Tech – Made in Austria – wichtiger den je!

Was ist eigentlich los mit uns Österreichern? Wir sind doch nicht ohne Hausverstand auf die Welt gekommen. In ökonomischen Fragen setzt dieser dennoch regelmäßig viel zu oft aus. Wenn wir als Nation halbwegs unbeschadet aus der Krise kommen wollen, müssen wir zusammenrücken und müssen mehr den je Zusammenarbeiten. Jeder kann helfen, in dem etwas mehr Sensibilität für regionale Produkte, Services und Dienstleistungen aufgebracht wird. Ein klein wenig gesunder Patriotismus ist heute angebracht, keine Aufrufe zum Klassenkampf á la „Millionärssteuer“. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass es maximal im Bundeshaushalt (wo letztes Jahr mehr als EUR 190 Mrd. Ausgaben verbucht wurden), das Potenzial für Einsparungen lege, wobei (realistisch) Einsparungen hier wohl ebenfalls kaum rasch umsetzbar sind. Was bleibt, ist die Wirtschaft anzukurbeln, die Beschäftigung nach oben zu bekommen und damit wiederum Steuereinnahmen in den nächsten Jahren.

Nachbars Rasen ist grüner

Jede Woche lese ich auf Facebook, LinkedIN in Beiträgen, wo sich Menschen echauffieren über die reichsten Milliardäre der Welt, wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg und ihre Konzerne wie Amazon, Microsoft und Facebook. Zu reich und zu mächtig sind sie alle samt geworden. In der Welt der Technologie-Riesen spielen wir Österreicher bzw. Europäer nicht mit, aber gestohlen wurde uns auch nichts. Wir haben hier schlicht eine Welle verschlafen. Warum eigentlich? Österreich ist doch ein Land mit weltweit erfolgreichen Unternehmen (siehe Leitbetriebe Österreich). Weit über 200 Hidden Champions (gem. EU Definition), setzen bis heute nicht nur in einer Branche Standards. Darauf dürfen wir stolz sein. Das Geschäft mit Bits & Bytes kann bei uns ebenfalls funktionieren, aber wir müssen darauf vertrauen und in unsere Hidden Champions von morgen investieren. Raunzen bringt uns nicht weiter. Jeder Konsument kann in diesem Bereich, als Kunde, mit einem Investment in heimische Lösungen helfen. Digitalisierung ist eine riesen Chance für den Standort, das Thema gehört weder den Amerikanern noch den Chinesen.

Dornröschen wach auf

Europa hat vieles verschlafen. Das Bewusst sein das wir in totale Abhängigkeit geschlittert sind haben in den letzten Wochen wirklich alle hautnah mitbekommen. Im Shock – nach 40 Jahren fehlgesteuerter Politik – jegliche Produktion nach Hause zu holen, halte ich für überzogen. Die Globalisierung werden wir nicht Rückabwickeln können. Eine Zeitreise in die Vergangenheit und ein wieder herbei sehnen der Industrialisierung wäre ein Rückschritt, abgesehen davon das es unrealistisch ist dies kurzfristig unter Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit zu bewerkstelligen. Es würde schon reichen, wenn wir bei regionalen Onlineshops kaufen, statt bei Amazon, wenn wir Kommunikationslösungen wie Grape (aus Wien), statt Slack, Videotelefonie von Eyeson (aus Graz) statt Zoom, Webinare mit courseticket.com statt über gotowebinar anbieten.

Wenn wir auf E-Commerce, Software und Kommunikationssektor schauen, sieht es fast so aus als ob es keine Alternativen zu US Lösungen gebe. Das ist aber ein Irrtum, ich habe selbst bewusst vor vielen Jahren begonnen in die meisten der oben genannten Firmen investiert weil ich keine Abhängigkeit internationaler Tech-Konzerne in diesem Bereich haben wollte. In der Breite sind diese Lösungen noch viel zu unbekannt, das wird sich aber ändern – wenn wir alle etwas sensibler darauf achten welche Lösungen wir einsetzen. Es gibt immer noch Branchen (wie z.B. Apotheken) die das Internet gerne verbieten würden, der Online-Handel wird dort – trotz Angeboten aus ihren eigenen Reihen, wie Beavit.at – noch als feindlich betrachtet. Diese Abwehrhaltung hat dazu geführt das Schweizer, Tschechische und Holländische Online-Apotheken einen Siegeszug starten konnten und in Österreich täglich weitere Marktanteile abknabbern. Wachen wir hier auch erst auf, wenn es zu spät ist? Die Taxi Innung hat hundert tausende Euro in Klagen gegen UBER investiert, statt eine vernünftige Branchenlösung auf den Markt zu bringen, die dem Kunden, vergleichbare Vorteile gebracht hätte. Mit welchem Erfolg? Warum können wir uns so schlecht mit einem Online-Business anfreunden? Warum unterstützen und motivieren wir nicht heimische Unternehmen in diesen Bereich hineinzuwachsen?

Ich habe die Hoffnung, dass Europa – unser Dornröschen – in Sachen Digitalisierung in durch die Krise ein klein wenig aufgewacht ist. Die Corona-Pandemie zwang auch den letzten Verweigerer zur Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Bereits Jahre zuvor wurden Förderungen und Initiativen für mehr Risikokapital in Europa vorangetrieben, sie zeigten aber nur schleppend Wirkung – wenn wir das Ausmaß der globalen Transformation der Wirtschaft betrachten. Es haben sich vor allem “Insider” mit der Materie beschäftigt und kleine Erfolge gefeiert, aber von einer breiten Bewegung sind wir noch weit entfernt. Meines Erachtens sollte es große steuerliche Anreize (etwa Freibeträge) geben, die Milliarden für eine Aufholjagt auf diesem Sektor entfesseln.

Mangels kurzfristig zu erwartender Erfolge, waren bisher Politik und Konzern-Vorstände mit echten Investitionen (weil zuviel „Risiko“) in Zukunftstechnologien bisher zu verhalten. Nehmen wir die Raiffeisen Bank International, das einzige Bankhaus in Österreich das einen Corporate Venture Fonds aufgelegt hat, mit EUR 15 Millionen. Der Größe des Konzerns wären EUR 150 Millionen. im europäischen Vergleich und EUR 500 Millionen im internationalen Vergleich angemessen gewesen. Der erste Schritt wurde hier aber wenigstens gesetzt, wo sind die übrigen Banken und Pensionskassen? Wenn Finanzinstitute nicht in die Zukunft unseres Standorts investieren, wer dann?

Einzelne Erfolge gab es im Startup Sektor natürlich – auch auf unserem Kontinenten – trotz angezogener Handbremse. Sie haben als Leuchttürme gezeigt was möglich ist. Die stiefmütterliche Sicht auf Innovation, muss heute ein Ende haben. Mit angezogener Handbremse ist kein Rennen zu gewinnen, und Krisen sind nicht zuletzt ein Motor für Innovation. Sie treffen uns außerhalb der Komfortzone, wo wir mit mutigen Schritten entgegnen können.

Nicht blenden lassen

Opportunisten gibt es immer. Sie vertreten die Ansicht, dass wir gut aufgestellt sind in Europa ohne dabei zuviel in Fakten einzutauchen. Der einfältige Verweis auf erste Unicorns tut weh. Es gibt natürlich Beispiele aus Europa die es in die Weltelite der Tech-Startups geschafft haben, der globale Anteil dieser ist aber verschwindend gering und bei weitem nicht der wirtschaftlichen Position von Europa in der Welt angemessen. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, nicht alles was glänzt ist Gold. Man darf sich nicht täuschen lassen. Man muss schon auch hinterfragen warum, wer Erfolg gehabt hat und versuchen daraus zu lernen.

Meistens findet man internationale DNA, hinter den erfolgreichsten Startups. Die Gründer hätten es wahrscheinlich überall geschafft – so eben auch sogar aus Europa heraus. Europäische Investoren glänzen zu meist mit schnellen Exits, man verkauft bevor man ein nachhaltiges Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Wir sind so zum Weltmeister im Export von Talenten und Technologien geworden. Schauen wir auf ein erfolgreiches Unternehmen mit internationaler Beteiligung – N26 (die ausgewanderten Österreicher), die aus Berlin heraus ein Unicorn gebaut haben. Die Mittel und die Unterstützung (abgesehen von den Business Angels erster Stunde, die sehr schnell herausgekauft wurden), kamen maßgeblich vom US Investor Peter Thiel, sowie u.a. den chinesischen Technologieriesen HorizonX und Tencent. Warum waren nicht von Anfang an auch große Europäer dabei? Ich kann mir nur auf den Kopf greifen, wenn heimische Politiker diese Erfolgsgeschichte für sich verbuchen wollen, der Beitrag war hier (leider) minimal – ich hätte hier gerne stärkeres Engagement europäischer Investoren gesehen und frage mich, wie solche Stories angesichts des kolportierten Investionskontrollgesetzes zu wiederholen sind.

Wir müssen Umdenken

Ja, wir müssen umdenken. Es muss ja nicht gleich “Silicon-Valley-Mindset“ sein. Man muss nicht gleich den Anzug an den Nagel hängen und ab morgen mit Jeans, Holzfäller-Hemd, Hoodie und langem Bart – ganz im Stil eines Hipsters – ins Büro gehen. Veränderung passiert von innen. Es reicht schon wenn wir ein klein wenig mehr Hausverstand in Wirtschaftsfragen einfließen lassen und akzeptieren die Digitalisierung als Chance zu sehen. Wenn wir ein klein wenig mehr Mitdenken, hinterfragen, lernen und zusammenhalten, haben wir bereits ein Rezept zum Erfolg.

In Österreich verwechseln wir gerne Solidarität mit Vollkasko-Versicherung. Wir fordern viel zu schnell vom Staat ein Probleme für uns zu lösen. Was wäre wenn, wir selbst Teil der Aufholjagd werden? Was wäre wenn wir wieder stolz werden auf “Made in Austria” oder “Made in Europe” und unser Land gemeinsam wieder aufpäppeln?

Wie? Ganz einfach, Computer auf, Google an und lernen, oder als Konsumenten (inkl. Staat, Land, Gemeinde und Kammern als Vorbilder) mit überlegten Kaufentscheidungen. Wir entscheiden selbst, wo wir uns sauer verdientes Geld ausgeben. Wir entscheiden, ob das Geld in Österreich arbeitet und damit im Wirtschaftskreislauf kommt – oder ob wir es ins Ausland schicken und die reichsten Milliardäre noch mehr füttern. Ein klein wenig Patriotismus ist heute angebracht, ich denke sogar das wir eine Pflicht dazu haben.

Wenn wir nicht begreifen und im kleinen beginnen umzudenken, werden wir Schritt für Schritt in Richtung Planwirtschaft gehen, oder gar einen Staatsbankrott heraufbeschwören. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft verschwinden, wenn Unternehmen verschwinden. Der Staat als Arbeitgeber alleine wird hier nicht helfen.

Change beginnt beim Kopf

In einem Unternehmen, genauso wie in einem Staat, ist es wichtig das die Führungsspitze einen Change-Prozess einläutet und trägt. Es ist wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen. Impulse aus der Masse, kann man nur erwarten, wenn man einen Weg selbst vorlebt (außer man legt es auf eine Revolution an). In Österreich haben wir genau in diesem Punkt bisweilen ein veritables Problem. Die vorgelebten Beispiele von Oben fehlen. Die Wirtschaftskammer, Ministerien, Schulen und Krankenhäuser kaufen – leider – eine Flut an Produkten, Services und Dienstleistungen aus dem Ausland (Microsoft & Co.), obwohl es heimische Anbieter gebe die international durchaus erfolgreich sind. Aus meiner Sicht ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Unternehmer. Man bedenke das hier Gelder aus Kammerbeiträgen genutzt werden, um Konkurrenz aus dem Ausland zu finanzieren. Gerade in der Krise wurden Unternehmer an den Rand der Gesellschaft gedrückt, zu Bittstellern gemacht, in dieser Phase zählen Umsätze mehr den je. Wenn wir uns schon darauf verständigen den Konjunkturmotor anzuwerfen, dann bitte mit Signalwirkung!

Wie kommen wir aus der Krise?

In der letzten Woche ist, nach dem European Venture Sentiment Index, nun auch der ausführliche Venture Sentiment Bericht der Deutschen Börse erschienen. Die Berichte kommen zum selben Ergebnis, die Stimmung der Venture Investoren fällt ab. Beide Berichte zeigen klare Trends auf und sollten uns durchaus zum Nachdenken bringen. Investoren würden eher im eigenen Portfolio helfen, frisches Kapital für neue Investments, wird aber sehr viel restriktiver vergeben werden. Rund ein Viertel der Startups könnte Existenz bedroht sein.

In unserem westlichen Nachbarland – der Schweiz – kämpfen Nikolas Berg und viele weitere prominente Vertreter der dortigen Startup Community, um einen staatlichen Venture Capital Fonds der Investments privater Investoren bzw. privater Fonds verdoppelt. In Österreich wurde mit dem Corona Hilfsfonds bereits ein solches Modell vorgestellt, die Ausschreibung des Corona Venture Fonds-Managements lässt aber noch auf sich warten.

Weniger neue Investments

Nur wenige Investoren machen aktuell “business as usual” und sind bereit mitten in der Krise Deals abzuschließen – die die Innovationskraft eines Standorts birgt das große Gefahren. 78% der Investoren sehen ihr Portfolio von der Pandemie betroffen. 82,8% haben angegeben, dass sie mehr „Energie“ als üblich auf bestehende Beteiligungen konzentrieren. Neue Investitionen werden eher in Form von “Cherry Picking” erfolgen, erwartungsgemäß zu günstigen Bewertungen, in Erwägung gezogen. Die Vorschau des European Venture Sentiment Index fiel ebenfalls negativ aus – in wieweit die jeweiligen Startup-Rettungsschirme das Sentiment nächstes Quartal abfangen können steht noch in den Sternen.

Soweit so klar. Das Stimmungsbild bestätigt sich laufend – was tun wir aber eigentlich um wieder aus der Krise zu kommen? Lasst uns mal konkrete über Maßnahmen nachdenken und ein Stimmungsbild hierzu zeichnen. Was brauchen Startups wirklich? Greifen die bisherigen Maßnahmen ausreichend? Wie stehen die Chancen unserer Startups nach der Krise?

Greifen aktuelle Hilfsprogramme?

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Informationen zu Hilfsprogrammen?

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Startups brauchen derzeit wirklich?

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Der Innovations- Startup-Standort braucht mehr Sichtbarkeit und Attraktivität

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Wie schnell brauchen Startups eine Lösung?

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Ich würde mir eine stärkere Einbindung von Experten wünschen:

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Der Startup Beauftragte (Michael Altrichter) vertritt meine Interessen:

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Das Krisenmanagement der Regierung in Bezug auf Startups beurteile ich aktuell mit:

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Österreichs Startup Rettungsschirm – „Austrian Runway Fund“

Ein Massensterben der Innovationstreiber Österreichs, der Startups, ist nicht im Interesse der Politik und dringend notwendige Maßnahmen für diesen Sektor wurden letzte Woche vorgestellt. Wir wissen ja, dass das Sentiment der Investoren im Moment einem Abwärtstrend unterliegt und das Startups dringend Kapital benötigen, um zumindest stabilisiert durch die Krise zu kommen.

Letzte Woche wurde Österreichs Rettungsschirm für Startups vorgestellt. Die Politik holte bereits vor ein paar Wochen Konzepte diverser Interssensvertretungen (AAIA, AVCO, WKÖ) und des Think Tanks Austrianstartups ein. Ich habe hier natürlich gerne tatkräftig mitgearbeitet. Der Corona Hilfsfonds (eine Art Zuschuss der AWS für Investmentrunden) und der Corona Venture Fonds, dessen Management nun ausgeschrieben wird, bilden den Kern des Pakets. Was muss der Fonds können, um volle Wirkung zu entfalten?

Corona Venture Fonds – „Austrian Runway Fund“

Im Zuge der Sondierung geeigneter Lösungen wurde der in Großbritannien geforderte „Runway Fund“ unseren politischen Entscheidungsträgern – als best-practice – vorgeschlagen. Das britische Vorbild basiert auf einer Forderung der gewichtigen Londoner Ökosystem Vertreter, wartet aber bis heute auf seine Umsetzung. Der „Austrian Runway Fund“ (wie ich „unseren“ Corona Venture Fund jetzt nenne), ist in der Idee und in Anlehnung an diesen Ansatz vollkommen richtig. Ich frage mich aber, ob man das „britische Modell“ bei uns eins zu eins abbildbar ist?

Im britischen Modell ist vorgesehen, dass „Convertible Debt“, also Wandeldarlehen oder Wandelanleihen, gewerblich investiert wird. In unseren Breitengraden ist hier ein juristischer Seiltanz oder gar Kampf vorprogrammiert, da man hier leicht ins Bankwesengesetz (BWG) rutscht und somit der Fondsmanager eine Banklizenz bräuchte – was wohl nicht im Sinne der Erfinder ist. Venture Capital Fonds sind strickt Eigenkapital Investments bzw. Instrumente vorbehalten!

Der angedachte Venture Fonds soll in atemberaubender Geschwindigkeit (angestrebt werden nur wenige Wochen) von privaten Investoren befüllt werden. Diese Investoren erhalten als Anreiz eine bis zu 50%ige Garantie der Republik für ihr Kapital. Während mir führende Marktteilnehmer letzte Woche mitteilten, dass es für sie schwierig werden würde, das Kapital in der nötigen Zeit aufzustellen – sie sind wohl in stärker betroffenen Investoren-Zielgruppen unterwegs – trudelten bei uns erste Anfragen nach einem Investment in einen solchen Fonds ein. Investoren kamen (pro-aktiv) auf uns zu. Wir mögen uns für das Management des Fonds bewerben, so der einheitliche Tenor – was uns natürlich ehrt. Wir hatten es aber auch vor, das sei hier ganz offen gesagt.

Wir nehmen uns dieser Aufgabe mit bedacht an und haben bereits mit den Vorbereitungen begonnen, soweit es möglich ist. Wie der Fonds letztlich ausgeschrieben wird, das werden wir erst nächste Woche erfahren. Wir rechnen jedenfalls mit Anpassungen zu dem kolportierten britischen Modell, bedingt durch vorgegebene Rechtsnormen. Die Ziele des Fonds sind jedoch klar:

1.) Es soll in jene Startups investiert werden, die bereits vor der Krise eine Runde am Weg hatten,
2.) mit dem Ziel schnell zu agieren und
3.) in Form von dringend benötigtem Eigenkapital.

Gemeinsam mit meinen Experten bei Venionaire Capital habe ich ein Konzept ausgegraben, welches in Landes- und Beteiligungsverwaltungen der Bundesländer altbekannt und bewährt ist. Es handelt sich um einen „Equity Mezzanin“ Ansatz, welcher es uns erlauben würde im Eilverfahren – in enger Zusammenarbeit mit großen Partnern – eine Vielzahl von Investments nach einem Standardverfahren zu evaluieren und zu standardisierten Bedingungen zu investieren. Binnen wenigen Wochen könnten wir so 50 bis 100 Investments in Form von Eigenkapital machen und würden Investoren und Steuerzahlern eine gute Ertragschance im Fonds gewähren. Das Risiko, dass die staatliche Haftung schlagend wird, kann einerseits durch die breite Streuung, aber auch durch die Wahl dieses Instruments stark reduziert werden. Startups würden darüber hinaus über ihre Hausbank zusätzlich Zugang zu den staatlich garantierten Finanzierungen erhalten, da das zusätzliche Eigenkapital beim Erreichen der URG Kriterien sofort helfen wird. Das Investment des Fonds wäre damit sofort ein vielfaches Wert. Der Fonds selbst könnte in unserem Ansatz im übrigen auch binnen einer Woche aufgesetzt werden und bei der FMA zur Registierung gebracht werden.

Startups würden durch unseren Lösungsansatz ihre wertvollen Talente an Board halten, Technologien, Produkte, Services weiterentwickeln und letztlich an einem soliden Weg aus der Krise arbeiten, können.

Schulterschluss der Community erforderlich

Wir sind uns bewusst, dass es für dieses Instrument einen Schulterschluss der heimischen Startup-Szene brauchen wird. Keine leichte Übung, ob der verschiedenen Machtgefüge und Interessenlagen. Ich bin dafür, jetzt zusammen zu arbeiten und an einem Strang zu zeihen. Wir wollen möglichst viele Stakeholder, aus allen wesentlichen Hubs in Österreich – von Tirol bis Wien – an Board haben. Das Angebot zur Kooperation ist draußen und wir haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Wir sind zuversichtlich eingestellt, dass dieser Schulterschluss gelingen kann. In unserem Ansatz wollen wir jedenfalls einer breiten Gruppe von Marktteilnehmern ein Stück weit Kontrolle und Einsicht gewähren, da alle die Gewissheit haben müssen das Gelder fair, gerecht und auch nachhaltig investiert werden. Wir sind nicht die größten, auch nicht die stärksten und mit Sicherheit nicht die lautesten Marktteilnehmer, aber wir stehen für Fairness, Offenheit und Transparenz bei Venionaire.

Die ersten Rettungspakete halfen nur beschränkt – das Angebot des Corona Rettungsschirms bzw. des „Austrian Runway Funds“ ist eine riesen Chance dem Ökosystem den bitter notwendigen Rückhalt zu geben. URG Kriterien standen mangels ausreichend starker Eigenkapitalquoten als häufigster Ausschlussgrund in der Kritik. Ein schnelles und wirksames Eigenkapital-Instrument kann unglaublich positive Wirkung entfalten.

Wer unseren Weg unterstützt, oder weitere Ideen hat – die wir gerne soweit möglich berücksichtigen – bitte auf LinkedIN kommentieren!

Pleiten, Chinesen und Protektionismus

Die Virusepidemie beschert uns mehr und mehr das Risiko einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Der Goldpreis steigt, Investoren suchen einen sicheren Hafen. Der Ölpreis ist in den Keller gefallen, reduzierte Fördermengen waren die Folge. Die Gemüter in Middle-East sind erhitzt. In Europa ist das Klima nicht minder angespannt. Italien und der Rest der EU spüren die Folgen der Pandemie haut nah. Wir leben in Quarantäne, Home-Office wurde verordnet für Wochen – das neue Hashtag #quarantanamo spricht für sich. In Deutschland legt eine Rechtsanwältin bereits ihre Zulassung zurück, weil sie den Rechtsstaat für gestorben erachtet, auch hierzulande diskutieren Experten in Diskussionsrunden über die teils massiven Eingriffe in unsere Freiheit – der einfache Bürger ist längst überfordert. Juristen bringen immer häufiger die Frage der Verhältnismäßigkeit auf. In einem Punkt sind wir uns alle (hoffentlich) immer noch einig: Kein Preis den wir als Volkswirtschaft zahlen, kann den Wert der geretteten Menschenleben übersteigen. Wir erleben eine Ausnahmesituation!

Überlegt und vorausschauend handeln müssen wir dennoch. Die Nerven wegwerfen, hilft nicht. Gemeinsam schaffen wir das. Als Unternehmer muss ich eine Lanze für unsere Wirtschaft brechen. Wir befördern diese gerade geschlossen auf die Intensivstation und schauen nicht richtig hin! Analog zu Krankenhäusern, sind auch hier die Kapazitäten beschränkt. Wenn zu viele (gute) Firmen gleichzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geraten, werden wir eine Kettenreaktion sehen und reihenweise Pleiten sehen. Es drohen explodierende Arbeitslosenzahlen, die Abwanderung von Talenten und der Verlust von wertvollem Know-How auf dem unser Wohlstand aufbaut, ist die Folge. Wenn zu viele Firmen ans Beatmungsgerät – also Liquidität – müssen, um zu überleben, dann stellt sich schnell die Frage wer überleben darf und wer nicht? Einige werden aus der Insolvenz vielleicht wiederbelebt, aber sicher nicht alle, Insolvenzen sind generell in unserem Rechtsstaat niemandem zu wünschen.

Freundliche Investoren, so genannte White-Knights, Business Angels, Venture Fonds oder klassische Private Equity Fonds, werden bei weitem nicht der Aufgabe gewachsen sein – es gibt einfach nicht genügend davon in unseren Breitengraden. Deren Lust zu investieren schwindet auch (siehe Grafik 1) Was können wir – Konsumenten, Unternehmer, Bürger – tun? Wie werden wir Teil der Lösung? Entscheidungsträger und Experten versuchen alles – der Staat ist aber keine Vollkaskoversicherung. Es wird reagiert so gut es geht, naturgemäß bleiben aber Antworten auf brennende Fragen der Unternehmer aus und sie haben viele Sorgen dieser Tage.

Grafik 1 – Quelle: www.venionaire.com

Verblüffend, eine Pandemie ist kein Schwarzer Schwan, sagen die Ökonomen. Wir mussten tragischer Weise damit rechnen. Dennoch wurden wir überrascht. Haben wir uns zu wenige Gedanken über Krisenszenarios gemacht? Wie konnte das passieren? In Europa droht nicht nur ein starker Einschnitt in unseren komfortablen Wohlstand, es steht auch unsere Innovationskraft und damit die Zukunftssicherung unserer Volkswirtschaft auf dem Spiel. Firmen brauchen jetzt schnelle, unbürokratische Unterstützung. Liquidität und Stabilität, müssen sichergestellt werden, sonst fallen wir um Jahrzehnte zurück.

Wer die Krise als Chance sieht und angreift, etwa mit Staatsfonds (z.B. aus China), der kann aus so einer Krise massiv Kapital schlagen. Es ist keine beliebte Strategie, aber wenn man selbst die Chance ziehen lässt darf man sich meines Erachtens auch nicht beschweren. „Protektionismus“ – also das beschränken ausländischer Investitionen – erscheint als Reaktion eines Staates nur all zu logisch. Den Firmen hilft aber das Aussperren der Investoren nicht, es schützt in erster Linie staatliche und somit strategische Interessen, die wirtschaft braucht am Ende alternative Zugänge zur Finanzierung. Die EU hat entsprechende Verordnungen zu Investitionskontrolle bereits seit längerem in Umsetzung, in Deutschland und Frankreich wurden 2018 und 2019 entsprechende Gesetze erlassen und weitere Staaten ziehen langsam nach. Bisher wurden die Gesetze noch kaum exekutiert – ändert sich das nun? Die Gefahr dieser Gesetze ist, dass sie zu einem Boomerang werden. In Europa haben wir einen viel zu schwachen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektor, wir können uns eigentlich gar nicht leisten ausländische Investoren auszusperren. Wir würden mit nur wenigen Alternativen da stehen und Betriebe erst recht in die Pleite schicken.

40 Jahre zuspät für Protektionismus

Wer mich kennt weiß, dass ich seit vielen Jahren kritisiere das wir über Jahrzehnte viel zu leichtfertig über den Ausverkauf unserer mittelständischen Unternehmen hinweg gesehen haben. Schulter zuckend haben wir zur Kenntnis genommen, wenn Flaggschiffe der Mittelstandsindustrie von Chinesen gekauft wurden. Wir haben viel zu häufig bei Exits von Startups und deren Abwanderung ins Ausland gejubelt und Investoren für diese Erfolge gefeiert. In diesen Momenten hatten wir genaugenommen Steuergelder und Innovationskraft verloren – eher traurig, wenn man drüber nachdenkt. Wir hätten uns aber fragen müssen warum kein Europäer solche Firmen kauft? Ein wenig Ärger, zur rechten Zeit, hätte uns vielleicht wach gerüttelt und eine wichtige Erkenntnis gebracht. Wir hätten immer schon einen funktionierenden Private Equity Markt gebraucht. Gerade jetzt noch viel mehr als jemals zuvor. Private Equity kann die Intensivstation für unsere Wirtschaft sein.

In schmerzlicher Erinnerung sind mir noch zu gut die Milliardenübernahme des österreichischen Automobilzulieferers ZKW durch LG-Automotive (Süd Korea), Mitte 2018, im selben Jahr wurde Wolford aus Vorarlberg verkauft. Bereits 2009 ist der staatliche chinesische Luftfahrtkonzern AVIC beim Oberösterreischen High-Tech Unternehmen FACC maßgeblich eingestiegen. Die Liste der Unternehmen mit signifikanter chinesischer Beteiligung in Österreich ist sehr lang, sie reicht von C-Quadrat, über Steyr Motors, Rosenberger, bis zu Palfinger, oder der ehem. Hypo oder auch Raiffeisen Vorarlberg. Würde man Eigentümer aus Indien, den USA oder UK hinzufügen bzw. Abwanderungen von Startups ergänzen, würde die Liste noch viel länger.

Jetzt in der Krise wollen wir plötzlich eine Korrektur einleiten? Etwas zu spät, fürchte ich. Böse Zungen behaupten 40 Jahre zuspät. Vielleicht, besser spät als nie? Wenn wir dem also einen Riegel – ein Investitionskontrollgesetz – vorspannen, wer finanziert unsere Unternehmen dann? Gibt es Doping für den Notarzt Private Equity?

Welche Alternativen haben wir?

Selbst unsere nationalen Fonds sind Sammelbecken internationaler Investoren, größere Summen stemmen wir bislang nicht aus den eigenen Reihen. Für einen Private Equity Manager klingt es im ersten Moment gerade zu verrückt, wenn man verordnet das ausländische Investitionen fortan stärker kontrolliert und allenfalls sogar ausgesperrt werden sollen. Ist es das Aus für Private Equity in Österreich, oder erleben wir einen unerwarteten Aufstieg, eine Heldengeschichte?

Die Regierung hat zweifelsohne erkannt, dass privates Eigenkapital (etwa von Business Angels, Venture Capital oder Private Equity Fonds) wichtiger ist den je – davon bin ich überzeugt. Der Private Equity Markt (inkl. Venture Capital) könnte für institutionelle Investoren leicht attraktiver gemacht werden. Sie verwalten die größten Vermögen Österreichs und könnten mit einen kleinen Anteil davon großes bewirken. Nur 5% ihrer Assets-under-Management würden das verfügbare Private Equity in Österreich mindestens vervielfachen. Bestehende Fonds konnten mit frischem Kapital sofort, mit gegebener regionaler Nähe und Expertise investieren. Sie würden Firmen auffangen und ein gestärktes Wachstum nach der Krise ermöglichen. Der Ausverkauf an internationale Investoren und Staatsfonds wäre damit eingedämmt und die Flut an Patienten auf der Intensivstation bliebe aus.

Anreize für Business Angels wären ebenfalls in Hinblick auf Startups wichtig. Alleine werden sie auch nicht alle auffangen könne, aber ihre Wirkung sollte man auch nicht unterschätzen. Größere Startups, sog. Scaleups (> 30 Mitarbeiter und deutlich über EUR 1m Finanzierung), bräuchten allerdings Investments in der Größenordnung mehrerer Millionen. Diese könnten müssen wiederum durch Fonds – Venture Capital – kommen. Kurzarbeit, das Stunden von Steuern oder Sozialabgabe oder Garantien für Kredite, verschieben bei vielen betroffenen Firmen nur Symptome – 4 Wochen Stillstand, ohne Aussicht auf eine baldige Rückkehr zu einem normalen Marktumfeld hinterlassen ihre Spuren – das hochfahren nach der Krise wird viel Kraft benötigen.

Wir brauchen Mut zu echten Investments

Die Conclusio ist offensichtlich. Was es wirklich bräuchte wäre eine mutige Stärkung des heimischen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektors. Es wäre die einfachste Alternative und würde ein besseres Signal senden als Staatsfonds oder Garantien, die in Konkurrenz zu bestehenden Marktteilnehmern treten. Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren in diesem Sektor, sind direkt, aktiv und mit marktüblichen Gewinnabsichten für den Steuerzahler (als Investor) auch ein Garant dafür, dass das Geld nach 5-10 Jahren mit guten Renditen zurück kommt. Die spezifische Expertise für verschiedene Branchen und Industrien der Fondsmanager und die regionale Nähe wären große Vorteile. Wir haben gute Manager, vertrauen wir ihnen.

Wir wollen Teil der Lösung sein!

Wir sitzen zu Hause, die Zeit steht aber nicht still. Wir versuchen händeringend unsere Firmen zu retten, die Rettungspakete kommen aber noch nicht an. Unsicherheit prägt den Alltag. Die Wirtschaft liegt am Boden. Wir sind auf Notbetrieb. Wie lange wird das dauern? Können wir tatsächlich nicht produktiv sein und remote arbeiten? Nahezu alle Kunden verschieben ihre Projekte, kündigen Verträge oder zahlen offene Rechnungen nicht mehr. Es scheint fast so, als ob alle in Schockstarre verfallen sind. Die Aufgabenstellungen der verbliebenen Kunden sind andere als üblich – das ist klar. Zum Lachen gibt es auch immer noch etwas. Glücksitter melden sich aktuell laufend – berichten unsere Startups. Sie haben gehört, dass wegen der Krise alles gratis sei und wollen gerne konsumieren. Was es den gibt, will man wissen? Verrückte Zeiten.

Unsere Gesundheit hat oberste Priorität. Die Wirtschaft schon auch, aber in erster Linie wollen wir das der Staat sich darum kümmert. Wir sind „Vollkasko“ Service gewohnt. Krisen sind unangenehm, die wollen wir gar nicht. Wir müssen helfen, koste es was es wolle. Das sehen wir wie unsere Politiker. Wir verschenken Leistungen, Produkte, Services und fühlen uns gut. Wäre da nicht das Problem, dass wir noch immer auf die Bestätigung unserer Rettungspakete warten. Hoppla – nochmal nachgerechnet – jetzt wird es eng. Investoren haben im Moment auch keine Lust frisches Geld zu investieren. Vielleicht haben wir doch ein Problem und können uns das so gar nicht leisten?

Wer etwas kostenpflichtig anbietet, bekommt einen Shitstorm angetragen. Soviel ist klar. So richtig darüber nachgedacht wird da nicht. Es wird vielfach übersehen das die Geschenke, die wir aktuell bejubeln vielfach in den Folgejahren – etwa durch leichtfertig unterschriebene Verträge – ganz schön teuer werden können. Vorsicht bei „Freemium“ Modellen und Vertragsbindungen. Gratis ist nicht immer günstig. Es empfiehlt sich das Kleingedruckte zu lesen. Reflektieren wir kurz und überlegen wir ob das Verschenken in dieser Zeit die Krise generell schlau ist. Verstärkt sich die Krise möglicherweise, wenn wir verschenken was wir uns nicht leisten können? Wäre es nicht besser das Unternehmen weiterhin Umsatz machen, Steuern zahlen, als sich an Rettungsschirme und Rettungspakete zu klammern?

www.yodel.io

Unternehmer lieben in der Regel ihre Freiheiten und scheuen nicht vor harter Arbeit oder Herausforderungen zurück – warum machen wir sie kollektiv zu Bittstellern? Warum fordern wir von EPUs, Startups und Co., dass sie mit der Gratis-Welle verschiedener internationaler Technologiekonzerne mithalten? Unsere Startups sind keine Opfer, sie können in vielen Fällen wertvolle Lösungsanbieter sein. Einige Startups haben – neben ihrem Core-Produkt rasch Lösungen umgesetzt wie www.gutschein-nachbar.at, wo sie eben genau diese wichtigen Umsätze vermitteln. Austrian Startups veranstalten unter dem Titel „HACK THE CRISIS“ einen Hackathon und wollen sich weitere smarte Lösungen einfallen lassen – SUPER INITIATIVEN DANKE!

www.gutschein-nachbar.at

Der Arbeitsalltag eines Unternehmers ist im Moment nicht ohne. Mitarbeiter werden geschützt durch Kurzarbeit, aber wer schützt den Unternehmer? Richtig gelesen – wir Unternehmer machen uns gerade richtig sorgen. Wir haben die Wahl zwischen Verschuldung (verschieben von SV und Steuern), noch mehr Verschuldung mit Garantien (KMU Garantie) oder einem Härtefonds dessen Details wir noch nicht kennen. Wir kämpfen um Liquidität und müssen in fast allen Programmen erneut Liquidität vorstrecken (wie so oft bei Förderungen). Man verbringt Stunden und Tage um sich in die Programme einzulesen. Das Ausfüllen der Fülle der Anträge ist nicht gerade selbsterklärend. In der aktuellen Lage fühlen wir uns nicht wohl – wir sind Unternehmer geworden, weil wir Selbstbestimmung schätzen und wir sind Bittsteller geworden. Wir sind bereit mehr zu leisten. Wir wollen arbeiten, Teil der Lösung sein und keine Opfer.

www.butleroy.com

Die Politik tut das was sie kann. Nach bestem Wissen und Gewissen werden schnell und (hyper)aktiv Maßnahmen gegen den Abschwung entwickelt und präsentiert. Hilfsprogramme greifen aber nicht sofort und auch nicht flächendeckend. Es gibt zu viele Spezialfälle. Ein Härtefall in einem Betrieb mit 25 Personen, ist schon kein Kleinstunternehmen mehr und wird nichts aus dem Fonds der WKO bekommen / außer der Unternehmer entlässt 15 Mitarbeiter bis 31.3.2020 (Stichtag). Wenn das Unternehmen  Kurzarbeit angemeldet hat, darf es nicht mehr (Kündigungsschutz) entlassen. Von 48 Stunden war die Rede, viele Warten bereits eine Woche. Wie lange es noch dauern wird bis man Rechtssicherheit hat, das kann einem keiner sagen. Nach einem freundlichen Telefonat mit dem AMS, ist man kaum beruhigt. Sie wissen auch nicht mehr. Wenn die Überbrückung bis zur Auszahlung der AMS Gelder (bis zu 90 Tage / man rechnet aber laut Kronenzeitung mit 2 Monaten) nicht zwischenfinanziert werden kann, dann wird das Unternehmen auch kaum KMU Garantien bekommen (URG).

Es sind dramatische Zeiten. Arbeitslosenzahlen steigen. Existenzen stehen auf dem Spiel. Milliarden an Fördergeldern und Investments für Österreichs Innovatoren und Zukunftsunternehmen der letzten 10 Jahre drohen zu implodieren. Als Standort drohen wir zurückzufallen. Was tun? Wie kann man hier helfen und ein Teil der Lösung werden?

Wir müssen umdenken! Die Bevölkerung sollte von Unternehmern fordern, dass sie nicht aufgeben und ihnen den Rücken stärken. Lokal kaufen und regionale Services beziehen ist der beste Weg, um den Motor laufen zu lassen. Wir brauchen eine Bewegung mit ein wenig volkswirtschaftlichem Verständnis. Mir ist bewusst das ist viel verlangt. Hashtags a la #wirschaffendas – motivieren und sind gut, aber wir brauchen Taten. Wir müssen unser Geld dort einsetzen, wo unsere Worte sind. Österreichs Wirtschaft lebt von Unternehmern und Kunden, von Lieferanten, Dienstleistern, Erfindern, Produzenten und der Infrastruktur – es ist ein komplexes Netz. Wenn wir alle auf die Bremse treten und in Schockstarre verfallen – dann haben wir die Büchse der Pandora geöffnet.

Ärzte, Apotheker, Logistiker, Infrastruktur und Lebensmitteleinzelhandelskräfte Arbeiten tapfer weiter. Warum also raunzen und auf Hilfe warten. Nutzen wir die Zeit. Wenn die einen den Notbetrieb aufrecht halten können, dann können wir auch ein produktiver Teil der Wirtschaft sein. Sehen wir es als Chance. Denken wir um und machen wir die Welt zu einer besseren – nach der Krise. Remote Arbeit war lange für viele Dinosaurier undenkbar, jetzt sehen wir wie gut es funktioniert. Ohne Dienstreisen und Büros auszukommen wäre möglich – die Welt nach der Krise kann eine andere sein und das meine ich durchaus positiv.

Wir können vielmehr als nur raunzen! Lasst uns kreativ sein. Handel betreiben und hören wir auf mit dem Finger zu zeigen, wenn jemand etwas Kostenpflichtiges anbietet. Nicht jeder ist gleich ein Abzocker. Im Gegenteil viele Startups bieten unter ihren Infrastrukturkosten an, weil sie versuchen mit Tech-Riesen (Google, Microsoft und Co) mitzuhalten. Diese stürmen gratis in den Markt und binden Kunden viele Jahre in Folge. Der Kunde kann hier bewusst eine Entscheidung für unseren Standort treffen und als (kleiner) fair zahlender Kunde Arbeitsplätze und gemeinsam den Standort retten.

Wenn Kunden einer Branche nicht kaufen können, dann könnte der Staat als Käufer – statt mit einem Rettungspaket – auftreten und Produkte, Services oder Lizenzen für diese Branchen zur Verfügung stellen. Der Effekt der durch Umsatz ausgelöst von Staatlichen-, Landes- und Gemeindebetrieben erzielt werden würde, würde viel schneller in der Wirtschaft ankommen. Umsatz hilft schneller als jedes Hilfspaket. Man spart sich viel Bürokratie und hält den Fokus der Unternehmen auf ihrem Kerngeschäft. Vergaberechtlich gibt es für eine solche Lösung sicherlich Einschränkungen, aber wenn die EU-Schuldengrenzen aussetzen kann, dann kann man vielleicht auch hier über eine Lösung sprechen. Wo ein Wille da ein Weg denke ich mir.

Angesichts der enormen Schulden, die notwendigerweise gemacht werden, erlaube ich mir einen letzten Gedanken. Wir sollten uns ebenfalls darauf verständigen, dass es ein wichtiges Gegengeschäft geben muss. Ein Gegengeschäft das insb. Konzerne und deren Aktionäre im Hinterkopf behalten sollten. Unternehmen die wir (Steuerzahler) retten, sollten in Zukunft daran arbeiten mit uns gemeinsam den Planeten zu retten. Nutzen wir Technologien und unseren Wohlstand, um Gutes zu tun. Unter dem Titel “If We’re Bailing Out Corporations, They Should Bail Out the Planet“ bringt dieses Thema ein fantastischer Artikel im New Yorker auf den den Punkt.

Lasst den Kopf nicht hängen. Spendet Applaus für gute Ideen. Helft wo ihr könnt, aber hört auf alles zu verschenken. Wenn wir alles verschenken, begeben wir uns in eine Abwärtsspirale, die kein Rettungspaket jemals auffangen könnte. Kauft und verkauft, betreibt Handel – das ist nichts Unanständiges, solange ihr fair bleibt. Kopf aus dem Sand nehmen und beginnen nach vorne zu schauen. Es geht für viele von uns auch ohne Förderungen. Es ist Zeit das unternehmerische Talent und unser Gewissen als Konsumenten (nicht nur im Lebensmittel Einzelhandel) zu aktivieren.

Stimmen & Reaktionen: Journalisten Preis für Private Equity 2017

Der Journalistenpreis für Private Equity 2018 wurde letzte Woche vergeben und das Event als Plattform genutzt um die Stimme einer unterschätzen Asset-Klasse (Private Equity) zu erheben. Der Preis wurde von einem der größten Private Equity Dachfonds RWB ins Lebengerufen um jene Journalisten zu würdigen die über das vermeintliche Nischenthema auf hohem Niveau schreiben. Obwohl unregulierte Eigenkapital Investments durch Business Angels geradezu im Trend liegen wird in Österreich bisweilen kaum über die regulierte Private Equity Industrie geschrieben. Der Preis soll Journalisten motivieren dieses Thema verstärkt aufzugreifen und eine bisweilen stark unterschätzte Asset-Klasse für sich zu entdecken. Die AVCO – Österreichs unabhängige Interessenvertretung der Private Equity und Venture Capital Industrie mit Sitz im Haus der Industrie, welcher ich seit November 2017 als Vorstand ehrenamtlich diene, unterstützt diese Initiative selbstredend sehr aktiv.

Die Sieger des Journalistenpreises

Der erste Platz des Private-Equity-Journalistenpreis 2017 ging an den freien Finanzjournalisten Michael Kordovsky. Auf Platz 2 und 3 folgen Dr. Christine Kary von der Tageszeitung „Die Presse“ und Mag. Angela Heissenberger, Redakteurin beim Wirtschaftsmagazin „Report Plus“.

Die mit insgesamt 6.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Jahr 2013 vom Private-Equity-Spezialisten RWB Austria ins Leben gerufen. Die feierliche Verleihung der Private-Equity-Journalistenpreise 2017 fand am 2. Mai 2018 im Palais Daun-Kinsky in Wien statt. Über die Zuerkennung der Preise entschied eine unabhängige Jury aus Medien- und Finanzjournalisten.

Sieger des Private-Equity-Journalistenpreises 2017 ist der freie Journalist Michael Kordovsky (geboren am 9. Dezember 1974 in Braunau am Inn). Kordovsky hatte sich sehr intensiv mit der Anlageklasse beschäftigt und insgesamt fünf Beiträge eingereicht. Für seine Leistung erhielt Kordovsky 3.000 Euro sowie eine wertvolle Trophäe aus der Tiroler Glaswerkstatt Kisslinger in Rattenberg.

Von links nach rechts: Dr. Christine Kary (Die Presse, 2. Platz), Mag. Birgit Schmolmüller (Geschäftsführerin RWB Austria), Michael Kordovsky (freier Journalist, 1. Platz), Mag. Angela Heissenberger (Report Plus, 3. Platz), Horst Güdel (Vorstand RWB Group AG) APA OTS (Thomas Holzinger, Mediaclub/Holzinger)

In seiner Dankesrede hob Kordovsky die hohen Renditechancen von außerbörslichen Beteiligungen hervor und betonte ihre hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. „Private Equity ist eine unterschätzte Anlageklasse, die Geduld erfordert aber hohe Renditen bietet“, sagte Kordovsky. „Private Equity ist volkswirtschaftlich wertvoll, macht die Wirtschaft in unseren Breiten wettbewerbsfähiger und verhindert dadurch die Abwanderung von Industriebetrieben.“ Kordovsky ging weiters mit dem AIFM-Gesetz scharf ins Gericht, das seit dem Jahr 2014 Investitionen von Kleinanlegern praktisch unmöglich macht – dieses Geld fehlt natürlich in weiterer Folge den mittelständischen Betrieben. Er appellierte an die anwesenden Vertreter der Politik, das Gesetz zu reparieren.

Private Equity und Venture Capital sollte nicht nur für Super-Reiche offen sein

Horst Güdel, Vorstand der RWB stellte fest, dass es einst über 300 Partner waren die seine Produkte alleine in Österreich vertrieben „..heute sind es nur noch etwa 100“ und das liege nicht am Produkt sondern am Gesetzgeber. Die Umsetzung der AIFM-D (der EU Richtlinie die entsprechende Fonds reguliert) wurde in Österreich im Vergleich zu Deutschland sehr streng umgesetzt. „Kleine“ Investoren (sog. Retail Investoren) können Private-Equity Fonds in Österreich nicht zeichnen – das schadet in letzter Konsequenz dem Mittelstand, da Dachfonds wie RWB sehr hohe Mengen an Eigenkapital in viele kleinere, spezialisierte Fonds investieren. Paradoxerweise können „kleine“ investoren über online Plattformen hoch-riskante CFDs handeln, kleine Summen im Crowdinvesting (in Unternehmen und Immobilienprojekte) investieren – wo es jeweils deutlich höhere Verlustrisiken gebe. Die Private Equity Industrie und streng regulierte Manager seien hier zu unrecht benachteiligt.

In der Tat fällt es Fonds in Österreich sehr schwer Kapital für entsprechende Private Equity Fonds bzw. Venture Capital Fonds einzusammeln. Förderungen intensivieren aktuell sogar eher unregulierte Investoren (Business Angels) – die sicherlich auch einen wertvollen Beitrag leisten, professionelle Anschlussfinanzierungen durch Venture Capital Fonds weniger zu fördern entbehrt allerdings jeglicher Logik. Es ist unverständlich warum man Private Equity Fonds nur Super-Reichen anbieten dürfe. Rudolf Kinsky, Präsident der AVCO – selbst Partner der Deutschen Private Equity (DPE) und von APEX Ventures – erklärte auf dem Event das „Private Equity (insb. Dachfonds) und Venture Capital Fonds werden zu unrecht in einen Topf mit Hedgefonds geworfen. Das Ausfallsrisiko sei – etwa bei 1,4% wie Michael Kordovsky ausführte – viel geringer als der Gesetzgeber meine. Das Resultat: Die Anlageklasse wird in Österreich weitgehend gemieden von institutionellen Investoren wie Pensionskassen. Die Zahl der qualifizierten Privatinvestoren ist aber gleichzeitig sehr limitiert – somit ist man auf ausländische Geldgeber angewiesen, die das Geld auch im Ausland investiert sehen wollen“. Österreichs Mittelstandsunternehmen und Top Startups werden im Zweifel ins Ausland „verkauft“, weil sie hierzulande nicht das notwendige Eigenkapital-Investment erhalten. In Frankreich sieht die Welt anders aus – man hat die Volkswirtschaftliche Bedeutung der Assetklasse verstanden und hat erfolgreich Anreize für Investments von Pensionskassen  in diesem Segment geschaffen.

Die aktuelle Bundesregierung will den Kapitalmarkt stärken

Ich durfte im Anschluss an einem hochkarätigen Podium mit Rudolf Kinsky (AVCO Präsident), den Vertretern der Regierungsparteien Mag. Andreas Hanger (ÖVP) und Mag. Reinhard Pisec, MA (FPÖ), sowie Horst Güdel (RWB Vorstand) diskutieren. Die politischen Vertreter zeigten weitgehend Verständnis dafür das es De-Regulierung (insb. Abbau von sogenanntem „Gold Plating“) brauche. Im Regierungsprogramm habe man dem Thema Risikokapital viel Bedeutung beigemessen und man arbeite an vielen wichtigen Initiativen. Hierfür gab es Anerkennung und unisono die Bereitschaft der Experten einen Beitrag zur Umsetzung zu leisten – sofern gewünscht.

Uneinigkeit bestand leider in Bezug auf Anreize für institutionelle Investoren (etwa Versicherungen und Pensionskassen), sowie für die Öffnung der Asset-Klasse für Kleinanleger. Den Vergleich mit dem Alt-FG lies man nur bedingt gelten. Hierfür gab es scharfe Kritik aus dem Publikum. In Österreich ist es aktuell weiterhin nicht vorstellbar von der „Vollkasko Mentalität“ – trotz gegebener Schizophrenie – abzuweichen.

Im „Retail Geschäft“ müsse man den Kunden vor Hedge-Fonds und Private Equity schützen und auch Penionskassen (Anmerkung: Die von Profis verwaltet werden!) sollten in der Assetklasse nicht investieren. Was die Anleger direkt in Internetportalen verzocken – ist egal. Der Verweis auf das (vermeintlich) hohe Risiko der Veranlagungsklasse schreibt gerade in Zeiten mit Renditen die kleiner als die Inflation sind im Bereich der Staatsanleihen (Anm.: das bedeutet das man strukturell Real-Verluste einkauft!!!) Profis große Fragezeichen auf die Stirn.

Kapitalmärkte sind in Bewegung und Risiken verändern sich in Asset-Klassen in unterschiedlichen Marktphasen, wie wir spätestens seit der Publikation der Adaptive Market Hypothesis wissen. Die Bedeutung von Private Equity stieg in der Kreditklemme bzw. Bankenkrise massiv an – man kann hier durchaus von einem Asset-Shift sprechen, wenn man sich die ansteigenden Assets under Management der Private Equity und Venture Industrie der letzten Jahre ansieht. Eigenkapital ersetzte plötzlich nicht vorhandenes Fremdkapital. Buy-Out Fonds kauften Firmen die durch die Krise in Schieflage gerieten und retteten damit zig tausende Jobs. Eigenkapital ist aber nicht nur in Zeiten wie diesen attraktiv – das Risiko Ertragsverhältnis stimmt in der Assetklasse und bei breiter Streuung (etwa über 20+ Fonds) sind Totalausfälle durchaus auf sehr geringe Risiken reduzierbar. Die Risikoeinstufung der Assetklasse bzw. die Allokationsvorgabe des Gesetzgebers für Pensionskassen ist jedoch starr – aber Gesetze kann man zum Glück ändern, die Zeit bleibt ja schließlich auch nicht stehen.

Die Volkwirtschaftliche Bedeutung von Private Equity wird übersehen

Applaus gab es für den Hinweis auf die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity. Insbesondere im Buy-Out Segment oder etwa bei Generationen wechseln, beobachten wir seit Jahren einen Ausverkauf österreichischer (High-Tech) Unternehmen an ausländische Investoren bzw. Konzerne. Wenn man kein nationales Angebot schafft, dort unsere Volkswirtschaft – deren BIP von KMUs abhängt – ihren Motor zu verlieren und in Sachen Lebensqualität auf kurz oder lang stark abzubauen. Es geht uns sehr gut, keine Frage – aber genau deshalb können wir auch sehr tief fallen!

Die bereits scheinbar gut vorangekommene Öffnung des sog. „Dritte Marktes“ an der Wiener Börse für Mittelstandsunternehmen wurde von allen Teilnehmern sehr positiv aufgenommen. Internationale Bespiele zeigen wie wichtige diese Wachstums Segmente sind, wie ich bereits in vergangen Beiträgen bezugnehmend erläutert habe. Wer A sagt muss aber auch B sagen. In einem funktionierenden Kapitalmarkt in allen Ebenen starke Strukturen – der Markt ist eng verwoben und man muss ihn stets als gesamtes betrachten. Ein gesunder Venture Capital und Private Equity Markt würde etwa vielen Firmen überhaupt erst helfen zu dieser Börsenreife heranzuwachsen.

Digitalisierung ist Chefsache – Arbeitsfrühstück mit BM Schramböck

Um 8:00 in der Früh – vor den ersten zwei Kaffees – bin ich üblicherweise noch etwas langsam unterwegs, ich bin einfach eher eine Nachteule als ein Morgenmensch. Letzten Freitag habe ich da eine Ausnahme gemacht – noch nicht ahnend das am Abend mein zweiter Sohn auf die Welt kommen und damit sehr lang werden würde. Mit den ersten Sonnenstrahlen war ich jedenfalls aufgestanden, hatte nach einem doppelten Espresso Betriebstemperatur und bin zum Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaft gefahren. Bundesministerin Dr. Margarete Schramböck hatte eine durchaus ausgewogene Runde von Gründern, Führungskräften der FFG und AWS, sowie wichtige Vertreter der Startup Szene (etwa Austrian Startups Chef Markus Raunig) oder Stefan Jung von WeXelerate, zu einem Arbeitsfrühstück eingeladen – meine Erwartung war nicht sehr hoch, dafür die positive Überraschung umso größer. Es sollte tatsächlich kein PR-Stunt werden – im Gegenteil in straffen 60 Minuten wurde produktiv gearbeitet und man hatte Mühe nicht aufs Frühstücken zu vergessen.

Wie Innovation & Digitalisierung zur Chefsache wurden

Die Themen „Wirtschaftsstandort und Digitalisierung“ lösten bereits unter den letzten beiden Bundeskanzlern, sowie dem Vorgänger von Bundesministerin Schramböck – Harald Mahrer (Anm.: Designierter WKÖ Chef) die traditionellen Themen und die Konzern orientierte Politik ab.

Der heutige Bundeskanzler – Sebastian Kurz – war als Außenminister vor drei Jahren (fast auf den Tag genau) der erste der eine ganze Gruppe einlud und darauf hin eine Delegationsreise ins Silicon Valley organisierte. Eine Reise die sehr positive Nachwirkungen hatte – wenn man OPEN-AUSTRIA und andere Initiativen betrachtet die seither auf den Weg gebracht wurden.

Digitalisierung, Innovation und der Wirtschaftsstandort sind seither definitiv zur Chefsache geworden bzw. Chefsache geblieben! Die Themen sind dem amtierenden Kanzler Kurz so wichtig gewesen, dass sie gezielt bereits in den Regierungsverhandlungen – etwa durch Teresa Niss (Nationalratsabgeordnete ÖVP, Miba) und Florian Gschwandtner (Runtastic) und letztlich im Regierungsprogramm berücksichtigt wurden. Das Wirtschaftsministerium wurde kurzerhand zum Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (hier hatten wir eine Vorreiter Rolle gegenüber anderen EU Staaten). Eine erfahrene Expertin (siehe Lebenslauf) wurde als Ministerin gesucht, gefunden und angelobt. Das Thema ist zu wichtig um es in den Mühlen der Politik zu zerreiben – die Entscheidung gerade in diesem Feld auf eine politische Quereinsteigerin und Expertin aus der Wirtschaft zu setzen ist für mich persönlich gold richtig gewesen!

Neuer Stil in der Politik – Zuhören, Evaluieren, Arbeiten

Frau Dr. Schramböck eröffnete mit einer unglaublichen Lockerheit und Routine das Frühstück, erklärte kurzerhand das sie selbst aus der IT bzw. später Telekommunikationsindustrie kommt und das man dort das „Du-Wort“ pflegt. Sehr sympatisch – unsere Ministerin Margarete. Zwei Sätze später wurden die Regeln des Arbeitsfrühstücks von Dipl.-Ing. Martin Atassi, MBA – im Kabinett für die Agenden Digitalisierung und Startups zuständig – erklärt und der produktive Teil des Frühstücks startete prompt.

Jeweils 10 Minuten Brain-Storming, zu vier präzise ausgewählten Stationen (Funding & Scaling, Fachkräfte, Regulierung und Gründungen) – jeweils Moderiert durch Führungskräfte des AWS bzw. der FFG und des Ministeriums, gefolgt von einer schnellen Runde zur Priorisierung der Ideen und einer Runde mit kurzen Pitches der „Learnings“ an den Stationen. 70 Minuten später hatten wir ein paar wirklich wichtige Punkte auf einem Flip-Chart, die Anwesenden hatten (ein wenig) gefrühstückt und waren sichtlich positiv beeindruckt ob der Effizienz und des Tempos das hier vorgegeben wurde.

Der Schlüssel zum Erfolg ist die „ja aber“ Mentalität durch eine „ja und“ Mentalität zu ersetzen – das fällt uns Österreichern oftmals ganz schön schwer, wo wir doch immer so genau wissen was alles nicht geht.

Die Resultate und meine Hoffnung

Für mich sind 10 wichtige Themen bei diesem Arbeitsfrühstück aufgezeigt worden – die tatsächlich möglichst bald umgesetzt werden sollten. Wenn Österreich sein Potenzial im Bereich Innovation, Digitalisierung (Startups) und als Standort entfalten soll, dann müssen wir beginnen zu handeln. Nachstehende Probleme bzw. Hemmnisse zu Beseitigen wäre ein guter Anfang (wenn gleich wir wissen, dass es noch mehr bräuchte):

  1. Lohnnebenkosten und Dienstgeberabgaben Senkung (die Kosten für Arbeitskräfte sind die höchsten in der EU // wenn man alle Abgaben berücksichtigt!).
  2. Rechtlicher Rahmen bzw. Flexibilisierung für besseren Zugang zu Fachkräften (insb. Tele-Arbeit / Digital Nomaden)
  3. Bessere Regeln (Sozialversicherung, Steuerlich) für Mitarbeiterbeteiligungen
  4. Novellierung des Gesellschaftsrechts, Arbeitsrechts, Gewerberechts (in vielen Punkten nicht mehr Zeitgemäß)
  5. Eigene Rechtsformen für VC / PE Fonds (etwa z.B. SICAV)
  6. Digitalierung von Kapitalmaßnahmen (nicht nur von Gründungen) bei GmbHs
  7. Nationaler Dachfonds (z.B. nach Dänischem Vorbild)
  8. Vereinfachung und Restrukturierung von Förderungen
  9. De-Regulierung und Entbürokratisierung
  10. Direktflug von Wien nach San-Francisco!

Meine Hoffnung ist, dass die Ministerin für Digitalisierung ihre Praxiserfahrung in dieses Thema einbringt und es schafft diese Themen für den Wirtschaftsstandort umzusetzen. Wir Unternehmer sind in vielen Bereichen auf weniger Bürokratie, geringere Kosten und klarere Regelungen angewiesen.

Als Investor sehe ich Österreich im beinharten Standortwettbewerb leider noch am Ende des Feldes. Bei uns gibt es keine Investitionsprämie (mehr), wie etwa in Deutschland und wir haben auch einen viel zu schwachen Risikokapitalmarkt (Private Equity und Venture Capital). Europäische Initiativen nutzen wir nicht in voller Höhe, und es fällt uns schwer internationales Kapital nach Österreich zu locken. Die Problematik zieht sich bis zu den geregelten Kapitalmärkten – in diesem Sinne der Wiener Börse – durch, wo es kein Wachstumssegment, wie es sie etwa in Frankfurt SCALE oder in Stockholm an der NASDAQ Nordic (FIRST NORTH)) gibt.

Die Eindrücke weiterer Teilnehmer und allgemeine Stimmen zu diesem Event hat derBrutkasten sehr gut zusammengefasst.