilft nicht mehr, da sie das „Bottelneck“ (der Flaschenhals) geworden sind. Verzögerungen entstehen, weil sie nicht mehr genug Zeit haben die notwendige Aufmerksamkeit auf einzelne Mitarbeiter zu lenken, die ihre Entscheidung benötigen um weiter arbeiten zu können. Sie haben ein lösbares Problem, aber definitiv ein Problem!

Ich kenne ihr Problem nur zu gut. Als Unternehmer bzw. Unternehmensberater habe ich mehrfach Firmen von Null weg aufgebaut, als Investor und Berater über 100 weitere auf ihrem Weg begleitet. Das oben geschilderte Muster findet man früher oder später in jeder jedem stark wachsenden Unternehmen wieder. Als Business Angel bzw. Venture Capital Investor startet man regelmäßig wieder bei (fast) null – mit der nötigen Leidenschaft für das Thema macht es einen rießen Spaß. Wenn man diese Arbeit nicht mag, findet man sich in einem Alptraum wieder. Kaum hat eine Firma wieder einen Wachstums schritt geschafft, realisiert man das man wieder Ordnung ins Chaos bringen muss.

Mit begrenzten Ressourcen effizient zu arbeiten ist noch schwieriger als in einem Konzern Umfeld. Alles muss schnell gehen und mit wenigen Handgriffen erledigt sein. Wie soll das gehen? Wie schafft man es optimale Leistung für Kunden zu erbringen und noch genug Ressourcen frei zu halten, um sich der Unternehmensentwicklung zu widmen? Moderne Management Methoden und Organisationsstrukturansätze – wie die Holacracy und OKRs – werden bei der Auflösung dieser Fragen ihre besten Werkzeuge. Sie sind der Schlüssel für eine Performance Organisation. Die Implementierung mag nicht trivial sein, aber der Aufwand lohnt sich – also KOPF HOCH und LOS.

Inspiration & Best Practice

In meiner täglichen Arbeit als Business Angel und Venture Capital Investor, sowie auch in meinem Unternehmen, versuchen mein Team und Ich täglich das Maximum an Leistung und Qualität herauszuholen. Wir haben geradezu eine Allergie gegen Ineffizienz. Nichts ist schlimmer als Meetings in denen am Handy gespielt wird, wo einzelne Teilnehmer nichts zu sagen haben, oder keine Agenda vorab versandt wurde. Auf meiner Rangliste der Schreckgespenster für Unternehmer, ist redundantes Arbeiten (also Dinge doppelt machen) und schlechte Dokumentation. Wenn man diese Schreckgespenster aus seinem Unternehmen aussperrt, dann hat man nur noch Geschwindigkeit und Qualität unter einen Hut zu bringen – das darf kein Widerspruch sein. Die Leistungsfähigkeit einer gut eingespielten Performance Organisation ist beeindruckend – sie werden überrascht sein. Der Aufwand eine solche aufzubauen, werden häufig unterschätzt.

Seit Jahren studiere ich die Methoden der effizientesten Serien-Unternehmer, die ich Kennenlernen durfte und mit denen ich das Glück hatte zu arbeiten. Ich lese (fast) alle Bücher die mir zu dem Thema empfohlen werden. Als Investor und Manager faszinieren mich diese Methoden. Was in der Theorie schlau klingt, ist in der Umsetzung immer deutlich komplizierter. Die Effizienz in einer Organisation wird letztlich erst möglich, wenn man alle Mitarbeiter abgeholt hat und ein „grassroot effect“ entsteht der bewirkt, dass sie selbst weitere Optimierungsschritte setzen.

Über die Jahre habe ich zusätzlich sehr viel zu diesem Thema gelesen und Baustein für Baustein mein persönliches Rezept für eine „Performance Organisation“ entwickelt. Gleich vorweg: Perfekt ist mein Modell sicher noch nicht, Unternehmertum lebt von laufender Weiterentwicklung. Ich melde mich also spätestens in ein paar Jahren mit einem Update zu diesem Thema und berichte warum und wo ich nachschärfen musste.

Die Unternehmensstruktur

Wir haben das Jahr 2020 und was haben wir gelernt? Nichts! Unternehmen haben viel zu viele Mitarbeiter und starre Hierarchien. Im ersten Moment wirkt das für einen Angestellten sehr angenehm, da sein Arbeitsfeld klar abgesteckt ist und man in Ruhe seinen Job abarbeiten kann. Was für ein Denkfehler! De facto bietet diese Organisationsform für den Unternehmer einen klaren Vorteil. Mitarbeiter sind in einer solchen Organisation nur die „kleinsten“ Zahnräder – sie sind leicht ersetzbar und haben limitierte Aufstiegschancen. Sie sind Spezialisten – d.h. sie bekommen ein gutes Einstiegsgehalt, einen gedeckelten Bonus und werden nach ein paar Jahren verstanden haben wie ihre Abteilung mit anderen Abteilungen zusammenarbeitet. Nach der nächsten Reorganisation durch einen internationalen Berater fangen sie wieder fast bei „Null“ an. Top-Manager (insb. Vorstände) werden in der Regel von außen durch einen Head-Hunter geholt. Wer Karriere machen will muss Job-Hopper werden. Interessant – wenn man bedenkt, dass die Personalfluktuation bei „Hidden Champions“ (in der Regel international führende Familienbetriebe) unter 4% liegt, warum wird der Mitarbeiter dort nicht so oft getauscht?

Ich persönlich habe es immer vorgezogen mich mit meinem Job zu identifizieren und zu gestalten. Solche Jobs wollte ich auch schaffen. In meinen Mitarbeitern will ich Unternehmergeist spüren. Es ist nichts schöner als das Feuer der Neugier brennen zu sehen und gemeinsam Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen. Eine Performance Organisation bietet sinngemäß einen anspruchsvolleren Arbeitsplatz als eine altmodische Hierachie-Organisation. Darauf muss man sich einlassen und damit muss man auch umgehen können. Wir sind uns dessen bewusst. Unser Assessment für Mitarbeiter wird laufend weiterentwickelt – da die Auswahl der richtigen Talente der Schlüssel zum Erfolg ist. In einem meiner nächsten Artikel werde ich auf den Wert von „Persönlichkeitstests“ und strukturierte Personalsuchprozesse eingehen – an dieser Stelle würde ein Exkurs zu weit gehen.

Wir geben unseren Talenten Zeit, um sich in unserem noch wachsenden System zu finden. Wir schulen schnell ein und setzen neue Kolleginnen schnell aktiv ein. Man könnte sagen wir schmeißen sie ins „kalte Wasser“ – wohl wissend das wir gute Schwimmer angestellt haben. Junge Talente verstehen (insbesondere am Anfang) in freien, flexiblen Organisationsformen oft ihre Rollen nicht – sie warten bis jemand zu ihnen kommt und sie aufklärt. Gefragt wäre aber ihre Initiative Fragen zu stellen. Ein gutes Team erkennt das und bindet sie schnell ein, erklärt bei Kaffee, Kuchen, Lunch oder nach der Arbeit bei einem Glas Wein warum bei uns ein paar Dinge nicht so sind, wie man das üblicherweise kennt. Jene die sich schnell zurechtfinden, fühlen sich für neue Herausforderungen nicht nur gewachsen, sie blühen gerade zu auf. Kaum jemand vermisst Hierarchien und starre Strukturen, nach dem Wechsel in eine dynamische Unternehmenskultur.

Exkurs: Selbstverantwortung und Gestaltungsspielraum – Widerspruch zum Bildungssystem

Das Bildungssystem ist viel zu sehr auf klaren Hierarchien, nicht aber auf Selbstständigkeit und Eigenverantwortung aufgebaut. Die Überforderung mit einer eigenverantwortlichen Situation im Beruf, konnte ich in vielen Fällen auf den Werdegang sowie verschulte, durchorganisierte Bildung zurück führen. Selbst meine alte Universität – die Wirtschaftsuniversität Wien – hat mittlerweile Stundenpläne und hilft Studenten beim Absolvieren ihrer Semester durch die Organisation. Dieser falsch verstandene Service – führt später zu keinem eigenständigen Menschen, die gerne Entscheidungen treffen und ihre Fehlentscheidungen eingestehen. Mitarbeiter, die über 5 Jahre Erfahrung, am besten aus kleineren dynamischen Unternehmen mitbringen, haben das nachgelernt – sie können viel besser in dynamischen Organisationen navigieren. Wir bevorzugen daher Mitarbeiter mit Berufserfahrung, seitdem wir es uns leisten können.

Team-Spieler können auch Teams führen

Junge Arbeitnehmer müssen in einer Performance Organisation schnell lernen ihre Stärken und Schwächen einzusetzen und sich aktiv für Rollen in Teams empfehlen. Ein Team-Spieler kann auch Teams führen, ein Einzelkämpfer aber weder noch. Neulinge haben es schwerer und müssen intensiv unterstützt werden – dieses Bewusstsein muss bei jedem im Team bestehen – wir sind letztlich nur so gut, wie das schwächste Glied in der Kette. In einem guten Team findet sich immer ein Mentor und / oder ein Ansprechpartner. Unternehmerinnen übersehen gerne echte Roh-Diamanten (Talente die mehr leisten können) – häufig entfalten sie sich nicht, weil ihnen ein Gegenüber fehlt, oder weil man sie nicht ins Team eingliedern konnte. Selbst in kleinen Unternehmen heben Managerinnen häufig nicht die Potenziale ihrer Mitarbeiterinnen – sie übersehen wie wichtig es ist, dass jeder im Team einen direkten Sparringspartner hat. Destruktive Kräfte im Team suchen häufig den Aufstieg um jeden Preis, sie wollen führen und nicht „nur“ im Team spielen. Die Versuchung ist in kleinen Organisationen zwar größer, das Ausmaß von Intrigen solcher Spieler in großen Unternehmen dafür manchmal umso beeindruckender. So hart es klingt – je früher man destruktive Spieler raus nimmt, umso besser.

Die Chance besteht darin wechselnde Führungsverantwortungen zu nutzen. Team-Spieler können führen und im Team Spielen – Einzelkämpfer keines von beiden. Damit ungeschliffene Talente (ohne Berührungsängste, mit „aktuellem“ Wissen (etwa Digitalisierung)), im Zusammenspiel mit den Erfahrungen etablierter Mitarbeiter zu ihrem Vorteil nutzen können – müssen diese in wechselnden Verantwortlichkeiten arbeiten. Ein starkes Team ohne Neid, in Verbindung mit einer „Ja und – Mentalität“, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ja-und Mentalität

Wenn Mitarbeiter auf Chancen positiv reagieren und nicht den Kopf einziehen oder Ausreden parat haben, warum sie etwas (noch nie) konnten, an dieser Stelle mit einem Positiven „Ja und – ich würde hier gerne mitarbeiten und etwas lernen / ich hatte hierzu Ideen die ich gerne ein bringen will / wir könnten A, B, C hier einfließen lassen.“ dann werden sie Erfahrungen sammeln und weiter kommen. Diese Einstellung ist wichtig. Wenn sie wissen, dass sie sich aus dem Fenster lehnen und dazu lernen müssen – dann sagen sie das. Ihre Qualitäten werden dem Team dennoch helfen, da sie neue Blickwinkel und andere Erfahrungen einbringen. Eine Führungskraft erkennt ihre Bereitschaft und wird ihnen Chancen bei der nächsten Zusammenstellung eines Projektteams gewähren. Aktives Vorschlagen oder Annehmen von Fortbildungen – etwa von Online-Kursen, wie sie von nahezu allen Top-Universitäten – wie etwa Oxford, Columbia, Harvard, etc. – angeboten werden, ist besonders für junge Mitarbeiter ein guter Weg um sich für mehr Verantwortung (mittelfristig) zu empfehlen.

Sie Kommunizieren – aber werden sie Verstanden?

Kommunikation in dynamischen Organisationen und ihren Team ist die Essenz, die erst alles möglich macht. Regelmäßig erleben wir, dass zwar miteinander gesprochen, aber nicht kommuniziert. Es braucht Selbstbewusstsein die richtigen Fragen zu stellen. Sie müssen ihre Neugier für Neues entdecken und klar zugestehen, wo sie noch Nachholbedarf haben und dieses Wissen einfordern. Es ist wichtig zu verstehen wie Kollegen Probleme lösen, wie sie sich Skills erarbeitet haben und aktiv voneinander zu lernen. Das Zusammenstellen von Projektteams (insb. in größeren Unternehmen) erfolgt vielfach auf Basis persönlicher Beziehungen und sozialer Verbundenheit, kaum aber wegen klar definierter skill-sets, Leistungsprofile für Projekte und Interessen. Dieses Problem verdient für sich einen eigenen Blog-Artikel und wird hier bewusst ausgeklammert.

Die Organisation ohne Management – Holacracy

Eine Performance Organisation ist sehr häufig als sogenannte Holacracy – als dezentrale Organisation ohne Management – aufgesetzt. Die Steuerung der Ziele erfolgt am besten auf Basis von OKRs (Objectives und Key Results), einem Management System, welches durch Google berühmt wurde – der Konzern wird bis heute durch OKRs geführt. Erfunden wurde dieser Ansatz allerdings nicht (wie viele vermuten) von Google selbst sondern von INTEL-Mitgründer Andrew Grove. Jeder Mitarbeiter und Manager ist in diesem Modell 100% transparent, auch hinsichtlich der Erfolge oder Verfehlungen ihrer Ziele betreffend. In einer Holacracy gibt es demnach keine Notwendigkeit für Abteilungsleiter und starre Hierarchien und der Vorstand oder Geschäftsleiter behält dennoch den Überblick.

Manager und Mitarbeiter sind abhängig vom Projekt oder Aufgabenbereich, einmal Verantwortungsträger und ein anderes Mal Projektmitarbeiter (Lieferant) – in einer Holacracy ist man nicht immer der Chef einer Abteilung, man leitet Projekte und arbeitet ihnen zu. Die Eigenverantwortung in einer solchen Struktur steigt naturgemäß, die Kommunikation untereinander wird zum Schlüssel und der Wettbewerb um das Fertigstellen von Projekten bzw. erreichen von Zielen führt letztlich zu Erfolgen. Sofern Mitarbeiter das „unternehmerische“ Potenzial mitbringen mit einer solchen Organisation umzugehen – grandios. Der Weg ans Ziel erfolgt meistens in Schritten, da man sonst die Struktur völlig überfordert. Ressourcen überlappen, das Verständnis für bereichsübergreifendes Arbeiten wird geschärft – es kann aber auch verwirren und zu Verzögerungen kommen, weil keiner mehr weiß was er macht. Die Notwendigkeit intensiver Kommunikation von allen Beteiligten ist hier unbestritten, darf aber nicht zur Falle, einer Meeting-Überflutung, führen.