FinTechs – Der Alptraum der Banken

Fintechs sind in aller Munde – es handelt sich dabei um innovative (software)  Finanzlösungen die traditionelle Banken bzw. deren Services ins Visier nehmen. Die dahinter stehenden Technologien sind vielfältig (etwa AI, Big Data, IoT, etc.). Die sogenannten Challenger-Banken Revolut (UK) sind bereits in der Liga der Unicorn bzw. im Fall von N26 (DE) am besten Weg dort hin. Während etablierte Bankhäuser einen schweren Rucksack in der digitalen Transformation zu tragen haben, schaffen es Quereinsteiger vom Start weg effizienter aufgestellt zu sein. Goldman Sachs und Wirecard sind gute Bespiele für Banken die Digitalisierung zu  ihrem Vorteil nutzen. Keine Frage Corporates spielen immer stärker mit im globalen Venture Capital Markt – aber der Druck für den Banken Sektor steigt ganz besonders.

Quelle: KPMG Venture PULSE Q4 2017 (Infographic)

Prozesse und Geschäftsmodelle, aber auch die unternehmerische Kultur der Banken muss sich um 180 Grad drehen. Fintechs verstehen sich als Teil eines Ökosystems, sie dienen als Plattformen, stellen ihre Kunden (tatsächlich) in den Mittelpunkt und konzentrieren sich auf wenige Services die sie bis ins letzte Detail perfektionieren. In anderen Bereichen kooperieren sie mit anderen FinTechs.

Blind Side Disruption – Banken gegen Tech-Konzerne

Ein legendärer Ausspruch viel auf der IBM InterConnect 2015 von Citigroup’s damaliger Digital & Marketing Officer Heather Cox über die Zukunft von Banking: “People need banking, but they don’t necessarily need banks.” – heute spüren wir bereits das sie recht hatte. Die stärksten Wettbewerber der Banken kommen nicht aus der Welt der Start-Ups, es sind vielmehr die Internet Giganten Alibaba (Alipay), Apple (Apple Pay), Samsung (Samsung Pay), Google (Google Pay) und Facebook (Instram hat kürzlich Payment vorgestellt) die angreifen.

Die disruptive Kraft der Fintechs wird gerne herunter gespielt. Startups, seien hip, schnell und agil – aber etablierte Banken haben eine gewaltige Kundenbasis und eine große Kriegskasse, das gibt ihnen (noch) Sicherheit. Der PWC Global FinTech Report 2017 zeigt allerdings das über 80% der Bank-Manager sehr wohl wissen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung bedroht sind. Wir werden später in diesem Artikel sehen, dass sie bislang aber noch recht zaghaft auf diese Bedrohung durch Investments oder Akquisitionen reagieren.


 


Fintechs verhalten sich ein wenig wie Piranhas – sie knabbern, jeder für sich, eine Nische an und das macht sie in ihrer Summe so unglaublich unangenehm – da man ja unmöglich gegen alle gleichzeitig kämpfen kann. Den Kunden hingegen wird eine bessere Nutzerfreundlichkeit und 24/7 Verfügbarkeit angeboten. Banken bisher in kaum einem Fall darauf gefasst wie schnell sich Geschäftsmodelle und das Kundenverhalten verändern können. Im Jahr 2017 kam es endgültig mit höherer Priorität auf die Agenda.

Banken lernen schnell und versuchen sich besser auf den Markt einzustellen. So wird Goldman Sachs den Handel mit Bitcoin aufnehmen, die Zahl der Corporate Venture Capital Fonds von Banken steigen und Payment- bzw. Finanzdienstleister zeigen vermehrt in Akquisitionen auf. Das Eindringen neuer Akteure auf einem etablierten Markt, ist ein typischer Effekt einer industriellen Revolution – wie die „Digitale Transformation“ eine ist – ich nenne diesen Effent „Blind Side Disruption“ (Angriff aus dem „Toten Winkel“).

Wer Investiert in Fintechs?

Die stärksten Kapitalgeber für Fintechs sind nicht Banken, diese schlossen zwar 2017 mit dem bislang höchsten Anteil (19%) im Verhältnis zu allen VC Transaktionen ab – der Trend zeigt damit steil nach oben – aber angesichts der Bedrohungslage, scheint dies eine verhältnismäßig kleine Zahl zu sein.

Quelle: KPMG – PULSE of Fintech Report Q4 2017

Etwa im selben Verhältnis vielen die Akquisitionen der Banken aus. Ich erwarte, dass sich dieses Bild in den nächsten zwei Jahren massiv verändern wird – allerdings scheint es auch vermehrt IPOs zu geben, was bei gutem Wind an den Börsen die Bewertungen für strategische Käufer deutlich anheben wird.

Quelle: CB Insights, Feb 2018 (Banks are finally going after Fintechs)

Europäische Banken sind im direkten Vergleich zu US Banken im Bereich Corporate Venture Capital noch deutlich zögerlicher – hier ist also am meisten Bewegung zu erwarten.

Quelle: CB Insights, April 2018

US Banken investieren deutlich aktiver in Fintechs.

Quelle: CB Insights, Feb. 2018

Ein (vielleicht leicht überzogener) Ausblick

Es ist schwer zu sagen ob die heutigen Bankfilialen bald als Internet-Cafés dienen werden oder etwa als Co-Working Spaces. Ob es im Online-Banking bald an einen Krypto-Broker (wie Bitpanda oder Coinfinity) angeschlossen werden, kann ich genau so wenig vorhersagen – Revolut bietet dieses Feature jedenfalls schon heute (dürfte ein gutes Geschäft sein). Robo-Advisory (a la Scalable Capital) und Wikifolio liegen jedenfalls schon heute im Trend und ich nehme nicht an das dieser abreißt. Crowd-Investing (etwa über CONDA) bzw. Bergfürst für Immobilienprojekte – erfreuen sich ebenfalls starken Wachstums! Meiner Meinung nach wird es im Investment Sektor zeitnahe zu Akquisitionen kommen – oder riskiert man weiterhin Marktanteile abzugeben?

Es bleibt spannend?!?

 

Weitere Quellen:

CB Insights – Global FinTech Report Q3 2017

KPMG PULSE of FinTech Q4 2017

 

Europas Venture Capital Markt muss viel stärker werden!

Zur Zeit ist die Welt ist nicht nur auf politischer Ebene angespannt, es findet auch ein unerbittlicher Kampf um die Führung im Bereich der Innovation statt. Während die USA noch vor rund 20 Jahren fast alleinig den Venture Capital Markt dominierte, so hat sich die Welt heute drastisch verändert. Einerseits hat sich die Summe des investierten Risikokapitals (in Folge „Venture Capital“) aufgrund der beschleunigten „Digitalen Transformation“ (4. Welle der Industriellen Revolution) in 10 Jahren rund verdreifacht – der Anteil asiatischer Investoren aber Veracht facht (von rund 5% auf 40%), wie das Wall Street Journal in seiner Exklusiven Studie „Silicon Valley Powered American Tech Dominance—Now It Has a Challenger“ am 12. April, 2018, schreibt.

Europa liegt weit abgeschlagen zurück und hat sehr viel aufzuholen. Aktuell wird nur 7,1% des globalen Venture Capitals in Europa verwaltet, wovon wiederum gemäß dem Invest Europe Report 2016  mehr Kapital außerhalb der EU investiert wird, als Investments aus diesen Ländern für europäische Venture Fonds eingesammelt wird.

Die „Digitale Transformation“ ist wohl die finanziell größte Welle der Industriellen Revolution bisher. Die Wirtschaftsmächte kämpfen um die besten Talente und innovativsten Technologien der Welt – es gilt die Lebensqualität in der Zukunft zu erhalten bzw. zu erhöhen. Wir haben in Europa leider viel zu spät erkannt, welche volkswirtschaftliche Gefahr uns durch einen schwachen Venture Capital Markt droht. Die jüngste Initiative VentureEU will mit rund EUR 2 Mrd. Venture Capital Fonds in Europa unterstützen und somit einen Startschuss zur Aufholjagd gegenüber den USA platzieren. Wer ein wenig rechnen kann erkennt sofort, dass dies nicht reichen wird. Es wird zusätzlich noch nationale Initiativen – wie etwa in Dänemark, Finnland oder bald Deutschland – benötigen und wir werden echte Anreizsysteme brauchen, um mit dem europäischen Venture Capital Markt an China und die USA aufzuschließen – die jeweils ein Vielfaches des europäischen Risikokapitals auf dem Markt platzieren.

Europa hat jede Menge Innovation und Talente – kann sie nur nicht halten!

Das Word Economic Forum hat im Juli letzten Jahres – mit Referenz auf eine Studie im Auftrag von Bloomberg – veröffentlicht, in welcher eine Künstliche Intelligenz in Zusammenspiel mit Bob Goodson, CEO von Quid die Top 50 erfolgreichsten Startups der nächsten Jahre vorhergesagt hat. Diese Auswahl wurde schon einmal getroffen – damals 2009 selektierten die Forscher: Evernote, Spotify, Etsy, Zynga, Palantir, Cloudera, OPOWER und viele weitere Namen die heute fast jeder kennt. Das „Portfolio“ wäre (in der Theorie) der viert beste Venture Capital Fonds der Welt gewesen, hätte jemand investiert.

Die Veränderung der Venture Capital „Welt“ sieht man aber auch in dieser Auswertung. In der aktuellen Liste stammen nur noch weniger als 50% der Firmen aus dem Silicon Valley, der Rest verteilt sich auf den Rest der USA und 20% dem Rest der Welt. Nicht weniger als 10% der Firmen stammen aus der EU – bleibt abzuwarten, ob wir sie halten können!

Die wichtigsten technischen Innovationsfelder der nächsten 8 Jahre gem. Quid (ex. Biotech & Lifescience):

  • Augmented reality – wird viel wichtiger als Virtual Reality.
  • Bilderkennung und Mapping – wird selbstfahrende Autos zu einem Standard machen der nicht mehr wegzudenken ist und das Geschäftsmodell der Automobil Industrie stark verändern.
  • Online Security & Fraud Detection – wird mit steigenden Datenmengen, für Staaten, Onlinehändler und Unternehmer generell eines der wichtigsten und relevantesten Themen werden.
    Bildung – wird digitalisiert und stärker als bisher in bestehende Systeme und Spiele integriert als bisher.
    Drohnen – werden sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich zur Normalität aufsteigen. Anmerkung: Das beinhaltet wohl auch autonomes Fliegen.
  • Smart Home – die Automatisierung des Haushalts wird leistbarer und dringt in verschiedene Bereiche von Garten, Energiemanagment über Sicherheit, usw. vor.
  • Künstliche Intelligenz – werden die Effizienz von Wissensarbeitern durch die geschickte Verarbeitung von Daten, Information – etwa zur Steuerung von Bots – deutlich erhöhen.
  • Weltraum Technologie – wird weiter im privaten Sektor wachsen und sich in Bereichen wie Satelliten, Propulsion und Mining etablieren.

In allen oben genannten Bereichen kenne ich Startups aus dem deutschsprachigen Europa, die zwar allesamt nicht auf der Liste von Quid aufscheinen, aber mit der richtigen Finanzierung sehr wohl dort einen Platz einnehmen würden. Die Zeit wird zeigen, ob wir es schaffen diesmal die Maschine zu schlagen und insbesondere aus Europa verstärkt internationale Erfolge feiern können.

Venture & Tech Trends 2018

Innovationen und Technologie Trends vorherzusagen hat nichts mit Esoterik (etwa einem Blick in die „Glaskugel“) zu tun – wer seine Hausaufgaben richtig macht, kann sehr schön identifizieren welche Themen stärker ziehen als andere.  Professionellen Investoren und Analysten nutzen eine Reihe von technischen Lösungen, Datenanbietern, Publikationen ergänzend zur eigenen Erfahrung und ihrem Netzwerk zur Verfügung. In diesem Artikel stelle ich ein paar Beispiele vor lasse es mir natürlich nicht nehmen meine persönliche Einschätzung der wichtigsten Trends für 2018 zu teilen.

Makro Trends

Wenn man sich täglich in einem Markt bewegt, läuft man automatisch Gefahr einen Tunnelblick zu entwickeln. Ich versuche daher ganz bewusst regelmäßig Branchen relevante Statistiken und Studien zu lesen, um mir selbst einen Überblick zu verschaffen.

Im Bericht zum europäischen Venture Capital Markt von Pitchbook, sieht man das einer wichtigsten Trends sich bereits in einem 30% gestiegenen Investmentanteil von Corporate Venture Capital in Zahlen niederschlägt (aktuell 22% vom Gesamtinvestitionsvolumen). Ich erwarte das der Anteil von Corporate Venture Capital Investments bis 2019 auf über 40% ansteigen wird, da einerseits eine Reihe neuer Fonds ihre Aktivität aufnehmen wird und staatliche Dachfonds (siehe Dänemark, Deutschland und Finnland), sowie der EIF (siehe Venture Capital Initiative) diese Fonds gezielt hebeln werden. Besonders interessant zu beobachten ist die Entwicklungen das dies längst kein Thema für Konzerne mehr ist – im Gegenteil diese sind bis auf wenige Ausnahmen eher Zaghaft in dem Thema. Mittelständische Unternehmen wittern hier eine Chance und schließen sich für „Innovation Fonds“ gezielt zusammen.

KPMG hat im Venture Puls Report (Q4 2017) klar herausgearbeitet, dass gegen Ende des letzten Jahren weiterhin spätere und somit höhere Venture Capital Finanzierungen im Markt beobachtet wurden und auch das die M&A (Exit) Aktivitäten ansteigen. Ich erwarte das es 2018 und 2019 vermehrt zu europäischen IPOs und Trade-Sales im Tech Sektor kommen wird. Insbesondere die kleinen Segmente Scale (Frankfurt) und First North (Nasdaq Nordics) sind hoch attraktiv und werden auch von unseren Portfolio Firmen aktuell sehr stark nachgefragt.

Meine Top 3 – Tech Trends 2018

1. Voice Computing

Ich bin der Überzeugung das „Sprache“ das User-Interface der Zukunft ist. Wir verwenden Amazons Alexa bereits als „Assistentin“ im Büro – etwa zum UBER bestellen oder für das Abfragen von Nachrichten. Obwohl die Funktionalität noch sehr eingeschränkt ist wird einem schnell klar, welches Potenzial durch Business Anwendungen in diesem Produkt entstehen können. Es ist nicht weiter verwunderlich das Amazon gemeinsam mit Tech Stars einen Accelerator – gerade dieses Jahr startet.

Obwohl wir heute high-tech computer als Telefone verwenden hat sich Telefonie „technisch“ kaum verändert. Eine unserer Beteiligungen (Venionaire Capital & European Super Angels Club) – yodel.io – ermöglicht durch ausgereifte Natrual Language Understanding und Künstliche Intelligenz KMUs und Konzernen auf der ganzen Welt Sprachbots, automatisches Routing und Automatisierungen spielend einfach anzubieten. Die Technologie ist bereits verblüffend und ich bin mir sicher das hier noch einiges folgen wird.

2. Security & RegTech

Der Security und RegTech Markt hat durch die GDPR, AML4 und andere regulatorische Verschärfungen in der EU bereits letztes Jahr meine  Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Der Sektor hat eine starke Investitionsdynamik entwickelt – interessant dabei ist jedoch das sich in diesem Feld nur sehr wenige Startups bewegen und die einem Überangebot von Investoren und möglichen strategischen Käufern (mit Akquisitionsdruck) gegenüberstehen. Das österreichische Security Startup Cyan AG hat mit seinem erfolgreichen Börsegang (Scale, Frankfurt) vor wenigen Tagen mMn einen perfekten Zeitpunkt getroffen – bleibt abzuwarten wer nachkommt.

Mit dem European Super Angels Club haben wir ebenfalls den Investmentschwerpunkt für H1 2018 auf dieses Thema gesetzt und die vorgestellten Firmen trafen voll ins Schwarze! Neugierig – dann kontaktieren sie mich über LinkedIN und ich erkläre ihnen gerne wie Teil des Clubs werden können ;-).

3. Digital Health

Die Digitalisierung im Gesundheitssektor ist schon länger ein Thema, welches sich am Standort Wien ausgezeichnet entwickelt hat. Ich denke da etwa an den starken Exit des Startups mySugr, das weltweit bereits führende Startup 123Sonography, Online Apotheken wie z.B. Beavit (gegründet von meiner Frau). Dieser Auszug von höchst erfolgreichen Startups aus Wien kommt nicht von ungefähr. Wien ist für sein exzellentes Gesundheitssystem und seine führenden Mediziner (sowie Universitätskliniken) weltweit bekannt. UNIQA und INITS haben mit neuen Digital Health Hubs bzw. Programmen diesen Thema einen zusätzlichen Anschub gegeben.

Ich habe vor meine Aktivitäten im zweiten Halbjahr diesen Jahres verstärkt auf diesen Sektor zu konzentrieren, dies im engen Schulterschluss mit dem European Super Angels Club – der ebenfalls einen Schwerpunkt in diesem Bereich setzen wird.  (Anm.: Interessierte Startups können sich bereits auf www.superangels.club bewerben!)

 

Am Business Angel Institute teilen erfahrene Business Angels und Venture Capital Fondsmanager ihre Erfahrungen und lehren in strukturierter Weise, wie auch sie die relevanten Trends für sich erkennen – die zugehörigen Startups finden und diese als Investor in ihrer Entwicklung vom initalen Investment bis zum Exit begleiten. Melden sie sich jetzt für die Einführung in Angel Investing  an!