Umbruch in der Automobilindustrie bringt Chancen und Risiken

Kein Tag vergeht ohne einen Bericht zum Thema Mobilität oder besser gesagt zur Zukunft der Mobilität. Speziell Trending Topics (eines der führenden Leitmedien in Österreich für Innovation) publiziert in diesem Bereich laufend spannende Berichte, die ich sehr gerne lese. Das Thema ist längst so präsent, als das es Stammtischgespräche beherrscht: Diesel oder Elektro, Kaufen oder Mieten, Autonomes Fahren – was passiert mit den Jobs und braucht die Welt das wirklich?

Wer die Automobilindustrie ein wenig kennt und sich tiefer einliest bzw. führenden Köpfen aufmerksam zuhört der merkt schnell, dass Sie vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte steckt. Besonders aufregend ist dabei, dass sich zwei Industrien am Markt berühren die bislang sehr wenig mit einander zu tun hatten. Die Luftfahrtindustrie (Aviation) und die Automobilindustrie und damit noch etwas mehr Spannung in das Spiel kommt, gibt es noch zahlreiche Quereinsteiger wie etwa Google, BYD, Tesla und Fisker. Autonomes Fahren bzw. autonomes fliegen, ist für die Mobilität der Zukunft ein wahrer Gamechanger – wer dieses Momentum verschläft erlebt selbst mit ziemlicher Sicherheit einen „Kodak Moment“.

Zukunft: Autonomes Fahren, Zustellung & Flug-Taxis

Während autonome, robotisierte Essenslieferung im LKH Klagenfurt (Anm.: einem der modernsten Spitäler Europas) bereits seit ein paar Jahren auf der Tagesordnung stehen, drängen zahlreiche internationale Player mit Lösungen für die sog. „last mile“ (also der Lieferung zum Endkunden) auf den Markt die selbiges auf der Strasse machen sollen. Amazon und Google – nicht etwa Automobilhersteller – mischen hier ganz vorne mit – und sie machen teilweise sehr unangenehme Erfahrungen im Alltag. Nicht jeder Mensch freut sich über die Robotisierung und so kommt es mancherorts sogar zu Übergriffen von Mensch auf Maschinen.

Autos werden immer „intelligenter“ das betrifft allerdings längst nicht mehr nur die Steuerung des Motors oder die Sensorik, sondern vielmehr die Technologie die dem Fahrer direkt das Leben erleichtert. Mit dem letzten Entwicklungssprung hat sich die „User-Experience“ (das Erlebnis für den Fahrer) bereits drastisch verändert – siehe Sprachsteuerung, Connected Drive (Internet an Board), Concierge Services, etc.. BMWs Slogan „Freude am Fahren“ könnte damit mittelfristig jedoch nochmal für ganz etwas anderes stehen: Autonomes Fahren, wird uns erlauben die Zeit im Auto aktiv zu nutzen, echte Pausen zu machen oder vielleicht sogar Meetings zu machen.

Für die Infrastruktur einer Stadt ist diese Entwicklung ebenfalls sehr attraktiv. Der Verkehrsfluss in der Stadt wäre um ein vielfaches besser mit autonomen Vehikeln und auch der Parkplatz suchende Verkehr (der in manchen Städten bis zu 30% des Innerstädtischen Verkehrs ausmacht) kann durch intelligente Software drastisch reduziert werden, erklärten mir gerade erste heute Spezialisten auf dem führenden Startup Festival Bits&Prezels (2018).

Wer auf intelligentere Autos nicht warten will, der kann sich bereits heute einzelne Lösungen wie etwa das App Parkbob installieren und damit die persönliche Suche nach einem Parkplatz dank künstlicher Intelligenz und schlauer Datenverarbeitung drastisch reduzieren. „Intelligenz“ und Sprachsteuerung von Amazon Alexa (for cars) ist ebenfalls erschwinglich und bietet wahrscheinlich sogar noch coolere Features als die meisten fest verbauten Systeme von aktuellen Neuwagen.

Noch viel spektakulärer als die Elektrifizierung, Digitalisierung und letztlich Automatisierung des Verkehrs finde ich persönlich die bevorstehende Überschneidung der Luftfahrt und der Automobilindustrie. Das gab’s noch nie!

Boeing, EHANG, aber auch Aston Martin (siehe Video unten) und viele andere Arbeiten an bemannten autonom fliegenden Fluggeräten. FACC (meines Erachtens eines der innovativsten Unternehmen Österreichs) hat dieses Jahr bereits ein Flug-Taxi Projekt angekündigt. Ich bin gespannt, wann man hier mehr erfährt.

Elektro statt Diesel

Der Diesel ist nach wie vor des Europäers liebster Antrieb. Es ist auch kein Geheimnis, dass es eine durchaus signifikante Abhängigkeit der europäischen Automobilindustrie von der Diesel Technologie gibt. Bei Batterien – die wahrscheinlich kritische Komponente schlechthin in einem E-Auto – haben die Asiaten allerdings die Nase weit vorne.

Porsche hat diese Woche gar erklärt ab 2027 (Anmerkung: Für einen Automobilhersteller ist das übermorgen!)  nur noch e-Fahrzeuge in den Markt bringen zu wollen. Ausgenommen wird nur der 911er sein, was die Emotionen der Porsche-Fans zumindest ein ganz klein wenig beruhigt. BMW bringt ebenfalls bereits optisch sehr ansprechende Studien, die Lust auf mehr machen im SUV Segment.

Wie man von dieser Entwicklung profitiert?

Gemeinsam mit unseren Partnern von der E&Co.AG hat mein Unternehmen (Venionaire Capital) erst kürzlich eine Innovations- und Venture Platform für „smart mobility“ gegründet – siehe www.motec.vc . Dieses Joint Venture hat die Aufgabe angenommen, eine Brücke zur Innovation von morgen zu bauen. Wir arbeiten mit einer Reihe von führenden Unternehmen und bieten ihnen eine Spielwiese um neue Technologien zu testen, Potenziale zu identifizieren und Produkte zu entwickeln die die Kunden auch morgen noch lieben werden. Wir verbinden digital-tech know-how und Automobil Industrie Erfahrung auf höchstem Niveau und bewusst mit einem sehr weiten Blick relevante Entwicklungen und Innovationen weltweit.

Welche Konzerne Innovation richtig verstanden haben, ihre Geschäftsmodelle bereits frühzeitig anpassen und sich letztlich auf die größte Welle der Industriellen Revolution bisher eingestellt haben, das können sie auch verfolgen in dem sie mir bzw. meinem Wikifolio „DIGITAL GAMECHANGERS“ folgen. Ich nutze dieses Wikifolio bzw. die dahinter liegende Strategie bereits seit vielen Jahren als Benchmark für meine eigenen Investitionen in Zukunftstechnologien als Business Angel und als Venture Capital Fondsmanager.