Family Offices – Die Unternehmerischen Investoren

Heute erleben wir einen rasanten Anstieg der Popularität von Family-Offices als Alternative zu Venture Capital Fonds. Startups schätzen die finanzielle Kraft, den langen Atem und den meist unternehmerischen Hintergrund dieser Investoren. Es entsteht eine neue Generation von Unternehmern, die von ihren Investoren weit mehr als nur Investitionskapital erwarten.

Startups werden selbstbewusster, sie befragen Investoren genauso wie Investoren sie befragen und das ist gut so. Die Geschäftsbeziehung zwischen Investoren und Startups ist eine intensive und weichere Faktoren wie gemeinsame Werte, abgestimmte Visionen und Transparenz sind dabei von hoher Bedeutung. Die Chemie muss stimmen.

Family Offices waren in der Vergangenheit sehr diskret, kaum in der Öffentlichkeit, hatten aber immer schon den Anspruch bestmöglich zu veranlagen. Will man aber in die nächste Generation von Unternehmern – Startups – investieren. dann muss man auf verschiedenen Ebenen sein Spiel verbessern. Ich habe drei Tipps zusammengefasst, die sowohl für Family Offices als auch für Business Angels gleichermaßen ein Wegweiser für bessere Startup Deals sein können.

Klar positionieren

Wenn Startups an Venture Capital denken ist es wichtig, dass ihr Name unter den ersten ist an die sie denken. Family Office braucht dazu eine klare Positionierung innerhalb der Branche, als Gestalter, unternehmerischer Investor mit klarem „sweet spot“ den sie suchen. Je klarer sie ihre Strategie und ihr Profil positionieren, umso einfacher machen sie es den richtigen Unternehmen auf sie zu zugehen.

Family Offices haben klare Vorteile gegenüber „klassischen“ Venture Capital Fonds, die sie nur ausspielen müssen. Während Venture Fonds in der Regel ihr Geld schnell investieren und nach wenigen Jahren intensiver Wertsteigerung wieder vollständig de-investieren müssen, haben Family Offices in der Regel einen deutlich längeren Atem. Darüber hinaus verfolgen sie häufig mit ihren Investments einen höheren Zweck (nicht unbedingt „Philantropisch“), sie denken aber meist an mehr als nur Gewinn. Positionieren sie ihre Vision, ihr höheres Ziel und kommunizieren sie warum sie die nächste Generation von Unternehmern unterstützen wollen. Erzählen sie von ihren Erfolgen, der Kontinuität und der Zielstrebigkeit mit der sie (ev. bereits seit mehreren Generationen) gewohnt sind zu arbeiten.

Es liegt viel Kraft darin zu wissen, was man nicht ist. Es kann oft sehr schwierig sein, zu definieren wer man ist oder wofür man steht – mir fällt dies regelmäßig leichter bei Klienten als bei mir selbst. In der Regel ist es viel einfacher zu wissen, was man nicht ist oder wohin man nicht gehen will. Beginnen Sie mit dem und arbeiten Sie langsam daran, eine Positionierung zu definieren, die für Sie und Ihre Familie am attraktivsten erscheint.

Bauen Sie Ihre Pipeline laufend auf

Der Aufbau einer guten Investment-Pipeline ist das wichtigste. Es kann Jahre dauern, bis das ein oder andere Target herangereift ist. Es sagt sich leicht, aber man muss in der Tat Ruhe bewahren, beobachten, Kontakt halten und regelmäßig hinterfragen ob die Zeit reif ist. Die Aufgabe ist keine leichte. Einerseits wollen sie die am besten Startups identifizieren und anziehen, andererseits wollen sie aber auch nicht zu früh oder zu spät investieren.

Es wichtig, möglichst viele Angebote zu überprüfen, um Ihnen eine Perspektive zu geben, welches Startup für Ihr Unternehmen am attraktivsten ist und warum. Je mehr Daten sie sammeln, je tiefer sie den Markt verstehen, umso klarer werden sie Zusammenhänge erkennen und auch ein Gefühl für das richtige Timing entwickeln.

Für qualitativ Hochwertigen Deal-Flow ist es ratsam, über den Tellerrand zu schauen. Sie sollten sich nicht zu sehr auf ein regionales Ökosystem versteifen, Universitäten und Investoren Netzwerke (wie z.B. European Super Angels Club) nutzen um zusätzliche Kanäle zu öffnen und auch Sparringspartner zu finden. Diese Netzwerke helfen nicht nur im Aufbau einer Investitionspipeline, sondern auch beim Entwickeln der Unternehmen und allfälligen Folgefinanzierungsrunden.

Um viele Deals in ihre Pipeline zu bekommen können sie sich sog. „Growth Hacking“-Techniken bedienen. Sie würden E-Mails oder LinkedIN Anfragen mit kaltem Kontakt und automatisierten Lead-Pflegeprozessen nutzen. Der Nachteil dieses Ansatzes ist das sie so zwar viel Dealflow erhalten, was als Kennzahl für einen unerfahrenen Investor wichtig erscheinen mag. Was aber eigentlich zählt ist das sie im Jahr die Menge an guten Deals finden die sie suchen und diese sind selten – besser versteckt als die sprichwörtliche „Nadel im Heufhaufen“. Frank Thelen investiert nur rund 2 Mal pro Jahr, sagen Mitarbeiter bei seinem Fonds Freigeist. Der European Super Angels Club investiert in der Regel 3 bis 5 Mal (max. 10 Mal) pro Jahr – alleine diese Zahlen zeigen, wie wählerisch Investoren mit dem Anspruch „hands-on“ zu sein wirklich sind.

Netzwerke Aufbauen und aktiv Leben

Wenn Sie einen aktiven Management Ansatz bevorzugen, sollten sie aktiv persönliche Netzwerke innerhalb ihrer Investment-Branchen aufbauen. Besuchen sie Konferenzen und Veranstaltungen, sprechen sie mit Investoren, Startups, Beratern und halten sie laufend die Augen offen für vielversprechende Start-ups. Lernen sie die Stars von morgen früh kennen, gerade wenn sie noch in den Kinderschuhen stecken und offen sind für Kontakte. Beobachten sie ihren Fortschritt über die Zeit, engagieren sie sich ohne Hintergedanken als Mentor. Mit zunehmendem Wachstum werden so die besten Direktinvestitionen entstehen. Dieser Ansatz braucht viel Zeit.

Wir haben unsere Netzwerke in 10 Jahren aktiver Arbeit aufgebaut. Als wir begonnen haben, war das Thema „Startup“ selbst noch in den Kinderschuhen in Europa. Ökosysteme oder Hubs gab es in dieser Form nicht – unser Vorteil war jedoch das wir mitwachsen durften.

Alternativ empfehlen wir auch gerne Venture Fonds Anteile (mehrere Fonds) zu erwerben, um auf diesem Weg einen schnelleren Zugang zum Ökosystem und guten Co-Investments zu finden. Dieser Ansatz bietet raum zu lernen, wenn sie sich aktiv einbringen und die Fonds auch nach diesem Anspruch auf Mitarbeit aussuchen. Bei Interesse gebe ich „qualifizierten Investoren“ gerne unverbindliche Tipps, welche Fonds aktuell im Fundraising sind >> EINFACH KONTAKTIEREN.

Reputation Management

Um mit Banken, Private-Equity-Fonds und anderen Family Offices im Wettbewerb um den besten Dealflow zu bestehen, muss Ihr Family Office sicherstellen, dass es seine Reputation aktiv aufbaut und gut verwaltet. Die regelmäßige Teilnahme an den richtigen Meetings und Veranstaltungen, die gezielte Kommunikation von nützlichen Inhalten und natürlich Schützlinge die positiv von ihren Erfahrungen erzählen sind in diesem Fall ihre besten Waffen.

Wenn die Geschichte, die die unternehmerischen Wurzeln, Erfahrungen, Werte, Visionen und die Mission Ihrer Familie umgibt, gut kommuniziert wird, kann sie eine tiefgreifende Wirkung haben. Gründer suchen nach Unternehmern – sie vertrauen keinen Beratern, die ihr Wissen aus Büchern haben.

Angesichts der sich verändernden Welt müssen sich auch Family Offices, einmal mehr, neu erfinden. Eine klare Positionierung, aktive Kommunikation nach außen (bisher undenkbar für viele Marktteilnehmer) und eine gepflegte Reputation sind der Schlüssel um die begehrteste Wahl unter den Kapital suchenden Stars von morgen zu sein. Der technologische Wandel schlägt erbarmungslos um sich und fordert uns alle umzudenken, er bietet aber auch eine Chance Werte für nächste Generationen zu sichern und bei gutem Wind auch zu erhöhen.

VCs unterschreiben keine NDA’s

Die meisten Gründer haben die Spielregeln der Venture Capital Industrie bereits verstanden. „Erstgründer“ tappen somit deutlich wahrscheinlicher in die ein oder andere Falle. Sie entlarven sich selbst damit, wirken schnell etwas ahnungslos – dabei ist das gar nicht notwendig. Einer dieser Kardinalfehler ist einen Venture Capital Investor um ein NDA zu ersuchen. Wir unterschreiben in der Regel keine Verschwiegenheitserklärungen (NDA) und das hat gute Gründe. Wir wären verrückt, wenn wir es täten. Ausnahmen sind große M&A-Transaktionen oder wenn es sich wirklich (extrem) kritische Informationen handelt – das kommt allerdings wirklich extrem selten vor.

Warum wir verrückt wären? Lasst uns einen Blick auf ein paar Zahlen werfen. Rund 2.000 Startups bewerben sich jedes Jahr alleine beim 360Lab (ein Accelerator, mit dem wir sehr eng zusammenarbeiten), mehr als 1.500 Scale-Ups bewerben sich jährlich beim European Super Angels Club und ein paar hundert Unternehmen bewerben sich über unser Netzwerk, oder über Mitarbeiter bei (Venionaire Capital) direkt. In unserer Rolle als Venture-Fonds-Manager, Investoren, Berater und Mentoren in verschiedensten Acceleratoren arbeiten wir uns durch sehr viel Deal-Flow. Dabei gibt es durchaus Firmen und Geschäftsmodelle die einander ähnlich sind, wie man sich wahrscheinlich leicht vorstellen kann.

Folgende 3 Tipps sollte man beherzigen, wenn man mit Investoren zu sprechen beginnt:

1.) Behaupten Sie nicht, dass Sie der Einzige sind, der ein bestimmtes Problem löst, es sei denn, Sie sind sich zu 100% sicher!

2.) Behaupten Sie nicht, dass niemand dies jemals zuvor getan hat, es sei denn, Sie sind sich zu 100% sicher!

3.) Versteifen sie sich nicht auf eine Bewertung die sie im Kopf haben – sie könnten so weit daneben liegen, dass es gar nicht erst zu konkreten Verhandlungen kommt oder sich selbst die Chance auf einen besseren Deal nehmen.

Unternehmensbewertung für Startups ist eine sehr knifflige Sache. Es ist wichtig das sie wissen, wie eine Bewertung zu Stande kommt – sie sollten sie aber nicht dem Investor vorrechnen. Gute Investment Manager werden einen Weg finden, Bewertung und vertragliche Bedingungen ausbalanciert zu gestalten. Sie achten dabei darauf, dass die Firma in der nächsten Runde gut finanzierbar bleibt und die Gründer nicht zu viele Anteile abgeben müssen.

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Wenn ein Investor an einem Deal arbeitet, ist es für ihn selbstverständlich, gleichzeitig auf ähnliche oder vergleichbare Unternehmen zu schauen – mit Datenbanken wie z.B. cbinsights oder indem er sich aktiv an bereits bekannte Gründer wendet. Dieser Ansatz ist sowohl für Start-ups als auch für Investoren absolut sinnvoll, um Anhaltspunkte für einen „Marktwert“ zu bekommen.

NDAs in Venture sind international in no-go!

Ich höre so oft, dass in Europa alles falsch läuft und werde mit teilweise wirklich hinkenden Vergleichen aus dem Silicon Valley konfrontiert. Daher erlaube ich mir das Thema NDA, gleich vorab mit ein paar Stimmen der besten und einflussreichsten Investoren der West-Küste abzuschließen:

Guy Kawasaki

„Bevor Sie überhaupt anfangen, die harten Dinge anzusprechen, bitten Sie niemals einen Risikokapitalgeber, eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) zu unterzeichnen. Das tun sie nie. Das liegt daran, dass sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt mit drei oder vier ähnlichen Geschäften befassen. Sie sind werden sich nicht unnötige rechtlichen Fragen aufladen, weil sie eine NDA unterzeichnet haben und dann ein anderes, ähnliches Unternehmen finanzieren – und damit den paranoiden Unternehmer glauben machen, dass der Risikokapitalgeber seine Idee gestohlen hat. Wenn du sie bittest, eins zu unterschreiben, kannst du genauso gut „Ich bin ahnungslos“ auf deine Stirn tätowieren.“

Brad Feld

„Selbst wenn ich geneigt wäre, eine NDA zu unterzeichnen, müsste ich den Prozess des Lesens und Entscheidens durchlaufen, ob es irgendwelche Probleme gibt (häufig sind die Dokumente übertrieben und müssen angepasst werden). Somit erfolgt die Einbindung meines Anwalts, um den NDA zu ändern und der Austausch mit dem Anwalt des Unternehmens (Zeit vergeht). In einigen Fällen würde ich wahrscheinlich mehr Zeit mit dem NDA verbringen als mit dem Unternehmer und seiner Idee. Wie dumm.

Ich müsste den Überblick über alle NDA’s behalten, die ich unterschrieben habe. Es ist ein weiteres juristisches Dokument im Pantheon der Dokumente, die wir im Auge behalten müssen. Hmmm – vielleicht sollten wir die Finanzierung eines Startups in Betracht ziehen, um die Erstellung und Verfolgung von NDA’s zu automatisieren?

In 20 Jahren High-Tech (als Unternehmer, Angel-Investor und VC) war ich noch nie in eine Situation verwickelt, in der eine NDA außer im Rahmen von M&A durchgesetzt wird. Es ist einfach eine Verschwendung von Papier und Zeit.

Betrachten Sie es als Unternehmer nicht als „Arroganz“, sondern als „Praktikabilität“. Ihr Freund, der VC, versucht tatsächlich, Ihnen Zeit und Geld zu sparen. Wenn Sie denken, dass Sie etwas Supergeheimes haben, das niemand sonst wissen sollte, dann erzählen sie es einfach nicht.“

Startup Bewertung (k)ein Kinderspiel

Venture Capital Fonds haben dieses Jahr erneut Rekordvolumen eingesammelt, noch nie wurde soviel in Europas Tech-Startups investiert, gleichzeitig ging allerdings die Zahl der Transaktionen zurück. Diese Zahlen sagen uns, der Markt wird reifer, immer mehr europäische Startups schaffen es in den Unicorn Club. Die Zahl der Unicorns – stark dominiert aus China und den USA – ist so hoch wie noch nie, somit ist die Meldung über Rekordvolumen nicht gleichbedeutend damit das Europas Startup-Hubs zur Weltspitze aufschließen – sie folgen vielmehr dem globalen Trend (wenn überhaupt). Im Jahr 2019 gab es eine Rekordzahl von IPOs, gleichzeitig waren noch nie mehr Unicorns am Markt und das markiert den bisherigen Peak in der „Digitalen Revolution“, dieser Trend wird allerdings anhalten denke ich.

Der Wettbewerb um Funding für Startups in frühen Phasen wird unter dessen härter. Vor einigen Jahren reichte es noch ein gutes Team und schöne „erste“ KPIs zu zeigen. Von der nächsten Generation von Startups wird aber mehr erwartet! Nach der Digitalisierung von „alten“ Geschäftsmodellen und Prozessen, der Sammlung und Strukturierung wichtiger Datenpunkte, muss nun die Produktivität durch Automatisierung und Künstliche Intelligenzen gesteigert werden. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Sind Milliarden Bewertungen gerechtfertigt?

Völlig willkürlich sind Startup-Bewertungen in der Tat nicht, auch wenn das angesichts der vielen Unicorns schwer zu glauben ist. Die berufliche bzw. professionelle Praxis folgt klaren Regeln und Standards – wie sie etwa in den IPEV Guidelines (http://www.privateequityvaluation.com/Valuation-Guidelines) festgeschrieben sind. Wer selbst einmal rechnen möchte wie viel sein Startup oder vielleicht das nächste Investment wirklich Wert ist, kann ab jetzt ein neues Tool nutzen.


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Der Startup-Bewertungsrechner bildet die zwei wichtigsten Bewertungsmodelle der Venture Industrie ab – in meinem Interview mit derBrutkasten heute morgen habe ich mehr dazu erklärt, ein paar Tipps für die Benutzung des Rechners gegeben und auch gleich mit ein paar Mythen aufgeräumt.

Empfehlung: Ich schreibe Regelmäßig für das Online Medium derBrutkasten (eines der führenden Startup-Medien im deutschsprachigen Raum) – viel Spass beim Lesen – unter diesem Link findet ihr alle meinen bisherigen Beiträge.

Business -A-n-g-e-l-s- Devils

Florian Kandler einer von Österreichs umtriebigsten Serien-Unternehmern und Author des Austrian Startup Reports hat ein neues Projekt – ein Buch mit dem Titel „Business Angels Devils“ geschrieben. Ich hatte bereits diese Woche die Ehre die ersten Zeilen des „Entwurfs“ zu lesen und durfte natürlich auch mit ein paar Tipps und Anekdoten beisteuern.

Foto by Florian Kandler

Für sein Buch hat Florian verschiedene Geschichten von Gründern, Anwälten und Investoren zusammengetragen, die einem Gründer und Unternehmer aufzeigen sollen, worauf man besonders achten muss wenn man erfolgreich zusammenarbeiten will.

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Auf der Suche nach weiteren Büchern für Gründer und Investoren? In einem älteren Beitrag habe ich eine Liste von 13 Büchern zusammengestellt, die man als erfolgreicher Gründer oder Investor gelesen haben sollte.

In eigener Sache

Mein nächstes Buch wird das Phänomen „FOUNDER CLASH“ (unter dem gleichnamigen Titel) behandeln. Nur 1% der Startups werden erfolgreich, wie wir wissen. Ich werde in meinem Buch den zwischenmenschlichen Abgründen auf den Grund gehen, die zu Spannungen, (gerichtlichen) Auseinandersetzungen, Lügen und Betrug führen. In vielen Fällen mit starker krimineller Energie bleiben Investoren und redliche Co-Foundern auf Strecke. Zum Schutz vor Identitäten und aus Respekt vor der Privatsphäre, werde ich anonymisierte Geschichten (lediglich angelehnt an reale Begebenheiten) und soweit abstrahiert dargestellt schreiben, um Rückschlüsse auf Einzelfälle auszuschließen.

DU KENNST EINE HORROR GESCHICHTE AUS EINEM STARTUP, ODER HAST SELBST EINE ERLEBT? Ich freue mich jederzeit über eine Kontaktaufnahme via LinkedIN – je mehr Input umso besser.

Nur 1% Startups haben Erfolg

Mit einem Startup Erfolg zu haben sieht leichter aus als es ist. Wir sehen immer nur die fröhlichen Gesichter der erfolgreichsten Gründer und vergessen das 99% der Unternehmen beim Versuch die Welt zu erobern scheitern. Daran ist durchaus auch das überzeichnet positive Bild in den Medien schuld, aber sicher nicht ausschließlich, es liegt auch an der Generation Y (der Generation “Startup”) selbst.

Das Bild in sozialen Medien wird perfekt poliert – so sind wir aufgewachsen, wir haben uns früh spielerisch mit Medien auseinandergesetzt und gelernt sie zu nutzen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Generation Y tatsächlich sehr frustriert ist und geradezu einen kulturellen Druck verspürt Erfolge zu feiern, alles und noch mehr zu erreichen.

Der Ruf nach einer “Kultur des Scheiterns” dieser – meiner – Generation wird meines Erachtens oft falsch verstanden. Es mag etwas Schizophren klingen, aber wer die Generation richtig versteht, versteht das Misserfolge gefeiert werden müssen. Man rückt das positive in den Vordergrund, das erlernte – vergisst die verlorenen Millionen – und vermeidet somit das Stigma des Verlierers.

Generation Y = Generation Startup

Viel zu viele in unserer Generation eifern gepimpten Facebook und Instagram Profilen nach. Einige nutzen die technischen Möglichkeiten und versuchen ihre Träume und Visionen für eine „bessere Welt“ zu realisieren und entwickeln ein Produkt oder einen Service und testen ihren Business Case am Kunden. Schnell testen, aber auch schnell wieder verwerfen ist die Devise. Wer den Schritt in ein Startup wagt, verlässt die Komfortzone und begibt sich auf eine verrückte Achterbahnfahrt. Am Anfang erwarten viele das schnelle Geld – wie viel Arbeit am Weg dort hin wartet, erkennt man kurz darauf.

Grafik 1 – Quelle: Neil Perkin

Die Erwartungen und die Realität auf diesem Weg zum Erfolg klaffen bei sog. First-Time Foundern sehr stark auseinander. Ich habe viele Gründer in den letzten Jahren kennengelernt und leider auch eine Menge scheitern gesehen. Wir (Investoren) suchen täglich die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Uns sind die typischen Entwicklungsphasen eines Startups (siehe Grafik 1) nur zu gut bekannt. Wenig verwunderlich ist das Business Angels und VCs den selben Prozess aus ihrem Blickwinkel betrachtet anders sehen (siehe Grafik 2).

Grafik 2 – Quelle: Tribal Advisors

Einen Totalverlust erleiden im übrigen die wenigsten Gründer – dies trifft am ehesten die Investoren (wenn überhaupt). Das Gründerleben muss man sich aber dennoch leisten können. Gehälter sind nicht garantiert und die ein oder andere Durststrecke ist vorprogrammiert. Viele der erfolgreichsten Gründer könnten sich leisten durchzuhalten. Das ist Kriegs entscheidend da das Timing der wichtigste Erfolgsfaktor ist und falsches Timing kann man (manchmal) aussitzen.

Quelle: Venionaire Capital

Über Misserfolge spricht man nicht

In unserem Breitengraden spricht man nicht gerne über Misserfolge. Im Gegenteil man ist bemüht diese Meldungen möglichst positiv zu verpacken, da man sonst als Verlierer abgestempelt wird. Ich habe am eigenen Leib erfahren was es heißt im Startup-Ökosystem geprügelt zu werden als wir unseren ersten Fonds nicht auf die Straße brachten. Die wenigsten haben mir direkt ins Gesicht gesagt, dass sie enttäuscht sind und für die Hintergründe hatte niemand Zeit. Was soll ich sagen: „Wir haben viel gelernt – ein Rückschlag passiert den besten – wir sind aber froh das wir durchgehalten haben und danken jenen die immer zu uns gestanden haben“.

Wer ein Unternehmen eröffnet geht ein Risiko ein. Wer ein Startup startet, den Anspruch auf exponentielles Wachstum erhebt und sich dafür radikaler Innovation bedient – der riskiert noch viel mehr. In diesem Fall bewegt sich das Gründerteam noch viel weiter aus der persönlichen Komfortzone, da man bewusst auf den (meist langwierigen) Aufbau einer Kundenbasis oder die Entwicklung einer Technologie setzt. Wachstum aus eigenem Umsatz ist in diesem Fall kaum möglich.

Fakt: Das Risiko der Selbstständigkeit oder etwa Investments in hoch riskante Startups wird steuerlich in Österreich nicht abgegolten – auch die Situation der „Versicherung“ ist mitunter nachteilig. In manchen Fällen kann man Förderungen einreichen und so Zuschüsse oder günstigere Kredite erhalten. Ein Angestellter ist in der Regel besser dran als ein Unternehmer! Hier könnten wir noch viel von anderen Ländern u.a. UK lernen.

In einem Land wie Österreich – wo man die Vollkasko Mentalität quasi erfunden hat – ist Unternehmertum nicht all zu beliebt. In Fernsehsendungen wie „Hölle der Löwen“ oder „2 Minuten, 2 Millionen“ fiebert man eifrig mit und freut sich mit dem ein oder anderen Gründer des es schafft..

Viele der dort präsentierten Ideen sind durchaus unterhaltsam – keine Frage. Für alle die es amüsanter finden wenn etwas daneben geht und ein Unternehmer so richtig auf die Schnauze fällt darf man ankündigen, dass bald eine Fernsehsendung zu diesem Thema kommt – powered by fuckupnightsvienna.

Die Unicorn Herde

Durch die Digitalisierung, breite Verfügbarkeit von leistungsstarken Computern, Mobiltelefonen, sehr viel einfacheren Programmiersprachen und durch nahezu flächendeckendes Breitband-Internet ist ein regelrechter Startu-Boom ausgelöst worden. Selbst die Wirtschaftswissenschaft (Betriebswirtschaftslehre) erfährt durch diese stark wachsenden Unternehmen, eine Renaissance. Wer einen guten Job haben möchte sollte Data Scientist werden Digital Management, Big Data Analytics und Artificial Intelligence an den besten Unis der Welt bereits online studieren – siehe Harvardx. Es gibt eine extreme Nachfrage nach Talenten in diesem Bereich und ich bin überzeugt das diese noch steigen wird.

Grafik 3 – Quelle: CBInsights

Man könnte sagen es reicht den Laptop aufzumachen um die Welt zu verändern … tatsächlich gehört aber noch viel mehr dazu. Statistisch wird man es mit weniger als 1% Wahrscheinlichkeit schaffen in die Herde der Unicorns aufzuschließen – die Chancen sind aber immer noch besser als Lotto zu spielen.

Grafik 4 – Quelle: CBInsights

Fonds investieren immer weniger in Ideen – sie wollen Kennzahlen bzw. einen Beleg dafür sehen das jemand bereit ist für ein Produkt tatsächlich zu bezahlen. Die Wunden der Dot.com Bubble sind noch tief – man hat dazu gelernt und will die selben Fehler nicht noch einmal machen. Investoren sichern darüber hinaus das Risiko ihrer Investments heute auch sehr viel stärker ab. Liquiditätsvorzüge (Liquidation Preferences) mit einem Multiple größer 2x sind keine Seltenheit mehr.

Erfolgsfaktoren vs. Misserfolgsfaktoren

Es ist eine alte Weisheit, aber ich werde nicht müde sie zu teilen: “Die beste Geschäftsidee, verliert gegen die zweit Beste – insb. wenn diese Idee das bessere Team treibt.”. Das Geheimnis vieler Startups liegt in der Umsetzung der Idee, nicht in der Einzigartigkeit und am Timing. Die Chancen eines Startups steigen nicht durch die bloße Höhe von Investments die es erhält – im Gegenteil zu viel Kapital kann (insb. am Anfang) sogar ein Nachteil sein. Mit vollen Taschen ist man z.B. schnell versucht ein Produkt mit schwacher Retention zu stark zu bewerben, so verbrennt man Kunden und auch seine Marke.

Accelerator und die richtigen Business Angels helfen viele Anfängerfehler zu vermeiden. Diese Investoren bzw. Programme bringen in der Regel auch gesteigerte Medien-Reichweite mit sich. Geschickte Startups verstehen diese Hebel sogar noch zu verstärken – so etwa Pynk, das Startup publizierte unmittelbar nach der Aufnahme in das 360Lab einem Medium Artikel der wiederum durch das Team des 360Lab Accelerators viral verbreitet wurde.

Bei einem Accelerator geht es darum das Produkt zu schärfen, Reichweite zu gewinnen, die besten Investoren kennen zulernen und als Team zu wachsen. 360Lab inszeniert die Auswahl der Startups für den Batch (5 aus den letzten 10 Finalisten) bereits als Fernsehshow „XCite“ – in der Jury durfte ich kürzlich in Warschau sitzen – so entstehen gute Bilder die man in den folge Monaten perfekt vermarkten kann.

Gerade zu toxisch kann es für ein Startup sein, wenn unerfahrene Investoren ihren Schützlingen bei wichtigen Entscheidungen im Weg stehen oder diese in eine falsche Richtung beraten. In diesem Fall sind Probleme vorprogrammiert.

Zwei Klassiker sind:

  • Zu viele kleine Investoren, die alle auf dem Cap-Table stehen wollen, aber nicht genug „fire-power“ für Folgerunden mitbringen. Das macht Entscheidungen mitunter schwierig und Folgeinvestoren winken sehr häufig ab.
  • Die Teilnahme an einem Accelerator wird oft kurzsichtig betrachtet. Ich sehe immer wieder das Investoren Gründern die Teilnahme untersagen, weil sie vermeintlich bereits eine höhere Bewertungen bezahlt haben. Die Konditionen von Programmen wie sie etwa Seedcamp, Y-Combinator, 360Lab oder Startup Bootcamp bieten werden schlicht falsch verstanden – es geht dabei um viel mehr als um ein Cash-Investment!

Ich wünsche euch viel Glück mit euren Ventures – meldet euch einfach wenn ihr Fragen habt via LinkedIN.

7 Kennzahlen die Startups kennen müssen

Startups erobern die Welt. Investoren zahlen (scheinbar) fantastische Bewertungen und so mancher Banker schüttelt seinen Kopf. Grund genug, einen Überblick der sieben wichtigsten Kennzahlen (für Digital Startups) zu geben die sich professionelle Investoren ansehen, um Startups zu analysieren. Diese Kennzahlen verwenden Startups entsprechend regelmäßig, um ihr Unternehmen zu steuern.

Die erfolgreichsten Startups und Investoren verfolgen nahezu obsessiv Kennzahlen und versuchen diese laufend durch gezielte Experimente zu optimieren.

Kundengewinnungskosten – engl. Customer Acquisition Cost (CAC)


CAC ist der durchschnittliche Geldbetrag, den ein Startups für Vertrieb, Marketing und damit verbundene Ausgaben ausgeben muss, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Die Kennzahl sagt etwas über die Effizienz der getroffenen Marketingaktivitäten aus. Die Kennzahl wird aussagekräftiger, wenn sie mit einigen der anderen untenstehenden Kennzahlen kombiniert wird – oder etwa im Vergleich zum CAC der Wettbewerber.

TIPP: Venture Capital Fonds haben in der Regel einen ganz guten Überblick über „übliche“ Kundengewinnungskosten eines Startups in einem Geschäftsfeld und einer entsprechenden Entwicklungsphase – daher ist es ratsam früh mit Investment Managern zu sprechen und Zielwerte die sie erwarten zu erfragen!

Kundenbindungsrate – engl. Customer Retention Rate (CRR)

Kunden zu gewinnen ist eine Sache – man kann Downloads letztlich einkaufen. Kunden zu behalten ist daher die Kür! Die CRR beschreibt wie viele Kunden zahlende bzw. aktive Nutzer bleiben. Üblicherweise betrachtet man diese Kennzahl im Monats- oder Jahresvergleich und sollte einen Wert > 30% (mindestens) erreichen. Als Faustregel kann man sich merken das ein Investment in Kundenbindung nur in Fünftel so viel kostet, wie einen neuen Kunden zu gewinnen!

Der Kehrwert dieser Kennzahl wird Churn-Rate (oder Absprungrate) genannt und beschreibt den Prozentsatz der Kunden, welche ein Startup in einem bestimmten Zeitraum verliert. Eine hohe Kundenbindungsrate ist ein Indikator dafür das man Kunden begeistert und ein „wertvolles“ Produkt entwickelt hat – es ist in der Tat nicht einfach bei der Fülle an Apps die ein Nutzer auf sein Handy lädt oder Software die ein Unternehmer aktiviert in tägliche Nutzung zu kommen bzw. diesen für langfristige Zahlungspläne zu überzeugen.

TIPP: Kunden mit sehr schwacher Aktivität oder gar Inaktivität ihres Produkts direkt fragen: „Warum nutzt du unser Produkt nicht mehr? Was können wir verbessern? Lernen sie von ihren Kunden.

Wert eines Kunden im Lebenszyklus – engl. Lifetime value (LTV)

Der Lifetime Value (LTV) ist der durchschnittliche Nettowert eines Kunden für Ihr Unternehmen über die geschätzte Dauer der Beziehung zu Ihrem Unternehmen bzw. Produkt. Das Verständnis dieser Zahl, insbesondere in Bezug auf CAC, ist entscheidend für den Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens.

Manche Investoren sehen diese Kennzahl Verhältnis von CAC zu LTV als die goldene Metrik. Sie ist ein sehr einfacher Indikator für die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells. Wenn ein Unternehmen vorhersehbar und wiederholt ein hohes Verhältnis dieser Kennzahl erreicht, dann ist es nachhaltig.

Der Nachteil dieser Kennzahl ist, dass Startups in frühen Entwicklungsstadien schlicht den LTV ihrer Kunden noch nicht qualifiziert einschätzen können.

TIPP: Zur Berechnung des LTV empfehle ich das Harvard Modell.

Wachstumsdynamik – engl. Lead Velocity Rate (LVR)

Die LVR ist meine Lieblingskennzahl – auch wenn sie in unseren Breitengraden erst langsam den Markt durchdringt. Die Kennzahl beschreibt den Wachstumsprozentsatz der qualifizierten Leads von Monat zu Monat. Sie misst die Entwicklung ihrer Kundenpipeline und hat mehr Aussagekraft für mich als Venture Capital bzw. Business Angel Investor als ihr Umsatz (da dies ein Vergangenheitswert ist), da man mit Wachstumskapital nur die Verkaufskraft verstärken nicht aber „erfinden“ kann. Die Aussage der Kennzahl ist sehr einfach: Wie viele potenzielle Kunden haben sie tatsächlich in ihrer Pipeline.

Ist kein ausreichend großer Trichter an qualifizierten Leads vorhanden – hat das Startup in der Regel noch gar keinen „professionellen“ Vertrieb aufgesetzt und müsste zunächst ein operatives Thema lösen, bis es mit dem Verkauf richtig loslegen kann – das Risiko eines Investments in einem solchen Stadium ist deutlich höher.

[ (#) Qualifizierte Leads aktueller Monat – (#) Qualifizierte Leads letzter Monat ] / (#) Qualifizierte Leads letzter Monat X 100 = (%) Lead Velocity Rate

TIPP: Vergangenheitswerte werden gerne zur Schätzung des zukünftigen Potenzials herangezogen, daher sollte man den Vertrieb möglichst von Beginn an mit dieser Kennzahl steuern.

Amortisation der Kundengewinnungskosten – engl. CAC Amortisation

Wie lange dauert es bis wir die Kosten der Kundengewinnung (CAC) verdient haben. Wir sprechen also von Tagen, Wochen, Monaten – dieser KPI misst, wie lange es dauert, bis ein Kunde genügend Umsatz generiert hat, um den CAC zu decken. Diese Kennzahl hat einen direkten Einfluss auf den Cashflow und damit auf die Wachstumsgeschwindigkeit aus eigener Kraft.

TIPP: Diese Kennzahl sollte kleiner als 12 Monate sein, idealerweise bei max. 3 Monaten. Faustregel: Kommt ein Produkt nach spätestens 3 Monaten ins verdienen – ist es ein gutes Produkt.

Verbrennungsrate (ungedeckte Kosten) – engl. monthly burn

Kostenrechnung ist ein alter Hut. Wer seine Einnahmen und monatlichen Ausgaben (fix und variabel) versteht, versteht sein Unternehmen. Die „Burn Rate“ ist einfach der negative Nettobetrag des Cashflows.

Beispiel: Wenn ein Unternehmen den Monat mit EUR 30,000 in Bar beginnt und den Monat mit EUR 10,000 in Bar beendet, beträgt die Burn-Rate EUR 20,000. Die Kennzahl wird häufig missbräuchlich verwendet – in dem man damit die Gesamtkosten des Unternehmens fälschlicherweise betitelt. Wenn der monatliche Netto-Cashflow eines Unternehmens positiv ist, verbrennt es kein Geld.

TIPP: Wer gut Haushaltet lebt länger. Ich empfehle regelmäßig auf Kosten zu achten, da das Geld von Investoren teuer ist und man sich schnell die Gunst dieser verbauen kann wenn man schlecht wirtschaftet.

Laufzeit bis zum Ende der Liquidität – engl. Runway

Entscheidend für das Überleben eines jeden Startups ist die „Runway“. Sie beschreibt das Maß für die Zeitspanne, in der einem Unternehmen das Geld ausgeht – üblicherweise ausgedrückt in Monaten.

Die Laufzeit bis zum Ende der Liquidität wird berechnet, indem die verbleibenden Barmittel durch den monatlichen Verbrauch dividiert werden.

TIPP: Investoren ziehen es vor, eine konservative Schätzung der Kennzahl zu sehen und reagieren nahezu allergisch wenn diese zu optimistisch angegeben wird. Mit einer Investmentrunde holt man sich üblicherweise eine Runway von mind. 18 Monaten ins Haus (bei vollem Wachstum). Sollte die „runway“ eines Unternehmens unter 12 Monate sinken ist es Zeit mit dem Fundraising zu beginnen, sinkt sie unter 6 Monate ist Vorsicht geboten und man sollte Kosten senken bzw. eine Überbrückungsfinanzierung  „Bridge-Round“ starten.

Wie man Investoren findet?

Fundraising ist knifflig – man muss viele Bälle jonglieren und letztlich das Tagesgeschäft und die Finanzierung unter einen Hut bekommen. Das richtige Netzwerk, eine gute Equity Story, Verhandlungspsychologie, Timing und Erfahrung führen zum Erfolg. Unerfahrene Gründer haben hier einen drastischen Nachteil und das ist ganz natürlich. Die meisten Rookie-Gründer stolpern buchstäblich durch ihre erste Investmentrunde und überzeugen dabei mehr oder weniger erfahrene Business Angels – wobei sich dies oft erst 12 bis 24 Monate später herausstellt.

Business Angels sind meist sehr tief in den Startup-Ökosystemen verwurzelt und sind es gewohnt, junge Talente in einem sehr frühen Entwicklungsphasen zu entdecken, abzuholen und aufzubauen. Venture Funds steigen erst später ein und sind in ihrer Zugangsweise ein Stückchen anders.

Fonds haben in der Regel eine viel höhere Sichtbarkeit – alleine schon mal weil sie mehr Geld verwalten und ein ganzes Vollzeit Team beschäftigen. Sie pflegen ihre Marke und sind pro-aktiv in der Kommunikation und das hat einfache Gründe:

  • Eine gute Marke generiert zusätzlichen Deal-Flow,
  • sie stärkt die Position am Verhandlungstisch,
  • sie erhöht die Sichtbarkeit ihrer Portfoliounternehmen und zieht letztlich auch Investoren (sog. LPs) für ihre Fonds an.

Als Startup sollte man sich nicht unbedingt in einem ersten Schritt gleich an einen Fonds wenden. Häufig ist es besser einen Business Angel oder Mentor zu finden.

Venionaire unterstützt seit fast sieben Jahren Start-Ups bei der Mittelbeschaffung und Skalierung ihrer Geschäfte. In der Zeit ist das Wort „Start-Up“ fast schon inflationär geworden und die Investoren-Landschaft hat sich in Europa und den USA auch erheblich verändert. Heute gibt es viele neue Spieler am Feld und wöchentlich kommen neue dazu. Das Geschäft ist heute streng reguliert (siehe AIFM Gesetz) – die Zeiten für Cowboys sind vorbei.

Es gibt neben traditionellen Fonds heute auch viele Investmentnetzwerke (u.a. superangels.club), Family Offices, Stiftungen sowie einzelne vermögende Privatpersonen die regelmäßig und durchaus professionell in Start-Ups investieren. Aktuell sind rund 400 Business Angels in Österreich in Netzwerken registriert und man geht von weiteren 800 Personen aus die auf eigene Faust aktiv sind.

Gute Investoren teilen ihre Erfahrungen und helfen uns neue Investoren regelmäßig weiterzubilden – da es auch auf Seiten der Investoren Fehler gibt die man dringend vermeiden sollte. Das Business Angel Institute, welches ich vor einigen Jahren mitgegründet habe, bietet mittlerweile seine Investoren-Trainings in Europa und im Arabischen Raum (Saudi Arabien und Bahrain) als Marktführer an.

Wie findet man den richtigen Investor?

Gut 90% der Gründer ziehen das Thema Fundraising direkt an sich – weil sie vermeidlich Kosten sparen wollen und sich der Verantwortung stellen wollen. Löblich, aber nicht immer ganz schlau. Die internen Kosten werden gerne vernachlässigt. Gründer sollten sich sich auf ihre Produkte konzentrieren, Teams entwickeln und Meilensteine erreichen – 3-6 Monate auf ein anderes Thema (wie etwa Fundraising) zu konzentriert kann für ein Start-Up zu einem echten Problem werden.

Nachstehender 10 Punkte Leitfaden (ursprünglich auf Englisch auf venionaire.com von mir veröffentlicht) soll helfen, das Thema Fundraising so effizient wie möglich zu strukturieren und zu gestalten:

  • Bauen Sie einen „Funnel“ (Trichter) für Investoren, genau wie Sie es für Ihre Werbe-Newsletter (hoffentlich) machen – z.B. Landing Page & Newsletter über HubSpot / MailChimp.
  • Starten sie mindestens sechs Monate vor Ihrer nächsten Runde mit der verstärkten Aktivierung ihres Trichters.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Aktivierung jener Investoren, die über Ihre Kanäle ein aktives Engagement für Ihr Produkt und Ihr Team zeigen (lassen Sie Tools wie HubSpot die Auswertung machen).
  • Pflegen Sie intensive Beziehungen zu rund 10 Investoren und lernen sie wonach diese Investoren suchen (KPIs, Traction, Team, etc.).
  • Kommunizieren Sie Ihre Unternehmensentwicklung durch ihren Investoren-Newsletter (inkl. der Pipeline zukünftiger Investoren).
  • Bespielen Sie regelmäßig und professionell die Presse, Social Media und Konferenzen.
  • Halten Sie Ihr Pitchdeck und Ihre Unterlagen immer für Investoren bereit (niemand sollte darauf warten müssen).
  • Seien Sie vernünftig in Bezug auf Bewertung und Konditionen – professionelle Investoren werden Sie nicht ausnutzen, da in den kommenden Runden zu Problemen führt und da sie in der Regel sehr auf ihren Ruf achten.
  • Laden Sie Ihre bestehenden Investoren frühzeitig zu einer Überbrückungsfinanzierungsrunde „Bridge“ ein (falls nötig). Wenn Ihnen die Liquidität ausgeht, wird Ihre Position außerordentlich gefährlich. Sie verlieren viel Energie, Unternehmensanteile und Vertrauen der Stakeholder.
  • Verhandeln Sie nicht zu lange – schließen Sie Ihre Runden innerhalb von maximal drei Monaten ab!

Wenn Sie den Luxus haben, sich zwischen Investoren entscheiden zu können, empfehlen ich Ihnen einige Parameter abzufragen:

  • Anzahl der Portfoliounternehmen / Investmentmanager

Warum? Sie möchten wissen, ob sie über Ressourcen verfügen, um Ihr Unternehmen in der nächsten Entwicklungsphase zu unterstützen.

  • Internationales Expertennetzwerk

Warum? Es ist einfacher, einem bestehenden Netzwerk beizutreten, als eines von Grund auf neu zu erstellen.

  • Unterstützungsnetzwerk (Öffentlichkeitsarbeit, Personalwesen, Growth Hacking, Entwickler, etc.)

Warum? Sie benötigen Dienstleistungen, um Ihr Unternehmen zu stärken. Während Marketing in der Regel eher einfach zu lösen ist, wird die Einstellung von Talenten mit internationaler Erfahrung früher oder später zu einem echten Problem in jedem Hub werden.

  • Aktive Co-Investoren mit Portfoliounternehmen

Warum? Je besser ein Investor seine Investitionen auswählt und strukturiert, desto besser sind seine Beziehungen zu hoch angesehenen Co-Investoren. Einige Investoren werden sogar Co-Investoren einladen, ein Unternehmen während der Due Diligence zu begutachten.

  • Die Laufzeit des aktuellen Fonds und der Desinvestitionsdruck auf frühere Fonds.

Warum? Die meisten Fonds haben eine Laufzeit von zehn Jahren, nach 3-5 Jahren Investition und fünf Jahren Ernte müssen sie ihr Portfolio verkaufen. Sie wollen nicht im Portfolio eines Fonds landen, der schon bald durch unter Abverkaufsdruck steht.

Ein letzter Tipp:

Lassen Sie sich nicht von Stereotypen von Fondsmanagern täuschen. Man hat mir tausendmal gesagt, dass Investmentbanker im Vergleich zu ehemaligen Unternehmern schlechte VC-Investoren sind. Die Wahrheit ist aber das beide „Gruppen“ für sich nicht besonders gute Chancen haben – außer sie verschränken ihr Know-How. Ich habe mehrere Firmen gegründet und das Investmentbanking Geschäft über fast 10 Jahre von Grund auf gelernt. Erfahrungen aus beiden Welten helfen mir täglich.

Warum überhaupt die Positionierung? Es ist einfach Marketing – ehemalige Gründer positionieren sich gründerfreundlich und dafür reklamieren sie regelmäßig bessere Konditionen (einige übertreiben das – Achtung!). Banker haben häufig einen nüchterneren Zugang zu Zahlen und Prozessen, da sie wissen das es leichter ist mit professionell aufgestellten Startups zu arbeiten, ganz besonders in Folgerungen. In der Regel überzeugen Sie mit besseren „Later-Stage“ Investment Zugängen. Ideal ist es wenn ein Investor know-how aus beiden Welten in seinen Reihen hat.

New York City – Innovation & Dynamik

Vor rund zwei Wochen hatte ich die Ehre eine hochkarätig besetzte Delegation der Republik Österreich nach New York City als Teilnehmer zu begleiten. Ziel unserer Reise war die weltweit führende Finanz- und Wirtschaftsmetropole New York City (NYC) – eine Stadt die sich regelmäßig neu erfindet, eine Stadt die niemals schläft – zu erkunden und zu lernen. Darüber hinaus wurde natürlich der Wirtschaftsstandort Österreich vermarktet.

Ministerin Schramböck (Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) führte die Innovations- und Inspirationsdelegation (siehe Instagram) an, während Hartwig Löger (Finanzminister) zu einer Veranstaltung mit Kapitalmarktfokus unter dem Titel „Sound of Finance“ lud. Die Teilnehmer dieser Reisen – u.a. 10 CEO’s führender ATX Firmen, der Chef der Nationalbank, sowie führende Investoren und Vertreter der Startup Szene, sowie Top-Manager verschiedener Banken – nutzten die 3 intensiven Tage natürlich auch zum Austausch untereinander.

Ziele der Reise

Wie man sich gut vorstellen kann sind Delegationsreisen dieser Art sehr straff durch geplant – da man die Zeit (meist ja nur 2-3 Tage) im fernen Ausland möglichst Effizient nutzen möchte. Ministerin Schramböck – ehem. Top-Managerin aus der Telekom Industrie – ist besonders bekannt dafür effizient zu arbeiten. Die Ziele waren einerseits Eindrücke und Inspiration zu sammeln, aber natürlich auch Projekte abzuschließen bzw. einen Meilenstein zu besiegeln. Ministerin Schramböck hat so einen Meilenstein mit weWork bzw. weWork Labs gefeiert und einen wichtiges Projekt für den Wirtschaftsstandort Österreich voran gebracht. WeWork Labs in New Yorks wird in naher Zukunft ein paar führende Startup-Talente fördern und bei der Expansion in die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen – im Gegenzug arbeitet das weltweit führende Startup Ökosystem daran einen Standort in Wien zu eröffnen.

International führende Firmen und Netzwerke an den Wirtschaftsstandort Wien anzudocken ist für unser (noch sehr junges) Ökosystem unerlässlich. Die digital Ökonomie verlangt von einem global Akzente zu setzen – der österreichische oder deutsche Markt ist schlicht zu klein. In Berlin hat man dies früher erkannt – so sitzen bereits alle (Facebook, Google & Co) dort und es hat sich rundherum einer der stärksten Hubs entwickelt. Bei besteht hier dringend Nachholbedarf. Der Schritt ist also tatsächlich extrem wichtig und darf nicht unterschätzt werden.

Wichtige Erkenntnisse

Nach so einer Reise muss man die Erlebnisse und Eindrücke erst einmal verarbeiten. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Was nach einem Besuch im Silicon Valley oder in „Silicon Alley“ (Spitzname für New York als Startup-Stadt) hängen bleibt, ist die Gewissheit das wir uns zu Hause (in Österreich) bislang auf „alten“ Erfolgen ausruhen und uns wahnsinnig schwach im Ausland vermarktet haben. Es erscheint einem plötzlich glasklar das wir schnell ein paar mutige Schritte setzen müssen, um in Sachen Innovation und Zukunftssicherung aufzuholen. Wir haben auf diesem Gebiet einiges verschlafen!

Die Realität zeigt auch, dass uns sehr schnell der Alltag einholt. Es holt uns die Ernüchterung ein, dass es kaum etwas hilft wenn einzelne (sogar Politiker oder die Regierung) das Problem erkannt haben – es bedarf nämlich auch eines kulturellen Wandels. Ein Umdenken hin zu mehr Affinität für Risiko, Unternehmertum kann man nicht „erzwingen“ oder durch kleine politische Akzente erreichen. So ein Wandel Bedarf einer Bewegung – es muss ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. Es braucht erfolgreiche (mutige) Vorbilder, die sich zunächst aber Exponieren und als Pioniere das Risiko nehmen, gewinnen oder auch eine Blamage in Kauf nehmen.

Wenn wir darauf warten das die „nächste“ Generation diese Vorbildrolle einnimmt, dann wird es noch ein, zwei Jahrzehnte brauchen bis wir aufgeholt haben. Viel wichtiger wäre es die Erfolgsgeschichten der rund 250 Welt- und Europamarktführer zu erzählen und diese Pioniere die wir bereits haben ins Rampenlicht zu stellen. Österreich ist ein Land der Unternehmer und es wird Zeit das wir sie feiern!

In Österreich hat sich in den letzten Jahren sehr viel in Sachen „Startup-Ökosystem“ getan. Wir haben eine steigende Gruppe lokaler „neuer“ Helden (z.B. Florian Gschwandtner, Runtastic; Michael Müller und Michael Altrichter, Paysafecard oder Markus Ertler, Immobilien.net, etc.) die für ihre Erfolge öffentlich gefeiert werden und die sich auch als Vorbilder für die nächsten Generationen von Gründern zur Verfügung stellen. In Summe sind es stattliche 50 Gründer die nach ihrem erfolgreichen Exits in Österreich als Business Angels aktiv versuchen das Ökosystem zu entwickeln und als Treiber fungieren. Viele weitere Privat-Investoren folgen diesen Investoren und sind als Co-Investoren regelmäßig aktiv. Netzwerke wie Startup300, AAIA, Tyrolian Business Angels, Investors Circle (Suraa), eQventure oder European Super Angels Club vernetzen diese Investoren in verschieden Teilen Österreiches.

Mittelständische Unternehmer und Institutionelle Investoren halten sich aus der Szene noch weitgehend fern. Die Österreichische Startup Szene boomt und es wäre noch sehr viel mehr raum für Investoren in allen Segmenten.

Zurück zu unserer Reise – was haben wir gelernt und was nehmen wir mit?

Erkenntnis 1: Österreicher verkaufen sich regelmäßig unter ihrem Wert!

Es war niemand geringer als Hikmet Ersek (CEO, Western Union) der in seiner Rede bei „Sound of Finance“ eine Brandrede auf seine alte Heimat Österreich hielt – man muss sogar sagen das er sich mit einem Appel an das Auditorium richtete in dem er sagte: „Die Schweizer würden sich nie als >> kleines Land << vorstellen!“. Österreicher müssen lernen ihre stärken zu Präsentieren, etwa eine der höchsten Forschungsquoten der Europäischen Union, man ist auch Heimat der meisten Welt- und Europa-Marktführer (Mittelstandsunternehmen) per capita, sowie von ungewöhnlich vielen führenden Unternehmen in CEE (insb. Banken und Versicherungen).

Es ist gerade zu herausragend wie viele Studenten nach Österreich kommen, um an unseren alt-ehrwürdigen und neueren (technischen) Hochschulen zu studieren – auch hier sind wir absolute europäische Spitze!

Die schöne Natur, die Reichhaltigkeit an kulturellem Angebot, die Geschichte des Landes, sowie die seit 10 Jahren ausgezeichnete höchste Lebensqualität der Welt in der Hauptstadt (Wien), die Neutralität, der Fakt das wir die meisten internationalen Organisationen beherbergen und das kompromisslose Bekenntnis zu nachhaltiger Energie erscheint in diesem Zusammenhang nur noch wie der Schlagobers auf der Sachertorte.

Wir dürfen und müssen stolz sein! Österreich ist großartig und wir (Unternehmer und Politiker) müssen aufhören uns zu entschuldigen – unser Pitch darf kraftvoll und stolz sein. Wie man es richtig macht, zeigt der Lord Major der City of London, den ich gerade erst vorgestern in Maison House (London) treffen durfte:

Erkenntnis 2: Was man selbst nicht im Land hat, muss man ins Land holen!

Die Amerikaner verschenken wahrlich keine Reisepässe und sind längst kein Land mit offenen Grenzen mehr. Im Gegenteil – sie sind für ihre durchaus strickte Einwanderungspolitik bekannt, ABER wer etwas außerordentlich gut kann der wird wiederum aktiv ins Land geholt (egal ob Wissenschaftler, Sportler oder Investoren). Das ist exakt jene Politik für die Kanzler Sebastian Kurz aktuell von der Opposition kritisiert wird. Ich habe viele Jahre bemängelt das wir in Österreich keine Strategie in diesem Bereich haben. Wir waren sogar so doof, dass wir Talente (häufig mit Applaus) beim Abwandern begleitet haben – wenn etwa eine Firma verkauft wurde. Dabei brauchen wir jede Menge Talente – mehr als wir haben!

Ministerin Schramböck, hat das Problem fehlender Schlüsselarbeitskräfte erkannt und auch sofort verstanden das es zu lange dauern wird „eigene“ Talente aufzubauen (obwohl auch dies verstärkt passieren soll). Der ABA – bisher für direkt Investitionen aus dem Ausland zuständig – werden in diesem Bereich neue Zuständigkeiten als „Standort Agentur“ gegeben.

Die ABA wird in Folge im Zukunft aktiv im Ausland Fachkräfte / Talente anwerben, die wir dringend im Land brauchen. In vielen Fällen würde es schon reichen, wenn wir die internationalen Studenten die an unseren Hochschulen ausgebildet werden nach ihrem Abschluss im Land halten würden (aktuell erschweren wir es noch vielen bei uns zu Arbeiten) – hier soll eine Reform der „rot-weiss-rot-Karte“ Wirkung zeigen. Eine Politik die mir sehr gefällt und wirklich überfällig war und ist.

Erkenntnis 3: Großteil des Welt-BIPs kommt aus Industrien die noch nicht digitalisiert wurden

Unser Besuch bei den weltberühmten BELL LABS war für mich das größte Highlight. Nicht so sehr weil mir alleine die Geschichte imponierte, welche etwa unzählige Nobelpreis Träger oder die Entwicklung mehrerer Programmiersprachen umfasst – Nein – mich hat der Blick in die Zukunft aus dem Blickwinkel der Einrichtung begeistert und zum Nachdenken gebracht.

Ich fühlte mich nach dem Feuerwerk an genialen Inputs kurz erschlagen – musste auch das ein oder andere im Anschluss recherchieren und reflektieren. Heute hab ich meine Gedanken zusammen – der wohl wichtigste Input war einerseits das nur rund ein Drittel der Industrien (gem. an ihrem Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung) heute als stark industrialisiert gelten – die übrigen 2/3 kommen noch. Was wir also erleben ist gerade erst der Anfang und man sieht ganz klar auf welche Bereiche man sich konzentrieren sollte (siehe Grafik).

Fast noch interessanter ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass es in der Vergangenheit in Wellen der industriellen Revolution immer zu signifikanten Produktivitätssteigerungen gekommen ist. Diese Produktivitätssteigerung ist in der jüngsten Digitalisierung ausgeblieben. Was sagt uns das? Die Phase der Digitalisierung in der wir uns befinden ist eine Überbrückungs- oder Vorbereitungsphase – die echte Revolution wird erst passieren.

Daten werden heute verfügbar gemacht – morgen können wir auf Basis dieser Arbeiten. Leistungsstärkere Infrastruktur, bessere Datennetzwerke (Blockchain), Rechenleistung (Quanten-Computing) und Co. werden eine völlig neue Ebene der Produktivität ermöglichen.

Erkenntnis 4: Die Produktivität ist in den letzten Jahren kaum gestiegen.

Wir (Österreicher / Europäer) haben vielleicht den Anfang der digitalen Revolution verschlafen – sollten allerdings sehr schnell lernen wo die „echten“ Disruptoren und Produktivitätshebel der Zukunft liegen werden. Wir haben hierzu mehr Asse in der Hand als wir denken.

Bisher hatte die Digitalisierung eher einen enttäuschenden Effekt wenn wir uns den Beitrag zur Produktivität ansehen.

Source: Financial Times

Wie aber findet man die „Gamechanger“ der Zukunft? Wie identifiziert und fördert man die richtigen Teams und Technologien? Diese und viele weitere Fragen sind es die uns beschäftigen sollten. Es ist (leider) unmöglich eine qualifizierte Vorhersage zu machen – man kann/muss lediglich ein Ökosystem oder ein Netzwerk solcher Ökosysteme schaffen die interdisziplinäre Innovation, Kreativität, Trail-and-Error Experimente fördern und zulassen.

Ich habe aus New York 4 wichtige Bausteine mitgenommen, welche alle gleichermaßen wichtig erscheinen um eine Ökosystem zukunftssicher zu machen. Diese Bausteine finden sich in unterschiedlichen Initiativen in NYC (wie etwa NewLab, WeWork Lab, Navy Yards, etc.) wieder und sollten uns auch in Österreich als Schablone dienen.

Baustein 1: Symbiose aus Universitäten, Industrie und Unternehmern fördern.

Österreich steckt jährlich unglaubliche Summen in hochwertige akademische Bildung / Forschung an Universitäten und Fachhochschulen. Wir schaffen es aber bei weiterem nicht die wissenschaftlichen Resultate in Wirtschaftsleistung umzuwandeln. Innovation lebt von sogenanntem Technologietransfer und von angewandter Forschung.

Hierzu Lande gibt es seitens der Forscher (Universitäten) zu große Bedenken gute Köpfe an Spin-Offs „zu verlieren“ – Förderungen der FFG die diesen Zweck grundsätzlich verfolgen werden vielfach eher als Quer-Subventionierung (unabhängiger) universitärerer Forschung verwendet. Das ist frustrierend. Es muss Anreize geben die eine engere Zusammenarbeit von Unternehmern und Forschern ermöglichen.

Baustein 2: Innovation braucht langen Atem

NewLabs operiert als privat wirtschaftlicher Innovationsspace und Venture Capital Fonds in einem ehem. Schiffsbau-Gebäude (Navy Yards) das mit USD 10m aus Eigenmitteln (privat) und USD 40m seitens der Stadt New York gefördert wurde. Die Höhe der Förderung ist besonders bemerkenswert, da öffentliche Subventionen in den USA sehr verpönt sind und nur sehr selten gewährt werden. Darüberhinaus ist es bemerkenswert das die Stadt dem Unternehmen freie Hand lässt und lediglich die Umsetzung des Vorhabens generell prüft. Die Ergebnisse nach bereits rund 5 Jahren können sich aber sehen lassen – der Wert der entwickelten Firmen übersteigt bereits die Mrd. USD.

Es war wichtig das es sich hierbei nicht um Kredite oder Meilenstein abhängige Förderprogramme (wie sie etwa bei uns üblich sind) handelte – man hat dem Zentrum bewusst einen weiten Spielraum gelassen.

Baustein 3: Regulatory Sandbox – Fast-Track zu Förderungen, Genehmigungen, etc.

Es ist wichtig das Innovationen experimentell erprobt werden können – man muss schnell testen, verwerfen und sich neu-orientieren dürfen. Flexibilität und möglichst wenig Bürokratie sind hier der Schlüssel – so hat NYC etwa in den Navy Yards eine umfangreiche Sandbox geschaffen, welche schnelleren Zugang zu Förderungen, rechtliche Sandboxes und ähnliches bereitstellt. Eben alles was man braucht um „verrückte“ Innovationen experimentell zu erarbeiten.

In Österreich wurde z.B. eine FinTech Sandbox geschaffen – diese sollte man schnell an die UK FinTech Sandbox anschließen, die gerade durch das DIT, Invest UK und den Lord Major der City of London gestartet wurde. UK hat eine Sandbox für FinTechs geschaffen die auch für Singapur, Hong-Kong und Australien gilt – somit können Unternehmen unter einer „soft-regulierung“ sofort international arbeiten und US Firmen tatsächlich die Stirn bieten.

Baustein 4: Innovieren heißt investieren!

Ein funktionierender vorbörslicher Kapitalmarkt, bestehend aus regulierten Private Equity, Venture Capital Investoren, sowie informellen Kapitalgebern (Business Angels) ist ebenso wichtig wie ein starker Kapitalmarkt. Hier hat NYC einen klaren Vorteil als führende Finanzmetropole und als Heimat der meisten Fortune500 Unternehmen der Welt. Österreich – könnte hier nur mithalten, wenn man die rund 250 Welt- und Europa-Marktführer als Investoren und Innovationspartner mobilisieren könnte.

Innovatoren brauchen etablierte Partner und umgekehrt. In Amerika (insb. NYC) scheint es gerade zu selbstverständlich das Konzerne und führende SME’s in Venture und Private Equity investieren – dies gilt auch für Pensionskassen, Banken und Versicherungen. Letztere sind bei uns gerade zu auf der Flucht vor unserem Sektor, da sie das Risiko von Ausfällen und die enormen Eigenkapitalunterlegungen scheuen.

Das Risiko als Volkswirtschaft in keiner Weise zukunftssicher aufgestellt zu sein wird somit (faktisch) völlig ignoriert – obwohl viele Vorstände grundsätzlich verstehen das man in diesen Bereich investieren müsste.

Baby Steps sind besser als Stillstand!

Wenn man sich bewusst macht, dass bisher der Kapitalmarkt kaum ein Thema für unsere Politiker war, dann sind die gefühlten „Baby Steps“ (aus Sicht der Marktteilnehmer mit internationalem Exposure) die wir machen – dank Ministerin Schramböck – bereits riesen Schritte. Wir dürfen uns damit aber nicht zufrieden geben.

Der Rest der Welt schläft nicht und wir müssen (ohne parteipolitische Eitelkeiten) auf breiter Basis verstehen das Innovation, Wirtschafts- und Standortpolitik kaum jemals von so hoher strategischer Bedeutung war wie heute. Wir verlieren aktuell im globalen Wettbewerb und das hat unsoziale Folgen für uns alle – wenn wir nicht reagieren!

Österreichs Startup-Paket, die Kooperation mit WeWork das Zusammenlegen der beiden AWS Fonds (Mittelstandsfond und Gründerfonds), die Startup- und Programmierer-Lehrlingsausbildung sind wichtige Maßnahmen – aber es fehlt noch an vielen weiteren Bausteinen und insbesondere an finanziellen Ressourcen Innovationen, Produkte und Services global skalieren zu können. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei eines klar gestellt: Ich sehe hier nicht „nur“ die Politik in der Pflicht – es wird zusätzlich private Initiativen brauchen und diese werden kommen, wenn die Politik weiterhin Verbesserungen der Rahmenbedingungen schafft.

Wir sind als Unternehmer gefordert!

Steht der nächste Krypto Bullen-Markt vor der Tür?

In den letzten Tagen hat es sich wieder abgespielt an den Krypto-Märkten – erste Anleger haben sofort den nächsten Bullen-Markt anrollen gesehen, ich selbst bin noch etwas verhaltener. Der führende Krypto-Wert Bitcoin (BTC) hat in den letzten Tagen einen Sprung von EUR 3.500 auf knapp EUR 4.500 – das entspricht einem Wert zuwachs von rund 30% in wenigen Tagen.

30% ist im historischen Vergleich (Volatilität) kein außergewöhnlicher Kurssprung, was aber sehr wohl auffällt ist das der BTC-Kurs vor diesem „zucken“ ungewöhnlich lange auf der Stelle trat und eine eher ungewöhnlich geringe Schwankungsbreite hatte.

Das wirft ein paar Fragen auf:

  • Was hat sich geändert?
  • Warum kommen Krypto-Investoren zurück?

Vielleicht ist es soweit und es ist höchste Zeit sich erneut einzukaufen. Ich selbst hab mich bereits seit längerem für einen Bullen-Markt positioniert, da ich – wie bereits seit meinem Ausblick auf das Jahr 2019 beschrieben – 2019 einen großen Schub durch regulierte Krypto Assets (also Wertpapiere bzw. Security Tokens) erwarte und außerdem möchte ich mir den nächsten Hype nicht entgehen lassen. Was meint ihr – wohin geht die Reise?

Name Price
Bitcoin (BTC)
€7,116.41
Ethereum (ETH)
€154.56
XRP (XRP)
€0.261151

2019 – Das Jahr der Tech-IPOs

Die österreichische Startup300 AG hat das Jahr 2019 am neuen Wiener Börse-Segment für Wachstumsunternehmen mit einem Listing eröffnet – der Kurs ist – wie nicht selten (eigentlich üblich) bei einem Tech-IPO – zunächst stark gefallen, da Investoren die ihr Kapital bereits über einige Jahre gebunden hatten zumindest teilweise Kasse machen. Das selbe Bild zeigte sich bereits bei Facebook in den ersten 12 Monaten und zuletzt wieder beim Börsegang des US Mobilitätsunternehmen LYFT.

Wenn bei einem Börsegang keine neuen Aktien platziert werden, spricht man von einem Listing – diese sind in der Regel volatiler (dies ist u.a. auch bei SLACK zu erwarten – siehe Artikel unten). Insgesamt steht das Tech-IPO Jahr erst am Anfang – wir dürfen auf ein paar sehr heiße Unicorns freuen, die bald von jedermann gezeichnet werden können.

Die größten Tech-Unicorns die ein IPO angekündigt haben:

Alle genannten Unternehmen, haben längst Einzug in unseren Alltag gefunden und werden auch noch in den nächsten Jahren begleiten. Die erwarteten IPOs könnten in Summe ein Volumen von über 200 Milliarden US-Dollar übersteigen und werden die Aktienmärkte durchaus in Bewegung versetzen.

Der Videokonferenz Anbieter Zoom.us ist profitabel – dies gilt nicht für viele Tech-Unternehmen zum Zeitpunkt des IPOs in den USA – allerdings haben alle Firmen enorm hohe Kunden bzw. User-Zahlen damit ist schnell klar das diese bei Zeiten auch in Richtung verstärkter Monetisierung (Profitabilität) gehen können. Vielfach ist allerdings zunächst das Ziel die Wettbewerber der Old-Economy aus dem Markt zu drängen.

Für Investoren wiederum bedeutet das, dass es große Fantasie gibt und man durchaus bei einem guten Einstieg nach dem Börsegang und einem bestätigten „fairen“ Marktwert und gutem Wind (generell an den Börsen) schöne Erträge im Aktienportfolio für die nächsten Jahre erzielen könnte, wenn man sich diese Titel genauer ansieht.

Ich freue mich persönlich schon sehr darauf ein paar Aktien meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ aufzunehmen. Wer selbst daran denkt, den ein oder anderen Wert zu kaufen – sollte drei Regeln beachten:

1.) Timing! Tech-Aktien fallen gerne in den ersten 6 bis 12 Monaten, da Investoren und Mitarbeiter bereits vor vielen Jahren Aktien zu sehr viel günstigeren Preisen erworben haben und (wenig verwunderlich) zumindest teilweise zu Geld machen wollen.

2.) Streuen! Wer in Post-IPO Unternehmen investiert – sollte breit streuen, da diese Aktien in der Regel volatiler (d.h. riskanter) sind als etablierte Unternehmen und sich erst an der Börse beweisen müssen. Viele Unternehmen schaffen es langfristig nicht zu überzeugen – es ist also Vorsicht geboten!

3.) Halten! Auf Aktienmärkten gewinnt die Bank, insbesondere wenn man zu viel handelt oder gar „zockt“. Transaktionskosten sind für Privatanleger hoch – man sollte also eher schrittweise kaufen und einen Veranlagungshorizont von 2 bis 3 Jahren haben. Wenn man das Geld dringender braucht – Finger Weg!

In persönlich liebe Tech-Werte – ich beschäftige mich mit diesem Thema täglich und zeige über die Social-Trading Plattform Wikifolio „Digital Gamechangers“ transparent welche Tech-Aktien ich verfolge. Ich bilde dort eine Muster-Strategie ab, die das Ziel verfolgt regelmäßig den führenden Tech-Index NASDAQ zu schlagen. Bislang mit Erfolg – aber davon könnt ihr euch ja selbst überzeugen.