FinTechs – Der Alptraum der Banken

Fintechs sind in aller Munde – es handelt sich dabei um innovative (software)  Finanzlösungen die traditionelle Banken bzw. deren Services ins Visier nehmen. Die dahinter stehenden Technologien sind vielfältig (etwa AI, Big Data, IoT, etc.). Die sogenannten Challenger-Banken Revolut (UK) sind bereits in der Liga der Unicorn bzw. im Fall von N26 (DE) am besten Weg dort hin. Während etablierte Bankhäuser einen schweren Rucksack in der digitalen Transformation zu tragen haben, schaffen es Quereinsteiger vom Start weg effizienter aufgestellt zu sein. Goldman Sachs und Wirecard sind gute Bespiele für Banken die Digitalisierung zu  ihrem Vorteil nutzen. Keine Frage Corporates spielen immer stärker mit im globalen Venture Capital Markt – aber der Druck für den Banken Sektor steigt ganz besonders.

Quelle: KPMG Venture PULSE Q4 2017 (Infographic)

Prozesse und Geschäftsmodelle, aber auch die unternehmerische Kultur der Banken muss sich um 180 Grad drehen. Fintechs verstehen sich als Teil eines Ökosystems, sie dienen als Plattformen, stellen ihre Kunden (tatsächlich) in den Mittelpunkt und konzentrieren sich auf wenige Services die sie bis ins letzte Detail perfektionieren. In anderen Bereichen kooperieren sie mit anderen FinTechs.

Blind Side Disruption – Banken gegen Tech-Konzerne

Ein legendärer Ausspruch viel auf der IBM InterConnect 2015 von Citigroup’s damaliger Digital & Marketing Officer Heather Cox über die Zukunft von Banking: “People need banking, but they don’t necessarily need banks.” – heute spüren wir bereits das sie recht hatte. Die stärksten Wettbewerber der Banken kommen nicht aus der Welt der Start-Ups, es sind vielmehr die Internet Giganten Alibaba (Alipay), Apple (Apple Pay), Samsung (Samsung Pay), Google (Google Pay) und Facebook (Instram hat kürzlich Payment vorgestellt) die angreifen.

Die disruptive Kraft der Fintechs wird gerne herunter gespielt. Startups, seien hip, schnell und agil – aber etablierte Banken haben eine gewaltige Kundenbasis und eine große Kriegskasse, das gibt ihnen (noch) Sicherheit. Der PWC Global FinTech Report 2017 zeigt allerdings das über 80% der Bank-Manager sehr wohl wissen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung bedroht sind. Wir werden später in diesem Artikel sehen, dass sie bislang aber noch recht zaghaft auf diese Bedrohung durch Investments oder Akquisitionen reagieren.


 


Fintechs verhalten sich ein wenig wie Piranhas – sie knabbern, jeder für sich, eine Nische an und das macht sie in ihrer Summe so unglaublich unangenehm – da man ja unmöglich gegen alle gleichzeitig kämpfen kann. Den Kunden hingegen wird eine bessere Nutzerfreundlichkeit und 24/7 Verfügbarkeit angeboten. Banken bisher in kaum einem Fall darauf gefasst wie schnell sich Geschäftsmodelle und das Kundenverhalten verändern können. Im Jahr 2017 kam es endgültig mit höherer Priorität auf die Agenda.

Banken lernen schnell und versuchen sich besser auf den Markt einzustellen. So wird Goldman Sachs den Handel mit Bitcoin aufnehmen, die Zahl der Corporate Venture Capital Fonds von Banken steigen und Payment- bzw. Finanzdienstleister zeigen vermehrt in Akquisitionen auf. Das Eindringen neuer Akteure auf einem etablierten Markt, ist ein typischer Effekt einer industriellen Revolution – wie die „Digitale Transformation“ eine ist – ich nenne diesen Effent „Blind Side Disruption“ (Angriff aus dem „Toten Winkel“).

Wer Investiert in Fintechs?

Die stärksten Kapitalgeber für Fintechs sind nicht Banken, diese schlossen zwar 2017 mit dem bislang höchsten Anteil (19%) im Verhältnis zu allen VC Transaktionen ab – der Trend zeigt damit steil nach oben – aber angesichts der Bedrohungslage, scheint dies eine verhältnismäßig kleine Zahl zu sein.

Quelle: KPMG – PULSE of Fintech Report Q4 2017

Etwa im selben Verhältnis vielen die Akquisitionen der Banken aus. Ich erwarte, dass sich dieses Bild in den nächsten zwei Jahren massiv verändern wird – allerdings scheint es auch vermehrt IPOs zu geben, was bei gutem Wind an den Börsen die Bewertungen für strategische Käufer deutlich anheben wird.

Quelle: CB Insights, Feb 2018 (Banks are finally going after Fintechs)

Europäische Banken sind im direkten Vergleich zu US Banken im Bereich Corporate Venture Capital noch deutlich zögerlicher – hier ist also am meisten Bewegung zu erwarten.

Quelle: CB Insights, April 2018

US Banken investieren deutlich aktiver in Fintechs.

Quelle: CB Insights, Feb. 2018

Ein (vielleicht leicht überzogener) Ausblick

Es ist schwer zu sagen ob die heutigen Bankfilialen bald als Internet-Cafés dienen werden oder etwa als Co-Working Spaces. Ob es im Online-Banking bald an einen Krypto-Broker (wie Bitpanda oder Coinfinity) angeschlossen werden, kann ich genau so wenig vorhersagen – Revolut bietet dieses Feature jedenfalls schon heute (dürfte ein gutes Geschäft sein). Robo-Advisory (a la Scalable Capital) und Wikifolio liegen jedenfalls schon heute im Trend und ich nehme nicht an das dieser abreißt. Crowd-Investing (etwa über CONDA) bzw. Bergfürst für Immobilienprojekte – erfreuen sich ebenfalls starken Wachstums! Meiner Meinung nach wird es im Investment Sektor zeitnahe zu Akquisitionen kommen – oder riskiert man weiterhin Marktanteile abzugeben?

Es bleibt spannend?!?

 

Weitere Quellen:

CB Insights – Global FinTech Report Q3 2017

KPMG PULSE of FinTech Q4 2017

 

Stimmen & Reaktionen: Journalisten Preis für Private Equity 2017

Der Journalistenpreis für Private Equity 2018 wurde letzte Woche vergeben und das Event als Plattform genutzt um die Stimme einer unterschätzen Asset-Klasse (Private Equity) zu erheben. Der Preis wurde von einem der größten Private Equity Dachfonds RWB ins Lebengerufen um jene Journalisten zu würdigen die über das vermeintliche Nischenthema auf hohem Niveau schreiben. Obwohl unregulierte Eigenkapital Investments durch Business Angels geradezu im Trend liegen wird in Österreich bisweilen kaum über die regulierte Private Equity Industrie geschrieben. Der Preis soll Journalisten motivieren dieses Thema verstärkt aufzugreifen und eine bisweilen stark unterschätzte Asset-Klasse für sich zu entdecken. Die AVCO – Österreichs unabhängige Interessenvertretung der Private Equity und Venture Capital Industrie mit Sitz im Haus der Industrie, welcher ich seit November 2017 als Vorstand ehrenamtlich diene, unterstützt diese Initiative selbstredend sehr aktiv.

Die Sieger des Journalistenpreises

Der erste Platz des Private-Equity-Journalistenpreis 2017 ging an den freien Finanzjournalisten Michael Kordovsky. Auf Platz 2 und 3 folgen Dr. Christine Kary von der Tageszeitung „Die Presse“ und Mag. Angela Heissenberger, Redakteurin beim Wirtschaftsmagazin „Report Plus“.

Die mit insgesamt 6.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Jahr 2013 vom Private-Equity-Spezialisten RWB Austria ins Leben gerufen. Die feierliche Verleihung der Private-Equity-Journalistenpreise 2017 fand am 2. Mai 2018 im Palais Daun-Kinsky in Wien statt. Über die Zuerkennung der Preise entschied eine unabhängige Jury aus Medien- und Finanzjournalisten.

Sieger des Private-Equity-Journalistenpreises 2017 ist der freie Journalist Michael Kordovsky (geboren am 9. Dezember 1974 in Braunau am Inn). Kordovsky hatte sich sehr intensiv mit der Anlageklasse beschäftigt und insgesamt fünf Beiträge eingereicht. Für seine Leistung erhielt Kordovsky 3.000 Euro sowie eine wertvolle Trophäe aus der Tiroler Glaswerkstatt Kisslinger in Rattenberg.

Von links nach rechts: Dr. Christine Kary (Die Presse, 2. Platz), Mag. Birgit Schmolmüller (Geschäftsführerin RWB Austria), Michael Kordovsky (freier Journalist, 1. Platz), Mag. Angela Heissenberger (Report Plus, 3. Platz), Horst Güdel (Vorstand RWB Group AG) APA OTS (Thomas Holzinger, Mediaclub/Holzinger)

In seiner Dankesrede hob Kordovsky die hohen Renditechancen von außerbörslichen Beteiligungen hervor und betonte ihre hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. „Private Equity ist eine unterschätzte Anlageklasse, die Geduld erfordert aber hohe Renditen bietet“, sagte Kordovsky. „Private Equity ist volkswirtschaftlich wertvoll, macht die Wirtschaft in unseren Breiten wettbewerbsfähiger und verhindert dadurch die Abwanderung von Industriebetrieben.“ Kordovsky ging weiters mit dem AIFM-Gesetz scharf ins Gericht, das seit dem Jahr 2014 Investitionen von Kleinanlegern praktisch unmöglich macht – dieses Geld fehlt natürlich in weiterer Folge den mittelständischen Betrieben. Er appellierte an die anwesenden Vertreter der Politik, das Gesetz zu reparieren.

Private Equity und Venture Capital sollte nicht nur für Super-Reiche offen sein

Horst Güdel, Vorstand der RWB stellte fest, dass es einst über 300 Partner waren die seine Produkte alleine in Österreich vertrieben „..heute sind es nur noch etwa 100“ und das liege nicht am Produkt sondern am Gesetzgeber. Die Umsetzung der AIFM-D (der EU Richtlinie die entsprechende Fonds reguliert) wurde in Österreich im Vergleich zu Deutschland sehr streng umgesetzt. „Kleine“ Investoren (sog. Retail Investoren) können Private-Equity Fonds in Österreich nicht zeichnen – das schadet in letzter Konsequenz dem Mittelstand, da Dachfonds wie RWB sehr hohe Mengen an Eigenkapital in viele kleinere, spezialisierte Fonds investieren. Paradoxerweise können „kleine“ investoren über online Plattformen hoch-riskante CFDs handeln, kleine Summen im Crowdinvesting (in Unternehmen und Immobilienprojekte) investieren – wo es jeweils deutlich höhere Verlustrisiken gebe. Die Private Equity Industrie und streng regulierte Manager seien hier zu unrecht benachteiligt.

In der Tat fällt es Fonds in Österreich sehr schwer Kapital für entsprechende Private Equity Fonds bzw. Venture Capital Fonds einzusammeln. Förderungen intensivieren aktuell sogar eher unregulierte Investoren (Business Angels) – die sicherlich auch einen wertvollen Beitrag leisten, professionelle Anschlussfinanzierungen durch Venture Capital Fonds weniger zu fördern entbehrt allerdings jeglicher Logik. Es ist unverständlich warum man Private Equity Fonds nur Super-Reichen anbieten dürfe. Rudolf Kinsky, Präsident der AVCO – selbst Partner der Deutschen Private Equity (DPE) und von APEX Ventures – erklärte auf dem Event das „Private Equity (insb. Dachfonds) und Venture Capital Fonds werden zu unrecht in einen Topf mit Hedgefonds geworfen. Das Ausfallsrisiko sei – etwa bei 1,4% wie Michael Kordovsky ausführte – viel geringer als der Gesetzgeber meine. Das Resultat: Die Anlageklasse wird in Österreich weitgehend gemieden von institutionellen Investoren wie Pensionskassen. Die Zahl der qualifizierten Privatinvestoren ist aber gleichzeitig sehr limitiert – somit ist man auf ausländische Geldgeber angewiesen, die das Geld auch im Ausland investiert sehen wollen“. Österreichs Mittelstandsunternehmen und Top Startups werden im Zweifel ins Ausland „verkauft“, weil sie hierzulande nicht das notwendige Eigenkapital-Investment erhalten. In Frankreich sieht die Welt anders aus – man hat die Volkswirtschaftliche Bedeutung der Assetklasse verstanden und hat erfolgreich Anreize für Investments von Pensionskassen  in diesem Segment geschaffen.

Die aktuelle Bundesregierung will den Kapitalmarkt stärken

Ich durfte im Anschluss an einem hochkarätigen Podium mit Rudolf Kinsky (AVCO Präsident), den Vertretern der Regierungsparteien Mag. Andreas Hanger (ÖVP) und Mag. Reinhard Pisec, MA (FPÖ), sowie Horst Güdel (RWB Vorstand) diskutieren. Die politischen Vertreter zeigten weitgehend Verständnis dafür das es De-Regulierung (insb. Abbau von sogenanntem „Gold Plating“) brauche. Im Regierungsprogramm habe man dem Thema Risikokapital viel Bedeutung beigemessen und man arbeite an vielen wichtigen Initiativen. Hierfür gab es Anerkennung und unisono die Bereitschaft der Experten einen Beitrag zur Umsetzung zu leisten – sofern gewünscht.

Uneinigkeit bestand leider in Bezug auf Anreize für institutionelle Investoren (etwa Versicherungen und Pensionskassen), sowie für die Öffnung der Asset-Klasse für Kleinanleger. Den Vergleich mit dem Alt-FG lies man nur bedingt gelten. Hierfür gab es scharfe Kritik aus dem Publikum. In Österreich ist es aktuell weiterhin nicht vorstellbar von der „Vollkasko Mentalität“ – trotz gegebener Schizophrenie – abzuweichen.

Im „Retail Geschäft“ müsse man den Kunden vor Hedge-Fonds und Private Equity schützen und auch Penionskassen (Anmerkung: Die von Profis verwaltet werden!) sollten in der Assetklasse nicht investieren. Was die Anleger direkt in Internetportalen verzocken – ist egal. Der Verweis auf das (vermeintlich) hohe Risiko der Veranlagungsklasse schreibt gerade in Zeiten mit Renditen die kleiner als die Inflation sind im Bereich der Staatsanleihen (Anm.: das bedeutet das man strukturell Real-Verluste einkauft!!!) Profis große Fragezeichen auf die Stirn.

Kapitalmärkte sind in Bewegung und Risiken verändern sich in Asset-Klassen in unterschiedlichen Marktphasen, wie wir spätestens seit der Publikation der Adaptive Market Hypothesis wissen. Die Bedeutung von Private Equity stieg in der Kreditklemme bzw. Bankenkrise massiv an – man kann hier durchaus von einem Asset-Shift sprechen, wenn man sich die ansteigenden Assets under Management der Private Equity und Venture Industrie der letzten Jahre ansieht. Eigenkapital ersetzte plötzlich nicht vorhandenes Fremdkapital. Buy-Out Fonds kauften Firmen die durch die Krise in Schieflage gerieten und retteten damit zig tausende Jobs. Eigenkapital ist aber nicht nur in Zeiten wie diesen attraktiv – das Risiko Ertragsverhältnis stimmt in der Assetklasse und bei breiter Streuung (etwa über 20+ Fonds) sind Totalausfälle durchaus auf sehr geringe Risiken reduzierbar. Die Risikoeinstufung der Assetklasse bzw. die Allokationsvorgabe des Gesetzgebers für Pensionskassen ist jedoch starr – aber Gesetze kann man zum Glück ändern, die Zeit bleibt ja schließlich auch nicht stehen.

Die Volkwirtschaftliche Bedeutung von Private Equity wird übersehen

Applaus gab es für den Hinweis auf die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity. Insbesondere im Buy-Out Segment oder etwa bei Generationen wechseln, beobachten wir seit Jahren einen Ausverkauf österreichischer (High-Tech) Unternehmen an ausländische Investoren bzw. Konzerne. Wenn man kein nationales Angebot schafft, dort unsere Volkswirtschaft – deren BIP von KMUs abhängt – ihren Motor zu verlieren und in Sachen Lebensqualität auf kurz oder lang stark abzubauen. Es geht uns sehr gut, keine Frage – aber genau deshalb können wir auch sehr tief fallen!

Die bereits scheinbar gut vorangekommene Öffnung des sog. „Dritte Marktes“ an der Wiener Börse für Mittelstandsunternehmen wurde von allen Teilnehmern sehr positiv aufgenommen. Internationale Bespiele zeigen wie wichtige diese Wachstums Segmente sind, wie ich bereits in vergangen Beiträgen bezugnehmend erläutert habe. Wer A sagt muss aber auch B sagen. In einem funktionierenden Kapitalmarkt in allen Ebenen starke Strukturen – der Markt ist eng verwoben und man muss ihn stets als gesamtes betrachten. Ein gesunder Venture Capital und Private Equity Markt würde etwa vielen Firmen überhaupt erst helfen zu dieser Börsenreife heranzuwachsen.

Digitalisierung ist Chefsache – Arbeitsfrühstück mit BM Schramböck

Um 8:00 in der Früh – vor den ersten zwei Kaffees – bin ich üblicherweise noch etwas langsam unterwegs, ich bin einfach eher eine Nachteule als ein Morgenmensch. Letzten Freitag habe ich da eine Ausnahme gemacht – noch nicht ahnend das am Abend mein zweiter Sohn auf die Welt kommen und damit sehr lang werden würde. Mit den ersten Sonnenstrahlen war ich jedenfalls aufgestanden, hatte nach einem doppelten Espresso Betriebstemperatur und bin zum Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaft gefahren. Bundesministerin Dr. Margarete Schramböck hatte eine durchaus ausgewogene Runde von Gründern, Führungskräften der FFG und AWS, sowie wichtige Vertreter der Startup Szene (etwa Austrian Startups Chef Markus Raunig) oder Stefan Jung von WeXelerate, zu einem Arbeitsfrühstück eingeladen – meine Erwartung war nicht sehr hoch, dafür die positive Überraschung umso größer. Es sollte tatsächlich kein PR-Stunt werden – im Gegenteil in straffen 60 Minuten wurde produktiv gearbeitet und man hatte Mühe nicht aufs Frühstücken zu vergessen.

Wie Innovation & Digitalisierung zur Chefsache wurden

Die Themen „Wirtschaftsstandort und Digitalisierung“ lösten bereits unter den letzten beiden Bundeskanzlern, sowie dem Vorgänger von Bundesministerin Schramböck – Harald Mahrer (Anm.: Designierter WKÖ Chef) die traditionellen Themen und die Konzern orientierte Politik ab.

Der heutige Bundeskanzler – Sebastian Kurz – war als Außenminister vor drei Jahren (fast auf den Tag genau) der erste der eine ganze Gruppe einlud und darauf hin eine Delegationsreise ins Silicon Valley organisierte. Eine Reise die sehr positive Nachwirkungen hatte – wenn man OPEN-AUSTRIA und andere Initiativen betrachtet die seither auf den Weg gebracht wurden.

Digitalisierung, Innovation und der Wirtschaftsstandort sind seither definitiv zur Chefsache geworden bzw. Chefsache geblieben! Die Themen sind dem amtierenden Kanzler Kurz so wichtig gewesen, dass sie gezielt bereits in den Regierungsverhandlungen – etwa durch Teresa Niss (Nationalratsabgeordnete ÖVP, Miba) und Florian Gschwandtner (Runtastic) und letztlich im Regierungsprogramm berücksichtigt wurden. Das Wirtschaftsministerium wurde kurzerhand zum Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (hier hatten wir eine Vorreiter Rolle gegenüber anderen EU Staaten). Eine erfahrene Expertin (siehe Lebenslauf) wurde als Ministerin gesucht, gefunden und angelobt. Das Thema ist zu wichtig um es in den Mühlen der Politik zu zerreiben – die Entscheidung gerade in diesem Feld auf eine politische Quereinsteigerin und Expertin aus der Wirtschaft zu setzen ist für mich persönlich gold richtig gewesen!

Neuer Stil in der Politik – Zuhören, Evaluieren, Arbeiten

Frau Dr. Schramböck eröffnete mit einer unglaublichen Lockerheit und Routine das Frühstück, erklärte kurzerhand das sie selbst aus der IT bzw. später Telekommunikationsindustrie kommt und das man dort das „Du-Wort“ pflegt. Sehr sympatisch – unsere Ministerin Margarete. Zwei Sätze später wurden die Regeln des Arbeitsfrühstücks von Dipl.-Ing. Martin Atassi, MBA – im Kabinett für die Agenden Digitalisierung und Startups zuständig – erklärt und der produktive Teil des Frühstücks startete prompt.

Jeweils 10 Minuten Brain-Storming, zu vier präzise ausgewählten Stationen (Funding & Scaling, Fachkräfte, Regulierung und Gründungen) – jeweils Moderiert durch Führungskräfte des AWS bzw. der FFG und des Ministeriums, gefolgt von einer schnellen Runde zur Priorisierung der Ideen und einer Runde mit kurzen Pitches der „Learnings“ an den Stationen. 70 Minuten später hatten wir ein paar wirklich wichtige Punkte auf einem Flip-Chart, die Anwesenden hatten (ein wenig) gefrühstückt und waren sichtlich positiv beeindruckt ob der Effizienz und des Tempos das hier vorgegeben wurde.

Der Schlüssel zum Erfolg ist die „ja aber“ Mentalität durch eine „ja und“ Mentalität zu ersetzen – das fällt uns Österreichern oftmals ganz schön schwer, wo wir doch immer so genau wissen was alles nicht geht.

Die Resultate und meine Hoffnung

Für mich sind 10 wichtige Themen bei diesem Arbeitsfrühstück aufgezeigt worden – die tatsächlich möglichst bald umgesetzt werden sollten. Wenn Österreich sein Potenzial im Bereich Innovation, Digitalisierung (Startups) und als Standort entfalten soll, dann müssen wir beginnen zu handeln. Nachstehende Probleme bzw. Hemmnisse zu Beseitigen wäre ein guter Anfang (wenn gleich wir wissen, dass es noch mehr bräuchte):

  1. Lohnnebenkosten und Dienstgeberabgaben Senkung (die Kosten für Arbeitskräfte sind die höchsten in der EU // wenn man alle Abgaben berücksichtigt!).
  2. Rechtlicher Rahmen bzw. Flexibilisierung für besseren Zugang zu Fachkräften (insb. Tele-Arbeit / Digital Nomaden)
  3. Bessere Regeln (Sozialversicherung, Steuerlich) für Mitarbeiterbeteiligungen
  4. Novellierung des Gesellschaftsrechts, Arbeitsrechts, Gewerberechts (in vielen Punkten nicht mehr Zeitgemäß)
  5. Eigene Rechtsformen für VC / PE Fonds (etwa z.B. SICAV)
  6. Digitalierung von Kapitalmaßnahmen (nicht nur von Gründungen) bei GmbHs
  7. Nationaler Dachfonds (z.B. nach Dänischem Vorbild)
  8. Vereinfachung und Restrukturierung von Förderungen
  9. De-Regulierung und Entbürokratisierung
  10. Direktflug von Wien nach San-Francisco!

Meine Hoffnung ist, dass die Ministerin für Digitalisierung ihre Praxiserfahrung in dieses Thema einbringt und es schafft diese Themen für den Wirtschaftsstandort umzusetzen. Wir Unternehmer sind in vielen Bereichen auf weniger Bürokratie, geringere Kosten und klarere Regelungen angewiesen.

Als Investor sehe ich Österreich im beinharten Standortwettbewerb leider noch am Ende des Feldes. Bei uns gibt es keine Investitionsprämie (mehr), wie etwa in Deutschland und wir haben auch einen viel zu schwachen Risikokapitalmarkt (Private Equity und Venture Capital). Europäische Initiativen nutzen wir nicht in voller Höhe, und es fällt uns schwer internationales Kapital nach Österreich zu locken. Die Problematik zieht sich bis zu den geregelten Kapitalmärkten – in diesem Sinne der Wiener Börse – durch, wo es kein Wachstumssegment, wie es sie etwa in Frankfurt SCALE oder in Stockholm an der NASDAQ Nordic (FIRST NORTH)) gibt.

Die Eindrücke weiterer Teilnehmer und allgemeine Stimmen zu diesem Event hat derBrutkasten sehr gut zusammengefasst.

Taxi vs. UBER – Der Sieger steht schon fest!

Die Wiener Taxi Unternehmer haben einen Sieg errungen, aber auch die  Chance vergeben zu lernen. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, den vermeintlich „bösen“ Konkurrenten UBER mittels einstweiliger Verfügung auf die Strafbank zu schicken. Das traurige ist, dass man den Sieg der Taxi-Unternehmer maximal als Etappenerfolg werten kann. Das eigentliche Rennen ums Überleben, wird man mit dieser Strategie nicht gewinnen. Die Digital-Community ist sich einig – Innovation kann man bremsen, aber nicht aufhalten!

Im Internet gehen die Wogen hoch. Die Nutzer sind empört, ob der irritierend unverständlichen Gesetzeslage und der fragwürdigen Auslegung um ein Monopol noch ein wenig länger zu Schützen.

Smart Mobility – ein spannender Investment Sektor!

Aktuell zählt der Sektor Mobilität (ich sage bewusst nicht Automotive!) zu einem der spannendsten Sektoren im High-Tech-Innovation Bereich überhaupt. Umbruch und Veränderungen prägen den Automobilsektor mehr den je – Mario Herger beschreibt die Situation in seinem Buch „Der letzte Führerscheinneuling: … ist bereits geboren. Wie Google, Tesla, Apple, Uber & Co unsere automobile Gesellschaft verändern“ sehr gut. 

Einerseits finden in diesem Sektor aktuell so viele spannende technische Entwicklungen Anwendung das einem Schwindelig wird und andererseits verändert sich das Kunden- und Nutzungsverhalten von Fahrzeugen und Dienstleistungen fundamental. Es ist eine echte Herausforderung geworden die Übersicht in diesem Feld zu behalten, die richtigen Trends zu erkennen und auf die richtigen „Pferde“ zusetzen. Das ist

Wer Investiert in die Zukunft?

Nach einer Studie von McKinsey & Company investieren in diesem Sektor bislang kaum Automobilkonzerne. Statt diesen sind es internationale Technologie Giganten und Finanzinvestoren (Venture Capital Fonds / Private Equity) die die großen Deals machen. Gerade heute wurde öffentlich, dass der Süd Koreanische Konzern LG den österreichischen „Hidden Champion“ ZKW (Automobil Zulieferer für moderne, hoch innovative Scheinwerfer) für EUR 1,1 Mrd. gekauft hat.

Quelle: McKinsey&Company

Gemeinsam mit unseren Partnern von E&Co haben wir uns bei Venionaire intensiv Gedanken zur Zukunft des industriellen Mittelstandes gemacht und ein White-Paper konkret für Corporate Startup Engagement Strategien geschrieben. Jetzt Herunterladen!

Krypto-Roulette: Neues Spiel, neues Glück

Die Kurse der Kryptos – allen voran des Bitcoin (BTC) – sind im Keller, die Tränen kaum getrocknet und schon geht es weiter. Timing ist das halbe Leben – so steigen jetzt plötzlich Schwergewichte der Wall-Street in den Ring, die während der letzten Blase noch nichts vom Teufelszeug „Kryptowährungen“ wissen wollten. Sie haben ihre Meinung geändert und wollen nun den Anstoß für die nächste Rally geben, wie das Handelsblatt und diePresse (Nikolaus Jilch) berichten. Niemand geringerer als die Hedgefonds Legende George Soros bezeichnete Bitcoin am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos (Jänner 2018), ob der extremen Volatilität des Preises, noch als völlig unbrauchbar – er zog sogar einen Vergleich mit der Tulpenkrise. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?

Der Preis des Bitcoin hat sich seit Jänner jedenfalls gedrittelt. Der Preis der Kryptos ist viel schneller gefallen, als von vielen Experten vermutet. Es war auch keine kleine „Korrektur“, vielmehr ein ziemlicher Absturz. Während die Jünger dieser Anlageklasse auf einen neuen Impuls warten, wird von vielen Experten vor allem die extrem günstige Bewertung in den Vordergrund gehalten – aber so richtig vom Fleck kommt der Preis noch nicht. Ist es schon soweit, kommt die nächste Rally?

Aus meiner Sicht generell sehr schwer ist einen fairen Marktwert für Bitcoins zu errechnen – wie ich bereits in meinem Artikel am 5. Jänner 2018 erläutert habe. Andere Krypto Währungen – wie etwa Ethereum (ETH) oder Ripple (XRP) – werden mittlerweile ebenfalls sehr aktiv gehandelt, wobei die Komplexität zur Analyse dieser „Währungen“ noch höher einzuschätzen ist, da es hier eigentlich um die Blockchain bzw. Distributed Ledger Plattformen dahinter geht.  Ich bin mit meiner Skepsis nicht alleine – selbst Vitalik Buterin der Gründer von Ethereum selbst rät zu traditionellen Assets.

Bitcoin – Prognosen für 2018

Aktuell wird eine neue Runde von Wetten platziert und die Kugel im Krypto-Roulette rollt wieder. Da ich selbst keine nachvollziehbaren Ansätze zur Bewertung von Bitcoin oder anderen Kryptos finden konnte, habe ich mir einen anderen Weg  überlegt – da mich die Prognose von Kryptowährungen dennoch fasziniert.

Es gibt eine Menge „Profis“ im Markt, die sich täglich mit der Preisbildung von Kryptowährungen beschäftigen – die einen glauben das man über die Metrik des Haltens (unter Krypto-Insidern „HODL“), die anderen aus einer Analogie zum Gold (dem Bitcoin als Substitut überlegen ist) oder auch nur durch technische Signale den Preis erklären kann. Interessant ist aber das fast alle Prognosen auf ein erneutes Ansteigen der Kryptowährungen hindeuten – so auch Don Tapscott der Gründer des Blockchain Research Institute – allerdings hängt dies offenbar auch eng mit dem erwarteten Aufstieg der Technologie Blockchain zusammen.

Bei meiner Recherche bin ich sehr oft über die Prognose von 10 führenden Krypto-Meinungsmachern gestoßen die auf der Plattform Finder.com publiziert wurden. Die Experten schätzen den Preis für einen Bitcoin zum Jahresende zwischen USD 3.000,– und USD 50.000,– ein. Abgeleitet aus einer historischen Simulation (mit einer Bandbreite zwischen USD 4.179 und USD 273.028) John Young (Founder von cryptosheets.com) den Preis von BTC in einem Jahr bei USD 31.380,–. Bei dieser Bandbreite an Ergebnissen bin ich geneigt mich bestätigt zu fühlen, dass man den Preis von Bitcoin nicht qualifiziert prognostizieren kann – zumindest kann ich persönlich keinen Trend erkennen. Wie geht es ihnen?

Meines erachtens rollt die  Kugel im Krypto-Roulette wieder und es werden Wetten abgeschlossen, aber es fällt mir schwer dies als Investment mit nachvollziehbarer Preisbildung zu akzeptieren – ich bleibe weiterhin skeptisch und gebe selbst keine Prognose ab!

Zeitstempel: Am Tag als ich den Artikel geschrieben habe (17. April 2018 – 20:20) lagen  die Marktpreise bei 1 BTC = EUR 6.378 – 1 ETH = EUR 406,82 – 1 XRP = EUR 0,5354 ).

RECHTLICHER HINWEIS: Kryptowährungen sind eine extrem riskante Veranlagung. Investments können zum Totalverlust von investiertem Vermögen führen. Dieser Artikel soll in keiner Weise zum Kauf, Handel oder Tausch von Kryptowährungen animieren.

Europas Venture Capital Markt muss viel stärker werden!

Zur Zeit ist die Welt ist nicht nur auf politischer Ebene angespannt, es findet auch ein unerbittlicher Kampf um die Führung im Bereich der Innovation statt. Während die USA noch vor rund 20 Jahren fast alleinig den Venture Capital Markt dominierte, so hat sich die Welt heute drastisch verändert. Einerseits hat sich die Summe des investierten Risikokapitals (in Folge „Venture Capital“) aufgrund der beschleunigten „Digitalen Transformation“ (4. Welle der Industriellen Revolution) in 10 Jahren rund verdreifacht – der Anteil asiatischer Investoren aber Veracht facht (von rund 5% auf 40%), wie das Wall Street Journal in seiner Exklusiven Studie „Silicon Valley Powered American Tech Dominance—Now It Has a Challenger“ am 12. April, 2018, schreibt.

Europa liegt weit abgeschlagen zurück und hat sehr viel aufzuholen. Aktuell wird nur 7,1% des globalen Venture Capitals in Europa verwaltet, wovon wiederum gemäß dem Invest Europe Report 2016  mehr Kapital außerhalb der EU investiert wird, als Investments aus diesen Ländern für europäische Venture Fonds eingesammelt wird.

Die „Digitale Transformation“ ist wohl die finanziell größte Welle der Industriellen Revolution bisher. Die Wirtschaftsmächte kämpfen um die besten Talente und innovativsten Technologien der Welt – es gilt die Lebensqualität in der Zukunft zu erhalten bzw. zu erhöhen. Wir haben in Europa leider viel zu spät erkannt, welche volkswirtschaftliche Gefahr uns durch einen schwachen Venture Capital Markt droht. Die jüngste Initiative VentureEU will mit rund EUR 2 Mrd. Venture Capital Fonds in Europa unterstützen und somit einen Startschuss zur Aufholjagd gegenüber den USA platzieren. Wer ein wenig rechnen kann erkennt sofort, dass dies nicht reichen wird. Es wird zusätzlich noch nationale Initiativen – wie etwa in Dänemark, Finnland oder bald Deutschland – benötigen und wir werden echte Anreizsysteme brauchen, um mit dem europäischen Venture Capital Markt an China und die USA aufzuschließen – die jeweils ein Vielfaches des europäischen Risikokapitals auf dem Markt platzieren.

Europa hat jede Menge Innovation und Talente – kann sie nur nicht halten!

Das Word Economic Forum hat im Juli letzten Jahres – mit Referenz auf eine Studie im Auftrag von Bloomberg – veröffentlicht, in welcher eine Künstliche Intelligenz in Zusammenspiel mit Bob Goodson, CEO von Quid die Top 50 erfolgreichsten Startups der nächsten Jahre vorhergesagt hat. Diese Auswahl wurde schon einmal getroffen – damals 2009 selektierten die Forscher: Evernote, Spotify, Etsy, Zynga, Palantir, Cloudera, OPOWER und viele weitere Namen die heute fast jeder kennt. Das „Portfolio“ wäre (in der Theorie) der viert beste Venture Capital Fonds der Welt gewesen, hätte jemand investiert.

Die Veränderung der Venture Capital „Welt“ sieht man aber auch in dieser Auswertung. In der aktuellen Liste stammen nur noch weniger als 50% der Firmen aus dem Silicon Valley, der Rest verteilt sich auf den Rest der USA und 20% dem Rest der Welt. Nicht weniger als 10% der Firmen stammen aus der EU – bleibt abzuwarten, ob wir sie halten können!

Die wichtigsten technischen Innovationsfelder der nächsten 8 Jahre gem. Quid (ex. Biotech & Lifescience):

  • Augmented reality – wird viel wichtiger als Virtual Reality.
  • Bilderkennung und Mapping – wird selbstfahrende Autos zu einem Standard machen der nicht mehr wegzudenken ist und das Geschäftsmodell der Automobil Industrie stark verändern.
  • Online Security & Fraud Detection – wird mit steigenden Datenmengen, für Staaten, Onlinehändler und Unternehmer generell eines der wichtigsten und relevantesten Themen werden.
    Bildung – wird digitalisiert und stärker als bisher in bestehende Systeme und Spiele integriert als bisher.
    Drohnen – werden sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich zur Normalität aufsteigen. Anmerkung: Das beinhaltet wohl auch autonomes Fliegen.
  • Smart Home – die Automatisierung des Haushalts wird leistbarer und dringt in verschiedene Bereiche von Garten, Energiemanagment über Sicherheit, usw. vor.
  • Künstliche Intelligenz – werden die Effizienz von Wissensarbeitern durch die geschickte Verarbeitung von Daten, Information – etwa zur Steuerung von Bots – deutlich erhöhen.
  • Weltraum Technologie – wird weiter im privaten Sektor wachsen und sich in Bereichen wie Satelliten, Propulsion und Mining etablieren.

In allen oben genannten Bereichen kenne ich Startups aus dem deutschsprachigen Europa, die zwar allesamt nicht auf der Liste von Quid aufscheinen, aber mit der richtigen Finanzierung sehr wohl dort einen Platz einnehmen würden. Die Zeit wird zeigen, ob wir es schaffen diesmal die Maschine zu schlagen und insbesondere aus Europa verstärkt internationale Erfolge feiern können.

Was ist mein Startup wert?

Unternehmensbewertung ist eine der anspruchsvollsten Disziplinen der Betriebswirtschaftslehre, insbesondere weil man der paradoxen Realität ins Auge sehen muss, dass ein Unternehmen für unterschiedliche Käufer / Investoren zum selben Zeitpunkt tatsächlich unterschiedliche Werte aufweist. Die Komplexität der Bewertung steigt ferner, je „jünger“ ein Unternehmen ist und je mehr immaterielle Vermögenswerte (z.B. Patente, Marken, Know-How, Prototypen, etc.) in diesen vorhanden sind. Bei Startups kommen beide Faktoren regelmäßig zusammen und das macht die Geschichte dann richtig knifflig.

Investoren und Startups haben – ganz natürlich – unterschiedliche Vorstellungen zur Unternehmensbewertung und diese werden am Verhandlungstisch zusammengeführt (oder auch nicht). Selbst unter Investoren gibt es häufig unterschiedliche Bewertungsansätze. Dieses Paradoxon ist allerdings anhand zweier grundverschiedener Gruppen von Investoren leicht erklärt:

  • Der Stratege (z.B. Beteiligung eines Konzerns): Ein strategischer Investor (z.B. ein Konzern mit relevanter Marktstellung) wird den Unternehmenswert eines Startups dann höher einschätzen, wenn starke wirtschaftliche Synergien und / oder auch andere strategische Interessen zu Grunde liegen. Ein Startup wird gegenüber dem selben Unternehmen einen höheren Wert aufrufen, da es durch eine strategische Beteiligung den Zugang zu Mitbewerbern verlieren könnte und / oder vergleichsweise viel Kontrolle zu verlieren befürchtet.
  • Der Finanzinvestor (z.B. Venture Fund): Der Finanzinvestor rechnet – je nach Restlaufzeit seines Fonds – mit einem Ertrag, der binnen einer Laufzeit (in der Regel 5 bis 6 Jahre – max.), erzielbar sein muss – dabei kalkuliert er eine weitere Verwässerung.

Anmerkung: Bei Folgeinvestitionen verhalten sich beide Investorengruppen ebenfalls sehr unterschiedlich. Während ein Konzern runde über Runde ein Unternehmen übernehmen kann und wird, ist ein Finanzinvestor stärker Wachstums und Kennzahlen getrieben. In sofern sind die Interessen von Finanzinvestoren und von Startups eher gleichgeschaltet – nämlich mit einem klaren Fokus auf einen Exit. Ein Konzern, kann bereits alleine durch das „Aussperren“ des Mitbewerbs, den Zugang zu wichtiger Technologie oder zu wertvollen Fachkräften (vgl. „Acqui-Hire“) profitieren, somit rechnen sie einfach anders. Ein weiterer wichtiger Umstand der neben der Bewertung als solcher bedacht werden sollte.

Die Bücher Handbook of Research on Venture Capital (Elgar Original Reference) (2007) und Handbook of Research on Venture Capital: A Globalizing Industry (Handbooks in Venture Capital Series) (2014) – beide von Hans Landström – geben einen sehr guten Überblick über die unterschiedlichen Verhaltensweisen, Erwartungshaltungen und Strategien von informellen Venture Capital Investoren (Business Angels) bis hin zu Corporate Venture Capital Fonds – sowie den regionalen Unterschieden dieser globalisierenden Industrie.

Unternehmensbewertung bei etablierten Unternehmen

Bei etablierten Unternehmen kommen marktübliche Verfahren – in Österreich etwa das sog. „KFS BW1“ (Verfahren für Fachgutachten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder) – zum Einsatz. Dieses Verfahren zeigt einen Liquidationswert, zieht Vergleichswerte (Multiples) und ein Verfahren das die Abzinsung zukünftiger Zahlungsflüsse (DCF) als Grundlage hat heran. Der Durchschnitt dieser Verfahren ergibt dann den Unternehmenswert.

Diese Verfahren kommen in der Venture bzw. Private Equity Praxis in abgewandelter Form zur Anwendung. Diese Investoren sind Exit orientiert (Zielen also auf einen Verkauf ihrer Beteiligungen ab) – somit müssen sie eine zeitliche Schranke einziehen. Sie rechnen mit einer Verwässerung durch spätere Finanzierungsrunden und sie gehen davon aus, dass in einem Portfolio weniger als 10% des eingesetzten Kapitals für mehr als 90% der Erträge verantwortlich ist – schützen sich also vor Abschreibungen die Teil des Geschäfts sind. Die Bewertung von High-Tech Firmen ist ferner stark von immateriellen Vermögenswerten und Know-How beeinflusst, durch Real Optionen (in der Regel vertragliche Sonderrechte bzw. Absicherungen für Investoren oder Optionen für Gründer (z.B. ESOP)) eine Unternehmensbewertung zumindest von außen betrachtet massiv verzerren kann.

Die Bewertung von Startups folgt eigenen Standards

Für junge Wachstumsunternehmen (Startups) kommen spezielle Verfahren zur Anwendung, die sich an internationalen Standards (IPEV Valuation Guidelines) orientieren. Venture Capital Fondsmanager, sowie professionelle Dienstleister folgen diesen Standards. Je länger ein Manager im Geschäft ist, umso besser ist seine Datenbasis und umso ausgeprägter sind seine Erfahrungswerte – diese Faktoren sind wesentlich für die Einstellung der Bewertungsmodelle. Ein erfahrener Fondsmanager (meist ehemaliger Gründer), kann Risikofaktoren, Wachstumspotenziale (Erwartungswerte bei einem zukünftigen Verkauf), die Haltedauer und die Qualität eines Teams viel besser einschätzen und bewerten als ein spitzen Banker / Theoretiker.



Die Bewertung eines Unternehmens und die Strukturierung einer Transaktion gehen bei Venture Capital Hand in Hand. Deshalb rate ich auch immer davon ab – Juristen oder Steuerberater die Führung einer Transaktion zu übergeben! Venture Capital Manager bewegen sich „interdisziplinär“ zwischen diesen Stakeholdern und dürfen diese Themen nicht losgelöst von einander betrachten. Der Preis einer Transaktion – also die Mischung aus einer Bewertung (= Unternehmensanteile gegen Investment) und der vertraglich strukturierten Ansammlung von Bedingungen (die viele wichtige Regeln mit Einfluss auf den Verkaufspreis, die Liquidität und ähnlichen in unterschiedlichen Szenarien beinhalten) –  ist die Grundlage eines erfolgreichen Investments. Wenn man bereits zum Investitionszeitpunkt einen Fehler macht – etwa zuviel bezahlt hat oder die möglichen Szenarien eines Investments schlecht abgesichert – ist ein Investment in Zukunft deutlich schwieriger zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu bringen, als wenn man hier einen soliden Job gemacht hat.

Die Bewertungstechnik der Business Angels

Business Angels wenden (bewusst oder unbewusst) in früheren Entwicklungsphasen nochmal andere Bewertungsmodelle an. Business Angels nehmen sich – im Gegensatz zu Venture Fonds oder Corporates – sehr viel Zeit für einige wenige Startups. Sie vernetzen sich in Clubs, oder Investmentgruppen und teilen sich die Arbeit informell auf. Über die Zeit erlangen sie „scheibchenweise“ ein Verständnis und tiefere Einblicke als so manche Due-Diligence gewährt – da sie Startups einfach über eine Zeit als unternehmerischer Begleiter beobachten. Wenn Business Angels sagen, sie investieren schnell, manchmal ohne Due-Diligence, einfach in einem tiefen Vertrauen auf eine Geschäftsidee und ein Team – dann stimmt das nur bedingt. Der Lead-Angel der einen Deal aufbereitet, macht in der Regel sehr wohl eine Hausaufgaben – aber externe Transaktionskosten versucht man tunlichst zu vermeiden. Anmerkung: Nur verständlich weil eine Due-Diligence, Unternehmensbewertung und Transaktionsstrukturierung eines Corporate Venture Deals kann schnell mal EUR 30.000,– ausmachen  – das wären 30% Kosten bei einem Investment von EUR 100.000,–, welches für einen Business Angel schon recht viel wäre.

Aber was kann ein Business Angel eigentlich bewerten? Unternehmen in sehr früheren Entwicklungsphasen (etwa zur Gründung oder kurz davor bzw. danach) bestehen in der Regel aus einem Team, einer guten Idee (vielleicht einem Prototypen), ein paar wenigen Verträgen, einer Vision und dennoch sind sie nicht selten mit ein, zwei Millionen Euro bewertet. In solchen Fällen greifen die oben angeführten Verfahren nur selten und Ansätze wie die Berkus Methode kommen zur Anwendung – ein Modell das aus der Praxis von Business Angels abgeleitet wurde.

5 Tipps zur Bewertung von Startups

Alle beschriebenen Bewertungsansätze haben eines gemeinsam, sie letztlich dazu eine Indikation eines fairen Unternehmenswerts, unter bestimmten Annahmen, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu bestimmen. Ein Wert der als Grundlage für Verhandlungen und zur Strukturierung von Mechanismen in Beteiligungsverträgen herangezogen wird. Welcher Preis aber letztlich für Unternehmensanteile gezahlt wird – das entscheidet der Markt und dort wird nicht immer die höchste Bewertung die Zustimmung der Gründer finden, sondern der beste Investor, mit dem besten Angebot.

  • Wenn ihr Investment keine ausreichend hohe Chance hat, eine adäquate Risikoprämie, unter erwarteter Verwässerung, in angemessener Zeit, zurück zu zahlen – ohne den Gründern die Kontrolle über ihr Unternehmen zu  nehmen – dann sollten sie es ziehen lassen! Mit der Venture Capital Methode – können sie das gut im Kopf überschlagen.
  • Stellen sie Kennzahlen vergleichbarer Unternehmen gegenüber. Suchen Sie nach einem Branchen-Multiple den sie ansetzten können (z.B. Finance Magazin) und schlagen sie eine Prämie für die illiquidität eines Venture bzw. Private Equity Investments auf.
  • Evaluieren sie Alternativen – eine Kapitalerhöhung ist ev. ohne professionellen Lead-Investor (häufig Venture Capital Fonds) nicht ratsam. In solchen Situationen empfiehlt es sich ein Darlehen mit Wandlungsrecht oder eine Option zu strukturieren.
  • Nutzen sie vertragliche Bedingungen (Terms) zum Ausgleich. Durch geschickten Einsatz von Vorzugsrechten, Regeln bzw. Absicherungsklauseln kann man Bewertungsunterschiede sehr schön ausgleichen.
  • Ziehen sie einen unabhängigen Experten bei. Startups und Investoren geben in der Regel viel zu viel Geld für Anwälte aus – da sie mit tickender Uhr hin- und her verhandeln. Das beiziehen eines Experten – etwa von Venionaire Capital oder eines Mitbewerbers kann sehr viel Zeit, Geld und Kopfschmerzen sparen!

Anmerkung: Da das Startup immer direkt (aus dem Investment) oder indirekt (über einen Abschlag auf die Bewertung) die Transaktionskosten bezahlt, ist dieses auch gefordert den Investmentprozess so effizient und friktionsfrei wie möglich zu strukturieren.

EU will 2 Milliarden Euro in Europas VC-Fonds pumpen

Die Europäische Union kündigte diese Woche die Schaffung eines großen neuen Dachfondsprogramms namens VentureEU an. Bisher hatte die Europäische Union rund EUR 500 Millionen zur Verfügung gestellt, aber mit Hilfe privater Investoren soll es nun gelingen, über EUR 2 Milliarden dem professionellen Venture Capital Markt zur Verfügung zu stellen. Das Motiv hinter dieser Initiative liegt für Insider auf der Hand. Die immer größer gewordene Unterdeckung im Venture Capital Markt in Europa muss schnell behoben werden, da viel zu viele Gründer mit ihren Unternehmen die Europäische Union verlassen müssen, um ihre Finanzierung zu erhalten. VentureEU wird in Summe sechs Fonds für Investitionen in VCs umfassen, die sich auf Bereiche wie Digitalisierung, medizinische Technologien (medtech), Life Science, Bio-Tech und Energie konzentrieren.

Die EU ist in kritischen Technologien wie künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Blockchain und dem Gesundheitswesen zu stark von externen Anbietern abhängig. Wenn man sich in diesen Feldern zukünftig behaupten möchte brauchen wir viel größere Muskeln. „Beim Risikokapital zählt die Größe!“ sagte Jyrki Katainen, Vizepräsident der Europäischen Kommission für Beschäftigung, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit, in einer offiziellen Erklärung.

Rudolf Kinsky, Präsident der Austrian Private Equity und Venture Capital Organisation (AVCO), kann dem nur zustimmen: „Wir stehen bei neuen Technologien im Wettbewerb mit den USA und Asien, aber im Vergleich ist in Europa der professionelle Venture Capital und Private Equity Markt mit einem Sechstel der USA noch viel zu klein – wiewohl die Nachfrage nach der Wirtschaftskrise enorm gestiegen ist. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es in der EU neben den Dachfonds des EIF (parallel) sehr gut etablierte nationale Dachfonds wie etwa in Dänemark, Finnland oder Estland gibt, die sicherstellen, dass in der jeweiligen lokalen Wirtschaft das Wachstum von technologisch orientierten Startups und KMUs finanziert wird. Die AVCO fordert einen solchen nationalen Wachstumsfonds auch für Österreich und arbeitet an einem konkreten Vorschlag, der sich am dänischen Modell orientiert.“

3 Bücher für (Corporate) Venture Capital Experten


Die EU hat sich mit den VentureEU Programm eine gewaltige Aufholjagd vorgenommen – ein Zeichen für die großen Herausforderungen vor denen Europa steht. Innovation, Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind heute – stärker denn je – mit einem funktionierenden Startup Ökosystem verwoben. Die EU spricht dieses Problem direkt an.

Europa muss aufholen!

Trotz der wachsenden Verbreitung von VC-Fonds in Europa haben sie im Durchschnitt nur ein Drittel der Größe der US-Venture-Fonds. In Europa gab es Ende 2017 nur 26 private Unternehmen im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar, verglichen mit 109 in den USA und 59 in China. Durch Förderungen ist Europa in der Lage, Unternehmern bei der Gründung ihrer Unternehmen zu unterstützen, aber viel zu viele wandern später in andere Länder ab. Zu diesem Zeitpunkt suchen sie häufig eine professionelle Anschlussfinanzierung, die sie in Europa nicht erhalten. Es gibt auch andere Schranken, die es Startups heute noch immer sehr schwer machen in ganz Europa zu skalieren – der „gemeinsame Markt“ hat sicherlich noch viel Optimierungspotenzial.

Trotz des mutigen Schrittes der EU war die Enthüllung eine Erinnerung an die Grenzen, denen sie bei der Verlagerung der Finanzierungsdynamik in der Region ausgesetzt ist. Pläne für einen pan-europäischen Fonds wie diesen wurden bereits 2015 angekündigt. Es dauerte seither drei Jahre, bis dieser Punkt erreicht war. Und jetzt wird der Großteil des Geldes an VC-Fonds verteilt, die dann die besten Startups suchen werden und mit entsprechenden Mitteln ausstatten werden. In wie weit junge Märkte wie Österreich – oder etwa die CEE Länder – mit vielen sog. „First-Time Funds“ überhaupt eine Chance auf dieses Kapital haben, ist heute noch völlig unklar.

Europäische Investitionsfonds (EIF) hat gewählt

Der Europäische Investitionsfonds hat die Auswahl der sechs Fonds, die das Geld erhalten sollen, gesteuert. Der EIF soll die ersten beiden Verträge diese Woche unterzeichnet haben. Isomer Capital und Axon Partners Group bekamen als erste den Zuschlag.

Die anderen vier sollen noch in diesem Jahr zu unterzeichnet werden – wobei folgende Namen bekannt wurden: Aberdeen Standard Investments, LGT, Lombard Odier und Schroder Adveq. Die Mittel der Fonds werden dann an andere VCs in ganz Europa verteilt. Interessant, dass 2 in UK, 2 in der Schweiz und einer in Liechtenstein domiziliert sind. Die Mittel sollen an VC Fonds in der EU verteilt werden und man darf sich fragen, warum 4 von 5 Manager defacto aus non-EU Ländern* gewählt wurden?*) UK habe ich mir erlaubt aufgrund des beschlossenen Austritts als „non-EU“ in diesem Artikel zu zählen.—Vielen Dank für die wertvollen Inputs zu diesem Artikel Rudolf Kinsky.

Wie KMUs erfolgreich mit Startups arbeiten!

Das Herzstück der österreichischen und deutschen Wirtschaft ist der Mittelstand, wie eine Studie des BMWi aus Deutschland bzw. des Wirtschaftsministeriums in Österreich  schön beschreiben. Während die größten Konzerne beider Länder langsam die Digitalisierung für sich in den Griff zu bekommen scheinen, tun sich kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) noch enorm schwer mit diesem Thema.

Sicherlich ist es ein Vorteil das diese Mittelständler in der Regel agiler und schneller in der Umsetzung von neuen Innovationen sind. Es stimmt auch das sie immer schon mit der Zeit gegangen sind und laufend Marktchancen finden müssen die sie erobern können, wenn sie bestehen wollen, ABER die exponentiell beschleunigten Innovationszyklen unserer Zeit – insbesondere im Kontext der Digitalisierung – und damit verbundene drastische Einflüsse auf ihre Geschäftsmodelle haben auch die innovativsten Unternehmen erfasst.

Neue Fragestellungen will man auch in diesem Marktsegment in Zukunft mit der Hilfe von Startups –  in diesem Sinne „von außen“ – beantworten. Die Innovationsfähigkeit und damit die Zukunft des Mittelstandes ist dann  gefährdet, wenn man nicht in der Lage ist die Digitalisierung und die geforderte Geschwindigkeit für das eigene Unternehmen zu übersetzen. In unserem White Paper skizzieren wir zusammen mit unserem Partner, dem auf den Automobil Sektor und deutschen Mittelstand spezialisierten Berater Geza Brugger (E&Co AG), für eine mögliche Lösung zur Stärkung der KMU: Corporate Start-up Engagement (CSE).

Startups brauchen Medien und vice versa!

Sie sind schnell, unermüdlich, kreativ und wagen sich bereits mit Produkten die einen kleinstmöglichen Funktionsumfang und auch noch den ein oder anderen Fehler haben – sog. Minimum Viable Products (MVPs) – auf den Markt. Startups sind die gefeierten “Punks” des Unternehmertums, die in vielerlei Hinsicht neue (häufig auch sehr riskante) Wege gehen. Viele scheitern und einige wenige Schaffen es – das Verhältnis Verlierer zu Gewinnern ist etwa 90:10, das heißt die Mehrheit lernt aus ihren Fehlern und versucht es erneut. Langsam entwickeln auch wir Europäer eine „Kultur des Scheiterns“.

Die Startups Kultur insgesamt ist einmalig – sie macht neugierig, ist mitreißend und gleichzeitig ein Härtetest für jeden der Mitspielen will. Investoren leiden und freuen sich mit ihren Startups. Regelmäßig kämpfen sie um das finanzielle Überleben – insbesondere wenn der Zeitplan einmal nicht einhalten werden konnte oder die Kosten unerwartet hoch ausfielen – es ist kein leichtes Geschäft und dafür zollt man langsam auch Respekt in der Community. Ein Business Angel der 20 Startups betreut hat einen Full-Time-Job, wenn er seine Beteiligungen ernsthaft begleitet.

Medien lenkten die Aufmerksamkeit auf Unternehmertum & Innovation

Es war gar nicht lange her (vielleicht 5 Jahre), als die österreichische Tageszeitung diePresse – als eine der ersten in meiner Erinnerung – ein kleines Team von Journalisten aufstellte um regelmäßig über Startups zu schreiben – darunter war Maggie Childs die heutige Herausgeberin des Magazins Metropole. DerBrutkasten – das heutige Leitmedium der österreichischen Startup Szene – kam etwas später und ist heute gar ein Spin-Off des Styria Verlags, zu dem auch diese Tageszeitung zählt.

Viele IT, Innovations- und Wirtschaftsmedien schrieben Anfangs noch über einfache Produkt Updates von Google, Microsoft oder etwa den Börsegang von Facebook – aber die nationale Startup-Szene … Fehlanzeige! Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich mich als co-founder von courseticket.com (damals beigebracht.com) abmühte einen Journalisten zu finden der uns zuhören wollte. Unternehmertum insgesamt war einfach noch nicht interessant – oder „Hipp“ – genug. Mit dem aufstieg der ersten jungen Helden der Startup-Szene – also jenen Gründern die es in den letzten Jahren geschafft haben einen Exit zu feiern – wendete sich das Blatt um 180 Grad. Der Funke ist plötzlich übergesprungen.

Die Geschichten der Startups sind spannend zu lesen und motiviert wiederum viele Gründer zu gründen. Die Startup Community hat spürbar an Dynamik zugelegt und das haben wir sicherlich der medialen Aufmerksamkeit zu verdanken. Ich musste kürzlich schmunzeln als ich realisiert habe das diese Aufmerksamkeit auch auf etablierte Unternehmen eine Auswirkung hat.

Hidden Champions” (Anm.: Österreich ist Heimat von über 200 die in diese Kategorie fallen) erzählen heute ihre Vision der Zukunft mutiger und werden schlagartig zu sichtbaren „CHAMPIONS“ auf die man bewusst stolz ist. Ein schönes Beispiel ist FACC (seit kurzem im Prime Segment des ATX vertreten) mit einen neuen gelungenen Markenauftritt und dem markanten Spruch „Innovation is our Destination“ und der Vision von Flugtaxis!

Korrelation: Medienpräsenz und Bewertung

Medienarbeit zählt zu den wichtigsten Aufgaben für Gründer.  Der Wert regelmäßiger Beziehungspflege zu Journalisten, von Gastbeiträgen, aktiver Themenführerschaft und dem Anbieten von Expertise in komplexen Fragestellungen, wird häufig unterschätzt. Die Formel ist aber eigentlich sehr einfach – wer den Wert seines Unternehmens steigern will, der muss an seiner Marke und Reichweite Arbeiten. Es gibt tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen Bewertung und medialer Präsenz von Startups, wie nachstehende Grafik zeigt.

Quellen: Hackernoon mit Bezug auf https://index.12k.co/topics/unicorn,unicorns / https://www.cbinsights.com/research-unicorn-companies

4 Tipps für bessere Medienarbeit

1.) Presseaussendungen, -konferenzen, Kurzmeldungen oder Interviews machen dann Sinn, wenn man „echte“ Nachrichten zu teilen hat – in allen anderen Fällen sollte man sich auf die Aufbereitung von Inhalten und relevante Themen bzw. Fragen der Branche konzentrieren und sich mit guten Inputs einbringen.

2.) Pressemeldungen sollten keinesfalls werblich sein, wenn man will das sie übernommen werden.

3.) Professionelle Pressefotos sind sollten bereitgestellt werden.

4.) Ein einfacher Pressebereich auf eurer Webseite, wo Logos, Boilerplates, Pressefotos, der Medienspiegel und Kontaktdaten an einem Platz zu finden sind erleichtert das Leben der Journalisten.

5.) Wer sich im 1-Mal-1 der Medienarbeit von Profis lernen will, dem lege ich den Kurs von derBrutkasten (Academy) ans Herz.