Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation

Ich kann mich noch gut erinnern, als unsere Politiker an die Medien getreten sind und sagten „Koste es was es wolle“ versprochen haben, die Wirtschaft aufzufangen. Eine Pandemie wie wir sie heute haben, hatten wir nicht erwartet. Wir wurden eiskalt erwischt. Geld in die Hand nehmen wie einst Kreisky, statt einem Nulldefizit war plötzlich die Devise. Das Pandemiegesetz wurde kurzerhand geändert – einen generellen Schadenersatz wollte man dann doch nicht leisten. Egal. In der ersten Welle hatten die Unternehmer noch Rücklagen. Jeder hat versucht so schnell und professionell zu reagieren, wie es nur möglich war. Wir lernten von der neuen Politik des „Hammer and Dance“. Wir gewöhnten uns und unsere Kollegen bzw. Mitarbeiter an Home-Office. Wir entwickelten neue digitale Produkte. Die Lernkurve war steil. Die tägliche Corona Statistik kam auf die Startseite von ORF.at. Die Hoffnung auf Rettungsprogramme und Förderungen – zur Abfederung des Schadens – war groß, die Ernüchterung bei vielen Unternehmern leider auch. Die zweite Welle trifft uns härter. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Kräfte sind verzerrt. Die Ratlosigkeit ist groß. Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation, aber die Betreuung bleibt vorerst aus. Quo vadis?

Wieviel kann man Unternehmern zumuten?

Als unser geschätzter Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer sinngemäß sagte, die Wirtschaft liege auf der Intensivstation und wir werden sie wiederbeleben, atmeten wir durch. Unternehmer wissen, dass Milliarden an Geldmitteln aus Beiträgen in der Kammer liegen. Die Kriegskasse ist voll. Danach kommt die Reha (der Wideraufbau). Es war alles klar. Die Hoffnung das Klein- und Mittelbetriebe aufgefangen werden war groß. Es würde hart werden, aber die Chance das wir das meistern, war gegeben. Natürlich mussten wir auch akzeptieren, dass nicht jedem geholfen werden kann. Strenge Regeln werden Missbrauch verhindern und das war / ist gut so.

Wir Unternehmer haben darüber hinweggesehen, dass das Pandemiegesetz kurz vor dem sog. „Lockdown“ geändert wurde. Eigentlich hätten wir auf die Strasse gehen müssen. Das Gesetz hatte vielen Betrieben einen Anspruch auf Schadenersatz gesichert. Eine Pandemie ist in gewisser Weise eine Naturkatastrophe, niemand hat Schuld daran und genau deshalb sollte es in einem Land wie Österreich ein engmaschiges Auffangnetz geben.

Unternehmer haben alle Energie und Mittel, die sie noch zur Verfügung hatten, investiert, um möglichst gestärkt oder wenigstens mit geringem Schaden aus der Krise zu kommen. Die Hoffnung war ein „V“ Effekt, ein kurzer Einbruch der Wirtschaft, den man durchtauchen kann. Möglichst schnell wieder zurück zum Normalzustand, das war das Ziel. Arbeitsplätze sollten und mussten erhalten werden. Wenn es bald wieder bergauf gehen soll, dann darf man niemanden entlassen. Für jeden Unternehmer sind Angestellte die höchste Priorität (auch wenn das vielleicht nicht immer so wirkt). Man weiß über die Existenzen, Familien und Schicksale und natürlich auch, dass man ohne Mitarbeiter nicht wieder hochfahren kann.

Anfangs wurden Unternehmer noch in Sounding-Boards eingebunden. Interessensvertretungen, wurden aktiv eingebunden. Später wurde mit Michael Altrichter ein „Startup Beauftragter“ medienwirksam vorgestellt und dann wurde es still. Die Realität war ernüchternd. In vielen Branchen und für viele Betriebe griffen die angebotenen Programme nicht. Bürokratie und rechtliche Hürden führten dazu das Garantien vielfach nicht für die Kreditvergabe von Banken ausreichten. Teilweise waren Fördertöpfe so klein, dass sie innerhalb eines Tages leer waren – man hatte seitens der Politik die Nachfrage vielfach derart falsch eingeschätzt, dass man den Eindruck bekam es geht ehr um Pressekonferenzen als echte Hilfe. Ansprechpartner gab es keine mehr.

Betriebe die Mitarbeiter in Kurzarbeit hatten, und sich an die Regeln gehalten haben mussten bei der Endabrechnung ebenfalls die ein oder andere Überraschung hinnehmen. Die Richtlinien zur Abrechnung, waren zum Zeitpunkt der Vergabe noch unklar – am Ende muss der Unternehmer mit der Auslegung des AMS leben und in einigen Fällen sogar einen Teil der Zuschüsse die er nach langer Wartezeit erhalten hat zurückbezahlen. Da kommt Freude auf und der Druck auf Sparmaßnahmen steigt einmal mehr.

Die einst kolportierte Geschwindigkeit in den Medien wurde nicht eingehalten. Die bereite Maße bekam das gar nicht mit, sie wahren vielfach vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Umso größer das erstaunen, wenn man erzählt wie kompliziert die Maßnahmen tatsächlich in der Praxis sind und wieviel länger es dauert bis man Gewissheit hatte. In Pressekonferenzen wurde eine gewaltige Show abgezogen. Die Belastung für die Liquidität, der emotionale Stress (durch Unsicherheit) für Unternehmer war unermesslich. Da ist auch verständlich das die Emotionen hochgehen. Während Mitarbeiter einen Anspruch auf Geld am Ende des Monats hatten, mussten Unternehmer mit der Unsicherheit und den wagen Auskünften von Beamten leben deren Gunst plötzlich zur Überlebenssicherung von Betrieben wichtig war. Man war nicht mehr selbstständig, sondern fremdbestimmt.

Heute sind die Kassen leer, die Wirtschaft ist über den Sommer – nach den Lockerungen der sog. Covid-Maßnahmen – nicht wieder so stark zurückgekommen wie gewünscht. Aufholen konnte man die Verluste des Lockdowns nicht. Jene die sich mit geförderten Krediten über Wasser halten konnten sind heute überschuldet. Viele Betriebe haben keine andere Wahl, also nochmal in die Pedale zutreten und alles geben. Reichen wird es trotz aller Anstrengungen vielfach nicht. Die Puste geht schneller aus als noch Anfang des Jahres und die Verzweiflung viel größer. Man muss damit Rechnen, dass es kein Rettungsnetz gibt. Kündigungen sind ein Indiz dafür das wir in keine Rezession, sondern in eine waschechte Depression schlittern. Die Zahl der zu erwartenden Insolvenzen lasst mich bleich vor Angst werden.

Wer glaubt Neugründungen werden das Wirtschaftswachstum wieder zurückbringen, der vergisst das es im Schnitt rund 8 Jahre dauert, um einen Betrieb eine Million-Umsatz und nachhaltig positiven Ergebnissen aufzubauen. Der Verweis auf die Finanzkrise (wo primär Banken betroffen waren) ist trügerisch. Damals wurden mehrheitlich top ausgebildete Menschen arbeitslos. Diesmal sind alle Einkommens- und Ausbildungsschichten betroffen. Das sind naturgemäß weniger Akademiker weil es schlicht weniger davon gibt. Investoren gibt es auch weniger und damit ein schwierigeres Umfeld für Gründungen.

Die zweite Welle wird brutal

Jetzt kommt eine zweite Welle. Pünktlich zum Herbst. Pünktlich zum Beginn der Grippe-Saison. Diesmal liegen unsere Betriebe auf der Intensivstation. Die Abwehrkräfte sind geschwächt, sie befinden sich in einem Überlebenskampf. Eine Impfung (Vorbereitung im Sommer) gab es (gefühlt) nicht. Der große Unterschied zur ersten Welle ist, dass das Vertrauen fehlt. Unternehmer sollen sich (wenn es nach der Politik geht) für Investitionsprämien bewerben, oder Lehrlinge einstellen – also Investieren. Man fragt sich womit?

Während der im Wahlkampf um Wien verhaftete Finanzminister mit der EU über ein zweites Fixkostenzuschussprogramm streitet, verzweifeln jene die ihm Geld in die Kassen spielen sollten. Das erste Fixkostenzuschussprogramm war, kein besonders attraktives und wurde entsprechend wenig angenommen. Programme wie der Covid-Hilfsfonds hingegen hatten sehr hohen Zuspruch, damit konnte schnell Kapital von privaten Investoren mobilisiert werden. Heute ist dieses Programm ausgelaufen und die Politik hat sich klar gegen eine Aufstockung ausgesprochen. Investoren aus Österreich investieren daher eher im Ausland (etwa Berlin oder Hamburg), wo ihr Kapital gehebelt wird. Man fragt sich, wieviel man der Wirtschaft eigentlich zumuten kann?

Gesetze, Regelungen und ein wenig Utopie

Ich bin kein Gastronom und auch kein Hotelier. Ich gestehe auch das ich mit keiner dieser wohl am am intensivsten betroffenen Berufsgruppen allzu viel (beruflich) zu tun habe. Mein gesunder Menschenverstand – mein eigenes Hirn – hingegen erlaubt mir ein paar bauernschlaue Gedanken: Wenn man wöchentlich, mit Vorliebe am Freitagabend, neue Regelungen vorstellt, die ab Montag gelten sollen – dann treiben wir Unternehmer über kurz oder lang direkt in die Burn-Out Klinik. Mir leuchtet ein, dass die Kommunikation von Neuigkeiten vor dem Wochenende, das Volk besonders gut erreicht – aber man darf nicht vergessen wer die angekündigten Verordnungen oder beschlossenen Gesetze sofort umsetzen muss. Gastronomie- und Hotel-Unternehmer schlagen sich hier seit Monaten die Wochenenden um die Ohren und kommen nicht zur Ruhe – von den Kosten, zusätzlichen Beratungsaufwänden wollen wir gar nicht erst anfangen.

Warum ergreifen wir nicht die Chancen, die in der Krise liegen? Dr. Keyvan Rastegar hat kürzlich im Startup-Online Magazin „Trending Topics“ viele valide Punkte zum Thema „Gesellschaftsrechtsreform“ aufgeworfen. Der Katalog an Ideen von Marktteilnehmern, die allesamt weder blöd noch blind sind, wäre lang. Warum fragt man nicht? Warum nicht das richtige tun? Warum nicht zusammenarbeiten? Parteien, Wahlkampf und Co. dürfen in einer Pandemie nicht bestimmend sein – hier gebe ich Innenminister Nehammer recht (er hatte dies gestern in der Freitagabend – Pressekonferenz gesagt)

Macht eine Bereinigung in der Unternehmenslandschaft Sinn?

Wer gerne leichtfertig argumentiert, die Wirtschaft soll ruhig mal ein reinigendes Gewitter erleben, der möge die nächsten Zeilen sehr aufmerksam lesen. Wenn ein Betrieb einmal geschlossen ist, kann man nicht einfach wieder öffnen. Die Wirtschaft kann also bei einem zurückkommen der Nachfrage nicht mehr so schnell hochfahren – da keiner etwas verkauft. Wer kaufen will kauft im Ausland. Unternehmen etablieren über Zeit ihre Marke, ihren Kundenstock, Vertrauen und internes Knowhow oder auch Patente. Bei einer Schließung oder einem Notverkauf geht das alles verloren. Kauft ein Ausländern, wandern Betriebe mittelfristig ab. Österreich ist als Standort sehr schön, aber nicht günstig.

Auf der Nachfrageseite brauchen wir eine kaufkräftige Kundschaft. Das gilt für den Endkunden, aber auch für den Firmenkunden. Investiert weder der eine noch der andere, sieht es düster aus. Sind zu viele Menschen in Arbeitslosigkeit, und die Betriebe geschlossen, dann haben wir ein Dilemma. In der Spieltheorie nennt man das ein Gefangenendilemma. Der Staat ist dann der letzte und mit Abstand größte Arbeitgeber, dieser bezahlt Gehälter aus Steuereinnahmen oder aus Staatsschuldverschreibungen (Staatsanleihen). Was passieren muss, wenn nur noch ein kleiner Teil „produktiver“ Privatwirtschaft über ist? In so einer Depression, einem Dilemma ohne Firmen und ohne Arbeitsplätze ist auch er Staat gezwungen Menschen freizusetzen – außer man entscheidet sich für das Kommunismus.

Was aber am gefährlichsten ist an diesem Szenario, ist der soziale Zündstoff, der in der Vernichtung von Arbeitsplätzen und betrieblichen Vermögen steckt. In der Geschichte waren solche Rahmenbedingungen stets Brandbeschleuniger für Unruhen und sogar für Kriege. Es ist nicht verkehrt, wenn wir sagen: „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut.“

Gehen wir bitte – mit Maske – vor die Tür, schauen wir mit anderen Augen auf Unternehmer. Zeigen wir etwas Respekt und helfen wir wo wir können. Geben wir unserer demokratisch legitimierten Regierung Feedback, in guten wie in schlechten Zeiten. Ohne Feedback kann kein Manager arbeiten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir werden weiterhin so viele Unternehmer auf ihrem Weg begleiten, wie es uns möglich ist.

Tech – Made in Austria – wichtiger den je!

Was ist eigentlich los mit uns Österreichern? Wir sind doch nicht ohne Hausverstand auf die Welt gekommen. In ökonomischen Fragen setzt dieser dennoch regelmäßig viel zu oft aus. Wenn wir als Nation halbwegs unbeschadet aus der Krise kommen wollen, müssen wir zusammenrücken und müssen mehr den je Zusammenarbeiten. Jeder kann helfen, in dem etwas mehr Sensibilität für regionale Produkte, Services und Dienstleistungen aufgebracht wird. Ein klein wenig gesunder Patriotismus ist heute angebracht, keine Aufrufe zum Klassenkampf á la „Millionärssteuer“. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass es maximal im Bundeshaushalt (wo letztes Jahr mehr als EUR 190 Mrd. Ausgaben verbucht wurden), das Potenzial für Einsparungen lege, wobei (realistisch) Einsparungen hier wohl ebenfalls kaum rasch umsetzbar sind. Was bleibt, ist die Wirtschaft anzukurbeln, die Beschäftigung nach oben zu bekommen und damit wiederum Steuereinnahmen in den nächsten Jahren.

Nachbars Rasen ist grüner

Jede Woche lese ich auf Facebook, LinkedIN in Beiträgen, wo sich Menschen echauffieren über die reichsten Milliardäre der Welt, wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg und ihre Konzerne wie Amazon, Microsoft und Facebook. Zu reich und zu mächtig sind sie alle samt geworden. In der Welt der Technologie-Riesen spielen wir Österreicher bzw. Europäer nicht mit, aber gestohlen wurde uns auch nichts. Wir haben hier schlicht eine Welle verschlafen. Warum eigentlich? Österreich ist doch ein Land mit weltweit erfolgreichen Unternehmen (siehe Leitbetriebe Österreich). Weit über 200 Hidden Champions (gem. EU Definition), setzen bis heute nicht nur in einer Branche Standards. Darauf dürfen wir stolz sein. Das Geschäft mit Bits & Bytes kann bei uns ebenfalls funktionieren, aber wir müssen darauf vertrauen und in unsere Hidden Champions von morgen investieren. Raunzen bringt uns nicht weiter. Jeder Konsument kann in diesem Bereich, als Kunde, mit einem Investment in heimische Lösungen helfen. Digitalisierung ist eine riesen Chance für den Standort, das Thema gehört weder den Amerikanern noch den Chinesen.

Dornröschen wach auf

Europa hat vieles verschlafen. Das Bewusst sein das wir in totale Abhängigkeit geschlittert sind haben in den letzten Wochen wirklich alle hautnah mitbekommen. Im Shock – nach 40 Jahren fehlgesteuerter Politik – jegliche Produktion nach Hause zu holen, halte ich für überzogen. Die Globalisierung werden wir nicht Rückabwickeln können. Eine Zeitreise in die Vergangenheit und ein wieder herbei sehnen der Industrialisierung wäre ein Rückschritt, abgesehen davon das es unrealistisch ist dies kurzfristig unter Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit zu bewerkstelligen. Es würde schon reichen, wenn wir bei regionalen Onlineshops kaufen, statt bei Amazon, wenn wir Kommunikationslösungen wie Grape (aus Wien), statt Slack, Videotelefonie von Eyeson (aus Graz) statt Zoom, Webinare mit courseticket.com statt über gotowebinar anbieten.

Wenn wir auf E-Commerce, Software und Kommunikationssektor schauen, sieht es fast so aus als ob es keine Alternativen zu US Lösungen gebe. Das ist aber ein Irrtum, ich habe selbst bewusst vor vielen Jahren begonnen in die meisten der oben genannten Firmen investiert weil ich keine Abhängigkeit internationaler Tech-Konzerne in diesem Bereich haben wollte. In der Breite sind diese Lösungen noch viel zu unbekannt, das wird sich aber ändern – wenn wir alle etwas sensibler darauf achten welche Lösungen wir einsetzen. Es gibt immer noch Branchen (wie z.B. Apotheken) die das Internet gerne verbieten würden, der Online-Handel wird dort – trotz Angeboten aus ihren eigenen Reihen, wie Beavit.at – noch als feindlich betrachtet. Diese Abwehrhaltung hat dazu geführt das Schweizer, Tschechische und Holländische Online-Apotheken einen Siegeszug starten konnten und in Österreich täglich weitere Marktanteile abknabbern. Wachen wir hier auch erst auf, wenn es zu spät ist? Die Taxi Innung hat hundert tausende Euro in Klagen gegen UBER investiert, statt eine vernünftige Branchenlösung auf den Markt zu bringen, die dem Kunden, vergleichbare Vorteile gebracht hätte. Mit welchem Erfolg? Warum können wir uns so schlecht mit einem Online-Business anfreunden? Warum unterstützen und motivieren wir nicht heimische Unternehmen in diesen Bereich hineinzuwachsen?

Ich habe die Hoffnung, dass Europa – unser Dornröschen – in Sachen Digitalisierung in durch die Krise ein klein wenig aufgewacht ist. Die Corona-Pandemie zwang auch den letzten Verweigerer zur Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Bereits Jahre zuvor wurden Förderungen und Initiativen für mehr Risikokapital in Europa vorangetrieben, sie zeigten aber nur schleppend Wirkung – wenn wir das Ausmaß der globalen Transformation der Wirtschaft betrachten. Es haben sich vor allem “Insider” mit der Materie beschäftigt und kleine Erfolge gefeiert, aber von einer breiten Bewegung sind wir noch weit entfernt. Meines Erachtens sollte es große steuerliche Anreize (etwa Freibeträge) geben, die Milliarden für eine Aufholjagt auf diesem Sektor entfesseln.

Mangels kurzfristig zu erwartender Erfolge, waren bisher Politik und Konzern-Vorstände mit echten Investitionen (weil zuviel „Risiko“) in Zukunftstechnologien bisher zu verhalten. Nehmen wir die Raiffeisen Bank International, das einzige Bankhaus in Österreich das einen Corporate Venture Fonds aufgelegt hat, mit EUR 15 Millionen. Der Größe des Konzerns wären EUR 150 Millionen. im europäischen Vergleich und EUR 500 Millionen im internationalen Vergleich angemessen gewesen. Der erste Schritt wurde hier aber wenigstens gesetzt, wo sind die übrigen Banken und Pensionskassen? Wenn Finanzinstitute nicht in die Zukunft unseres Standorts investieren, wer dann?

Einzelne Erfolge gab es im Startup Sektor natürlich – auch auf unserem Kontinenten – trotz angezogener Handbremse. Sie haben als Leuchttürme gezeigt was möglich ist. Die stiefmütterliche Sicht auf Innovation, muss heute ein Ende haben. Mit angezogener Handbremse ist kein Rennen zu gewinnen, und Krisen sind nicht zuletzt ein Motor für Innovation. Sie treffen uns außerhalb der Komfortzone, wo wir mit mutigen Schritten entgegnen können.

Nicht blenden lassen

Opportunisten gibt es immer. Sie vertreten die Ansicht, dass wir gut aufgestellt sind in Europa ohne dabei zuviel in Fakten einzutauchen. Der einfältige Verweis auf erste Unicorns tut weh. Es gibt natürlich Beispiele aus Europa die es in die Weltelite der Tech-Startups geschafft haben, der globale Anteil dieser ist aber verschwindend gering und bei weitem nicht der wirtschaftlichen Position von Europa in der Welt angemessen. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, nicht alles was glänzt ist Gold. Man darf sich nicht täuschen lassen. Man muss schon auch hinterfragen warum, wer Erfolg gehabt hat und versuchen daraus zu lernen.

Meistens findet man internationale DNA, hinter den erfolgreichsten Startups. Die Gründer hätten es wahrscheinlich überall geschafft – so eben auch sogar aus Europa heraus. Europäische Investoren glänzen zu meist mit schnellen Exits, man verkauft bevor man ein nachhaltiges Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Wir sind so zum Weltmeister im Export von Talenten und Technologien geworden. Schauen wir auf ein erfolgreiches Unternehmen mit internationaler Beteiligung – N26 (die ausgewanderten Österreicher), die aus Berlin heraus ein Unicorn gebaut haben. Die Mittel und die Unterstützung (abgesehen von den Business Angels erster Stunde, die sehr schnell herausgekauft wurden), kamen maßgeblich vom US Investor Peter Thiel, sowie u.a. den chinesischen Technologieriesen HorizonX und Tencent. Warum waren nicht von Anfang an auch große Europäer dabei? Ich kann mir nur auf den Kopf greifen, wenn heimische Politiker diese Erfolgsgeschichte für sich verbuchen wollen, der Beitrag war hier (leider) minimal – ich hätte hier gerne stärkeres Engagement europäischer Investoren gesehen und frage mich, wie solche Stories angesichts des kolportierten Investionskontrollgesetzes zu wiederholen sind.

Wir müssen Umdenken

Ja, wir müssen umdenken. Es muss ja nicht gleich “Silicon-Valley-Mindset“ sein. Man muss nicht gleich den Anzug an den Nagel hängen und ab morgen mit Jeans, Holzfäller-Hemd, Hoodie und langem Bart – ganz im Stil eines Hipsters – ins Büro gehen. Veränderung passiert von innen. Es reicht schon wenn wir ein klein wenig mehr Hausverstand in Wirtschaftsfragen einfließen lassen und akzeptieren die Digitalisierung als Chance zu sehen. Wenn wir ein klein wenig mehr Mitdenken, hinterfragen, lernen und zusammenhalten, haben wir bereits ein Rezept zum Erfolg.

In Österreich verwechseln wir gerne Solidarität mit Vollkasko-Versicherung. Wir fordern viel zu schnell vom Staat ein Probleme für uns zu lösen. Was wäre wenn, wir selbst Teil der Aufholjagd werden? Was wäre wenn wir wieder stolz werden auf “Made in Austria” oder “Made in Europe” und unser Land gemeinsam wieder aufpäppeln?

Wie? Ganz einfach, Computer auf, Google an und lernen, oder als Konsumenten (inkl. Staat, Land, Gemeinde und Kammern als Vorbilder) mit überlegten Kaufentscheidungen. Wir entscheiden selbst, wo wir uns sauer verdientes Geld ausgeben. Wir entscheiden, ob das Geld in Österreich arbeitet und damit im Wirtschaftskreislauf kommt – oder ob wir es ins Ausland schicken und die reichsten Milliardäre noch mehr füttern. Ein klein wenig Patriotismus ist heute angebracht, ich denke sogar das wir eine Pflicht dazu haben.

Wenn wir nicht begreifen und im kleinen beginnen umzudenken, werden wir Schritt für Schritt in Richtung Planwirtschaft gehen, oder gar einen Staatsbankrott heraufbeschwören. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft verschwinden, wenn Unternehmen verschwinden. Der Staat als Arbeitgeber alleine wird hier nicht helfen.

Change beginnt beim Kopf

In einem Unternehmen, genauso wie in einem Staat, ist es wichtig das die Führungsspitze einen Change-Prozess einläutet und trägt. Es ist wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen. Impulse aus der Masse, kann man nur erwarten, wenn man einen Weg selbst vorlebt (außer man legt es auf eine Revolution an). In Österreich haben wir genau in diesem Punkt bisweilen ein veritables Problem. Die vorgelebten Beispiele von Oben fehlen. Die Wirtschaftskammer, Ministerien, Schulen und Krankenhäuser kaufen – leider – eine Flut an Produkten, Services und Dienstleistungen aus dem Ausland (Microsoft & Co.), obwohl es heimische Anbieter gebe die international durchaus erfolgreich sind. Aus meiner Sicht ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Unternehmer. Man bedenke das hier Gelder aus Kammerbeiträgen genutzt werden, um Konkurrenz aus dem Ausland zu finanzieren. Gerade in der Krise wurden Unternehmer an den Rand der Gesellschaft gedrückt, zu Bittstellern gemacht, in dieser Phase zählen Umsätze mehr den je. Wenn wir uns schon darauf verständigen den Konjunkturmotor anzuwerfen, dann bitte mit Signalwirkung!

2019 wird spannend!

  • Politische Börsen, Brexit und technologischer Wandel.
  • Venture Capital erneut stark.
  • Der nächste Krypto-Hype kommt bestimmt.
  • Startups 2019: Was kommt als nächstes?

2018 war ein aufregendes, aber auch turbulentes Jahr für Innovationsbegeisterte. Die Höhe der Venture Capital Investments kletterte auf ein neues Rekordniveau, während Aktienmärkte in Europa und in den USA stark unter Druck waren. In diesem Umfeld viel auch der Kurs meines Wikifolios. Neues Jahr, neue Chance. 2019 wird es sicherlich wieder Gelegenheit geben auf die ein oder anderen Rally aufzuspringen. Ich bin zuversichtlich das wir ein besseres Börsejahr vor uns haben.

Politisch ging es letztes Jahr wirklich rund: Die Brexit-Verhandlungen gingen ins Finale aber bisher ist nichts entschieden. Die Gefahr eines harten Brexits lebt, aber auch das „Kein Brexit“ Szenario ist mittlerweile denkbar. Im nahen und mittleren Osten kam es zu einer Neuordnung der Kräfte. Mit dem Rückzug der USA aus der Region haben Russland und die Türkei das Zepter in der Hand. Israel ist über die Entwicklungen alles andere als Glücklich und beobachtet kritisch. Die USA unter der Führung von Präsident Donald Trump haben einen Handelsstreit mit der Volksrepublik China zu lösen und in den etablierten Volkswirtschaften kämpfen nahezu alle Industrien weiterhin mit der digitalen Transformation. Die Dieselgate Affaire hat die Automobil Industrie zusätzlich getroffen.

Dringend müssen neue (gute) Margengeschäfte gefunden werden und das bedeutet das man viele eingefahrene Strukturen, Produkte und Services überdenken muss. Der Schmerz ist groß genug – endlich wird investiert. Dieser Umstand befeuert den Venture Capital und Private Equity Markt in Europa, da nun auch institutionelle Investoren langsam aufwachen und erkennen, dass Zeit ist die Portfolios neu auszurichten. Aber welche Themen werden wirklich heiß im nächsten Jahr?

Diese 3 Startup Vertikals werden 2019 am stärksten!

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Kryptowährungen und Blockchain – das war wohl das führende Gesprächsthema, quer durch alle Medien, Industrien und Interessensgruppen. Man konnte kaum ein Abend verbringen ohne zumindest kurz über dieses Thema zu sprechen, auch wenn die Technologie noch immer in sehr experimentellem Stadium zu sein scheint und echt sinnvolle Anwendungen weiterhin auf sich warten lassen.

Der nächste Hype kommt bestimmt

Zum Jahresanfang stürzten die Kurse von Kryptowährungen (allen voran Bitcoin (BTC)), nach ihrem raketenhaften Aufstieg (BTC zum 31.12.2017 > USD 20.000) zum Ende des letzten Jahres, in den Keller (BTC per 31.12.2018 > USD 3.500,–). Die Erklärung zu den Hintergründen der drastischen Kursbewegungen von Jahresende 2017 werden heute noch von US-Behörden auf mögliche illegale Aktivitäten untersucht. Die „Krypto-Euphorie“ aus 2017 war aber sicherlich nicht die letzte – in diesem Punkt sind sich alle Marktteilnehmer einig – die Blockchain-Technologie macht in vielen Bereichen Sinn und würde sich durchsetzen. Einige sprechen sogar von einer Revolution des Internets. Soweit würde ich aber nicht gehen.

Es kehrte Ernüchterung ein. Die Bewertung eines fairen Marktpreises für digitale Assets (am Beispiel von Krypto Gold = Bitcoin) erwies sich unter Finanzmarkt Experten als äußerst schwierig / unmöglich. Wenn ein Asset in einem Markt nicht objektiv bewertet werden kann, dann kann man kaum von einem guten Tausch- oder Wertaufbewahrungsmittel ausgehen. Selbst Experten aus der Krypto-Szene waren sich letztes Jahr sehr uneins darüber welche Entwicklung die Kurswerte der führenden Krypto-Assets in den nächsten 12 Monaten nehmen würden.

Macht nichts – der nächste Hype kommt bestimmt. Wir werden uns mit dem Thema alle noch sehr viel beschäftigen und wer (erst) jetzt damit beginnen möchte, dem empfehle ich diese Zusammenfassung der NZZ als Einstieg.

Der Finanzsektor rüstet auf

Die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen werden dann steigen, wenn die Technologie in sinnvollen Anwendungen (mehr als nur ICO Manifestos) in der Breite ankommt und die Finanzindustrie Produkte auf den Marktbringt die den Handel mit diesen Assets – etwa über ein ETF – auch für Retail-Kunden deutlich erleichtert. Egal ob man es gut findet oder nicht – es geht in diese Richtung, auch wenn sich die US-Behörden bisher (noch) intensiv dagegen stemmen.  

Die Finanzindustrie (Banken, Börsen, Dienstleister), insbesondere die großen Investmentbanken an der Wall Street, haben sich letztes Jahr stark mit dem Thema Krypto beschäftigt und massiv aufgerüstet. Wenn der nächste Krypto-Hype einsetzt, will man vorbereitet sein und selbst ein Stück vom Kuchen haben. Selbst die Börse Stuttgart etwa hat im August bereits eine eigene ICO Plattform für den Herbst 2018 angekündigt (bisher aber noch nicht fertiggestellt) auf dem Markt.

Die Nachrichten um eine mögliche Zulassung oder auch nicht Zulassung sogenannter Krypto ETFs in den USA bewege die Krypto-Märkte regelmäßig (sagen Insider). Institutionelle Anleger würden auf diese Instrumente geradezu warten, liest man quer über alle Krypto-Medien. Einfache Indexgebundene Wertpapiere (sog. ETNs) die die Wertentwicklung des Bitcoin abbilden, werden – wie man mit einer kurzen Google Recherche nach einem „Bitcoin Tracker ETN“ sieht – bereits gehandelt.

Regulierung & Standortpolitik

Regulatorisch hat sich in Sachen Digitalisierung / Startups (insb. in Hinblick auf Blockchain & FinTechs) in den letzten 2 Jahren enorm viel getan. Henry Kissinger –  einst einer der wichtigsten Berater von Richard Nixon – unterstrich die dringliche Notwendigkeit eines Digital-Ministeriums Ministeriums (mit Hinweis auf Artificial Intelligence). Sein Vergleich ist drastisch – aber am Punkt: Man stelle sich vor was passiert sei mit den Inkas als die Kolonialisten und die Poken kamen – so wird es uns gehen, wenn wir die neuen Technologien nicht im Griff haben.

Hierzu Lande hat die Regierung immerhin ein Digital-Ministerium mit einer ernsthaften Agenda aufgesetzt und mit Margarete Schramböck eine sehr starke Ministerin im Amt. Wenn wir uns ernsthaft mit neuen Technologien beschäftigen wollen, Innovation in „Sandboxes“ außerhalb bestehender Regularien experimentell erlauben wollen, wird es solche Ministerien und auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit in der EU brauchen.

Der Mut zu einer eigenen Artificial Intelligence Strategie in der EU wäre großartig, aber das trauen sich in Europa leider noch – bis auf einige wenige Ausnahmen – nicht sehr viele zu.

Conclusio

Das Jahr 2019 wird spannend. Allen Lesern und Wegbegleitern einen guten Rutsch und viel Erfolg, Glück und Gesundheit im neuen Jahr!

Taxi vs. UBER – Der Sieger steht schon fest!

Die Wiener Taxi Unternehmer haben einen Sieg errungen, aber auch die  Chance vergeben zu lernen. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, den vermeintlich „bösen“ Konkurrenten UBER mittels einstweiliger Verfügung auf die Strafbank zu schicken. Das traurige ist, dass man den Sieg der Taxi-Unternehmer maximal als Etappenerfolg werten kann. Das eigentliche Rennen ums Überleben, wird man mit dieser Strategie nicht gewinnen. Die Digital-Community ist sich einig – Innovation kann man bremsen, aber nicht aufhalten!

Im Internet gehen die Wogen hoch. Die Nutzer sind empört, ob der irritierend unverständlichen Gesetzeslage und der fragwürdigen Auslegung um ein Monopol noch ein wenig länger zu Schützen.

Smart Mobility – ein spannender Investment Sektor!

Aktuell zählt der Sektor Mobilität (ich sage bewusst nicht Automotive!) zu einem der spannendsten Sektoren im High-Tech-Innovation Bereich überhaupt. Umbruch und Veränderungen prägen den Automobilsektor mehr den je – Mario Herger beschreibt die Situation in seinem Buch „Der letzte Führerscheinneuling: … ist bereits geboren. Wie Google, Tesla, Apple, Uber & Co unsere automobile Gesellschaft verändern“ sehr gut. 

Einerseits finden in diesem Sektor aktuell so viele spannende technische Entwicklungen Anwendung das einem Schwindelig wird und andererseits verändert sich das Kunden- und Nutzungsverhalten von Fahrzeugen und Dienstleistungen fundamental. Es ist eine echte Herausforderung geworden die Übersicht in diesem Feld zu behalten, die richtigen Trends zu erkennen und auf die richtigen „Pferde“ zusetzen. Das ist

Wer Investiert in die Zukunft?

Nach einer Studie von McKinsey & Company investieren in diesem Sektor bislang kaum Automobilkonzerne. Statt diesen sind es internationale Technologie Giganten und Finanzinvestoren (Venture Capital Fonds / Private Equity) die die großen Deals machen. Gerade heute wurde öffentlich, dass der Süd Koreanische Konzern LG den österreichischen „Hidden Champion“ ZKW (Automobil Zulieferer für moderne, hoch innovative Scheinwerfer) für EUR 1,1 Mrd. gekauft hat.

Quelle: McKinsey&Company

Gemeinsam mit unseren Partnern von E&Co haben wir uns bei Venionaire intensiv Gedanken zur Zukunft des industriellen Mittelstandes gemacht und ein White-Paper konkret für Corporate Startup Engagement Strategien geschrieben. Jetzt Herunterladen!