Österreich erlebt eine neue Gründerzeit

Österreich ist ein Land der Hidden Champions, ein Land der mittelständischen Betriebe (Info: 99,7% der Unternehmen in Österreich waren 2016 KMU’s), ein Land mit etablierten, traditionsreichen Universitäten, wissenschaftlichen Institutionen und nicht zuletzt einem aufstrebenden Startup Ökosystem, welches lautstark eine neue Gründerzeit ausgerufen hat. Man darf langsam stolz sein Unternehmer zu sein – das war nicht immer so.

Österreich öffnet sich International

Der damalige Aussenminister Sebastian Kurz erkannte als einer der ersten, dass man im Ausland viel mehr für Österreichs Gründer und Talente tun müsse. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen – benötigen wir ein funktionierendes „Startup Ökosystem“ im In- und Ausland.

Quelle: Daniel Cronin (Pitchprofessor)

Im Zuge einer Wirtschaftsdelegation fuhren wir vor 4 Jahren eine Woche nach San Francisco und weiter ins Silicon Valley. Wir konnten uns – gemeinsam mit Minister Kurz – direkt vor Ort ein Bild vom erfolgreichsten Ökosystem der Welt machen und die Erlebnisse gleich direkt diskutieren. Diese Reise hat ihr Ziel nicht verfehlt – heute gibt mit OPEN-AUSTRIA ein aktives Büro (in Zusammenarbeit der Wirtschaftskammer und des Außenministeriums) in San Francisco, welches die Community der Österreicher, Durchreisende und Neuankömmlinge direkt vor Ort betreut.

Die Aussenwirtschaftszentren der Wirtschaftskammer (Advantage Austria) sind generell sehr aktiv auf das Thema aufgesprungen. Ich erinnere mich noch gut, dass den ersten „Austrian Pitching Days“ in London intensive Bemühungen von uns und der AWS (i2 Business Angel Börse) vorangegangen waren- heute sind die Pitching-Days ein Selbstläufer und finden auf der ganzen Welt statt. Mit initiativen bzw. Förderungen wie: GoInternational GoSiliconValley, GoBoston und Co. werden Firmen finanziell und mit aktiven Netzwerken vor Ort bei der Expansion ins Ausland unterstützt.

Aber wir schicken unsere Talente nicht nur auf Reisen – wir landen sie auch ein. Mit dem Global-Pitch rufen Dealmatrix und die Wirtschaftsagentur Wien global zu einem Wettbewerb auf – der den Gewinnern das Wiener Startup Ökossystem für 2 Monate näher bringt.

Gründerzentren machen das Ökosystem sichtbar

International kennt man Österreichs Landes Hauptstädte (allen voran Wien) längst nicht mehr nur wegen der wunderschönen Architektur, Geschichte, der Kunst oder Kultur. Österreich hat in kurzester Vergangenheit Gründerzentren erreichtet, auf die man Stolz sein kann. Sein es die Factory300 in Linz, WeXelerate in Wien, der neue Digital Health Hub der Uniqa oder der A1 Campus in Graz – es gibt heute eine Reihe von privatwirtschaftliche Initiativen, die richtig gute Arbeit leisten.

Das schöne an diesen Zentren ist – jeder kann sich selbst (ein einem Rundgang) davon überzeugen, dass es Innovation und Unternehmertum bei uns wirklich gibt und das keineswegs auf schlechtem Niveau.

Events geben der Szene eine laute Stimme

Als international bekannte „Kongress-Stadt“ hatte Wien einen echten Kickstart durch das Pioneers Festival, welches jährlich tausende Besucher in den historischen Kaiserpalast (Wiener Hofburg) an der noblen Ringstraße lockt und in  eindrucksvoller Art und Weise „Innovation und Technologie“ feiert. Es finden aber laufend grandiose Startup-Events in ganz Österreich statt – soviele das wir es trotz großem Team nicht mehr schaffen alle Events zu besuchen – wie man Eventkalender von AustrianStartups immer aktuell einsehen kann. Dazu kommen noch zahlreiche Meetups in unterschiedlicher Größe.

Österreich braucht noch viel mehr Investoren

Die Investoren Landschaft ist so gut, wie schon lange nicht mehr. Im Frühphasen Segment vielleicht besser als je zuvor, aber wir brauchen dringend weitere starke Venture Capital Fonds am Markt. Es besteht in ganz Europa eine Übernachfrage nach Venture Capital. Das Kapital für Wachstums- bzw. Internationalisierungsphasen fehlt bei uns und das hat gravierende volkswirtschaftlichen Folgen. Startups die in ihren frühen Tagen durch staatliche Förderungen, private Angel Investoren und kleinen Venture Capital Fonds unterstützt wurden – wandern in Länder ab, wo sie Anschlussfinanzierungen in benötigter Höhe erhalten – wenn die Firmen dann „erwachsen“ sind, zahlen sie keine Steuern mehr in Österreich. Dieses Phänomen nennen wir „Brain Drain“ und wir thematisieren es laufend!

Quelle: Venionaire

Unsere Nachbarländer haben dieses Problem erkannt – so gibt es in Dänemark bereits seit ein paar Jahren einen staatlichen Dachfonds, der von Versicherungen, Penionskassen und durch den Staat mit sehr viel Kapital ausgestattet wurde. Dieser staatliche Fonds investiert gezielt in Venture Capital Fonds und hilft als sog. „Cornerstone-Investor“ auch neue Fonds in den Markt zu bekommen. Deutschland hat ein vergleichbares Dachfonds-Modell ins Regierungsprogramm aufgenommen und in Österreich prüft man (so die Gerüchteküche) dieses Modell ebenfalls im Finanzministerium.

Es liegt noch viel Arbeit vor uns

Bei allem was wir an positiven Entwicklungen erwähnen können – muss man realistisch sein: Wir liegen noch immer weit hinter international führenden Startup-Hubs zurück – es braucht viel mehr Talente, einen attraktiveren Wirtschaftsstandort, mehr Kapital und auch starke Büros der internationalen Tech-Riesen (Google, Facebook, etc.).

Gegenüber anderen europäischen Startup-Hubs haben wir sicher bereits Boden gut gemacht. Man spürt deutlich das die Richtung stimmt – aber wir dürfen uns keines Wegs ausruhen – im Gegenteil wir müssen jetzt richtig loslegen und etwas aus der Chance machen. Österreich hat enormes Potenzial.

Eine unserer größten Stärken ist das Verbindliche – wir haben historisch immer schon verstanden, wie man Netzwerke aufbaut und das gemeinsame in den Mittelpunkt stellt. Mit der Europäischen Union und vielleicht gerade mit der Ratspräsidentschaft 2018/2019 haben wir die seltene Chance diese Stärke ein weiteres Mal unter Beweis zu stellen. Wir haben gemeinsam mit Partnern der KPMG Österreich, den European Super Angels Club gegründet, weil wir eine pan-europäische Plattform für Startups und Investoren etablieren wollen.

Die Zugpferde eines Ökosystems sind erfolgreiche Gründer

Heute werden Unternehmer die es geschafft haben in den Medien stark gefeiert! Zurecht! Ein Unternehmen aufzubauen ist ein wilder Ritt und wenn es gelingt, dann darf man auch gerne mal auf die Schulterklopfen. Vielmehr noch – wir sollten diese Strahlkraft nutzen um weitere Gründer zu motivieren Risiken einzugehen und es zu versuchen. Die Logik ist einfach – wie beim Schifahren – je mehr es probieren bzw. erlernen, umso besser werden die Top-Talente sein, die wir hervorbringen.

Die Zugpferde des heutigen Ökosystems, sind Erfolgsgründer die durch ihren Unternehmerischen Erfolg – in vielen Fällen ihre starken Exits – in der Szene bekannt sind. Sie werden direkt angesprochen und stehen in der Regel sehr aktiv und mit einem offenen Ohr für andere Gründer, Investoren und Co. zur Verfügung. Es sind „Helden“ zum anfassen und sie zeigen was aus Österreich (Europa) heraus alles möglich ist.

Es lohnt sich die Helden von Morgen zu motivieren – das hat auch die Politik sehr gut verstanden und dafür bin ich (als Unternehmer), persönlich, sehr dankbar.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie sind durch ihre Leistungsbereitschaft und Innovationsfähigkeit, die Fähigkeit flexibel auf geänderte Rahmenbedingungen zu reagieren sowie gut ausgebildete Fachkräfte ein Garant für den Erfolg der österreichischen Wirtschaft.

Zitat: BMDW – Webseite

 

 

Digital Nomaden – Der multilokale Mitarbeiter von morgen!

Die Arbeitswelt steht Kopf – selten zuvor war es so schwer die richtigen Talente für sein Unternehmen zu begeistern und zu halten. In Konzernen und führenden Mittelstandsunternehmen, dringend benötigte Digital Natives oder sog. Millenials sind kaum zu halten – 63% wollen innerhalb der nächsten 2 Jahre ihren Job wechseln. Der Karriereweg ist aber nicht abgeschafft, die Digitalisierung hat nur völlig neue Wege für diese eröffnet. Das Ziel der Leistungsträger von morgen ist die Selbsterfüllung bzw. die Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit. Sie wollen möglichst ortsungebunden sein und die Freiheit genießen, die ihnen heutige Technologien ermöglichen. Die Generation Y, geboren zwischen 1980 und 1995, ist globaler, selbstbestimmter und multilokaler als jede Generation vor ihnen. Für etablierte Unternehmen, die mit einem Karriereweg für junge Talente punkten wollen und gleichzeitig den notwendigen „natürlichen“ Wissens- bzw. Erfahrungsvorsprung im Umgang mit digitalen Medien, Geschäftsmodellen und den damit verbunden Chancen für ihr Unternehmen nutzen wollen kommen, gehen einher mit großen Herausforderungen in der Unternehmenskultur und der Gestaltung des Arbeitsplatzes einher.

Sie suchen Entwicklungsmöglichkeiten und wollen Führungsverantwortung übernehmen, verlangen nach Flexibilität und sinnvollen Tätigkeiten – ein Unternehmen das ihre Loyalität gewinnen will darf sein Handeln nicht nur auf Gewinn ausrichten, bescheibt das “Deloitte Millennial Survey 2016”.

Der Einzelunternehmer (heute „Solopreneur“), sowie kleine und mittlere Unternehmen sind nicht mehr angewiesen auf eine feste Büroinfrastruktur, wie wir sie aus hierarchisch organisierten Unternehmen kennen – dank digitaler Kommunikations- und Speichermedien, haben sie für geringes Geld ihr gesamtes Büro in einem Tablet, Laptop oder Mobiltelefon immer dabei. Die Eintrittsbarriere in die Selbstständigkeit ist somit so niedrig wie noch nie und so ist es auch nicht verwunderlich, dass besonders starke Trends hin zum sogenannten „Digital Nomaden“ gibt. Dem „Mitarbeiter“ der sein Leben ortsunabhängig oder multilokal verbringt.

Wer jetzt an Teleworking und Mobile Geräte aus der Arbeit denkt, die man vielleicht einen Tag pro Woche mit nach Hause nimmt – der irrt. Digital Nomaden verbringen oft mehrere Monate oder gar Jahre an unterschiedlichen Orten der Welt – meist an dort, wo die Kaufkraft geringer ist und man sich mit einem europäischen Gehalt ein sehr schönes Leben ermöglichen kann. Ich bin selbst in mehreren Startups investiert, wo Schlüsselarbeitskräfte dezentral über den Globus verstreut arbeiten. Nach meiner anfänglichen Skepsis muss ich allerdings gestehen, dass die Performance der Teams sehr gut ist und man viel von ihnen lernen kann.

Beliebte Ziele sind etwa, Bali, Thailand oder Indien, wo es mittlerweile recht gute Netzwerke und Infrastruktur für „Monatsmieten von Apartments und Hotels“ gibt. 2017 hat Thailand sogar ein spezielles Visum für Digital Nomaden eingeführt – da sie realisiert haben das eine große Zahl an „Touristen“ eigentlich illegal in ihrem Land arbeitet.

Wenn man sich Digital Nomaden „in freier Wildnis“ ansehen möchte, empfehle ich einen Kaffee im Wiener „Coco Quadrat“, Berliner „St. Oberholz“ oder auch etwas gehobener im Commonground (gegenüber) zu nehmen. In Österreich entstehen nach dem Vorbild von WeWork oder der Factory in Berlin – gleich 3 große Co-Working Spaces oder Hubs: Factory300 – in industriellem Linzer Stil der „Tabakfabrik“, WeXelerate – mit Glanz und Glamour des Luxushotels Sofitel und als Wiener Niederlassung des größten europäischen Netzwerks von Co-Working Spaces der „Talent Garden“. An allen Standorten werden zukünftig Startups und etablierte Unternehmen aus aller Welt in ungezwungener, offener Atmosphäre zusammenarbeiten bzw. tun dies bereits Schrittweise. Für Konzerne sind diese Hubs wichtig um aus dem Alltag und der steifen Organisationsstruktur auszubrechen und natürlich um attraktiver für Millenials zu sein und natürlich auch um in Kontakt mit der schnellen Startup Szene kommen.

Letztlich muss das Ziel die Etablierung einer exponentiellen Organisationsstruktur, die Förderung interdisziplinärer Teams mit flachen (am besten keinen) Hierarchien mittelfristig auch im Unternehmensalltag – nicht nur im geschützten Bereich eines „Innovation Spaces“ zu ermöglichen.