Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation

Ich kann mich noch gut erinnern, als unsere Politiker an die Medien getreten sind und sagten „Koste es was es wolle“ versprochen haben, die Wirtschaft aufzufangen. Eine Pandemie wie wir sie heute haben, hatten wir nicht erwartet. Wir wurden eiskalt erwischt. Geld in die Hand nehmen wie einst Kreisky, statt einem Nulldefizit war plötzlich die Devise. Das Pandemiegesetz wurde kurzerhand geändert – einen generellen Schadenersatz wollte man dann doch nicht leisten. Egal. In der ersten Welle hatten die Unternehmer noch Rücklagen. Jeder hat versucht so schnell und professionell zu reagieren, wie es nur möglich war. Wir lernten von der neuen Politik des „Hammer and Dance“. Wir gewöhnten uns und unsere Kollegen bzw. Mitarbeiter an Home-Office. Wir entwickelten neue digitale Produkte. Die Lernkurve war steil. Die tägliche Corona Statistik kam auf die Startseite von ORF.at. Die Hoffnung auf Rettungsprogramme und Förderungen – zur Abfederung des Schadens – war groß, die Ernüchterung bei vielen Unternehmern leider auch. Die zweite Welle trifft uns härter. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Kräfte sind verzerrt. Die Ratlosigkeit ist groß. Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation, aber die Betreuung bleibt vorerst aus. Quo vadis?

Wieviel kann man Unternehmern zumuten?

Als unser geschätzter Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer sinngemäß sagte, die Wirtschaft liege auf der Intensivstation und wir werden sie wiederbeleben, atmeten wir durch. Unternehmer wissen, dass Milliarden an Geldmitteln aus Beiträgen in der Kammer liegen. Die Kriegskasse ist voll. Danach kommt die Reha (der Wideraufbau). Es war alles klar. Die Hoffnung das Klein- und Mittelbetriebe aufgefangen werden war groß. Es würde hart werden, aber die Chance das wir das meistern, war gegeben. Natürlich mussten wir auch akzeptieren, dass nicht jedem geholfen werden kann. Strenge Regeln werden Missbrauch verhindern und das war / ist gut so.

Wir Unternehmer haben darüber hinweggesehen, dass das Pandemiegesetz kurz vor dem sog. „Lockdown“ geändert wurde. Eigentlich hätten wir auf die Strasse gehen müssen. Das Gesetz hatte vielen Betrieben einen Anspruch auf Schadenersatz gesichert. Eine Pandemie ist in gewisser Weise eine Naturkatastrophe, niemand hat Schuld daran und genau deshalb sollte es in einem Land wie Österreich ein engmaschiges Auffangnetz geben.

Unternehmer haben alle Energie und Mittel, die sie noch zur Verfügung hatten, investiert, um möglichst gestärkt oder wenigstens mit geringem Schaden aus der Krise zu kommen. Die Hoffnung war ein „V“ Effekt, ein kurzer Einbruch der Wirtschaft, den man durchtauchen kann. Möglichst schnell wieder zurück zum Normalzustand, das war das Ziel. Arbeitsplätze sollten und mussten erhalten werden. Wenn es bald wieder bergauf gehen soll, dann darf man niemanden entlassen. Für jeden Unternehmer sind Angestellte die höchste Priorität (auch wenn das vielleicht nicht immer so wirkt). Man weiß über die Existenzen, Familien und Schicksale und natürlich auch, dass man ohne Mitarbeiter nicht wieder hochfahren kann.

Anfangs wurden Unternehmer noch in Sounding-Boards eingebunden. Interessensvertretungen, wurden aktiv eingebunden. Später wurde mit Michael Altrichter ein „Startup Beauftragter“ medienwirksam vorgestellt und dann wurde es still. Die Realität war ernüchternd. In vielen Branchen und für viele Betriebe griffen die angebotenen Programme nicht. Bürokratie und rechtliche Hürden führten dazu das Garantien vielfach nicht für die Kreditvergabe von Banken ausreichten. Teilweise waren Fördertöpfe so klein, dass sie innerhalb eines Tages leer waren – man hatte seitens der Politik die Nachfrage vielfach derart falsch eingeschätzt, dass man den Eindruck bekam es geht ehr um Pressekonferenzen als echte Hilfe. Ansprechpartner gab es keine mehr.

Betriebe die Mitarbeiter in Kurzarbeit hatten, und sich an die Regeln gehalten haben mussten bei der Endabrechnung ebenfalls die ein oder andere Überraschung hinnehmen. Die Richtlinien zur Abrechnung, waren zum Zeitpunkt der Vergabe noch unklar – am Ende muss der Unternehmer mit der Auslegung des AMS leben und in einigen Fällen sogar einen Teil der Zuschüsse die er nach langer Wartezeit erhalten hat zurückbezahlen. Da kommt Freude auf und der Druck auf Sparmaßnahmen steigt einmal mehr.

Die einst kolportierte Geschwindigkeit in den Medien wurde nicht eingehalten. Die bereite Maße bekam das gar nicht mit, sie wahren vielfach vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Umso größer das erstaunen, wenn man erzählt wie kompliziert die Maßnahmen tatsächlich in der Praxis sind und wieviel länger es dauert bis man Gewissheit hatte. In Pressekonferenzen wurde eine gewaltige Show abgezogen. Die Belastung für die Liquidität, der emotionale Stress (durch Unsicherheit) für Unternehmer war unermesslich. Da ist auch verständlich das die Emotionen hochgehen. Während Mitarbeiter einen Anspruch auf Geld am Ende des Monats hatten, mussten Unternehmer mit der Unsicherheit und den wagen Auskünften von Beamten leben deren Gunst plötzlich zur Überlebenssicherung von Betrieben wichtig war. Man war nicht mehr selbstständig, sondern fremdbestimmt.

Heute sind die Kassen leer, die Wirtschaft ist über den Sommer – nach den Lockerungen der sog. Covid-Maßnahmen – nicht wieder so stark zurückgekommen wie gewünscht. Aufholen konnte man die Verluste des Lockdowns nicht. Jene die sich mit geförderten Krediten über Wasser halten konnten sind heute überschuldet. Viele Betriebe haben keine andere Wahl, also nochmal in die Pedale zutreten und alles geben. Reichen wird es trotz aller Anstrengungen vielfach nicht. Die Puste geht schneller aus als noch Anfang des Jahres und die Verzweiflung viel größer. Man muss damit Rechnen, dass es kein Rettungsnetz gibt. Kündigungen sind ein Indiz dafür das wir in keine Rezession, sondern in eine waschechte Depression schlittern. Die Zahl der zu erwartenden Insolvenzen lasst mich bleich vor Angst werden.

Wer glaubt Neugründungen werden das Wirtschaftswachstum wieder zurückbringen, der vergisst das es im Schnitt rund 8 Jahre dauert, um einen Betrieb eine Million-Umsatz und nachhaltig positiven Ergebnissen aufzubauen. Der Verweis auf die Finanzkrise (wo primär Banken betroffen waren) ist trügerisch. Damals wurden mehrheitlich top ausgebildete Menschen arbeitslos. Diesmal sind alle Einkommens- und Ausbildungsschichten betroffen. Das sind naturgemäß weniger Akademiker weil es schlicht weniger davon gibt. Investoren gibt es auch weniger und damit ein schwierigeres Umfeld für Gründungen.

Die zweite Welle wird brutal

Jetzt kommt eine zweite Welle. Pünktlich zum Herbst. Pünktlich zum Beginn der Grippe-Saison. Diesmal liegen unsere Betriebe auf der Intensivstation. Die Abwehrkräfte sind geschwächt, sie befinden sich in einem Überlebenskampf. Eine Impfung (Vorbereitung im Sommer) gab es (gefühlt) nicht. Der große Unterschied zur ersten Welle ist, dass das Vertrauen fehlt. Unternehmer sollen sich (wenn es nach der Politik geht) für Investitionsprämien bewerben, oder Lehrlinge einstellen – also Investieren. Man fragt sich womit?

Während der im Wahlkampf um Wien verhaftete Finanzminister mit der EU über ein zweites Fixkostenzuschussprogramm streitet, verzweifeln jene die ihm Geld in die Kassen spielen sollten. Das erste Fixkostenzuschussprogramm war, kein besonders attraktives und wurde entsprechend wenig angenommen. Programme wie der Covid-Hilfsfonds hingegen hatten sehr hohen Zuspruch, damit konnte schnell Kapital von privaten Investoren mobilisiert werden. Heute ist dieses Programm ausgelaufen und die Politik hat sich klar gegen eine Aufstockung ausgesprochen. Investoren aus Österreich investieren daher eher im Ausland (etwa Berlin oder Hamburg), wo ihr Kapital gehebelt wird. Man fragt sich, wieviel man der Wirtschaft eigentlich zumuten kann?

Gesetze, Regelungen und ein wenig Utopie

Ich bin kein Gastronom und auch kein Hotelier. Ich gestehe auch das ich mit keiner dieser wohl am am intensivsten betroffenen Berufsgruppen allzu viel (beruflich) zu tun habe. Mein gesunder Menschenverstand – mein eigenes Hirn – hingegen erlaubt mir ein paar bauernschlaue Gedanken: Wenn man wöchentlich, mit Vorliebe am Freitagabend, neue Regelungen vorstellt, die ab Montag gelten sollen – dann treiben wir Unternehmer über kurz oder lang direkt in die Burn-Out Klinik. Mir leuchtet ein, dass die Kommunikation von Neuigkeiten vor dem Wochenende, das Volk besonders gut erreicht – aber man darf nicht vergessen wer die angekündigten Verordnungen oder beschlossenen Gesetze sofort umsetzen muss. Gastronomie- und Hotel-Unternehmer schlagen sich hier seit Monaten die Wochenenden um die Ohren und kommen nicht zur Ruhe – von den Kosten, zusätzlichen Beratungsaufwänden wollen wir gar nicht erst anfangen.

Warum ergreifen wir nicht die Chancen, die in der Krise liegen? Dr. Keyvan Rastegar hat kürzlich im Startup-Online Magazin „Trending Topics“ viele valide Punkte zum Thema „Gesellschaftsrechtsreform“ aufgeworfen. Der Katalog an Ideen von Marktteilnehmern, die allesamt weder blöd noch blind sind, wäre lang. Warum fragt man nicht? Warum nicht das richtige tun? Warum nicht zusammenarbeiten? Parteien, Wahlkampf und Co. dürfen in einer Pandemie nicht bestimmend sein – hier gebe ich Innenminister Nehammer recht (er hatte dies gestern in der Freitagabend – Pressekonferenz gesagt)

Macht eine Bereinigung in der Unternehmenslandschaft Sinn?

Wer gerne leichtfertig argumentiert, die Wirtschaft soll ruhig mal ein reinigendes Gewitter erleben, der möge die nächsten Zeilen sehr aufmerksam lesen. Wenn ein Betrieb einmal geschlossen ist, kann man nicht einfach wieder öffnen. Die Wirtschaft kann also bei einem zurückkommen der Nachfrage nicht mehr so schnell hochfahren – da keiner etwas verkauft. Wer kaufen will kauft im Ausland. Unternehmen etablieren über Zeit ihre Marke, ihren Kundenstock, Vertrauen und internes Knowhow oder auch Patente. Bei einer Schließung oder einem Notverkauf geht das alles verloren. Kauft ein Ausländern, wandern Betriebe mittelfristig ab. Österreich ist als Standort sehr schön, aber nicht günstig.

Auf der Nachfrageseite brauchen wir eine kaufkräftige Kundschaft. Das gilt für den Endkunden, aber auch für den Firmenkunden. Investiert weder der eine noch der andere, sieht es düster aus. Sind zu viele Menschen in Arbeitslosigkeit, und die Betriebe geschlossen, dann haben wir ein Dilemma. In der Spieltheorie nennt man das ein Gefangenendilemma. Der Staat ist dann der letzte und mit Abstand größte Arbeitgeber, dieser bezahlt Gehälter aus Steuereinnahmen oder aus Staatsschuldverschreibungen (Staatsanleihen). Was passieren muss, wenn nur noch ein kleiner Teil „produktiver“ Privatwirtschaft über ist? In so einer Depression, einem Dilemma ohne Firmen und ohne Arbeitsplätze ist auch er Staat gezwungen Menschen freizusetzen – außer man entscheidet sich für das Kommunismus.

Was aber am gefährlichsten ist an diesem Szenario, ist der soziale Zündstoff, der in der Vernichtung von Arbeitsplätzen und betrieblichen Vermögen steckt. In der Geschichte waren solche Rahmenbedingungen stets Brandbeschleuniger für Unruhen und sogar für Kriege. Es ist nicht verkehrt, wenn wir sagen: „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut.“

Gehen wir bitte – mit Maske – vor die Tür, schauen wir mit anderen Augen auf Unternehmer. Zeigen wir etwas Respekt und helfen wir wo wir können. Geben wir unserer demokratisch legitimierten Regierung Feedback, in guten wie in schlechten Zeiten. Ohne Feedback kann kein Manager arbeiten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir werden weiterhin so viele Unternehmer auf ihrem Weg begleiten, wie es uns möglich ist.

Family Offices – Die Unternehmerischen Investoren

Heute erleben wir einen rasanten Anstieg der Popularität von Family-Offices als Alternative zu Venture Capital Fonds. Startups schätzen die finanzielle Kraft, den langen Atem und den meist unternehmerischen Hintergrund dieser Investoren. Es entsteht eine neue Generation von Unternehmern, die von ihren Investoren weit mehr als nur Investitionskapital erwarten.

Startups werden selbstbewusster, sie befragen Investoren genauso wie Investoren sie befragen und das ist gut so. Die Geschäftsbeziehung zwischen Investoren und Startups ist eine intensive und weichere Faktoren wie gemeinsame Werte, abgestimmte Visionen und Transparenz sind dabei von hoher Bedeutung. Die Chemie muss stimmen.

Family Offices waren in der Vergangenheit sehr diskret, kaum in der Öffentlichkeit, hatten aber immer schon den Anspruch bestmöglich zu veranlagen. Will man aber in die nächste Generation von Unternehmern – Startups – investieren. dann muss man auf verschiedenen Ebenen sein Spiel verbessern. Ich habe drei Tipps zusammengefasst, die sowohl für Family Offices als auch für Business Angels gleichermaßen ein Wegweiser für bessere Startup Deals sein können.

Klar positionieren

Wenn Startups an Venture Capital denken ist es wichtig, dass ihr Name unter den ersten ist an die sie denken. Family Office braucht dazu eine klare Positionierung innerhalb der Branche, als Gestalter, unternehmerischer Investor mit klarem „sweet spot“ den sie suchen. Je klarer sie ihre Strategie und ihr Profil positionieren, umso einfacher machen sie es den richtigen Unternehmen auf sie zu zugehen.

Family Offices haben klare Vorteile gegenüber „klassischen“ Venture Capital Fonds, die sie nur ausspielen müssen. Während Venture Fonds in der Regel ihr Geld schnell investieren und nach wenigen Jahren intensiver Wertsteigerung wieder vollständig de-investieren müssen, haben Family Offices in der Regel einen deutlich längeren Atem. Darüber hinaus verfolgen sie häufig mit ihren Investments einen höheren Zweck (nicht unbedingt „Philantropisch“), sie denken aber meist an mehr als nur Gewinn. Positionieren sie ihre Vision, ihr höheres Ziel und kommunizieren sie warum sie die nächste Generation von Unternehmern unterstützen wollen. Erzählen sie von ihren Erfolgen, der Kontinuität und der Zielstrebigkeit mit der sie (ev. bereits seit mehreren Generationen) gewohnt sind zu arbeiten.

Es liegt viel Kraft darin zu wissen, was man nicht ist. Es kann oft sehr schwierig sein, zu definieren wer man ist oder wofür man steht – mir fällt dies regelmäßig leichter bei Klienten als bei mir selbst. In der Regel ist es viel einfacher zu wissen, was man nicht ist oder wohin man nicht gehen will. Beginnen Sie mit dem und arbeiten Sie langsam daran, eine Positionierung zu definieren, die für Sie und Ihre Familie am attraktivsten erscheint.

Bauen Sie Ihre Pipeline laufend auf

Der Aufbau einer guten Investment-Pipeline ist das wichtigste. Es kann Jahre dauern, bis das ein oder andere Target herangereift ist. Es sagt sich leicht, aber man muss in der Tat Ruhe bewahren, beobachten, Kontakt halten und regelmäßig hinterfragen ob die Zeit reif ist. Die Aufgabe ist keine leichte. Einerseits wollen sie die am besten Startups identifizieren und anziehen, andererseits wollen sie aber auch nicht zu früh oder zu spät investieren.

Es wichtig, möglichst viele Angebote zu überprüfen, um Ihnen eine Perspektive zu geben, welches Startup für Ihr Unternehmen am attraktivsten ist und warum. Je mehr Daten sie sammeln, je tiefer sie den Markt verstehen, umso klarer werden sie Zusammenhänge erkennen und auch ein Gefühl für das richtige Timing entwickeln.

Für qualitativ Hochwertigen Deal-Flow ist es ratsam, über den Tellerrand zu schauen. Sie sollten sich nicht zu sehr auf ein regionales Ökosystem versteifen, Universitäten und Investoren Netzwerke (wie z.B. European Super Angels Club) nutzen um zusätzliche Kanäle zu öffnen und auch Sparringspartner zu finden. Diese Netzwerke helfen nicht nur im Aufbau einer Investitionspipeline, sondern auch beim Entwickeln der Unternehmen und allfälligen Folgefinanzierungsrunden.

Um viele Deals in ihre Pipeline zu bekommen können sie sich sog. „Growth Hacking“-Techniken bedienen. Sie würden E-Mails oder LinkedIN Anfragen mit kaltem Kontakt und automatisierten Lead-Pflegeprozessen nutzen. Der Nachteil dieses Ansatzes ist das sie so zwar viel Dealflow erhalten, was als Kennzahl für einen unerfahrenen Investor wichtig erscheinen mag. Was aber eigentlich zählt ist das sie im Jahr die Menge an guten Deals finden die sie suchen und diese sind selten – besser versteckt als die sprichwörtliche „Nadel im Heufhaufen“. Frank Thelen investiert nur rund 2 Mal pro Jahr, sagen Mitarbeiter bei seinem Fonds Freigeist. Der European Super Angels Club investiert in der Regel 3 bis 5 Mal (max. 10 Mal) pro Jahr – alleine diese Zahlen zeigen, wie wählerisch Investoren mit dem Anspruch „hands-on“ zu sein wirklich sind.

Netzwerke Aufbauen und aktiv Leben

Wenn Sie einen aktiven Management Ansatz bevorzugen, sollten sie aktiv persönliche Netzwerke innerhalb ihrer Investment-Branchen aufbauen. Besuchen sie Konferenzen und Veranstaltungen, sprechen sie mit Investoren, Startups, Beratern und halten sie laufend die Augen offen für vielversprechende Start-ups. Lernen sie die Stars von morgen früh kennen, gerade wenn sie noch in den Kinderschuhen stecken und offen sind für Kontakte. Beobachten sie ihren Fortschritt über die Zeit, engagieren sie sich ohne Hintergedanken als Mentor. Mit zunehmendem Wachstum werden so die besten Direktinvestitionen entstehen. Dieser Ansatz braucht viel Zeit.

Wir haben unsere Netzwerke in 10 Jahren aktiver Arbeit aufgebaut. Als wir begonnen haben, war das Thema „Startup“ selbst noch in den Kinderschuhen in Europa. Ökosysteme oder Hubs gab es in dieser Form nicht – unser Vorteil war jedoch das wir mitwachsen durften.

Alternativ empfehlen wir auch gerne Venture Fonds Anteile (mehrere Fonds) zu erwerben, um auf diesem Weg einen schnelleren Zugang zum Ökosystem und guten Co-Investments zu finden. Dieser Ansatz bietet raum zu lernen, wenn sie sich aktiv einbringen und die Fonds auch nach diesem Anspruch auf Mitarbeit aussuchen. Bei Interesse gebe ich „qualifizierten Investoren“ gerne unverbindliche Tipps, welche Fonds aktuell im Fundraising sind >> EINFACH KONTAKTIEREN.

Reputation Management

Um mit Banken, Private-Equity-Fonds und anderen Family Offices im Wettbewerb um den besten Dealflow zu bestehen, muss Ihr Family Office sicherstellen, dass es seine Reputation aktiv aufbaut und gut verwaltet. Die regelmäßige Teilnahme an den richtigen Meetings und Veranstaltungen, die gezielte Kommunikation von nützlichen Inhalten und natürlich Schützlinge die positiv von ihren Erfahrungen erzählen sind in diesem Fall ihre besten Waffen.

Wenn die Geschichte, die die unternehmerischen Wurzeln, Erfahrungen, Werte, Visionen und die Mission Ihrer Familie umgibt, gut kommuniziert wird, kann sie eine tiefgreifende Wirkung haben. Gründer suchen nach Unternehmern – sie vertrauen keinen Beratern, die ihr Wissen aus Büchern haben.

Angesichts der sich verändernden Welt müssen sich auch Family Offices, einmal mehr, neu erfinden. Eine klare Positionierung, aktive Kommunikation nach außen (bisher undenkbar für viele Marktteilnehmer) und eine gepflegte Reputation sind der Schlüssel um die begehrteste Wahl unter den Kapital suchenden Stars von morgen zu sein. Der technologische Wandel schlägt erbarmungslos um sich und fordert uns alle umzudenken, er bietet aber auch eine Chance Werte für nächste Generationen zu sichern und bei gutem Wind auch zu erhöhen.

VCs unterschreiben keine NDA’s

Die meisten Gründer haben die Spielregeln der Venture Capital Industrie bereits verstanden. „Erstgründer“ tappen somit deutlich wahrscheinlicher in die ein oder andere Falle. Sie entlarven sich selbst damit, wirken schnell etwas ahnungslos – dabei ist das gar nicht notwendig. Einer dieser Kardinalfehler ist einen Venture Capital Investor um ein NDA zu ersuchen. Wir unterschreiben in der Regel keine Verschwiegenheitserklärungen (NDA) und das hat gute Gründe. Wir wären verrückt, wenn wir es täten. Ausnahmen sind große M&A-Transaktionen oder wenn es sich wirklich (extrem) kritische Informationen handelt – das kommt allerdings wirklich extrem selten vor.

Warum wir verrückt wären? Lasst uns einen Blick auf ein paar Zahlen werfen. Rund 2.000 Startups bewerben sich jedes Jahr alleine beim 360Lab (ein Accelerator, mit dem wir sehr eng zusammenarbeiten), mehr als 1.500 Scale-Ups bewerben sich jährlich beim European Super Angels Club und ein paar hundert Unternehmen bewerben sich über unser Netzwerk, oder über Mitarbeiter bei (Venionaire Capital) direkt. In unserer Rolle als Venture-Fonds-Manager, Investoren, Berater und Mentoren in verschiedensten Acceleratoren arbeiten wir uns durch sehr viel Deal-Flow. Dabei gibt es durchaus Firmen und Geschäftsmodelle die einander ähnlich sind, wie man sich wahrscheinlich leicht vorstellen kann.

Folgende 3 Tipps sollte man beherzigen, wenn man mit Investoren zu sprechen beginnt:

1.) Behaupten Sie nicht, dass Sie der Einzige sind, der ein bestimmtes Problem löst, es sei denn, Sie sind sich zu 100% sicher!

2.) Behaupten Sie nicht, dass niemand dies jemals zuvor getan hat, es sei denn, Sie sind sich zu 100% sicher!

3.) Versteifen sie sich nicht auf eine Bewertung die sie im Kopf haben – sie könnten so weit daneben liegen, dass es gar nicht erst zu konkreten Verhandlungen kommt oder sich selbst die Chance auf einen besseren Deal nehmen.

Unternehmensbewertung für Startups ist eine sehr knifflige Sache. Es ist wichtig das sie wissen, wie eine Bewertung zu Stande kommt – sie sollten sie aber nicht dem Investor vorrechnen. Gute Investment Manager werden einen Weg finden, Bewertung und vertragliche Bedingungen ausbalanciert zu gestalten. Sie achten dabei darauf, dass die Firma in der nächsten Runde gut finanzierbar bleibt und die Gründer nicht zu viele Anteile abgeben müssen.

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Wenn ein Investor an einem Deal arbeitet, ist es für ihn selbstverständlich, gleichzeitig auf ähnliche oder vergleichbare Unternehmen zu schauen – mit Datenbanken wie z.B. cbinsights oder indem er sich aktiv an bereits bekannte Gründer wendet. Dieser Ansatz ist sowohl für Start-ups als auch für Investoren absolut sinnvoll, um Anhaltspunkte für einen „Marktwert“ zu bekommen.

NDAs in Venture sind international in no-go!

Ich höre so oft, dass in Europa alles falsch läuft und werde mit teilweise wirklich hinkenden Vergleichen aus dem Silicon Valley konfrontiert. Daher erlaube ich mir das Thema NDA, gleich vorab mit ein paar Stimmen der besten und einflussreichsten Investoren der West-Küste abzuschließen:

Guy Kawasaki

„Bevor Sie überhaupt anfangen, die harten Dinge anzusprechen, bitten Sie niemals einen Risikokapitalgeber, eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) zu unterzeichnen. Das tun sie nie. Das liegt daran, dass sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt mit drei oder vier ähnlichen Geschäften befassen. Sie sind werden sich nicht unnötige rechtlichen Fragen aufladen, weil sie eine NDA unterzeichnet haben und dann ein anderes, ähnliches Unternehmen finanzieren – und damit den paranoiden Unternehmer glauben machen, dass der Risikokapitalgeber seine Idee gestohlen hat. Wenn du sie bittest, eins zu unterschreiben, kannst du genauso gut „Ich bin ahnungslos“ auf deine Stirn tätowieren.“

Brad Feld

„Selbst wenn ich geneigt wäre, eine NDA zu unterzeichnen, müsste ich den Prozess des Lesens und Entscheidens durchlaufen, ob es irgendwelche Probleme gibt (häufig sind die Dokumente übertrieben und müssen angepasst werden). Somit erfolgt die Einbindung meines Anwalts, um den NDA zu ändern und der Austausch mit dem Anwalt des Unternehmens (Zeit vergeht). In einigen Fällen würde ich wahrscheinlich mehr Zeit mit dem NDA verbringen als mit dem Unternehmer und seiner Idee. Wie dumm.

Ich müsste den Überblick über alle NDA’s behalten, die ich unterschrieben habe. Es ist ein weiteres juristisches Dokument im Pantheon der Dokumente, die wir im Auge behalten müssen. Hmmm – vielleicht sollten wir die Finanzierung eines Startups in Betracht ziehen, um die Erstellung und Verfolgung von NDA’s zu automatisieren?

In 20 Jahren High-Tech (als Unternehmer, Angel-Investor und VC) war ich noch nie in eine Situation verwickelt, in der eine NDA außer im Rahmen von M&A durchgesetzt wird. Es ist einfach eine Verschwendung von Papier und Zeit.

Betrachten Sie es als Unternehmer nicht als „Arroganz“, sondern als „Praktikabilität“. Ihr Freund, der VC, versucht tatsächlich, Ihnen Zeit und Geld zu sparen. Wenn Sie denken, dass Sie etwas Supergeheimes haben, das niemand sonst wissen sollte, dann erzählen sie es einfach nicht.“

New York City – Innovation & Dynamik

Vor rund zwei Wochen hatte ich die Ehre eine hochkarätig besetzte Delegation der Republik Österreich nach New York City als Teilnehmer zu begleiten. Ziel unserer Reise war die weltweit führende Finanz- und Wirtschaftsmetropole New York City (NYC) – eine Stadt die sich regelmäßig neu erfindet, eine Stadt die niemals schläft – zu erkunden und zu lernen. Darüber hinaus wurde natürlich der Wirtschaftsstandort Österreich vermarktet.

Ministerin Schramböck (Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) führte die Innovations- und Inspirationsdelegation (siehe Instagram) an, während Hartwig Löger (Finanzminister) zu einer Veranstaltung mit Kapitalmarktfokus unter dem Titel „Sound of Finance“ lud. Die Teilnehmer dieser Reisen – u.a. 10 CEO’s führender ATX Firmen, der Chef der Nationalbank, sowie führende Investoren und Vertreter der Startup Szene, sowie Top-Manager verschiedener Banken – nutzten die 3 intensiven Tage natürlich auch zum Austausch untereinander.

Ziele der Reise

Wie man sich gut vorstellen kann sind Delegationsreisen dieser Art sehr straff durch geplant – da man die Zeit (meist ja nur 2-3 Tage) im fernen Ausland möglichst Effizient nutzen möchte. Ministerin Schramböck – ehem. Top-Managerin aus der Telekom Industrie – ist besonders bekannt dafür effizient zu arbeiten. Die Ziele waren einerseits Eindrücke und Inspiration zu sammeln, aber natürlich auch Projekte abzuschließen bzw. einen Meilenstein zu besiegeln. Ministerin Schramböck hat so einen Meilenstein mit weWork bzw. weWork Labs gefeiert und einen wichtiges Projekt für den Wirtschaftsstandort Österreich voran gebracht. WeWork Labs in New Yorks wird in naher Zukunft ein paar führende Startup-Talente fördern und bei der Expansion in die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen – im Gegenzug arbeitet das weltweit führende Startup Ökosystem daran einen Standort in Wien zu eröffnen.

International führende Firmen und Netzwerke an den Wirtschaftsstandort Wien anzudocken ist für unser (noch sehr junges) Ökosystem unerlässlich. Die digital Ökonomie verlangt von einem global Akzente zu setzen – der österreichische oder deutsche Markt ist schlicht zu klein. In Berlin hat man dies früher erkannt – so sitzen bereits alle (Facebook, Google & Co) dort und es hat sich rundherum einer der stärksten Hubs entwickelt. Bei besteht hier dringend Nachholbedarf. Der Schritt ist also tatsächlich extrem wichtig und darf nicht unterschätzt werden.

Wichtige Erkenntnisse

Nach so einer Reise muss man die Erlebnisse und Eindrücke erst einmal verarbeiten. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Was nach einem Besuch im Silicon Valley oder in „Silicon Alley“ (Spitzname für New York als Startup-Stadt) hängen bleibt, ist die Gewissheit das wir uns zu Hause (in Österreich) bislang auf „alten“ Erfolgen ausruhen und uns wahnsinnig schwach im Ausland vermarktet haben. Es erscheint einem plötzlich glasklar das wir schnell ein paar mutige Schritte setzen müssen, um in Sachen Innovation und Zukunftssicherung aufzuholen. Wir haben auf diesem Gebiet einiges verschlafen!

Die Realität zeigt auch, dass uns sehr schnell der Alltag einholt. Es holt uns die Ernüchterung ein, dass es kaum etwas hilft wenn einzelne (sogar Politiker oder die Regierung) das Problem erkannt haben – es bedarf nämlich auch eines kulturellen Wandels. Ein Umdenken hin zu mehr Affinität für Risiko, Unternehmertum kann man nicht „erzwingen“ oder durch kleine politische Akzente erreichen. So ein Wandel Bedarf einer Bewegung – es muss ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. Es braucht erfolgreiche (mutige) Vorbilder, die sich zunächst aber Exponieren und als Pioniere das Risiko nehmen, gewinnen oder auch eine Blamage in Kauf nehmen.

Wenn wir darauf warten das die „nächste“ Generation diese Vorbildrolle einnimmt, dann wird es noch ein, zwei Jahrzehnte brauchen bis wir aufgeholt haben. Viel wichtiger wäre es die Erfolgsgeschichten der rund 250 Welt- und Europamarktführer zu erzählen und diese Pioniere die wir bereits haben ins Rampenlicht zu stellen. Österreich ist ein Land der Unternehmer und es wird Zeit das wir sie feiern!

In Österreich hat sich in den letzten Jahren sehr viel in Sachen „Startup-Ökosystem“ getan. Wir haben eine steigende Gruppe lokaler „neuer“ Helden (z.B. Florian Gschwandtner, Runtastic; Michael Müller und Michael Altrichter, Paysafecard oder Markus Ertler, Immobilien.net, etc.) die für ihre Erfolge öffentlich gefeiert werden und die sich auch als Vorbilder für die nächsten Generationen von Gründern zur Verfügung stellen. In Summe sind es stattliche 50 Gründer die nach ihrem erfolgreichen Exits in Österreich als Business Angels aktiv versuchen das Ökosystem zu entwickeln und als Treiber fungieren. Viele weitere Privat-Investoren folgen diesen Investoren und sind als Co-Investoren regelmäßig aktiv. Netzwerke wie Startup300, AAIA, Tyrolian Business Angels, Investors Circle (Suraa), eQventure oder European Super Angels Club vernetzen diese Investoren in verschieden Teilen Österreiches.

Mittelständische Unternehmer und Institutionelle Investoren halten sich aus der Szene noch weitgehend fern. Die Österreichische Startup Szene boomt und es wäre noch sehr viel mehr raum für Investoren in allen Segmenten.

Zurück zu unserer Reise – was haben wir gelernt und was nehmen wir mit?

Erkenntnis 1: Österreicher verkaufen sich regelmäßig unter ihrem Wert!

Es war niemand geringer als Hikmet Ersek (CEO, Western Union) der in seiner Rede bei „Sound of Finance“ eine Brandrede auf seine alte Heimat Österreich hielt – man muss sogar sagen das er sich mit einem Appel an das Auditorium richtete in dem er sagte: „Die Schweizer würden sich nie als >> kleines Land << vorstellen!“. Österreicher müssen lernen ihre stärken zu Präsentieren, etwa eine der höchsten Forschungsquoten der Europäischen Union, man ist auch Heimat der meisten Welt- und Europa-Marktführer (Mittelstandsunternehmen) per capita, sowie von ungewöhnlich vielen führenden Unternehmen in CEE (insb. Banken und Versicherungen).

Es ist gerade zu herausragend wie viele Studenten nach Österreich kommen, um an unseren alt-ehrwürdigen und neueren (technischen) Hochschulen zu studieren – auch hier sind wir absolute europäische Spitze!

Die schöne Natur, die Reichhaltigkeit an kulturellem Angebot, die Geschichte des Landes, sowie die seit 10 Jahren ausgezeichnete höchste Lebensqualität der Welt in der Hauptstadt (Wien), die Neutralität, der Fakt das wir die meisten internationalen Organisationen beherbergen und das kompromisslose Bekenntnis zu nachhaltiger Energie erscheint in diesem Zusammenhang nur noch wie der Schlagobers auf der Sachertorte.

Wir dürfen und müssen stolz sein! Österreich ist großartig und wir (Unternehmer und Politiker) müssen aufhören uns zu entschuldigen – unser Pitch darf kraftvoll und stolz sein. Wie man es richtig macht, zeigt der Lord Major der City of London, den ich gerade erst vorgestern in Maison House (London) treffen durfte:

Erkenntnis 2: Was man selbst nicht im Land hat, muss man ins Land holen!

Die Amerikaner verschenken wahrlich keine Reisepässe und sind längst kein Land mit offenen Grenzen mehr. Im Gegenteil – sie sind für ihre durchaus strickte Einwanderungspolitik bekannt, ABER wer etwas außerordentlich gut kann der wird wiederum aktiv ins Land geholt (egal ob Wissenschaftler, Sportler oder Investoren). Das ist exakt jene Politik für die Kanzler Sebastian Kurz aktuell von der Opposition kritisiert wird. Ich habe viele Jahre bemängelt das wir in Österreich keine Strategie in diesem Bereich haben. Wir waren sogar so doof, dass wir Talente (häufig mit Applaus) beim Abwandern begleitet haben – wenn etwa eine Firma verkauft wurde. Dabei brauchen wir jede Menge Talente – mehr als wir haben!

Ministerin Schramböck, hat das Problem fehlender Schlüsselarbeitskräfte erkannt und auch sofort verstanden das es zu lange dauern wird „eigene“ Talente aufzubauen (obwohl auch dies verstärkt passieren soll). Der ABA – bisher für direkt Investitionen aus dem Ausland zuständig – werden in diesem Bereich neue Zuständigkeiten als „Standort Agentur“ gegeben.

Die ABA wird in Folge im Zukunft aktiv im Ausland Fachkräfte / Talente anwerben, die wir dringend im Land brauchen. In vielen Fällen würde es schon reichen, wenn wir die internationalen Studenten die an unseren Hochschulen ausgebildet werden nach ihrem Abschluss im Land halten würden (aktuell erschweren wir es noch vielen bei uns zu Arbeiten) – hier soll eine Reform der „rot-weiss-rot-Karte“ Wirkung zeigen. Eine Politik die mir sehr gefällt und wirklich überfällig war und ist.

Erkenntnis 3: Großteil des Welt-BIPs kommt aus Industrien die noch nicht digitalisiert wurden

Unser Besuch bei den weltberühmten BELL LABS war für mich das größte Highlight. Nicht so sehr weil mir alleine die Geschichte imponierte, welche etwa unzählige Nobelpreis Träger oder die Entwicklung mehrerer Programmiersprachen umfasst – Nein – mich hat der Blick in die Zukunft aus dem Blickwinkel der Einrichtung begeistert und zum Nachdenken gebracht.

Ich fühlte mich nach dem Feuerwerk an genialen Inputs kurz erschlagen – musste auch das ein oder andere im Anschluss recherchieren und reflektieren. Heute hab ich meine Gedanken zusammen – der wohl wichtigste Input war einerseits das nur rund ein Drittel der Industrien (gem. an ihrem Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung) heute als stark industrialisiert gelten – die übrigen 2/3 kommen noch. Was wir also erleben ist gerade erst der Anfang und man sieht ganz klar auf welche Bereiche man sich konzentrieren sollte (siehe Grafik).

Fast noch interessanter ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass es in der Vergangenheit in Wellen der industriellen Revolution immer zu signifikanten Produktivitätssteigerungen gekommen ist. Diese Produktivitätssteigerung ist in der jüngsten Digitalisierung ausgeblieben. Was sagt uns das? Die Phase der Digitalisierung in der wir uns befinden ist eine Überbrückungs- oder Vorbereitungsphase – die echte Revolution wird erst passieren.

Daten werden heute verfügbar gemacht – morgen können wir auf Basis dieser Arbeiten. Leistungsstärkere Infrastruktur, bessere Datennetzwerke (Blockchain), Rechenleistung (Quanten-Computing) und Co. werden eine völlig neue Ebene der Produktivität ermöglichen.

Erkenntnis 4: Die Produktivität ist in den letzten Jahren kaum gestiegen.

Wir (Österreicher / Europäer) haben vielleicht den Anfang der digitalen Revolution verschlafen – sollten allerdings sehr schnell lernen wo die „echten“ Disruptoren und Produktivitätshebel der Zukunft liegen werden. Wir haben hierzu mehr Asse in der Hand als wir denken.

Bisher hatte die Digitalisierung eher einen enttäuschenden Effekt wenn wir uns den Beitrag zur Produktivität ansehen.

Source: Financial Times

Wie aber findet man die „Gamechanger“ der Zukunft? Wie identifiziert und fördert man die richtigen Teams und Technologien? Diese und viele weitere Fragen sind es die uns beschäftigen sollten. Es ist (leider) unmöglich eine qualifizierte Vorhersage zu machen – man kann/muss lediglich ein Ökosystem oder ein Netzwerk solcher Ökosysteme schaffen die interdisziplinäre Innovation, Kreativität, Trail-and-Error Experimente fördern und zulassen.

Ich habe aus New York 4 wichtige Bausteine mitgenommen, welche alle gleichermaßen wichtig erscheinen um eine Ökosystem zukunftssicher zu machen. Diese Bausteine finden sich in unterschiedlichen Initiativen in NYC (wie etwa NewLab, WeWork Lab, Navy Yards, etc.) wieder und sollten uns auch in Österreich als Schablone dienen.

Baustein 1: Symbiose aus Universitäten, Industrie und Unternehmern fördern.

Österreich steckt jährlich unglaubliche Summen in hochwertige akademische Bildung / Forschung an Universitäten und Fachhochschulen. Wir schaffen es aber bei weiterem nicht die wissenschaftlichen Resultate in Wirtschaftsleistung umzuwandeln. Innovation lebt von sogenanntem Technologietransfer und von angewandter Forschung.

Hierzu Lande gibt es seitens der Forscher (Universitäten) zu große Bedenken gute Köpfe an Spin-Offs „zu verlieren“ – Förderungen der FFG die diesen Zweck grundsätzlich verfolgen werden vielfach eher als Quer-Subventionierung (unabhängiger) universitärerer Forschung verwendet. Das ist frustrierend. Es muss Anreize geben die eine engere Zusammenarbeit von Unternehmern und Forschern ermöglichen.

Baustein 2: Innovation braucht langen Atem

NewLabs operiert als privat wirtschaftlicher Innovationsspace und Venture Capital Fonds in einem ehem. Schiffsbau-Gebäude (Navy Yards) das mit USD 10m aus Eigenmitteln (privat) und USD 40m seitens der Stadt New York gefördert wurde. Die Höhe der Förderung ist besonders bemerkenswert, da öffentliche Subventionen in den USA sehr verpönt sind und nur sehr selten gewährt werden. Darüberhinaus ist es bemerkenswert das die Stadt dem Unternehmen freie Hand lässt und lediglich die Umsetzung des Vorhabens generell prüft. Die Ergebnisse nach bereits rund 5 Jahren können sich aber sehen lassen – der Wert der entwickelten Firmen übersteigt bereits die Mrd. USD.

Es war wichtig das es sich hierbei nicht um Kredite oder Meilenstein abhängige Förderprogramme (wie sie etwa bei uns üblich sind) handelte – man hat dem Zentrum bewusst einen weiten Spielraum gelassen.

Baustein 3: Regulatory Sandbox – Fast-Track zu Förderungen, Genehmigungen, etc.

Es ist wichtig das Innovationen experimentell erprobt werden können – man muss schnell testen, verwerfen und sich neu-orientieren dürfen. Flexibilität und möglichst wenig Bürokratie sind hier der Schlüssel – so hat NYC etwa in den Navy Yards eine umfangreiche Sandbox geschaffen, welche schnelleren Zugang zu Förderungen, rechtliche Sandboxes und ähnliches bereitstellt. Eben alles was man braucht um „verrückte“ Innovationen experimentell zu erarbeiten.

In Österreich wurde z.B. eine FinTech Sandbox geschaffen – diese sollte man schnell an die UK FinTech Sandbox anschließen, die gerade durch das DIT, Invest UK und den Lord Major der City of London gestartet wurde. UK hat eine Sandbox für FinTechs geschaffen die auch für Singapur, Hong-Kong und Australien gilt – somit können Unternehmen unter einer „soft-regulierung“ sofort international arbeiten und US Firmen tatsächlich die Stirn bieten.

Baustein 4: Innovieren heißt investieren!

Ein funktionierender vorbörslicher Kapitalmarkt, bestehend aus regulierten Private Equity, Venture Capital Investoren, sowie informellen Kapitalgebern (Business Angels) ist ebenso wichtig wie ein starker Kapitalmarkt. Hier hat NYC einen klaren Vorteil als führende Finanzmetropole und als Heimat der meisten Fortune500 Unternehmen der Welt. Österreich – könnte hier nur mithalten, wenn man die rund 250 Welt- und Europa-Marktführer als Investoren und Innovationspartner mobilisieren könnte.

Innovatoren brauchen etablierte Partner und umgekehrt. In Amerika (insb. NYC) scheint es gerade zu selbstverständlich das Konzerne und führende SME’s in Venture und Private Equity investieren – dies gilt auch für Pensionskassen, Banken und Versicherungen. Letztere sind bei uns gerade zu auf der Flucht vor unserem Sektor, da sie das Risiko von Ausfällen und die enormen Eigenkapitalunterlegungen scheuen.

Das Risiko als Volkswirtschaft in keiner Weise zukunftssicher aufgestellt zu sein wird somit (faktisch) völlig ignoriert – obwohl viele Vorstände grundsätzlich verstehen das man in diesen Bereich investieren müsste.

Baby Steps sind besser als Stillstand!

Wenn man sich bewusst macht, dass bisher der Kapitalmarkt kaum ein Thema für unsere Politiker war, dann sind die gefühlten „Baby Steps“ (aus Sicht der Marktteilnehmer mit internationalem Exposure) die wir machen – dank Ministerin Schramböck – bereits riesen Schritte. Wir dürfen uns damit aber nicht zufrieden geben.

Der Rest der Welt schläft nicht und wir müssen (ohne parteipolitische Eitelkeiten) auf breiter Basis verstehen das Innovation, Wirtschafts- und Standortpolitik kaum jemals von so hoher strategischer Bedeutung war wie heute. Wir verlieren aktuell im globalen Wettbewerb und das hat unsoziale Folgen für uns alle – wenn wir nicht reagieren!

Österreichs Startup-Paket, die Kooperation mit WeWork das Zusammenlegen der beiden AWS Fonds (Mittelstandsfond und Gründerfonds), die Startup- und Programmierer-Lehrlingsausbildung sind wichtige Maßnahmen – aber es fehlt noch an vielen weiteren Bausteinen und insbesondere an finanziellen Ressourcen Innovationen, Produkte und Services global skalieren zu können. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei eines klar gestellt: Ich sehe hier nicht „nur“ die Politik in der Pflicht – es wird zusätzlich private Initiativen brauchen und diese werden kommen, wenn die Politik weiterhin Verbesserungen der Rahmenbedingungen schafft.

Wir sind als Unternehmer gefordert!

2019 – Das Jahr der Tech-IPOs

Die österreichische Startup300 AG hat das Jahr 2019 am neuen Wiener Börse-Segment für Wachstumsunternehmen mit einem Listing eröffnet – der Kurs ist – wie nicht selten (eigentlich üblich) bei einem Tech-IPO – zunächst stark gefallen, da Investoren die ihr Kapital bereits über einige Jahre gebunden hatten zumindest teilweise Kasse machen. Das selbe Bild zeigte sich bereits bei Facebook in den ersten 12 Monaten und zuletzt wieder beim Börsegang des US Mobilitätsunternehmen LYFT.

Wenn bei einem Börsegang keine neuen Aktien platziert werden, spricht man von einem Listing – diese sind in der Regel volatiler (dies ist u.a. auch bei SLACK zu erwarten – siehe Artikel unten). Insgesamt steht das Tech-IPO Jahr erst am Anfang – wir dürfen auf ein paar sehr heiße Unicorns freuen, die bald von jedermann gezeichnet werden können.

Die größten Tech-Unicorns die ein IPO angekündigt haben:

Alle genannten Unternehmen, haben längst Einzug in unseren Alltag gefunden und werden auch noch in den nächsten Jahren begleiten. Die erwarteten IPOs könnten in Summe ein Volumen von über 200 Milliarden US-Dollar übersteigen und werden die Aktienmärkte durchaus in Bewegung versetzen.

Der Videokonferenz Anbieter Zoom.us ist profitabel – dies gilt nicht für viele Tech-Unternehmen zum Zeitpunkt des IPOs in den USA – allerdings haben alle Firmen enorm hohe Kunden bzw. User-Zahlen damit ist schnell klar das diese bei Zeiten auch in Richtung verstärkter Monetisierung (Profitabilität) gehen können. Vielfach ist allerdings zunächst das Ziel die Wettbewerber der Old-Economy aus dem Markt zu drängen.

Für Investoren wiederum bedeutet das, dass es große Fantasie gibt und man durchaus bei einem guten Einstieg nach dem Börsegang und einem bestätigten „fairen“ Marktwert und gutem Wind (generell an den Börsen) schöne Erträge im Aktienportfolio für die nächsten Jahre erzielen könnte, wenn man sich diese Titel genauer ansieht.

Ich freue mich persönlich schon sehr darauf ein paar Aktien meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ aufzunehmen. Wer selbst daran denkt, den ein oder anderen Wert zu kaufen – sollte drei Regeln beachten:

1.) Timing! Tech-Aktien fallen gerne in den ersten 6 bis 12 Monaten, da Investoren und Mitarbeiter bereits vor vielen Jahren Aktien zu sehr viel günstigeren Preisen erworben haben und (wenig verwunderlich) zumindest teilweise zu Geld machen wollen.

2.) Streuen! Wer in Post-IPO Unternehmen investiert – sollte breit streuen, da diese Aktien in der Regel volatiler (d.h. riskanter) sind als etablierte Unternehmen und sich erst an der Börse beweisen müssen. Viele Unternehmen schaffen es langfristig nicht zu überzeugen – es ist also Vorsicht geboten!

3.) Halten! Auf Aktienmärkten gewinnt die Bank, insbesondere wenn man zu viel handelt oder gar „zockt“. Transaktionskosten sind für Privatanleger hoch – man sollte also eher schrittweise kaufen und einen Veranlagungshorizont von 2 bis 3 Jahren haben. Wenn man das Geld dringender braucht – Finger Weg!

In persönlich liebe Tech-Werte – ich beschäftige mich mit diesem Thema täglich und zeige über die Social-Trading Plattform Wikifolio „Digital Gamechangers“ transparent welche Tech-Aktien ich verfolge. Ich bilde dort eine Muster-Strategie ab, die das Ziel verfolgt regelmäßig den führenden Tech-Index NASDAQ zu schlagen. Bislang mit Erfolg – aber davon könnt ihr euch ja selbst überzeugen.

Startups drängen an die Börse

Es wird ein gutes Jahr für die Börsen und damit auch ein gutes Jahr für Investoren und Investmentbanken – so das positive Stimmungsbild, welches ich aus dem Markt mitgenommen habe. Startup – IPOs waren seit dem Ende der 90er Jahre nicht mehr hoch im Kurs. Investoren brauchten fast 20 Jahre um sich vom Platzen der Dot.com-Bubble zu erholen. Jetzt ist die Zeit aber wieder Reif. Der Markt hat sich weiterentwickelt. Nicht nur sind Technologie Unternehmen heute unter den wertvollsten Unternehmen der Welt, europäische Börsen haben darüber hinaus aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Erfolgreich wurden neue Standards für junge Aktiengesellschaften entwickelt – sie sollen in Zukunft wieder an der Börse gehandelt werden. Tür und Tor ist somit (wieder) für internationale Investoren geöffnet. Der Startup Markt dürfte damit einen erneuten Schub erfahren – insbesondere wenn die Investoren anbeißen. Ich freue mich darauf!

Neues Startup-Segment an Wiener Börse

Das neue Segment “Direct Market Plus” an der Wiener Börse startet am Montag, 21. Jänner 2019 mit 8 neuen Werten. Das neue Segment richtet sich gezielt an Klein- und Mittelbetriebe bzw. Startups (die durch ihre Wachstumschance überzeugen). Ab dem ersten Handelstag wird u.a. die Linzer Startup300 AG seine Aktien im Handel anbieten. Neue Aktien sollen nicht platziert werden – bestehende Aktien können aber gehandelt werden. Ob man also Aktien tatsächlich kaufen kann und wie sich der Kurs entwickelt – das wird spannend.

Startup Aktien erobern Europa

Der Trend der Startup-Aktien Segmente ist bereits in den letzten Jahren in Europa gewachsen. Die Segmente haben sich sehr erfolgreich bewehrt. Die österreichische Cyan AG platzierte etwa im März 2018 an der Frankfurt Börese (Scale) sehr erfolgreich Aktien. An der Nasdaq Nordics (First North) findet man vermehrt Bio-Tech, Healthcare und Digital Health Startups. Schweden ist u.a. durch dieses sehr starke Segment zur zweit stärksten Startup-Nation Europas aufgestiegen.

In Deutschland hatte die German Startup Group weniger Erfolg (der Kurs ist seit der Emission sehr stark gefallen). Rocket Internet und Zalando (beide aktuell in meinem Wikifolio) hingegen sind nicht mehr aus dem Markt wegzudenken, sie sind allerdings auch Schwergewichte im Vergleich. Vielleicht kommt ja bald auch noch N26 (Achtung: Das ist ausdrücklich kein Gerücht – eher ein Wunsch ins Blaue!), das erste Unicorn mit österreichischer Beteiligung, an die Börse – das wäre doch mal was – oder?

Börse ist nicht gleich Börse

Die Kriterien und Kosten für ein Listing unterscheiden sich – insbesondere der regulierte Marktsegmente ist sehr viel anspruchsvoller als unregulierte. Allerdings sollte man die Wachstumssegmente nicht unterschätzen – FACC (ebenfalls aktuell in meinem Wikifolio) schaffte gerade erst letztes Jahr den Sprung in den ATX Prime und ist somit ein echter Aufsteiger.

Junge Aktiengesellschaften müssen für die Startup-Markt-Segmente nur sehr geringe Anforderungen erfüllen und extrem überschaubare Kosten tragen, um vom Handel über die mächtigen Börse-Marktplätze bzw. Plattformen zu profitieren. Der Zugang zu internationalen Investoren ist damit offen und die Chancen auf Erfolg steigen.

Security Tokens – Derivate on-chain

Eine weitere Innovation verspricht dieses Jahr ihren Durchbrich zu haben: „Die „Security Tokens“ sind endlich im Markt angekommen!“ freute sich kürzlich mein Freund und langjähriger Partner Alexander Rapatz von Black Manta Ventures. Der regulatorische Rahmen für Security Tokens (einige Projekte sind auch in Österreich in Vorbereitung) und die damit verbundene – zumindest theoretische – Handelbarkeit öffnet bald auch sehr junge Firmen den Zugang zu frischem Kapital. Kritisch wird – wie immer – die Liquidität für diese Produkte und damit auch für ihren Erfolg sein.

Börsen sind – trotz aller Euphorie die gerne publiziert wird und wurde – in der Umsetzung (leider) deutlich langsamer als erwartet. Malta hat sich früh auf dieses Thema spezialisiert. Sobald Börsen aus der Schweiz und Deutschland oder etwas UK oder USA auf das Thema aufspringen wird das Spiel in ein neues Level gehoben.

Liquidität ist entscheidend

Die jüngsten Entwicklungen empfinde persönlich einerseits als extrem positiv, möchte aber auch im selben Atemzug davor ausdrücklich warnen hochriskante investments zu tätigen. Egal ob an der Börse oder Privat. Geld ist sauer verdient und man sollte sich dringend einen qualifizierten Berater suchen, wenn man sich solche Themen genauer ansehen möchte. Ein paar gute soll es ja geben. Viele Startup Aktien werden trotz ihrer Börse Notierung kaum gehandelt werden und damit ist man mitunter extremen Kursschwankungen ausgeliefert – hier gilt besondere Vorsicht.

Lust auf mehr?

Wenn Sie sich gerne professionell als Emittent bzw. Listing Kandidat (an einem der genannten Märkte) beraten lassen wollen, dann stehen unsere Experten bei Venionaire Capital, sowie eine Reihe lizensierter Netzwerkpartner und Banken, mit welchen wir seit vielen Jahren gut zusammenarbeiten, gerne zu ihrer zur Verfügung.

3 Geheimnisse der Unicorn Investoren

Fast jeder (Startup) Investor, Venture Fund sucht sie – die seltenen, die „einzigartigen“, Einhörner, Unicorns. Startups die unter 10 Jahre alt und über eine Milliarde USD wert sind – also in diesem Sinne die explosionsartigen Erfolgsgeschichten. Nur die wenigsten finden Sie und ich bin gefesselt von ihrem „Geheimnis“.

Statistisch gibt es tatsächlich nur eine Handvoll wirklich erfolgreicher Unicorn-Jäger. Die Häufung der Erfolgsgeschichten in den Portfolios der besten Venture Fonds bzw. Bankern der Welt ist beeindruckend. Andressen Horowitz oder Saquoia Capital haben nicht weniger als 20 bzw. 23 Unicorns in ihren Portfolios und das ist kein Zufall. Diese Fonds sind bekannt dafür die Nadel im Heuhaufen zu suchen und zu finden – sie gehen sehr gezielte, aber auch große Wetten ein.


Quelle: CBINSIGHTS

Der Standort Vorteil – Silicon Valley – zeigt sich selbstverständlich noch (auch wenn wir wissen, das andere Märkte insb. China aufholt).

Das Geheimnis der besten Unicorn Jäger lässt sich meines Erachtens auf 3 wesentliche Faktoren herunter brechen, die jeder Investor nutzen kann. Natürlich gehört, neben diesen wichtigen Argumenten noch mehr dazu ein echtes Unicorn zu entwickeln – was letztlich dann die nötige Erfahrung, ein starkes Netzwerk und wichtiges fachliches Wissen einschließt (wie es etwa durch das Business Angel Institute vermittelt wird).

1.) Team, Team, Team

Das Gründerteam ist das wichtigste – sind sich Investoren einig. Aber was macht das perfekte Team aus? Kaum ein Journalist hinterfragt diese „eh klar“ Aussage und damit bleibt viel zu oft die Antwort (das Geheimnis) im Dunkeln – aber nicht heute ;-). Nach einigen Jahren Erfahrung, Beobachtung und gezieltem Hinterfragen (ich will ja auch besser werden) bei den besten der Welt darf ich zusammenfassen:

  • Eine solide Ausbildung etwa an einer Elite-Universität (auch wenn man das Studium abgebrochen hat), ein natürlich gewachsenes Netzwerk.
  • Gründer können sich leisten Gründer zu sein.Anmerkung: Ich habe viele gute Köpfe scheitern gesehen, weil sie nicht die finanzielle Stabilität oder Absicherung hatten und aufgeben mussten. Es ist Schade wenn man an einer Stelle aufgeben muss – wo Eltern einen in einen Day-Job drängen – an der andere ein, zwei weitere Chancen (und sogar noch Motivation zum Durchhalten) bekommen. Investoren geben es sehr ungern zu, aber sie achten darauf. 
  • Fachliche Kompetenz, Kreativität und Kraft des Teams – ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor überhaupt. Diese Skills sind die wichtigste Absicherung für einen Investor. Wenn die erste Idee nicht fliegt, kann die zweite oder dritte sein – im Fall eines Notverkaufs hat das Team einen hohen Wert (etwa für sog. Akquisition for Hires).

2.) Timing

Zum falschen Zeitpunkt hat die beste Idee, mit dem besten Team nur eine extrem geringe Chance. Wir wissen heute das mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% ein Startup wegen falschem Timing scheitert – der Faktor selbst wird aber für meine Begriffe viel zu selten hinterfragt.

Wie man das richtige Timing als Investor bestimmen kann? Man kann hierzu verschiedene Zugänge wählen, die einem in der Praxis auch regelmäßig (mal ernsthafter, mal weniger) unterkommen: Verifikation des Geschäftsmodells, Produkts, Services durch Gespräche mit Kunden, Meinung möglicher Käufer (Corporates, PE, Tech-Giants), die Sicht von IP bzw. Deep-Tech Experten und führenden Forschern auf Technologien.

3.) Erfolg zieht er Erfolg an!

Das gemeinste aber ist, dass die besten Firmen (die möglichen Unicorns) gejagt werden müssen. Diese Startups brauchen manchmal gar keinen Investor in der ersten Phase, sie wollen einfach nicht zu früh verwässern und melden sich (wenn überhaupt) nur bei sehr wenigen Investoren. Viele Investoren machen den Fehler nicht an ihrem Profil zu arbeiten und sich somit vor den besten Startups defacto zu verstecken. Der erste (Super) Angel – sobald dieser gefunden ist – wird seine Roh-Diamanten nur gezielt den stärksten VCs vorgestellten und damit geht der Deal seinen Weg.

Wir beobachten im European Super Angels Club bereits nach knapp 2 Jahren, dass Quartal um Quartal die Qualität des Dealflows steigt. Wir arbeiten hier – stellvertretend für unsere MItglieder sehr stark an unserem Profil nach außen und sind gleichzeitig extrem restriktiv in der Auswahl der Firmen mit den wir wirklich arbeiten wollen. Nur 1 -2% der Startups überhaupt erhalten Zugang zu unserem Investment-Club.

Wir jagen aktiv und wir Verknappen aktiv – jeweils mit dem Ziel auf dem höchst möglichen Niveau zu arbeiten. Wir sind überzeugt eine starke Portfolio Family – die für niemanden Zeitverschwendung ist – aufzubauen und ermutigen diese regelmäßig zum Austausch. Wir haben zwar (heute) noch kein Unicorn im Portfolio – sind aber der Überzeugung das unsere Arbeit und unser Umfeld das ein oder andere Unicorn über die Zeit hervorbringen kann – ob es gelingt können wir in 10 Jahren berichten, von heute auf morgen wird das nicht gelingen.

Conclusio

Für jedes Startup gibt es „perfekte“ Investoren – davon bin ich überzeugt, auch wenn wir so vielen Gründern Tag für Tag absagen müssen. Ein „Nein“ heißt nie das ein Startup oder Team schlecht ist. Es heißt das es aktuell nicht zu uns passt – das ist ein großer Unterschied!

Wenn dein Startup Hilfe braucht in Sachen Fundraising, Strategie oder Wachstum, dann stehen mein Team und unsere Experten bei Venionaire Capital gerne zur Verfügung – wir haben von Berufswegen ein offenes Ohr und hören uns (fast) jeden Gründer an. Wir halten pro-aktiv, aber auch immer öfter dank der Hartnäckigkeit von einzelnen Startups über mehrere Jahre Kontakt mit Gründern. Es dauert manchmal einfach bis es für ein Investment passt.

Sobald ein Investor investiert ist, beginnt sein Geld in einem Startup zuarbeiten. Ab diesem Zeitpunkt will er die Stärken des Unternehmens verstärken und Schwächen lindern – er brennt zu 100% für sein Startup. Unicorn-Jäger sind eine spezielle Spezies von Investoren, sie suchen nach einer sehr speziellen DNA aus Team und Timing, machen „Moon-Shot“ Wetten und haben die Mittel und Zugänge diese Shots auch ermöglichen.

Frank Thelen – mit Freigeist Capital – ist übrigens ein Europäischer Unicorn Jäger! Es war fantastisch seine Vision und seine Sicht auf Innovation auf dem Idealab! 2018 (WHU) zu hören.

Quelle: Berthold Baurek-Karlic

Ich hoffe das Freigeist bald in der Top-Ten auftaucht und vermehrt europäische Unicorns international sichtbar werden!

Europas Venture Capital Markt muss viel stärker werden!

Zur Zeit ist die Welt ist nicht nur auf politischer Ebene angespannt, es findet auch ein unerbittlicher Kampf um die Führung im Bereich der Innovation statt. Während die USA noch vor rund 20 Jahren fast alleinig den Venture Capital Markt dominierte, so hat sich die Welt heute drastisch verändert. Einerseits hat sich die Summe des investierten Risikokapitals (in Folge „Venture Capital“) aufgrund der beschleunigten „Digitalen Transformation“ (4. Welle der Industriellen Revolution) in 10 Jahren rund verdreifacht – der Anteil asiatischer Investoren aber Veracht facht (von rund 5% auf 40%), wie das Wall Street Journal in seiner Exklusiven Studie „Silicon Valley Powered American Tech Dominance—Now It Has a Challenger“ am 12. April, 2018, schreibt.

Europa liegt weit abgeschlagen zurück und hat sehr viel aufzuholen. Aktuell wird nur 7,1% des globalen Venture Capitals in Europa verwaltet, wovon wiederum gemäß dem Invest Europe Report 2016  mehr Kapital außerhalb der EU investiert wird, als Investments aus diesen Ländern für europäische Venture Fonds eingesammelt wird.

Die „Digitale Transformation“ ist wohl die finanziell größte Welle der Industriellen Revolution bisher. Die Wirtschaftsmächte kämpfen um die besten Talente und innovativsten Technologien der Welt – es gilt die Lebensqualität in der Zukunft zu erhalten bzw. zu erhöhen. Wir haben in Europa leider viel zu spät erkannt, welche volkswirtschaftliche Gefahr uns durch einen schwachen Venture Capital Markt droht. Die jüngste Initiative VentureEU will mit rund EUR 2 Mrd. Venture Capital Fonds in Europa unterstützen und somit einen Startschuss zur Aufholjagd gegenüber den USA platzieren. Wer ein wenig rechnen kann erkennt sofort, dass dies nicht reichen wird. Es wird zusätzlich noch nationale Initiativen – wie etwa in Dänemark, Finnland oder bald Deutschland – benötigen und wir werden echte Anreizsysteme brauchen, um mit dem europäischen Venture Capital Markt an China und die USA aufzuschließen – die jeweils ein Vielfaches des europäischen Risikokapitals auf dem Markt platzieren.

Europa hat jede Menge Innovation und Talente – kann sie nur nicht halten!

Das Word Economic Forum hat im Juli letzten Jahres – mit Referenz auf eine Studie im Auftrag von Bloomberg – veröffentlicht, in welcher eine Künstliche Intelligenz in Zusammenspiel mit Bob Goodson, CEO von Quid die Top 50 erfolgreichsten Startups der nächsten Jahre vorhergesagt hat. Diese Auswahl wurde schon einmal getroffen – damals 2009 selektierten die Forscher: Evernote, Spotify, Etsy, Zynga, Palantir, Cloudera, OPOWER und viele weitere Namen die heute fast jeder kennt. Das „Portfolio“ wäre (in der Theorie) der viert beste Venture Capital Fonds der Welt gewesen, hätte jemand investiert.

Die Veränderung der Venture Capital „Welt“ sieht man aber auch in dieser Auswertung. In der aktuellen Liste stammen nur noch weniger als 50% der Firmen aus dem Silicon Valley, der Rest verteilt sich auf den Rest der USA und 20% dem Rest der Welt. Nicht weniger als 10% der Firmen stammen aus der EU – bleibt abzuwarten, ob wir sie halten können!

Die wichtigsten technischen Innovationsfelder der nächsten 8 Jahre gem. Quid (ex. Biotech & Lifescience):

  • Augmented reality – wird viel wichtiger als Virtual Reality.
  • Bilderkennung und Mapping – wird selbstfahrende Autos zu einem Standard machen der nicht mehr wegzudenken ist und das Geschäftsmodell der Automobil Industrie stark verändern.
  • Online Security & Fraud Detection – wird mit steigenden Datenmengen, für Staaten, Onlinehändler und Unternehmer generell eines der wichtigsten und relevantesten Themen werden.
    Bildung – wird digitalisiert und stärker als bisher in bestehende Systeme und Spiele integriert als bisher.
    Drohnen – werden sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich zur Normalität aufsteigen. Anmerkung: Das beinhaltet wohl auch autonomes Fliegen.
  • Smart Home – die Automatisierung des Haushalts wird leistbarer und dringt in verschiedene Bereiche von Garten, Energiemanagment über Sicherheit, usw. vor.
  • Künstliche Intelligenz – werden die Effizienz von Wissensarbeitern durch die geschickte Verarbeitung von Daten, Information – etwa zur Steuerung von Bots – deutlich erhöhen.
  • Weltraum Technologie – wird weiter im privaten Sektor wachsen und sich in Bereichen wie Satelliten, Propulsion und Mining etablieren.

In allen oben genannten Bereichen kenne ich Startups aus dem deutschsprachigen Europa, die zwar allesamt nicht auf der Liste von Quid aufscheinen, aber mit der richtigen Finanzierung sehr wohl dort einen Platz einnehmen würden. Die Zeit wird zeigen, ob wir es schaffen diesmal die Maschine zu schlagen und insbesondere aus Europa verstärkt internationale Erfolge feiern können.

Tools für Innovationsmanager & Analysten

Einst waren es nur Zukunftsforscher die sich intensiv mit der Zukunft auseinandersetzten – heute ist jede Branche unter konstantem Innovationsdruck. Innovationszyklen folgen so schnell aufeinander wie noch nie, die Zeitfenster für Amortisation von Innovationsausgaben und Wettbewerbsvorsprung sind so kurz wie noch nie und wir erleben immer noch eine massive Beschleunigung. Wenn man als Basis aller technologischer Entwicklungen die Rechenleistung unserer Computerchips heranzieht – dann stehen wir kurz davor noch schnellere Entwicklungen dank Quanten-Computer Technologie zu sehen.

Moores Law dient als Indikator für exponentielles Wachstum von Technologie. Sie beschreibt dass sich die Anzahl integrierter Schaltkreiskomponenten alle 2 Jahre verdoppelt – Rechenleistung also somit exponentiell steigt. Tatsächlich scheint diese These bislang nicht widerlegen lassen und glaubt man Ray Kurzweil (Buch Author: The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology) so hat ein einziger Computer in 2 Jahren die Fähigkeit die Rechengeschwindigkeit- und Power eines Nagetiergehirns zu erreichen um schließlich im Jahr 2026 etwa die Rechenpower eines menschlichen Gehirn zu toppen – beschreibt  am 

Wie findet man die Nadel im Heuhaufen?

Die Sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden habe ich in gewisser weise zu meiner Lebensaufgabe gemacht. Ich liebe es mich mit Technologien, Innovation und der „Zukunft“ selbst zu beschäftigen. In unserer täglichen Arbeit in diesem Feld ist es sehr wichtig, den Innovationsgrad, die zeitliche Erwartung und das Risiko von Entwicklungen abzugrenzen – da sich Innovation in verschiedenen Ebenen und Geschwindigkeiten abspielt.

Quelle: TCW Transfer-Centrum GmbH & Co. KG

Es ist wichtiger den je Trends früh zu erkennen, aber auch Entwicklungen und Produkteinführungen schneller als jemals zuvor zu machen – das Zeitfenster für „Gewinnerzielung“ kleiner geworden ist.  Diese beschleunigten Innovationszyklen und der immense Druck auf erhöhte Geschwindigkeit im Wachstum spielt in der Regel Startups in die Hände. Konzerne und führende Mittelstandsunternehmen suchen ihrerseits zur Recht den Weg zur Kooperation, Investition oder gar Akquise um Innovationskosten und Entwicklungszeiten (inkl. Produkttests) drastisch zu reduzieren.

Strategen, Innovatoren und Investmentmanager müssen sich gleichermaßen ein Bild der Welt von morgen machen und diese qualifiziert einschätzen. Für diesen Zweck, gibt es mittlerweile bereits sehr gute öffentliche und privatwirtschaftliche Datenbanken bzw. Softwareanbieter die gerne von Profis genutzt werden.

Strategisches Innovation Management & Research

  • Itonics – Software & Services for Strategic Innovation Management
  • Mapegy – Data Driven Intelligence for Innovation & Risk
  • Pitchbook – Datenbank für Investoren und Startups – inkl. Transaktionsdaten
  • CB Insights – Data Analytics & Predictions (strong in Tech Startups)
  • Tracxn – Venture Capital & Professional Analyst Software (tracking 230+ Sectors)

Dealflow & Startup Datenbanken

  • Dealmatrix – Innovation Radar & Dealflow Management Solution (Gratis für Business Angels)
  • Crunchbase – Offene „Wiki“ Datenbank für Startups und Investoren

Software Vergleich & Produkte Testen

  • Product Hunt – Neue Software Lösungen entdecken (Fokus: „early-adoptors“)
  • G2 Crowd – Business Software und Services im Vergleich

*) Offenlegung: Berthold Baurek-Karlic ist direkter und indirekter Gesellschafter bei Dealmatrix.

Sind sie auch schon „on-chain“ (Blockchain)?

Zur Zeit dreht sich alles um Blockchain. Es vergeht kein Tag an dem, man nicht etwas neues zu diesem „heißen“ Thema ließt – dennoch gibt es sehr viele Menschen die noch nicht verstanden haben, was es eigentlich (wirklich) mit der „Blockchain“ auf sich hat. Grund genug um einen kleinen Blog-Artikel zu schreiben und zwei aktuelle Veranstaltungen zu dem Thema in den Fokus zu rücken, wo man sein Wissen vertiefen kann:

22. 3.2018 – VIP (Vienna Innovation Party) NIGHT (WIEN)
-20% mit dem Promotion Code „ESAC“

17.5. bis 18.5.2018 – Blockchain Master Class (WIEN)
-10%
mit dem  Promotion Code „LS18“

Viel Spass & ich hoffe wir sehen uns bei den Events 🙂

KEINE AHNUNG – was ist diese „BLOCKCHAIN“?

Die Welt ist fasziniert von dem Drama um den kometenhaften Aufstieg von Kryptowährungen 2017 und den anschließenden Zusammenbruch der Kurse. Im Dezember erreichte der Preis einer einzelnen Münze fast 20.000 $, bevor er Anfang Februar auf unter 6.000 $ absackte. Selbst der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verglich die Manie um Bitcoin mit „einer Kombination aus einer Blase, einem Ponzi-Schema und einer Umweltkatastrophe“.

Den Absturz haben viele kommen gesehen – auch der Nobelpreisträger Robert Shiller, hatte noch bevor die Kryptowährung fast zwei Drittel ihres Spitzenwertes verlor, tiefe Zweifel an ihrer Langlebigkeit geäußert – aber er war sehr schnell dabei, seine Skepsis gegenüber den langfristigen Perspektiven von Bitcoin (BTC) von seinem Optimismus für die Technologie zu trennen, auf der sie aufgebaut war: die Blockchain.

Was ist also die Blockchain (insoliert von BTC betrachtet)?

Die Technologie (Blockchain), auf der Bitcoin und andere Krypto-Währungen aufgebaut wurden, wird nicht von einem Unternehmen oder einer Institution überwacht, sondern lebt in einem Netzwerk von Tausenden von PCs. Ein sicherer, verteilter „Ledger“ sozusagen.

Das ist das Herz der „Blockchain-Plattformen“: Durch die Schaffung einer sicheren Datenbank – über viele verschiedene Computer hinweg – entfällt die Notwendigkeit, dass eine Bank oder eine andere Institution als „Vertrauens-Zentrale“ existiert, die die Daten überwacht und reguliert.

Wie funktioniert die Blockchain?

Bei Bitcoin, der ersten Blockchain Anwendung in der bereiten Masse, validiert und protokolliert ein großes Computernetzwerk alle Finanztransaktionen in einem offenen und manipulationssicheren Ledger-System (ohne Kontrolleinheit – also 100% automatisch). Jene Marktteilnehmer, die mithelfen, diese Transaktionen durchzuführen und dieses digitale „Buch“ (eine Kopie der Datenbank) zu führen, indem sie natürlich auch Rechenleistung anbieten, erhalten Bitcoin als Gegenleistung für ihre Dienstleistungen. Das ist nur Fair, da Rechenleistung letztlich auch Strom kostet – die Logik ist also ähnlich einer Provision für die Bank (bei Verarbeitung einer Zahlung) im alten „politischen“ System.

Wie wirkt sich das auf Sie aus?

Wenn die Blockchain-Technologie tatsächlich bis 2027 bis zu 10 % des globalen BIP ausmacht, wie es vereinzelt vorhergesagt wird, dann werden wir alle früh genug spüren das eine Reihe heutiger „Validierungsstellen“ wegfallen. Es geht nicht wirklich darum, ob, sondern wann. Der ökonomische Vorteil und die Tatsache das man – nach heutigem Erkenntnisstand – nicht betrügen kann in diesem System, macht Experten sicher das sich die Technologie durchsetzen wird.

ABER! Da es sich bei dieser Technologie um eine grundlegende Technologie handelt, kann es eine Weile dauern bis wir weit verbreitete Anwendungen sehen – diese Faktor ist kaum einzuschätzen. Es gibt viele Ideen zur breiten Anwendung – u.a. sehr häufig genannt werden sogenannte „Smart Contracts“. Die Idee ist – eine Vielzahl von Verträgen, automatisch in Gang zu setzen, sobald die Vertragsbedingungen erfüllt sind – so könnte man zum Beispiel digitale Güter Handeln und Tauschen.

Der Versuch einer „einfachen“ Erklärung (wie eben beschrieben) wurde inspiriert durch einen Artikel des „World Economic Forums“ – den ich persönlich bereits im Original sehr gelungen fand. Ich habe diesen hier in gekürzter und übersetzter Fassung versucht noch mehr auf den Punkt zu bringen – ich hoffe mit Erfolg?