Nur 1% Startups haben Erfolg

Mit einem Startup Erfolg zu haben sieht leichter aus als es ist. Wir sehen immer nur die fröhlichen Gesichter der erfolgreichsten Gründer und vergessen das 99% der Unternehmen beim Versuch die Welt zu erobern scheitern. Daran ist durchaus auch das überzeichnet positive Bild in den Medien schuld, aber sicher nicht ausschließlich, es liegt auch an der Generation Y (der Generation “Startup”) selbst.

Das Bild in sozialen Medien wird perfekt poliert – so sind wir aufgewachsen, wir haben uns früh spielerisch mit Medien auseinandergesetzt und gelernt sie zu nutzen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Generation Y tatsächlich sehr frustriert ist und geradezu einen kulturellen Druck verspürt Erfolge zu feiern, alles und noch mehr zu erreichen.

Der Ruf nach einer “Kultur des Scheiterns” dieser – meiner – Generation wird meines Erachtens oft falsch verstanden. Es mag etwas Schizophren klingen, aber wer die Generation richtig versteht, versteht das Misserfolge gefeiert werden müssen. Man rückt das positive in den Vordergrund, das erlernte – vergisst die verlorenen Millionen – und vermeidet somit das Stigma des Verlierers.

Generation Y = Generation Startup

Viel zu viele in unserer Generation eifern gepimpten Facebook und Instagram Profilen nach. Einige nutzen die technischen Möglichkeiten und versuchen ihre Träume und Visionen für eine „bessere Welt“ zu realisieren und entwickeln ein Produkt oder einen Service und testen ihren Business Case am Kunden. Schnell testen, aber auch schnell wieder verwerfen ist die Devise. Wer den Schritt in ein Startup wagt, verlässt die Komfortzone und begibt sich auf eine verrückte Achterbahnfahrt. Am Anfang erwarten viele das schnelle Geld – wie viel Arbeit am Weg dort hin wartet, erkennt man kurz darauf.

Grafik 1 – Quelle: Neil Perkin

Die Erwartungen und die Realität auf diesem Weg zum Erfolg klaffen bei sog. First-Time Foundern sehr stark auseinander. Ich habe viele Gründer in den letzten Jahren kennengelernt und leider auch eine Menge scheitern gesehen. Wir (Investoren) suchen täglich die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Uns sind die typischen Entwicklungsphasen eines Startups (siehe Grafik 1) nur zu gut bekannt. Wenig verwunderlich ist das Business Angels und VCs den selben Prozess aus ihrem Blickwinkel betrachtet anders sehen (siehe Grafik 2).

Grafik 2 – Quelle: Tribal Advisors

Einen Totalverlust erleiden im übrigen die wenigsten Gründer – dies trifft am ehesten die Investoren (wenn überhaupt). Das Gründerleben muss man sich aber dennoch leisten können. Gehälter sind nicht garantiert und die ein oder andere Durststrecke ist vorprogrammiert. Viele der erfolgreichsten Gründer könnten sich leisten durchzuhalten. Das ist Kriegs entscheidend da das Timing der wichtigste Erfolgsfaktor ist und falsches Timing kann man (manchmal) aussitzen.

Quelle: Venionaire Capital

Über Misserfolge spricht man nicht

In unserem Breitengraden spricht man nicht gerne über Misserfolge. Im Gegenteil man ist bemüht diese Meldungen möglichst positiv zu verpacken, da man sonst als Verlierer abgestempelt wird. Ich habe am eigenen Leib erfahren was es heißt im Startup-Ökosystem geprügelt zu werden als wir unseren ersten Fonds nicht auf die Straße brachten. Die wenigsten haben mir direkt ins Gesicht gesagt, dass sie enttäuscht sind und für die Hintergründe hatte niemand Zeit. Was soll ich sagen: „Wir haben viel gelernt – ein Rückschlag passiert den besten – wir sind aber froh das wir durchgehalten haben und danken jenen die immer zu uns gestanden haben“.

Wer ein Unternehmen eröffnet geht ein Risiko ein. Wer ein Startup startet, den Anspruch auf exponentielles Wachstum erhebt und sich dafür radikaler Innovation bedient – der riskiert noch viel mehr. In diesem Fall bewegt sich das Gründerteam noch viel weiter aus der persönlichen Komfortzone, da man bewusst auf den (meist langwierigen) Aufbau einer Kundenbasis oder die Entwicklung einer Technologie setzt. Wachstum aus eigenem Umsatz ist in diesem Fall kaum möglich.

Fakt: Das Risiko der Selbstständigkeit oder etwa Investments in hoch riskante Startups wird steuerlich in Österreich nicht abgegolten – auch die Situation der „Versicherung“ ist mitunter nachteilig. In manchen Fällen kann man Förderungen einreichen und so Zuschüsse oder günstigere Kredite erhalten. Ein Angestellter ist in der Regel besser dran als ein Unternehmer! Hier könnten wir noch viel von anderen Ländern u.a. UK lernen.

In einem Land wie Österreich – wo man die Vollkasko Mentalität quasi erfunden hat – ist Unternehmertum nicht all zu beliebt. In Fernsehsendungen wie „Hölle der Löwen“ oder „2 Minuten, 2 Millionen“ fiebert man eifrig mit und freut sich mit dem ein oder anderen Gründer des es schafft..

Viele der dort präsentierten Ideen sind durchaus unterhaltsam – keine Frage. Für alle die es amüsanter finden wenn etwas daneben geht und ein Unternehmer so richtig auf die Schnauze fällt darf man ankündigen, dass bald eine Fernsehsendung zu diesem Thema kommt – powered by fuckupnightsvienna.

Die Unicorn Herde

Durch die Digitalisierung, breite Verfügbarkeit von leistungsstarken Computern, Mobiltelefonen, sehr viel einfacheren Programmiersprachen und durch nahezu flächendeckendes Breitband-Internet ist ein regelrechter Startu-Boom ausgelöst worden. Selbst die Wirtschaftswissenschaft (Betriebswirtschaftslehre) erfährt durch diese stark wachsenden Unternehmen, eine Renaissance. Wer einen guten Job haben möchte sollte Data Scientist werden Digital Management, Big Data Analytics und Artificial Intelligence an den besten Unis der Welt bereits online studieren – siehe Harvardx. Es gibt eine extreme Nachfrage nach Talenten in diesem Bereich und ich bin überzeugt das diese noch steigen wird.

Grafik 3 – Quelle: CBInsights

Man könnte sagen es reicht den Laptop aufzumachen um die Welt zu verändern … tatsächlich gehört aber noch viel mehr dazu. Statistisch wird man es mit weniger als 1% Wahrscheinlichkeit schaffen in die Herde der Unicorns aufzuschließen – die Chancen sind aber immer noch besser als Lotto zu spielen.

Grafik 4 – Quelle: CBInsights

Fonds investieren immer weniger in Ideen – sie wollen Kennzahlen bzw. einen Beleg dafür sehen das jemand bereit ist für ein Produkt tatsächlich zu bezahlen. Die Wunden der Dot.com Bubble sind noch tief – man hat dazu gelernt und will die selben Fehler nicht noch einmal machen. Investoren sichern darüber hinaus das Risiko ihrer Investments heute auch sehr viel stärker ab. Liquiditätsvorzüge (Liquidation Preferences) mit einem Multiple größer 2x sind keine Seltenheit mehr.

Erfolgsfaktoren vs. Misserfolgsfaktoren

Es ist eine alte Weisheit, aber ich werde nicht müde sie zu teilen: “Die beste Geschäftsidee, verliert gegen die zweit Beste – insb. wenn diese Idee das bessere Team treibt.”. Das Geheimnis vieler Startups liegt in der Umsetzung der Idee, nicht in der Einzigartigkeit und am Timing. Die Chancen eines Startups steigen nicht durch die bloße Höhe von Investments die es erhält – im Gegenteil zu viel Kapital kann (insb. am Anfang) sogar ein Nachteil sein. Mit vollen Taschen ist man z.B. schnell versucht ein Produkt mit schwacher Retention zu stark zu bewerben, so verbrennt man Kunden und auch seine Marke.

Accelerator und die richtigen Business Angels helfen viele Anfängerfehler zu vermeiden. Diese Investoren bzw. Programme bringen in der Regel auch gesteigerte Medien-Reichweite mit sich. Geschickte Startups verstehen diese Hebel sogar noch zu verstärken – so etwa Pynk, das Startup publizierte unmittelbar nach der Aufnahme in das 360Lab einem Medium Artikel der wiederum durch das Team des 360Lab Accelerators viral verbreitet wurde.

Bei einem Accelerator geht es darum das Produkt zu schärfen, Reichweite zu gewinnen, die besten Investoren kennen zulernen und als Team zu wachsen. 360Lab inszeniert die Auswahl der Startups für den Batch (5 aus den letzten 10 Finalisten) bereits als Fernsehshow „XCite“ – in der Jury durfte ich kürzlich in Warschau sitzen – so entstehen gute Bilder die man in den folge Monaten perfekt vermarkten kann.

Gerade zu toxisch kann es für ein Startup sein, wenn unerfahrene Investoren ihren Schützlingen bei wichtigen Entscheidungen im Weg stehen oder diese in eine falsche Richtung beraten. In diesem Fall sind Probleme vorprogrammiert.

Zwei Klassiker sind:

  • Zu viele kleine Investoren, die alle auf dem Cap-Table stehen wollen, aber nicht genug „fire-power“ für Folgerunden mitbringen. Das macht Entscheidungen mitunter schwierig und Folgeinvestoren winken sehr häufig ab.
  • Die Teilnahme an einem Accelerator wird oft kurzsichtig betrachtet. Ich sehe immer wieder das Investoren Gründern die Teilnahme untersagen, weil sie vermeintlich bereits eine höhere Bewertungen bezahlt haben. Die Konditionen von Programmen wie sie etwa Seedcamp, Y-Combinator, 360Lab oder Startup Bootcamp bieten werden schlicht falsch verstanden – es geht dabei um viel mehr als um ein Cash-Investment!

Ich wünsche euch viel Glück mit euren Ventures – meldet euch einfach wenn ihr Fragen habt via LinkedIN.

7 Kennzahlen die Startups kennen müssen

Startups erobern die Welt. Investoren zahlen (scheinbar) fantastische Bewertungen und so mancher Banker schüttelt seinen Kopf. Grund genug, einen Überblick der sieben wichtigsten Kennzahlen (für Digital Startups) zu geben die sich professionelle Investoren ansehen, um Startups zu analysieren. Diese Kennzahlen verwenden Startups entsprechend regelmäßig, um ihr Unternehmen zu steuern.

Die erfolgreichsten Startups und Investoren verfolgen nahezu obsessiv Kennzahlen und versuchen diese laufend durch gezielte Experimente zu optimieren.

Kundengewinnungskosten – engl. Customer Acquisition Cost (CAC)


CAC ist der durchschnittliche Geldbetrag, den ein Startups für Vertrieb, Marketing und damit verbundene Ausgaben ausgeben muss, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Die Kennzahl sagt etwas über die Effizienz der getroffenen Marketingaktivitäten aus. Die Kennzahl wird aussagekräftiger, wenn sie mit einigen der anderen untenstehenden Kennzahlen kombiniert wird – oder etwa im Vergleich zum CAC der Wettbewerber.

TIPP: Venture Capital Fonds haben in der Regel einen ganz guten Überblick über „übliche“ Kundengewinnungskosten eines Startups in einem Geschäftsfeld und einer entsprechenden Entwicklungsphase – daher ist es ratsam früh mit Investment Managern zu sprechen und Zielwerte die sie erwarten zu erfragen!

Kundenbindungsrate – engl. Customer Retention Rate (CRR)

Kunden zu gewinnen ist eine Sache – man kann Downloads letztlich einkaufen. Kunden zu behalten ist daher die Kür! Die CRR beschreibt wie viele Kunden zahlende bzw. aktive Nutzer bleiben. Üblicherweise betrachtet man diese Kennzahl im Monats- oder Jahresvergleich und sollte einen Wert > 30% (mindestens) erreichen. Als Faustregel kann man sich merken das ein Investment in Kundenbindung nur in Fünftel so viel kostet, wie einen neuen Kunden zu gewinnen!

Der Kehrwert dieser Kennzahl wird Churn-Rate (oder Absprungrate) genannt und beschreibt den Prozentsatz der Kunden, welche ein Startup in einem bestimmten Zeitraum verliert. Eine hohe Kundenbindungsrate ist ein Indikator dafür das man Kunden begeistert und ein „wertvolles“ Produkt entwickelt hat – es ist in der Tat nicht einfach bei der Fülle an Apps die ein Nutzer auf sein Handy lädt oder Software die ein Unternehmer aktiviert in tägliche Nutzung zu kommen bzw. diesen für langfristige Zahlungspläne zu überzeugen.

TIPP: Kunden mit sehr schwacher Aktivität oder gar Inaktivität ihres Produkts direkt fragen: „Warum nutzt du unser Produkt nicht mehr? Was können wir verbessern? Lernen sie von ihren Kunden.

Wert eines Kunden im Lebenszyklus – engl. Lifetime value (LTV)

Der Lifetime Value (LTV) ist der durchschnittliche Nettowert eines Kunden für Ihr Unternehmen über die geschätzte Dauer der Beziehung zu Ihrem Unternehmen bzw. Produkt. Das Verständnis dieser Zahl, insbesondere in Bezug auf CAC, ist entscheidend für den Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens.

Manche Investoren sehen diese Kennzahl Verhältnis von CAC zu LTV als die goldene Metrik. Sie ist ein sehr einfacher Indikator für die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells. Wenn ein Unternehmen vorhersehbar und wiederholt ein hohes Verhältnis dieser Kennzahl erreicht, dann ist es nachhaltig.

Der Nachteil dieser Kennzahl ist, dass Startups in frühen Entwicklungsstadien schlicht den LTV ihrer Kunden noch nicht qualifiziert einschätzen können.

TIPP: Zur Berechnung des LTV empfehle ich das Harvard Modell.

Wachstumsdynamik – engl. Lead Velocity Rate (LVR)

Die LVR ist meine Lieblingskennzahl – auch wenn sie in unseren Breitengraden erst langsam den Markt durchdringt. Die Kennzahl beschreibt den Wachstumsprozentsatz der qualifizierten Leads von Monat zu Monat. Sie misst die Entwicklung ihrer Kundenpipeline und hat mehr Aussagekraft für mich als Venture Capital bzw. Business Angel Investor als ihr Umsatz (da dies ein Vergangenheitswert ist), da man mit Wachstumskapital nur die Verkaufskraft verstärken nicht aber „erfinden“ kann. Die Aussage der Kennzahl ist sehr einfach: Wie viele potenzielle Kunden haben sie tatsächlich in ihrer Pipeline.

Ist kein ausreichend großer Trichter an qualifizierten Leads vorhanden – hat das Startup in der Regel noch gar keinen „professionellen“ Vertrieb aufgesetzt und müsste zunächst ein operatives Thema lösen, bis es mit dem Verkauf richtig loslegen kann – das Risiko eines Investments in einem solchen Stadium ist deutlich höher.

[ (#) Qualifizierte Leads aktueller Monat – (#) Qualifizierte Leads letzter Monat ] / (#) Qualifizierte Leads letzter Monat X 100 = (%) Lead Velocity Rate

TIPP: Vergangenheitswerte werden gerne zur Schätzung des zukünftigen Potenzials herangezogen, daher sollte man den Vertrieb möglichst von Beginn an mit dieser Kennzahl steuern.

Amortisation der Kundengewinnungskosten – engl. CAC Amortisation

Wie lange dauert es bis wir die Kosten der Kundengewinnung (CAC) verdient haben. Wir sprechen also von Tagen, Wochen, Monaten – dieser KPI misst, wie lange es dauert, bis ein Kunde genügend Umsatz generiert hat, um den CAC zu decken. Diese Kennzahl hat einen direkten Einfluss auf den Cashflow und damit auf die Wachstumsgeschwindigkeit aus eigener Kraft.

TIPP: Diese Kennzahl sollte kleiner als 12 Monate sein, idealerweise bei max. 3 Monaten. Faustregel: Kommt ein Produkt nach spätestens 3 Monaten ins verdienen – ist es ein gutes Produkt.

Verbrennungsrate (ungedeckte Kosten) – engl. monthly burn

Kostenrechnung ist ein alter Hut. Wer seine Einnahmen und monatlichen Ausgaben (fix und variabel) versteht, versteht sein Unternehmen. Die „Burn Rate“ ist einfach der negative Nettobetrag des Cashflows.

Beispiel: Wenn ein Unternehmen den Monat mit EUR 30,000 in Bar beginnt und den Monat mit EUR 10,000 in Bar beendet, beträgt die Burn-Rate EUR 20,000. Die Kennzahl wird häufig missbräuchlich verwendet – in dem man damit die Gesamtkosten des Unternehmens fälschlicherweise betitelt. Wenn der monatliche Netto-Cashflow eines Unternehmens positiv ist, verbrennt es kein Geld.

TIPP: Wer gut Haushaltet lebt länger. Ich empfehle regelmäßig auf Kosten zu achten, da das Geld von Investoren teuer ist und man sich schnell die Gunst dieser verbauen kann wenn man schlecht wirtschaftet.

Laufzeit bis zum Ende der Liquidität – engl. Runway

Entscheidend für das Überleben eines jeden Startups ist die „Runway“. Sie beschreibt das Maß für die Zeitspanne, in der einem Unternehmen das Geld ausgeht – üblicherweise ausgedrückt in Monaten.

Die Laufzeit bis zum Ende der Liquidität wird berechnet, indem die verbleibenden Barmittel durch den monatlichen Verbrauch dividiert werden.

TIPP: Investoren ziehen es vor, eine konservative Schätzung der Kennzahl zu sehen und reagieren nahezu allergisch wenn diese zu optimistisch angegeben wird. Mit einer Investmentrunde holt man sich üblicherweise eine Runway von mind. 18 Monaten ins Haus (bei vollem Wachstum). Sollte die „runway“ eines Unternehmens unter 12 Monate sinken ist es Zeit mit dem Fundraising zu beginnen, sinkt sie unter 6 Monate ist Vorsicht geboten und man sollte Kosten senken bzw. eine Überbrückungsfinanzierung  „Bridge-Round“ starten.

Wie man Investoren findet?

Fundraising ist knifflig – man muss viele Bälle jonglieren und letztlich das Tagesgeschäft und die Finanzierung unter einen Hut bekommen. Das richtige Netzwerk, eine gute Equity Story, Verhandlungspsychologie, Timing und Erfahrung führen zum Erfolg. Unerfahrene Gründer haben hier einen drastischen Nachteil und das ist ganz natürlich. Die meisten Rookie-Gründer stolpern buchstäblich durch ihre erste Investmentrunde und überzeugen dabei mehr oder weniger erfahrene Business Angels – wobei sich dies oft erst 12 bis 24 Monate später herausstellt.

Business Angels sind meist sehr tief in den Startup-Ökosystemen verwurzelt und sind es gewohnt, junge Talente in einem sehr frühen Entwicklungsphasen zu entdecken, abzuholen und aufzubauen. Venture Funds steigen erst später ein und sind in ihrer Zugangsweise ein Stückchen anders.

Fonds haben in der Regel eine viel höhere Sichtbarkeit – alleine schon mal weil sie mehr Geld verwalten und ein ganzes Vollzeit Team beschäftigen. Sie pflegen ihre Marke und sind pro-aktiv in der Kommunikation und das hat einfache Gründe:

  • Eine gute Marke generiert zusätzlichen Deal-Flow,
  • sie stärkt die Position am Verhandlungstisch,
  • sie erhöht die Sichtbarkeit ihrer Portfoliounternehmen und zieht letztlich auch Investoren (sog. LPs) für ihre Fonds an.

Als Startup sollte man sich nicht unbedingt in einem ersten Schritt gleich an einen Fonds wenden. Häufig ist es besser einen Business Angel oder Mentor zu finden.

Venionaire unterstützt seit fast sieben Jahren Start-Ups bei der Mittelbeschaffung und Skalierung ihrer Geschäfte. In der Zeit ist das Wort „Start-Up“ fast schon inflationär geworden und die Investoren-Landschaft hat sich in Europa und den USA auch erheblich verändert. Heute gibt es viele neue Spieler am Feld und wöchentlich kommen neue dazu. Das Geschäft ist heute streng reguliert (siehe AIFM Gesetz) – die Zeiten für Cowboys sind vorbei.

Es gibt neben traditionellen Fonds heute auch viele Investmentnetzwerke (u.a. superangels.club), Family Offices, Stiftungen sowie einzelne vermögende Privatpersonen die regelmäßig und durchaus professionell in Start-Ups investieren. Aktuell sind rund 400 Business Angels in Österreich in Netzwerken registriert und man geht von weiteren 800 Personen aus die auf eigene Faust aktiv sind.

Gute Investoren teilen ihre Erfahrungen und helfen uns neue Investoren regelmäßig weiterzubilden – da es auch auf Seiten der Investoren Fehler gibt die man dringend vermeiden sollte. Das Business Angel Institute, welches ich vor einigen Jahren mitgegründet habe, bietet mittlerweile seine Investoren-Trainings in Europa und im Arabischen Raum (Saudi Arabien und Bahrain) als Marktführer an.

Wie findet man den richtigen Investor?

Gut 90% der Gründer ziehen das Thema Fundraising direkt an sich – weil sie vermeidlich Kosten sparen wollen und sich der Verantwortung stellen wollen. Löblich, aber nicht immer ganz schlau. Die internen Kosten werden gerne vernachlässigt. Gründer sollten sich sich auf ihre Produkte konzentrieren, Teams entwickeln und Meilensteine erreichen – 3-6 Monate auf ein anderes Thema (wie etwa Fundraising) zu konzentriert kann für ein Start-Up zu einem echten Problem werden.

Nachstehender 10 Punkte Leitfaden (ursprünglich auf Englisch auf venionaire.com von mir veröffentlicht) soll helfen, das Thema Fundraising so effizient wie möglich zu strukturieren und zu gestalten:

  • Bauen Sie einen „Funnel“ (Trichter) für Investoren, genau wie Sie es für Ihre Werbe-Newsletter (hoffentlich) machen – z.B. Landing Page & Newsletter über HubSpot / MailChimp.
  • Starten sie mindestens sechs Monate vor Ihrer nächsten Runde mit der verstärkten Aktivierung ihres Trichters.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Aktivierung jener Investoren, die über Ihre Kanäle ein aktives Engagement für Ihr Produkt und Ihr Team zeigen (lassen Sie Tools wie HubSpot die Auswertung machen).
  • Pflegen Sie intensive Beziehungen zu rund 10 Investoren und lernen sie wonach diese Investoren suchen (KPIs, Traction, Team, etc.).
  • Kommunizieren Sie Ihre Unternehmensentwicklung durch ihren Investoren-Newsletter (inkl. der Pipeline zukünftiger Investoren).
  • Bespielen Sie regelmäßig und professionell die Presse, Social Media und Konferenzen.
  • Halten Sie Ihr Pitchdeck und Ihre Unterlagen immer für Investoren bereit (niemand sollte darauf warten müssen).
  • Seien Sie vernünftig in Bezug auf Bewertung und Konditionen – professionelle Investoren werden Sie nicht ausnutzen, da in den kommenden Runden zu Problemen führt und da sie in der Regel sehr auf ihren Ruf achten.
  • Laden Sie Ihre bestehenden Investoren frühzeitig zu einer Überbrückungsfinanzierungsrunde „Bridge“ ein (falls nötig). Wenn Ihnen die Liquidität ausgeht, wird Ihre Position außerordentlich gefährlich. Sie verlieren viel Energie, Unternehmensanteile und Vertrauen der Stakeholder.
  • Verhandeln Sie nicht zu lange – schließen Sie Ihre Runden innerhalb von maximal drei Monaten ab!

Wenn Sie den Luxus haben, sich zwischen Investoren entscheiden zu können, empfehlen ich Ihnen einige Parameter abzufragen:

  • Anzahl der Portfoliounternehmen / Investmentmanager

Warum? Sie möchten wissen, ob sie über Ressourcen verfügen, um Ihr Unternehmen in der nächsten Entwicklungsphase zu unterstützen.

  • Internationales Expertennetzwerk

Warum? Es ist einfacher, einem bestehenden Netzwerk beizutreten, als eines von Grund auf neu zu erstellen.

  • Unterstützungsnetzwerk (Öffentlichkeitsarbeit, Personalwesen, Growth Hacking, Entwickler, etc.)

Warum? Sie benötigen Dienstleistungen, um Ihr Unternehmen zu stärken. Während Marketing in der Regel eher einfach zu lösen ist, wird die Einstellung von Talenten mit internationaler Erfahrung früher oder später zu einem echten Problem in jedem Hub werden.

  • Aktive Co-Investoren mit Portfoliounternehmen

Warum? Je besser ein Investor seine Investitionen auswählt und strukturiert, desto besser sind seine Beziehungen zu hoch angesehenen Co-Investoren. Einige Investoren werden sogar Co-Investoren einladen, ein Unternehmen während der Due Diligence zu begutachten.

  • Die Laufzeit des aktuellen Fonds und der Desinvestitionsdruck auf frühere Fonds.

Warum? Die meisten Fonds haben eine Laufzeit von zehn Jahren, nach 3-5 Jahren Investition und fünf Jahren Ernte müssen sie ihr Portfolio verkaufen. Sie wollen nicht im Portfolio eines Fonds landen, der schon bald durch unter Abverkaufsdruck steht.

Ein letzter Tipp:

Lassen Sie sich nicht von Stereotypen von Fondsmanagern täuschen. Man hat mir tausendmal gesagt, dass Investmentbanker im Vergleich zu ehemaligen Unternehmern schlechte VC-Investoren sind. Die Wahrheit ist aber das beide „Gruppen“ für sich nicht besonders gute Chancen haben – außer sie verschränken ihr Know-How. Ich habe mehrere Firmen gegründet und das Investmentbanking Geschäft über fast 10 Jahre von Grund auf gelernt. Erfahrungen aus beiden Welten helfen mir täglich.

Warum überhaupt die Positionierung? Es ist einfach Marketing – ehemalige Gründer positionieren sich gründerfreundlich und dafür reklamieren sie regelmäßig bessere Konditionen (einige übertreiben das – Achtung!). Banker haben häufig einen nüchterneren Zugang zu Zahlen und Prozessen, da sie wissen das es leichter ist mit professionell aufgestellten Startups zu arbeiten, ganz besonders in Folgerungen. In der Regel überzeugen Sie mit besseren „Later-Stage“ Investment Zugängen. Ideal ist es wenn ein Investor know-how aus beiden Welten in seinen Reihen hat.

New York City – Innovation & Dynamik

Vor rund zwei Wochen hatte ich die Ehre eine hochkarätig besetzte Delegation der Republik Österreich nach New York City als Teilnehmer zu begleiten. Ziel unserer Reise war die weltweit führende Finanz- und Wirtschaftsmetropole New York City (NYC) – eine Stadt die sich regelmäßig neu erfindet, eine Stadt die niemals schläft – zu erkunden und zu lernen. Darüber hinaus wurde natürlich der Wirtschaftsstandort Österreich vermarktet.

Ministerin Schramböck (Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) führte die Innovations- und Inspirationsdelegation (siehe Instagram) an, während Hartwig Löger (Finanzminister) zu einer Veranstaltung mit Kapitalmarktfokus unter dem Titel „Sound of Finance“ lud. Die Teilnehmer dieser Reisen – u.a. 10 CEO’s führender ATX Firmen, der Chef der Nationalbank, sowie führende Investoren und Vertreter der Startup Szene, sowie Top-Manager verschiedener Banken – nutzten die 3 intensiven Tage natürlich auch zum Austausch untereinander.

Ziele der Reise

Wie man sich gut vorstellen kann sind Delegationsreisen dieser Art sehr straff durch geplant – da man die Zeit (meist ja nur 2-3 Tage) im fernen Ausland möglichst Effizient nutzen möchte. Ministerin Schramböck – ehem. Top-Managerin aus der Telekom Industrie – ist besonders bekannt dafür effizient zu arbeiten. Die Ziele waren einerseits Eindrücke und Inspiration zu sammeln, aber natürlich auch Projekte abzuschließen bzw. einen Meilenstein zu besiegeln. Ministerin Schramböck hat so einen Meilenstein mit weWork bzw. weWork Labs gefeiert und einen wichtiges Projekt für den Wirtschaftsstandort Österreich voran gebracht. WeWork Labs in New Yorks wird in naher Zukunft ein paar führende Startup-Talente fördern und bei der Expansion in die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen – im Gegenzug arbeitet das weltweit führende Startup Ökosystem daran einen Standort in Wien zu eröffnen.

International führende Firmen und Netzwerke an den Wirtschaftsstandort Wien anzudocken ist für unser (noch sehr junges) Ökosystem unerlässlich. Die digital Ökonomie verlangt von einem global Akzente zu setzen – der österreichische oder deutsche Markt ist schlicht zu klein. In Berlin hat man dies früher erkannt – so sitzen bereits alle (Facebook, Google & Co) dort und es hat sich rundherum einer der stärksten Hubs entwickelt. Bei besteht hier dringend Nachholbedarf. Der Schritt ist also tatsächlich extrem wichtig und darf nicht unterschätzt werden.

Wichtige Erkenntnisse

Nach so einer Reise muss man die Erlebnisse und Eindrücke erst einmal verarbeiten. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Was nach einem Besuch im Silicon Valley oder in „Silicon Alley“ (Spitzname für New York als Startup-Stadt) hängen bleibt, ist die Gewissheit das wir uns zu Hause (in Österreich) bislang auf „alten“ Erfolgen ausruhen und uns wahnsinnig schwach im Ausland vermarktet haben. Es erscheint einem plötzlich glasklar das wir schnell ein paar mutige Schritte setzen müssen, um in Sachen Innovation und Zukunftssicherung aufzuholen. Wir haben auf diesem Gebiet einiges verschlafen!

Die Realität zeigt auch, dass uns sehr schnell der Alltag einholt. Es holt uns die Ernüchterung ein, dass es kaum etwas hilft wenn einzelne (sogar Politiker oder die Regierung) das Problem erkannt haben – es bedarf nämlich auch eines kulturellen Wandels. Ein Umdenken hin zu mehr Affinität für Risiko, Unternehmertum kann man nicht „erzwingen“ oder durch kleine politische Akzente erreichen. So ein Wandel Bedarf einer Bewegung – es muss ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. Es braucht erfolgreiche (mutige) Vorbilder, die sich zunächst aber Exponieren und als Pioniere das Risiko nehmen, gewinnen oder auch eine Blamage in Kauf nehmen.

Wenn wir darauf warten das die „nächste“ Generation diese Vorbildrolle einnimmt, dann wird es noch ein, zwei Jahrzehnte brauchen bis wir aufgeholt haben. Viel wichtiger wäre es die Erfolgsgeschichten der rund 250 Welt- und Europamarktführer zu erzählen und diese Pioniere die wir bereits haben ins Rampenlicht zu stellen. Österreich ist ein Land der Unternehmer und es wird Zeit das wir sie feiern!

In Österreich hat sich in den letzten Jahren sehr viel in Sachen „Startup-Ökosystem“ getan. Wir haben eine steigende Gruppe lokaler „neuer“ Helden (z.B. Florian Gschwandtner, Runtastic; Michael Müller und Michael Altrichter, Paysafecard oder Markus Ertler, Immobilien.net, etc.) die für ihre Erfolge öffentlich gefeiert werden und die sich auch als Vorbilder für die nächsten Generationen von Gründern zur Verfügung stellen. In Summe sind es stattliche 50 Gründer die nach ihrem erfolgreichen Exits in Österreich als Business Angels aktiv versuchen das Ökosystem zu entwickeln und als Treiber fungieren. Viele weitere Privat-Investoren folgen diesen Investoren und sind als Co-Investoren regelmäßig aktiv. Netzwerke wie Startup300, AAIA, Tyrolian Business Angels, Investors Circle (Suraa), eQventure oder European Super Angels Club vernetzen diese Investoren in verschieden Teilen Österreiches.

Mittelständische Unternehmer und Institutionelle Investoren halten sich aus der Szene noch weitgehend fern. Die Österreichische Startup Szene boomt und es wäre noch sehr viel mehr raum für Investoren in allen Segmenten.

Zurück zu unserer Reise – was haben wir gelernt und was nehmen wir mit?

Erkenntnis 1: Österreicher verkaufen sich regelmäßig unter ihrem Wert!

Es war niemand geringer als Hikmet Ersek (CEO, Western Union) der in seiner Rede bei „Sound of Finance“ eine Brandrede auf seine alte Heimat Österreich hielt – man muss sogar sagen das er sich mit einem Appel an das Auditorium richtete in dem er sagte: „Die Schweizer würden sich nie als >> kleines Land << vorstellen!“. Österreicher müssen lernen ihre stärken zu Präsentieren, etwa eine der höchsten Forschungsquoten der Europäischen Union, man ist auch Heimat der meisten Welt- und Europa-Marktführer (Mittelstandsunternehmen) per capita, sowie von ungewöhnlich vielen führenden Unternehmen in CEE (insb. Banken und Versicherungen).

Es ist gerade zu herausragend wie viele Studenten nach Österreich kommen, um an unseren alt-ehrwürdigen und neueren (technischen) Hochschulen zu studieren – auch hier sind wir absolute europäische Spitze!

Die schöne Natur, die Reichhaltigkeit an kulturellem Angebot, die Geschichte des Landes, sowie die seit 10 Jahren ausgezeichnete höchste Lebensqualität der Welt in der Hauptstadt (Wien), die Neutralität, der Fakt das wir die meisten internationalen Organisationen beherbergen und das kompromisslose Bekenntnis zu nachhaltiger Energie erscheint in diesem Zusammenhang nur noch wie der Schlagobers auf der Sachertorte.

Wir dürfen und müssen stolz sein! Österreich ist großartig und wir (Unternehmer und Politiker) müssen aufhören uns zu entschuldigen – unser Pitch darf kraftvoll und stolz sein. Wie man es richtig macht, zeigt der Lord Major der City of London, den ich gerade erst vorgestern in Maison House (London) treffen durfte:

Erkenntnis 2: Was man selbst nicht im Land hat, muss man ins Land holen!

Die Amerikaner verschenken wahrlich keine Reisepässe und sind längst kein Land mit offenen Grenzen mehr. Im Gegenteil – sie sind für ihre durchaus strickte Einwanderungspolitik bekannt, ABER wer etwas außerordentlich gut kann der wird wiederum aktiv ins Land geholt (egal ob Wissenschaftler, Sportler oder Investoren). Das ist exakt jene Politik für die Kanzler Sebastian Kurz aktuell von der Opposition kritisiert wird. Ich habe viele Jahre bemängelt das wir in Österreich keine Strategie in diesem Bereich haben. Wir waren sogar so doof, dass wir Talente (häufig mit Applaus) beim Abwandern begleitet haben – wenn etwa eine Firma verkauft wurde. Dabei brauchen wir jede Menge Talente – mehr als wir haben!

Ministerin Schramböck, hat das Problem fehlender Schlüsselarbeitskräfte erkannt und auch sofort verstanden das es zu lange dauern wird „eigene“ Talente aufzubauen (obwohl auch dies verstärkt passieren soll). Der ABA – bisher für direkt Investitionen aus dem Ausland zuständig – werden in diesem Bereich neue Zuständigkeiten als „Standort Agentur“ gegeben.

Die ABA wird in Folge im Zukunft aktiv im Ausland Fachkräfte / Talente anwerben, die wir dringend im Land brauchen. In vielen Fällen würde es schon reichen, wenn wir die internationalen Studenten die an unseren Hochschulen ausgebildet werden nach ihrem Abschluss im Land halten würden (aktuell erschweren wir es noch vielen bei uns zu Arbeiten) – hier soll eine Reform der „rot-weiss-rot-Karte“ Wirkung zeigen. Eine Politik die mir sehr gefällt und wirklich überfällig war und ist.

Erkenntnis 3: Großteil des Welt-BIPs kommt aus Industrien die noch nicht digitalisiert wurden

Unser Besuch bei den weltberühmten BELL LABS war für mich das größte Highlight. Nicht so sehr weil mir alleine die Geschichte imponierte, welche etwa unzählige Nobelpreis Träger oder die Entwicklung mehrerer Programmiersprachen umfasst – Nein – mich hat der Blick in die Zukunft aus dem Blickwinkel der Einrichtung begeistert und zum Nachdenken gebracht.

Ich fühlte mich nach dem Feuerwerk an genialen Inputs kurz erschlagen – musste auch das ein oder andere im Anschluss recherchieren und reflektieren. Heute hab ich meine Gedanken zusammen – der wohl wichtigste Input war einerseits das nur rund ein Drittel der Industrien (gem. an ihrem Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung) heute als stark industrialisiert gelten – die übrigen 2/3 kommen noch. Was wir also erleben ist gerade erst der Anfang und man sieht ganz klar auf welche Bereiche man sich konzentrieren sollte (siehe Grafik).

Fast noch interessanter ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass es in der Vergangenheit in Wellen der industriellen Revolution immer zu signifikanten Produktivitätssteigerungen gekommen ist. Diese Produktivitätssteigerung ist in der jüngsten Digitalisierung ausgeblieben. Was sagt uns das? Die Phase der Digitalisierung in der wir uns befinden ist eine Überbrückungs- oder Vorbereitungsphase – die echte Revolution wird erst passieren.

Daten werden heute verfügbar gemacht – morgen können wir auf Basis dieser Arbeiten. Leistungsstärkere Infrastruktur, bessere Datennetzwerke (Blockchain), Rechenleistung (Quanten-Computing) und Co. werden eine völlig neue Ebene der Produktivität ermöglichen.

Erkenntnis 4: Die Produktivität ist in den letzten Jahren kaum gestiegen.

Wir (Österreicher / Europäer) haben vielleicht den Anfang der digitalen Revolution verschlafen – sollten allerdings sehr schnell lernen wo die „echten“ Disruptoren und Produktivitätshebel der Zukunft liegen werden. Wir haben hierzu mehr Asse in der Hand als wir denken.

Bisher hatte die Digitalisierung eher einen enttäuschenden Effekt wenn wir uns den Beitrag zur Produktivität ansehen.

Source: Financial Times

Wie aber findet man die „Gamechanger“ der Zukunft? Wie identifiziert und fördert man die richtigen Teams und Technologien? Diese und viele weitere Fragen sind es die uns beschäftigen sollten. Es ist (leider) unmöglich eine qualifizierte Vorhersage zu machen – man kann/muss lediglich ein Ökosystem oder ein Netzwerk solcher Ökosysteme schaffen die interdisziplinäre Innovation, Kreativität, Trail-and-Error Experimente fördern und zulassen.

Ich habe aus New York 4 wichtige Bausteine mitgenommen, welche alle gleichermaßen wichtig erscheinen um eine Ökosystem zukunftssicher zu machen. Diese Bausteine finden sich in unterschiedlichen Initiativen in NYC (wie etwa NewLab, WeWork Lab, Navy Yards, etc.) wieder und sollten uns auch in Österreich als Schablone dienen.

Baustein 1: Symbiose aus Universitäten, Industrie und Unternehmern fördern.

Österreich steckt jährlich unglaubliche Summen in hochwertige akademische Bildung / Forschung an Universitäten und Fachhochschulen. Wir schaffen es aber bei weiterem nicht die wissenschaftlichen Resultate in Wirtschaftsleistung umzuwandeln. Innovation lebt von sogenanntem Technologietransfer und von angewandter Forschung.

Hierzu Lande gibt es seitens der Forscher (Universitäten) zu große Bedenken gute Köpfe an Spin-Offs „zu verlieren“ – Förderungen der FFG die diesen Zweck grundsätzlich verfolgen werden vielfach eher als Quer-Subventionierung (unabhängiger) universitärerer Forschung verwendet. Das ist frustrierend. Es muss Anreize geben die eine engere Zusammenarbeit von Unternehmern und Forschern ermöglichen.

Baustein 2: Innovation braucht langen Atem

NewLabs operiert als privat wirtschaftlicher Innovationsspace und Venture Capital Fonds in einem ehem. Schiffsbau-Gebäude (Navy Yards) das mit USD 10m aus Eigenmitteln (privat) und USD 40m seitens der Stadt New York gefördert wurde. Die Höhe der Förderung ist besonders bemerkenswert, da öffentliche Subventionen in den USA sehr verpönt sind und nur sehr selten gewährt werden. Darüberhinaus ist es bemerkenswert das die Stadt dem Unternehmen freie Hand lässt und lediglich die Umsetzung des Vorhabens generell prüft. Die Ergebnisse nach bereits rund 5 Jahren können sich aber sehen lassen – der Wert der entwickelten Firmen übersteigt bereits die Mrd. USD.

Es war wichtig das es sich hierbei nicht um Kredite oder Meilenstein abhängige Förderprogramme (wie sie etwa bei uns üblich sind) handelte – man hat dem Zentrum bewusst einen weiten Spielraum gelassen.

Baustein 3: Regulatory Sandbox – Fast-Track zu Förderungen, Genehmigungen, etc.

Es ist wichtig das Innovationen experimentell erprobt werden können – man muss schnell testen, verwerfen und sich neu-orientieren dürfen. Flexibilität und möglichst wenig Bürokratie sind hier der Schlüssel – so hat NYC etwa in den Navy Yards eine umfangreiche Sandbox geschaffen, welche schnelleren Zugang zu Förderungen, rechtliche Sandboxes und ähnliches bereitstellt. Eben alles was man braucht um „verrückte“ Innovationen experimentell zu erarbeiten.

In Österreich wurde z.B. eine FinTech Sandbox geschaffen – diese sollte man schnell an die UK FinTech Sandbox anschließen, die gerade durch das DIT, Invest UK und den Lord Major der City of London gestartet wurde. UK hat eine Sandbox für FinTechs geschaffen die auch für Singapur, Hong-Kong und Australien gilt – somit können Unternehmen unter einer „soft-regulierung“ sofort international arbeiten und US Firmen tatsächlich die Stirn bieten.

Baustein 4: Innovieren heißt investieren!

Ein funktionierender vorbörslicher Kapitalmarkt, bestehend aus regulierten Private Equity, Venture Capital Investoren, sowie informellen Kapitalgebern (Business Angels) ist ebenso wichtig wie ein starker Kapitalmarkt. Hier hat NYC einen klaren Vorteil als führende Finanzmetropole und als Heimat der meisten Fortune500 Unternehmen der Welt. Österreich – könnte hier nur mithalten, wenn man die rund 250 Welt- und Europa-Marktführer als Investoren und Innovationspartner mobilisieren könnte.

Innovatoren brauchen etablierte Partner und umgekehrt. In Amerika (insb. NYC) scheint es gerade zu selbstverständlich das Konzerne und führende SME’s in Venture und Private Equity investieren – dies gilt auch für Pensionskassen, Banken und Versicherungen. Letztere sind bei uns gerade zu auf der Flucht vor unserem Sektor, da sie das Risiko von Ausfällen und die enormen Eigenkapitalunterlegungen scheuen.

Das Risiko als Volkswirtschaft in keiner Weise zukunftssicher aufgestellt zu sein wird somit (faktisch) völlig ignoriert – obwohl viele Vorstände grundsätzlich verstehen das man in diesen Bereich investieren müsste.

Baby Steps sind besser als Stillstand!

Wenn man sich bewusst macht, dass bisher der Kapitalmarkt kaum ein Thema für unsere Politiker war, dann sind die gefühlten „Baby Steps“ (aus Sicht der Marktteilnehmer mit internationalem Exposure) die wir machen – dank Ministerin Schramböck – bereits riesen Schritte. Wir dürfen uns damit aber nicht zufrieden geben.

Der Rest der Welt schläft nicht und wir müssen (ohne parteipolitische Eitelkeiten) auf breiter Basis verstehen das Innovation, Wirtschafts- und Standortpolitik kaum jemals von so hoher strategischer Bedeutung war wie heute. Wir verlieren aktuell im globalen Wettbewerb und das hat unsoziale Folgen für uns alle – wenn wir nicht reagieren!

Österreichs Startup-Paket, die Kooperation mit WeWork das Zusammenlegen der beiden AWS Fonds (Mittelstandsfond und Gründerfonds), die Startup- und Programmierer-Lehrlingsausbildung sind wichtige Maßnahmen – aber es fehlt noch an vielen weiteren Bausteinen und insbesondere an finanziellen Ressourcen Innovationen, Produkte und Services global skalieren zu können. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei eines klar gestellt: Ich sehe hier nicht „nur“ die Politik in der Pflicht – es wird zusätzlich private Initiativen brauchen und diese werden kommen, wenn die Politik weiterhin Verbesserungen der Rahmenbedingungen schafft.

Wir sind als Unternehmer gefordert!

Steht der nächste Krypto Bullen-Markt vor der Tür?

In den letzten Tagen hat es sich wieder abgespielt an den Krypto-Märkten – erste Anleger haben sofort den nächsten Bullen-Markt anrollen gesehen, ich selbst bin noch etwas verhaltener. Der führende Krypto-Wert Bitcoin (BTC) hat in den letzten Tagen einen Sprung von EUR 3.500 auf knapp EUR 4.500 – das entspricht einem Wert zuwachs von rund 30% in wenigen Tagen.

30% ist im historischen Vergleich (Volatilität) kein außergewöhnlicher Kurssprung, was aber sehr wohl auffällt ist das der BTC-Kurs vor diesem „zucken“ ungewöhnlich lange auf der Stelle trat und eine eher ungewöhnlich geringe Schwankungsbreite hatte.

Das wirft ein paar Fragen auf:

  • Was hat sich geändert?
  • Warum kommen Krypto-Investoren zurück?

Vielleicht ist es soweit und es ist höchste Zeit sich erneut einzukaufen. Ich selbst hab mich bereits seit längerem für einen Bullen-Markt positioniert, da ich – wie bereits seit meinem Ausblick auf das Jahr 2019 beschrieben – 2019 einen großen Schub durch regulierte Krypto Assets (also Wertpapiere bzw. Security Tokens) erwarte und außerdem möchte ich mir den nächsten Hype nicht entgehen lassen. Was meint ihr – wohin geht die Reise?

Name Price
Bitcoin (BTC)
€9,333.30
Ethereum (ETH)
€174.28
XRP (XRP)
€0.247880

2019 – Das Jahr der Tech-IPOs

Die österreichische Startup300 AG hat das Jahr 2019 am neuen Wiener Börse-Segment für Wachstumsunternehmen mit einem Listing eröffnet – der Kurs ist – wie nicht selten (eigentlich üblich) bei einem Tech-IPO – zunächst stark gefallen, da Investoren die ihr Kapital bereits über einige Jahre gebunden hatten zumindest teilweise Kasse machen. Das selbe Bild zeigte sich bereits bei Facebook in den ersten 12 Monaten und zuletzt wieder beim Börsegang des US Mobilitätsunternehmen LYFT.

Wenn bei einem Börsegang keine neuen Aktien platziert werden, spricht man von einem Listing – diese sind in der Regel volatiler (dies ist u.a. auch bei SLACK zu erwarten – siehe Artikel unten). Insgesamt steht das Tech-IPO Jahr erst am Anfang – wir dürfen auf ein paar sehr heiße Unicorns freuen, die bald von jedermann gezeichnet werden können.

Die größten Tech-Unicorns die ein IPO angekündigt haben:

Alle genannten Unternehmen, haben längst Einzug in unseren Alltag gefunden und werden auch noch in den nächsten Jahren begleiten. Die erwarteten IPOs könnten in Summe ein Volumen von über 200 Milliarden US-Dollar übersteigen und werden die Aktienmärkte durchaus in Bewegung versetzen.

Der Videokonferenz Anbieter Zoom.us ist profitabel – dies gilt nicht für viele Tech-Unternehmen zum Zeitpunkt des IPOs in den USA – allerdings haben alle Firmen enorm hohe Kunden bzw. User-Zahlen damit ist schnell klar das diese bei Zeiten auch in Richtung verstärkter Monetisierung (Profitabilität) gehen können. Vielfach ist allerdings zunächst das Ziel die Wettbewerber der Old-Economy aus dem Markt zu drängen.

Für Investoren wiederum bedeutet das, dass es große Fantasie gibt und man durchaus bei einem guten Einstieg nach dem Börsegang und einem bestätigten „fairen“ Marktwert und gutem Wind (generell an den Börsen) schöne Erträge im Aktienportfolio für die nächsten Jahre erzielen könnte, wenn man sich diese Titel genauer ansieht.

Ich freue mich persönlich schon sehr darauf ein paar Aktien meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ aufzunehmen. Wer selbst daran denkt, den ein oder anderen Wert zu kaufen – sollte drei Regeln beachten:

1.) Timing! Tech-Aktien fallen gerne in den ersten 6 bis 12 Monaten, da Investoren und Mitarbeiter bereits vor vielen Jahren Aktien zu sehr viel günstigeren Preisen erworben haben und (wenig verwunderlich) zumindest teilweise zu Geld machen wollen.

2.) Streuen! Wer in Post-IPO Unternehmen investiert – sollte breit streuen, da diese Aktien in der Regel volatiler (d.h. riskanter) sind als etablierte Unternehmen und sich erst an der Börse beweisen müssen. Viele Unternehmen schaffen es langfristig nicht zu überzeugen – es ist also Vorsicht geboten!

3.) Halten! Auf Aktienmärkten gewinnt die Bank, insbesondere wenn man zu viel handelt oder gar „zockt“. Transaktionskosten sind für Privatanleger hoch – man sollte also eher schrittweise kaufen und einen Veranlagungshorizont von 2 bis 3 Jahren haben. Wenn man das Geld dringender braucht – Finger Weg!

In persönlich liebe Tech-Werte – ich beschäftige mich mit diesem Thema täglich und zeige über die Social-Trading Plattform Wikifolio „Digital Gamechangers“ transparent welche Tech-Aktien ich verfolge. Ich bilde dort eine Muster-Strategie ab, die das Ziel verfolgt regelmäßig den führenden Tech-Index NASDAQ zu schlagen. Bislang mit Erfolg – aber davon könnt ihr euch ja selbst überzeugen.

Startups drängen an die Börse

Es wird ein gutes Jahr für die Börsen und damit auch ein gutes Jahr für Investoren und Investmentbanken – so das positive Stimmungsbild, welches ich aus dem Markt mitgenommen habe. Startup – IPOs waren seit dem Ende der 90er Jahre nicht mehr hoch im Kurs. Investoren brauchten fast 20 Jahre um sich vom Platzen der Dot.com-Bubble zu erholen. Jetzt ist die Zeit aber wieder Reif. Der Markt hat sich weiterentwickelt. Nicht nur sind Technologie Unternehmen heute unter den wertvollsten Unternehmen der Welt, europäische Börsen haben darüber hinaus aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Erfolgreich wurden neue Standards für junge Aktiengesellschaften entwickelt – sie sollen in Zukunft wieder an der Börse gehandelt werden. Tür und Tor ist somit (wieder) für internationale Investoren geöffnet. Der Startup Markt dürfte damit einen erneuten Schub erfahren – insbesondere wenn die Investoren anbeißen. Ich freue mich darauf!

Neues Startup-Segment an Wiener Börse

Das neue Segment “Direct Market Plus” an der Wiener Börse startet am Montag, 21. Jänner 2019 mit 8 neuen Werten. Das neue Segment richtet sich gezielt an Klein- und Mittelbetriebe bzw. Startups (die durch ihre Wachstumschance überzeugen). Ab dem ersten Handelstag wird u.a. die Linzer Startup300 AG seine Aktien im Handel anbieten. Neue Aktien sollen nicht platziert werden – bestehende Aktien können aber gehandelt werden. Ob man also Aktien tatsächlich kaufen kann und wie sich der Kurs entwickelt – das wird spannend.

Startup Aktien erobern Europa

Der Trend der Startup-Aktien Segmente ist bereits in den letzten Jahren in Europa gewachsen. Die Segmente haben sich sehr erfolgreich bewehrt. Die österreichische Cyan AG platzierte etwa im März 2018 an der Frankfurt Börese (Scale) sehr erfolgreich Aktien. An der Nasdaq Nordics (First North) findet man vermehrt Bio-Tech, Healthcare und Digital Health Startups. Schweden ist u.a. durch dieses sehr starke Segment zur zweit stärksten Startup-Nation Europas aufgestiegen.

In Deutschland hatte die German Startup Group weniger Erfolg (der Kurs ist seit der Emission sehr stark gefallen). Rocket Internet und Zalando (beide aktuell in meinem Wikifolio) hingegen sind nicht mehr aus dem Markt wegzudenken, sie sind allerdings auch Schwergewichte im Vergleich. Vielleicht kommt ja bald auch noch N26 (Achtung: Das ist ausdrücklich kein Gerücht – eher ein Wunsch ins Blaue!), das erste Unicorn mit österreichischer Beteiligung, an die Börse – das wäre doch mal was – oder?

Börse ist nicht gleich Börse

Die Kriterien und Kosten für ein Listing unterscheiden sich – insbesondere der regulierte Marktsegmente ist sehr viel anspruchsvoller als unregulierte. Allerdings sollte man die Wachstumssegmente nicht unterschätzen – FACC (ebenfalls aktuell in meinem Wikifolio) schaffte gerade erst letztes Jahr den Sprung in den ATX Prime und ist somit ein echter Aufsteiger.

Junge Aktiengesellschaften müssen für die Startup-Markt-Segmente nur sehr geringe Anforderungen erfüllen und extrem überschaubare Kosten tragen, um vom Handel über die mächtigen Börse-Marktplätze bzw. Plattformen zu profitieren. Der Zugang zu internationalen Investoren ist damit offen und die Chancen auf Erfolg steigen.

Security Tokens – Derivate on-chain

Eine weitere Innovation verspricht dieses Jahr ihren Durchbrich zu haben: „Die „Security Tokens“ sind endlich im Markt angekommen!“ freute sich kürzlich mein Freund und langjähriger Partner Alexander Rapatz von Black Manta Ventures. Der regulatorische Rahmen für Security Tokens (einige Projekte sind auch in Österreich in Vorbereitung) und die damit verbundene – zumindest theoretische – Handelbarkeit öffnet bald auch sehr junge Firmen den Zugang zu frischem Kapital. Kritisch wird – wie immer – die Liquidität für diese Produkte und damit auch für ihren Erfolg sein.

Börsen sind – trotz aller Euphorie die gerne publiziert wird und wurde – in der Umsetzung (leider) deutlich langsamer als erwartet. Malta hat sich früh auf dieses Thema spezialisiert. Sobald Börsen aus der Schweiz und Deutschland oder etwas UK oder USA auf das Thema aufspringen wird das Spiel in ein neues Level gehoben.

Liquidität ist entscheidend

Die jüngsten Entwicklungen empfinde persönlich einerseits als extrem positiv, möchte aber auch im selben Atemzug davor ausdrücklich warnen hochriskante investments zu tätigen. Egal ob an der Börse oder Privat. Geld ist sauer verdient und man sollte sich dringend einen qualifizierten Berater suchen, wenn man sich solche Themen genauer ansehen möchte. Ein paar gute soll es ja geben. Viele Startup Aktien werden trotz ihrer Börse Notierung kaum gehandelt werden und damit ist man mitunter extremen Kursschwankungen ausgeliefert – hier gilt besondere Vorsicht.

Lust auf mehr?

Wenn Sie sich gerne professionell als Emittent bzw. Listing Kandidat (an einem der genannten Märkte) beraten lassen wollen, dann stehen unsere Experten bei Venionaire Capital, sowie eine Reihe lizensierter Netzwerkpartner und Banken, mit welchen wir seit vielen Jahren gut zusammenarbeiten, gerne zu ihrer zur Verfügung.

2019 wird spannend!

  • Politische Börsen, Brexit und technologischer Wandel.
  • Venture Capital erneut stark.
  • Der nächste Krypto-Hype kommt bestimmt.
  • Startups 2019: Was kommt als nächstes?

2018 war ein aufregendes, aber auch turbulentes Jahr für Innovationsbegeisterte. Die Höhe der Venture Capital Investments kletterte auf ein neues Rekordniveau, während Aktienmärkte in Europa und in den USA stark unter Druck waren. In diesem Umfeld viel auch der Kurs meines Wikifolios. Neues Jahr, neue Chance. 2019 wird es sicherlich wieder Gelegenheit geben auf die ein oder anderen Rally aufzuspringen. Ich bin zuversichtlich das wir ein besseres Börsejahr vor uns haben.

Politisch ging es letztes Jahr wirklich rund: Die Brexit-Verhandlungen gingen ins Finale aber bisher ist nichts entschieden. Die Gefahr eines harten Brexits lebt, aber auch das „Kein Brexit“ Szenario ist mittlerweile denkbar. Im nahen und mittleren Osten kam es zu einer Neuordnung der Kräfte. Mit dem Rückzug der USA aus der Region haben Russland und die Türkei das Zepter in der Hand. Israel ist über die Entwicklungen alles andere als Glücklich und beobachtet kritisch. Die USA unter der Führung von Präsident Donald Trump haben einen Handelsstreit mit der Volksrepublik China zu lösen und in den etablierten Volkswirtschaften kämpfen nahezu alle Industrien weiterhin mit der digitalen Transformation. Die Dieselgate Affaire hat die Automobil Industrie zusätzlich getroffen.

Dringend müssen neue (gute) Margengeschäfte gefunden werden und das bedeutet das man viele eingefahrene Strukturen, Produkte und Services überdenken muss. Der Schmerz ist groß genug – endlich wird investiert. Dieser Umstand befeuert den Venture Capital und Private Equity Markt in Europa, da nun auch institutionelle Investoren langsam aufwachen und erkennen, dass Zeit ist die Portfolios neu auszurichten. Aber welche Themen werden wirklich heiß im nächsten Jahr?

Diese 3 Startup Vertikals werden 2019 am stärksten!

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Kryptowährungen und Blockchain – das war wohl das führende Gesprächsthema, quer durch alle Medien, Industrien und Interessensgruppen. Man konnte kaum ein Abend verbringen ohne zumindest kurz über dieses Thema zu sprechen, auch wenn die Technologie noch immer in sehr experimentellem Stadium zu sein scheint und echt sinnvolle Anwendungen weiterhin auf sich warten lassen.

Der nächste Hype kommt bestimmt

Zum Jahresanfang stürzten die Kurse von Kryptowährungen (allen voran Bitcoin (BTC)), nach ihrem raketenhaften Aufstieg (BTC zum 31.12.2017 > USD 20.000) zum Ende des letzten Jahres, in den Keller (BTC per 31.12.2018 > USD 3.500,–). Die Erklärung zu den Hintergründen der drastischen Kursbewegungen von Jahresende 2017 werden heute noch von US-Behörden auf mögliche illegale Aktivitäten untersucht. Die „Krypto-Euphorie“ aus 2017 war aber sicherlich nicht die letzte – in diesem Punkt sind sich alle Marktteilnehmer einig – die Blockchain-Technologie macht in vielen Bereichen Sinn und würde sich durchsetzen. Einige sprechen sogar von einer Revolution des Internets. Soweit würde ich aber nicht gehen.

Es kehrte Ernüchterung ein. Die Bewertung eines fairen Marktpreises für digitale Assets (am Beispiel von Krypto Gold = Bitcoin) erwies sich unter Finanzmarkt Experten als äußerst schwierig / unmöglich. Wenn ein Asset in einem Markt nicht objektiv bewertet werden kann, dann kann man kaum von einem guten Tausch- oder Wertaufbewahrungsmittel ausgehen. Selbst Experten aus der Krypto-Szene waren sich letztes Jahr sehr uneins darüber welche Entwicklung die Kurswerte der führenden Krypto-Assets in den nächsten 12 Monaten nehmen würden.

Macht nichts – der nächste Hype kommt bestimmt. Wir werden uns mit dem Thema alle noch sehr viel beschäftigen und wer (erst) jetzt damit beginnen möchte, dem empfehle ich diese Zusammenfassung der NZZ als Einstieg.

Der Finanzsektor rüstet auf

Die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen werden dann steigen, wenn die Technologie in sinnvollen Anwendungen (mehr als nur ICO Manifestos) in der Breite ankommt und die Finanzindustrie Produkte auf den Marktbringt die den Handel mit diesen Assets – etwa über ein ETF – auch für Retail-Kunden deutlich erleichtert. Egal ob man es gut findet oder nicht – es geht in diese Richtung, auch wenn sich die US-Behörden bisher (noch) intensiv dagegen stemmen.  

Die Finanzindustrie (Banken, Börsen, Dienstleister), insbesondere die großen Investmentbanken an der Wall Street, haben sich letztes Jahr stark mit dem Thema Krypto beschäftigt und massiv aufgerüstet. Wenn der nächste Krypto-Hype einsetzt, will man vorbereitet sein und selbst ein Stück vom Kuchen haben. Selbst die Börse Stuttgart etwa hat im August bereits eine eigene ICO Plattform für den Herbst 2018 angekündigt (bisher aber noch nicht fertiggestellt) auf dem Markt.

Die Nachrichten um eine mögliche Zulassung oder auch nicht Zulassung sogenannter Krypto ETFs in den USA bewege die Krypto-Märkte regelmäßig (sagen Insider). Institutionelle Anleger würden auf diese Instrumente geradezu warten, liest man quer über alle Krypto-Medien. Einfache Indexgebundene Wertpapiere (sog. ETNs) die die Wertentwicklung des Bitcoin abbilden, werden – wie man mit einer kurzen Google Recherche nach einem „Bitcoin Tracker ETN“ sieht – bereits gehandelt.

Regulierung & Standortpolitik

Regulatorisch hat sich in Sachen Digitalisierung / Startups (insb. in Hinblick auf Blockchain & FinTechs) in den letzten 2 Jahren enorm viel getan. Henry Kissinger –  einst einer der wichtigsten Berater von Richard Nixon – unterstrich die dringliche Notwendigkeit eines Digital-Ministeriums Ministeriums (mit Hinweis auf Artificial Intelligence). Sein Vergleich ist drastisch – aber am Punkt: Man stelle sich vor was passiert sei mit den Inkas als die Kolonialisten und die Poken kamen – so wird es uns gehen, wenn wir die neuen Technologien nicht im Griff haben.

Hierzu Lande hat die Regierung immerhin ein Digital-Ministerium mit einer ernsthaften Agenda aufgesetzt und mit Margarete Schramböck eine sehr starke Ministerin im Amt. Wenn wir uns ernsthaft mit neuen Technologien beschäftigen wollen, Innovation in „Sandboxes“ außerhalb bestehender Regularien experimentell erlauben wollen, wird es solche Ministerien und auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit in der EU brauchen.

Der Mut zu einer eigenen Artificial Intelligence Strategie in der EU wäre großartig, aber das trauen sich in Europa leider noch – bis auf einige wenige Ausnahmen – nicht sehr viele zu.

Conclusio

Das Jahr 2019 wird spannend. Allen Lesern und Wegbegleitern einen guten Rutsch und viel Erfolg, Glück und Gesundheit im neuen Jahr!

3 Geheimnisse der Unicorn Investoren

Fast jeder (Startup) Investor, Venture Fund sucht sie – die seltenen, die „einzigartigen“, Einhörner, Unicorns. Startups die unter 10 Jahre alt und über eine Milliarde USD wert sind – also in diesem Sinne die explosionsartigen Erfolgsgeschichten. Nur die wenigsten finden Sie und ich bin gefesselt von ihrem „Geheimnis“.

Statistisch gibt es tatsächlich nur eine Handvoll wirklich erfolgreicher Unicorn-Jäger. Die Häufung der Erfolgsgeschichten in den Portfolios der besten Venture Fonds bzw. Bankern der Welt ist beeindruckend. Andressen Horowitz oder Saquoia Capital haben nicht weniger als 20 bzw. 23 Unicorns in ihren Portfolios und das ist kein Zufall. Diese Fonds sind bekannt dafür die Nadel im Heuhaufen zu suchen und zu finden – sie gehen sehr gezielte, aber auch große Wetten ein.


Quelle: CBINSIGHTS

Der Standort Vorteil – Silicon Valley – zeigt sich selbstverständlich noch (auch wenn wir wissen, das andere Märkte insb. China aufholt).

Das Geheimnis der besten Unicorn Jäger lässt sich meines Erachtens auf 3 wesentliche Faktoren herunter brechen, die jeder Investor nutzen kann. Natürlich gehört, neben diesen wichtigen Argumenten noch mehr dazu ein echtes Unicorn zu entwickeln – was letztlich dann die nötige Erfahrung, ein starkes Netzwerk und wichtiges fachliches Wissen einschließt (wie es etwa durch das Business Angel Institute vermittelt wird).

1.) Team, Team, Team

Das Gründerteam ist das wichtigste – sind sich Investoren einig. Aber was macht das perfekte Team aus? Kaum ein Journalist hinterfragt diese „eh klar“ Aussage und damit bleibt viel zu oft die Antwort (das Geheimnis) im Dunkeln – aber nicht heute ;-). Nach einigen Jahren Erfahrung, Beobachtung und gezieltem Hinterfragen (ich will ja auch besser werden) bei den besten der Welt darf ich zusammenfassen:

  • Eine solide Ausbildung etwa an einer Elite-Universität (auch wenn man das Studium abgebrochen hat), ein natürlich gewachsenes Netzwerk.
  • Gründer können sich leisten Gründer zu sein.Anmerkung: Ich habe viele gute Köpfe scheitern gesehen, weil sie nicht die finanzielle Stabilität oder Absicherung hatten und aufgeben mussten. Es ist Schade wenn man an einer Stelle aufgeben muss – wo Eltern einen in einen Day-Job drängen – an der andere ein, zwei weitere Chancen (und sogar noch Motivation zum Durchhalten) bekommen. Investoren geben es sehr ungern zu, aber sie achten darauf. 
  • Fachliche Kompetenz, Kreativität und Kraft des Teams – ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor überhaupt. Diese Skills sind die wichtigste Absicherung für einen Investor. Wenn die erste Idee nicht fliegt, kann die zweite oder dritte sein – im Fall eines Notverkaufs hat das Team einen hohen Wert (etwa für sog. Akquisition for Hires).

2.) Timing

Zum falschen Zeitpunkt hat die beste Idee, mit dem besten Team nur eine extrem geringe Chance. Wir wissen heute das mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% ein Startup wegen falschem Timing scheitert – der Faktor selbst wird aber für meine Begriffe viel zu selten hinterfragt.

Wie man das richtige Timing als Investor bestimmen kann? Man kann hierzu verschiedene Zugänge wählen, die einem in der Praxis auch regelmäßig (mal ernsthafter, mal weniger) unterkommen: Verifikation des Geschäftsmodells, Produkts, Services durch Gespräche mit Kunden, Meinung möglicher Käufer (Corporates, PE, Tech-Giants), die Sicht von IP bzw. Deep-Tech Experten und führenden Forschern auf Technologien.

3.) Erfolg zieht er Erfolg an!

Das gemeinste aber ist, dass die besten Firmen (die möglichen Unicorns) gejagt werden müssen. Diese Startups brauchen manchmal gar keinen Investor in der ersten Phase, sie wollen einfach nicht zu früh verwässern und melden sich (wenn überhaupt) nur bei sehr wenigen Investoren. Viele Investoren machen den Fehler nicht an ihrem Profil zu arbeiten und sich somit vor den besten Startups defacto zu verstecken. Der erste (Super) Angel – sobald dieser gefunden ist – wird seine Roh-Diamanten nur gezielt den stärksten VCs vorgestellten und damit geht der Deal seinen Weg.

Wir beobachten im European Super Angels Club bereits nach knapp 2 Jahren, dass Quartal um Quartal die Qualität des Dealflows steigt. Wir arbeiten hier – stellvertretend für unsere MItglieder sehr stark an unserem Profil nach außen und sind gleichzeitig extrem restriktiv in der Auswahl der Firmen mit den wir wirklich arbeiten wollen. Nur 1 -2% der Startups überhaupt erhalten Zugang zu unserem Investment-Club.

Wir jagen aktiv und wir Verknappen aktiv – jeweils mit dem Ziel auf dem höchst möglichen Niveau zu arbeiten. Wir sind überzeugt eine starke Portfolio Family – die für niemanden Zeitverschwendung ist – aufzubauen und ermutigen diese regelmäßig zum Austausch. Wir haben zwar (heute) noch kein Unicorn im Portfolio – sind aber der Überzeugung das unsere Arbeit und unser Umfeld das ein oder andere Unicorn über die Zeit hervorbringen kann – ob es gelingt können wir in 10 Jahren berichten, von heute auf morgen wird das nicht gelingen.

Conclusio

Für jedes Startup gibt es „perfekte“ Investoren – davon bin ich überzeugt, auch wenn wir so vielen Gründern Tag für Tag absagen müssen. Ein „Nein“ heißt nie das ein Startup oder Team schlecht ist. Es heißt das es aktuell nicht zu uns passt – das ist ein großer Unterschied!

Wenn dein Startup Hilfe braucht in Sachen Fundraising, Strategie oder Wachstum, dann stehen mein Team und unsere Experten bei Venionaire Capital gerne zur Verfügung – wir haben von Berufswegen ein offenes Ohr und hören uns (fast) jeden Gründer an. Wir halten pro-aktiv, aber auch immer öfter dank der Hartnäckigkeit von einzelnen Startups über mehrere Jahre Kontakt mit Gründern. Es dauert manchmal einfach bis es für ein Investment passt.

Sobald ein Investor investiert ist, beginnt sein Geld in einem Startup zuarbeiten. Ab diesem Zeitpunkt will er die Stärken des Unternehmens verstärken und Schwächen lindern – er brennt zu 100% für sein Startup. Unicorn-Jäger sind eine spezielle Spezies von Investoren, sie suchen nach einer sehr speziellen DNA aus Team und Timing, machen „Moon-Shot“ Wetten und haben die Mittel und Zugänge diese Shots auch ermöglichen.

Frank Thelen – mit Freigeist Capital – ist übrigens ein Europäischer Unicorn Jäger! Es war fantastisch seine Vision und seine Sicht auf Innovation auf dem Idealab! 2018 (WHU) zu hören.

Quelle: Berthold Baurek-Karlic

Ich hoffe das Freigeist bald in der Top-Ten auftaucht und vermehrt europäische Unicorns international sichtbar werden!

TOP 10 Venture Trends 2019

Rückblickend waren die letzten Jahre in Sachen Digitalisierung und Innovation bereits sehr stark. 2017 war ein Rekordjahr für Venture Capital, 2018 wird meiner Beobachtung nach sogar noch stärker ausfallen und im Jahr 2019 dürfen wir uns zusätzlich auf eine Reihe großer Exits und viele Börsegänge (auch in Europa) freuen. Einzelne Startup Segmente werden stark konsolidieren (etwa FinTechs) und einzelne e-Health Startups werden die die neuen heißen Eisen der Szene.

2019 verspricht schon heute spannend zu werden und steht damit ganz im Zeichen der letzten Jahre. Ich kann mich nicht – auch nicht mit einem Blick in die Geschichtsbücher – an eine Periode erinnern, die derartige Umwälzungen (in Friedenszeiten) hervorbrachte, wie wir sie in den letzten Jahren erleben durften. Von einem Peak sind wir aber noch weit entfernt – in denke das dieser Trend jedenfalls noch bis 2025 anhält.

Die Top 10 wertvollsten Unternehmen der Welt sind heute fast ausschließlich Tech-Giants – ein gänzlich anderes Bild als in den Jahren 1990 oder 2001.

Quelle: https://paymentandbanking.com/die-wertvollsten-unternehmen-1990-2018/

Heute wie damals sind es Rohstoff-Unternehmen die das Ranking anführen, nur das der führende Rohstoff heute Daten und nicht mehr Mineralöl ist.  Unternehmen wie Apple, Alphabet (Google), Amazon, Microsoft, Facebook, Berkshire, JP Morgen Chase, Exxon Mobil und VISA – haben ihre Geschäftsmodell entweder gut umgestellt oder seit jeher auf Daten aufgebaut. Einzig Berkshire Hathaway (Warren Buffets Investment Unternehmen) würde ich als sehr traditionelle Vermögensverwaltung mit einem weiterhin sehr strikten Value-Ansatz bezeichnen.

Anmerkung: In der Infografik wurde meines erachtens TENCENT nicht berücksichtigt, welche meiner Meinung nach in dieser Liste aufscheinen müssten. 

Was aber bringt das Jahr 2019? Werden Tech-Firmen weiterhin dominieren? Welche Regionen werden aufsteigen und welche absteigen? Über Wikifolio verwalte ich transparent ein Musterportfolio von Unternehmen, welche ich als DIGITAL GAMECHANGER bezeichne. Was ich für 2019 erwarte – insbesondere auch für mein Tagesgeschäft „Venture Capital“ habe ich in diesem Blog zusammengefasst.

Technisch

Technologien verändern Industrien, unabhängig von deren regionaler Dominanz oder inhaltlichen Ausprägung (etwa Gesundheit, Produktion, Handel, Finanzen) – das macht sie für Venture Capital Investoren so attraktiv und gleichzeitig für etablierte Unternehmen so gefährlich. Ich gehe davon aus das Venture Capital Fonds mit starkem Technologie Fokus bessere Resultate erzielen werden, als jene die in Services und Plattformen investieren.

Technisch sehe ich sehr viel Aktivität und technisch starke Lösungen im Bereich Künstlicher Intelligenz. Ich erwarte für 2019 das vermehrt Anwendungen zur Produktivitätssteigerung in verschiedenen Branchen (erstmals stark spürbar für den Endkonsumenten) zur Anwendung kommen werden.

Bereits 2019 werden wir (auch in Europa) erstmals im Alltag vermehrt den Trend der Robotisierung wahrnehmen und ernsthafte Diskussionen führen wie viele „ungeliebte“ Jobs von leistbaren Maschinen übernommen werden können und sollten. Welche Veränderungen dies für die Arbeitswelt bedeutet.

Ich bin aber überzeugt – nicht nur weil ich Technologie liebe – das letztlich die Vorteile der Robotisierung überwiegen werden, Fehlervermeidung den Menschen den Alltag erleichtert und repetitive Arbeiten Ressourcen für komplexere Service Fälle frei macht, die heute aufgrund von Kostendruck vernachlässigt werden.

Trends nach Verticals

Ich bezeichne Startups oder Scale-Ups gerne als Schwarm von Piranhas – die jeder für sich nur einen sehr kleinen Bereich anknabbern, aber in ihre Summe disruptive Wellen bzw. Bewegungen auslösen. Wenn man sich die zeitliche Folge der „disruptierten“ Industrien in Verbindung mit der Entwicklung der digitalen Technologien (PC, Mobile, Internet of Things und bald Mixed Reality) ansieht, so fällt einem schnell auf das es hier nicht bloß eine Korrelation, sondern vielmehr eine Beschleunigung also einen exponentiellen Drift gibt der die Durchschlagskraft der Entwicklung verstärkt hat.


Quelle: https://www.duvalunionconsulting.com/

Ich sehe für 2019 starke Weichenstellungen für Scale-Ups – in diesem Sinne: „Unternehmen in der Internationalisierung“ – in folgenden zwei Branchen aufkommen:

  • e-Health

Der Gesundheitssektor ist komplex, die Daten sind heikel, aber der Kunde (Patient) schreit nach besseren Lösungen die dem Stand der Zeit entsprechen. Praktische Ärzte werden ihr Stethoskop gegen handliche Ultraschallgeräte tauschen, Labors die einzelne Bakterien-Kulturen analysieren werden von Next Generation Sequencing überholt und der Mensch selbst wird durch bessere Tracking Lösungen mit stärkerem Bewusstsein für Ernährung, Bewegung und Präventiv Medizinische Ansätze ausgestattet. All das verringert letztlich Kosten der staatlichen Gesundheitsversorgung und verringert Risiken (Kosten) bei Versicherungen.

Ich bin überzeugt, dass dieser Sektor gespeist u.a. durch Corporate Venture Fonds von Versicherungen, aber schrittweise auch mit stärkerer staatlicher Subvention (in Europa), wachsen wird. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns im Rahmen des European Super Angels Clubs bereits dieses Jahr auf dieses Thema gestürzt und mit sehr viel Aufwand in ganz Europa die besten Lösungen am Markt analysiert und hervorgehoben.

  • Reg-Tech (die besseren FinTechs)

Die Welt hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht nur zum positiven verändert. Terrorismus, Geldwäsche, aber auch Wirtschaftskrisen sind zu einem globalen Problem mutiert, welche man durch drastische Verschärfungen in Regulierungen von Finanzmärkten, -instituten und Dienstleisteren (bis zu KYC beim Anwalt oder AML Prüfung beim Notar). Der Aufwand der damit Verbunden ist und die Fülle an Prozessen die neu geschaffen werden müssen, darf man getrost als Problem bezeichnen. Banken die ihr AML4 Prozesse nicht im Griff haben müssen mit enormen Strafen rechnen – so zahlte etwa ING unfassbare EUR 775 Mio. dieses Jahr.

Conclusio: Die Probleme die FinTechs lösen sind vernachlässigbar im Vergleich, zu den Lösungen die führende RegTechs anbieten. Der Markt ist riesig, die Zahlungsbereitschaft der Kunden lässt sinnvolle Geschäftsmodelle zu, aber es braucht extrem starke Lösungen – nur wenige schaffen es in der harten B2B Welt zu bestehen. Das österreichische RegTech Kompany hat es international geschafft zu einem führenden Scale-Ups in diesem Segment zu werden und ich bin sehr stolz dieses Unternehmen in unserem Portfolio zu haben.

Marktstruktur

Wir sehen nach 2017, mit Sicherheit auch 2018 und 2019 Rekordjahre im Bereich „Venture Capital“. Die Umwälzung der Industrien ist so stark, dass man auch mehr als das doppelte Kapital zur Verfügung stellen könnte und selbst dann wären noch immer hoch qualitative Deals möglich – möglicherweise sogar bei einem Vielfachen. Was allerdings stoppen würde währe der Brain-Drain – der Ausverkauf der Talente ins Ausland. Je mehr Kapital durch europäische Corporates und institutionelle Investoren bereitgestellt wird, umso mehr (regionales) Interesse würde auch an Exits entstehen.

  • Corporate Venture Capital

In den letzten Jahren war langsam zu beobachten, dass große Konzerne langsam aufgewacht sind und Corporate Venture Capital (CVC) Einheiten aufgelegt haben. Was noch vor wenigen Jahren einige wenige Konzerne (fast exotisch und ohne viel Aufsehen) begonnen haben wurde 2018 ein „Standard“. Wer 2019 keinen CVC hat, der hat dringend etwas nachzuholen!

Ich gehe davon aus, dass wir 2019 eine Reihe neuer CVC’s, verstärkt auch aus der Welt der führenden Mittelstandsunternehmen sehen werden. Die Corporate Venture Capital Association – der ich als Board Member mit Fokus auf den österreichischen Markt dienen darf – hat sich formiert, um Erfahrungen, Netzwerk und konzentrierten Austausch zu Rahmenbedingungen mit der Politik zu koordinieren. Diese Organisation wird auch als Anlaufstelle für Corporates dienen die sich in diesem Bereich betätigen wollen.

  • Venture-IPOs

Mit den Wachstumsmarkt Segmenten „SCALE“ (Börse Frankfurt), sowie „FIRST“ (Nasdaq Nordic) hat sich in Europa eine echte Alternative zu konventionellen later-stage Venture Capital Finanzierungen etabliert. Selbst das dritte Marktsegment der Wiener Börse öffnet sich per Ende Jänner 2019 KMU’s und man kann noch von einer Reihe weiterer Börsen lesen, die sich öffnen wollen.

Ich erwarte für 2019 und 2020 starke Jahre für Venture IPOs, als Alternative aber auch als Ergänzung zu herkömmlichen Finanzierungsformen über Fonds. Viele europäische Investoren hätten durch ein Listing erstmals die Chance auch Venture Risiken zu nehmen – da sie so (wenn auch nur beschränkt) liquide werden.

Gesetzgeber in vielen europäischen Ländern überlegen im Zuge von Reformen des Gesellschaftsrechts,  die Aktiengesellschaften zu überdenken und zu vereinfachen – so auch in Österreich (gibt zumindest das letzte Startup Frühstück bei Digitalisierungsministerin Schramböck zu hoffen).

  • Tokenization

Nach dem Bitcoin bzw. Crypto Investment Hype des letzten Jahres, hat die Verbriefung als Wertpapier über die Blockchain (sog. Tokens) einen regelrechten Siegeszug vollbracht. Verschiedene europäische Börsen sind ganz vorne dabei, diese Security Tokens handelbar zu machen (bisher ist dies der „missing link“).

Ich glaube fest daran das Security Tokens bereits 2019 an verschiedenen Börsen handelbar sein werden. Ich sehe allerdings nicht die größten Investment Chancen in Tokens, sondern vielmehr in dern Infrastruktur rundherum (insb. RegTECH).

Regional

Wer sich mit Asset-Management bzw. Asset-Allokation beschäftigt, der muss in seiner Allokation auch regionale bzw. Makro Trends berücksichtigen und hier finde ich insbesondere den „Trump Effekt“ sehr spannend.

  • Europa holt auf

Europa versucht es doch noch mal selbst. In den Regierungsprogrammen verschiedener Staaten – so auch Deutschland und Österreich – wurde festgeschrieben das man initiativen für mehr Risikokapital auflegen möchte.  Staatsfonds, Dachfonds, Förderungen, verschiedenste rechtliche Reformen und Sandboxes sollen Europa schneller und Wettbewerbsfähiger machen. Talente sollen in Europa bleiben bzw. sogar angelockt werden.

Obwohl der Weg zur Weltspitze ein steiniger ist, habe ich große Hoffnung das diese Initiativen greifen werden und Europa eine Chance hat.

  • China statt USA

Die US Wirtschaftspolitik und der Appetit nach uneingeschränkter Datenkontrolle führt zunehmend zu einem Imageverlust der Vereinigten Staaten von Amerika im Startup Ökosystem. Die Weltmacht Nummer 1, wird zwar im Jahr 2019 weiterhin die #1 bleiben, aber wir werden vermehrt Ausflüge, Kooperationen und Co-Investments mit Partnern in Asien (insb. China) sehen. Österreich unterzeichnete gerade neue Kooperationen für das GIN Programm mit Süd Korea und war mit großen Delegationen im Jahr 2018 sowohl in Singapur und China unterwegs.

Europa nähert sich langsam an Asien an und beginnt die USA stärker in Wettbewerb zu stellen. Ich nenne das den „Trump Effekt“ – nicht zuletzt weil ich es für wahrscheinlich halte das ein offenerer Präsident mit einer globaler ausgerichteten Politik das Blatt schnell wieder drehen könnte.