21 Prognosen für 2021

Am Ende eines Jahres schreibt man gerne einen Rückblick. Ich richte nach dem verrückten Jahr 2020 lieber meinen Blick nach vorne. Vorausgeschickt sei, dass ich keine Glaskugel besitze und alle Einschätzungen in nachstehendem Artikel ausschließlich meine private Meinung widerspiegeln. Ich finde es persönlich wichtig eine klare Vision zu haben und teile diese gerne. Eine Strategie für die Zukunft muss sich jeder selbst zurecht legen – egal wie ihr euch positioniert, ob ihr meine Ansichten teilt oder nicht, VIEL ERFOLG im neuen Jahr.

Was erwartet uns 2021? Ganz allgemein denke ich das 2021 ein weiteres turbulentes Jahr mit vielen Chancen aber auch erhöhtem Risiko wird. Mit Politikern will ich weiterhin nicht tauschen. Das Politische-Parkett erscheint mir kälter und glatter als jede Eisfläche. Gefühlt warten viele nur drauf das es den ein oder anderen Minister „zaubert“ – viele rufen förmlich bereits nach einem erneuten Umbau der Regierung. Aber was dann? Wäre es nicht besser man lasst die gewählten Politiker ihre Arbeit machen? Sollten wir nicht eher nach Kontinuität und einem gemeinsamen Weg (über Parteigrenzen hinweg) aus der Krise arbeiten? Der Frust und die damit verbundene Spannung, die durch die Pandemie und die Serie an Lockdowns in den Menschen aufgestaut ist, ist nur verständlich – aber gerade in so einer Situation müssen wir einen kühlen Kopf bewahren.

Der Ruf nach Hoffnung auf Dankbarkeit, von einer krisenmüden Bevölkerung, erscheint mir ebenso verfehlt, wie der Ruf nach einer Neubesetzung verschiedener Ämter. Es braucht eine klare Strategie und natürlich mehr als einen Aufruf zu mehr „Optimismus“ als Motor für ein Wirtschaftswunder – wie ihn unser Finanzminister (Anm.: Gernot Blümel) kürzlich formulierte. Wir wissen alle, dass ein solches Wunder und Optimismus nur das Resultat eines Maßnahmenbündels sein kann. Wir werden sehr hart arbeiten und erneut über uns hinauswachsen müssen. Es wird wieder Schwung in die Wirtschaft kommen – weil wir gemeinsam kämpfen werden. „Die Impfung“ wird uns bald zu einer neuen Normalität zurückkehren lassen und aus dieser werden wir das beste machen.

Meine 21 Prognosen für 2021:

1.) „Remote Arbeitsplätze“ sind gekommen um zu bleiben. Immobilienentwickler werden sich mit dem Trend auseinandersetzen und maßgeblich zu einer Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens beitragen. Persönliche Zusammenarbeit wird nicht für alle Berufsgruppen entfallen und das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Wer zukünftig Remote arbeitet und nicht hoch spezialisiert ist, steht zwangsläufig im direkten Wettbewerb mit Kräften aus billiglohn Ländern. Die Barriere zur Auslagerung von Jobs ist durch die Krise massiv gefallen und anhaltender Kostendruck wirkt als Beschleuniger des Trends.

2.) „Elektromobilität“ ist (endlich) auf dem Vormarsch. Nachdem bereits vor einigen Jahren Skandinavische Länder den Ankauf von E-Fahrzeugen gefördert haben, ist nun auch der Rest Europas auf den Zug aufgesprungen. Tesla ist längst nicht mehr der einzige, wohl aber sicher noch der fortschrittlichste Hersteller im Mittelklasse- und Luxus-Segment. Elektro-Taxis (wie im Programm der neuen Wiener Stadtregierung vorgesehen), geringere Wartungskosten und neue Anbieter für E-Carsharing treiben die Akzeptanz in der Masse massiv voran. Die Absatzzahlen für E-Autos werden 2021 so hoch wie nie. Volkswagen würde mit der I.D. Serie an den Erfolg der „Golfs“ anschließen, könnte man nur ausreichende Mengen produzieren. 

3.) „Technologie Aktien (USA)“, waren der Renner. Im Krisenjahr stiegen sie unaufhaltsam und schlugen reihenweise Rekorde. Die Werte erscheinen im direkten Vergleich zu europäischen Titeln allerdings massiv überbewertet und könnten dem zu Folge korrigieren. Europäische Aktienmärkte werden von einer Erholung der Konjunktur profitieren und durch den zwangsläufig initiierten Innovations- bzw. Digitalisierungsschub (im letzten Jahr) auch an Potenzial gewinnen. In meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ habe ich bereits erste Titel in Richtung Europa und China umgeschichtet.

4.) „Bitcoin & Co“ sind gekommen um zu bleiben. Firmen wie Square verlagern einen Teil ihrer Bilanz in Bitcoin, Paypal bietet sie in Zukunft direkt an und Elon Musk überlegt ebenfalls laut einen Teil der Tesla Liquidität in Bitcoin zu parken. Je lauter man jetzt noch vom „Schreckgespenst“ Inflation spricht, umso mehr werden die Sparer (die zwar zugelegt haben in der Krise – aber zusehen wie ihr Geld auf Sparbüchern verbrannt wird) ihr Geld schrittweise auch in Bitcoin veranlagen.

Der europäische bzw. österreichische Crypto-Broker Bitpanda, wird von dieser Entwicklung profitieren. Die Gründer hatten perfektes Timing und viel Rückenwind vom Markt, was ihnen mittelfristig auch zu einer „echten“ Börse-Lizenz verhelfen wird. Passieren kann da nicht mehr viel – außer das Unternehmen verliert durch einen großen Skandal – wie einem „Hack“ oder einem großem „Raub“ – von heute auf morgen das Vertrauen der Anleger.

5.) „Smartphones“ werden bis 2030 Geschichte sein. Apple, Samsung, Microsoft oder einer der übrigen Tech Giganten, präsentieren eine alltagstaugliche „AR“ (Augmented Reality) Brille – das Produkt schlägt ein, wie das iPhone! Einmal mehr wird unser Nutzerverhalten auf den Kopf gestellt. „Voice“ wird das nächste User Interface (Anm. die KI dafür trainieren Siri, Alexa und Co. bereits seit Jahren).

6.) „Virtual Reality“ ist auf dem Vormarsch. Die kleine VR Schmiede „ViAR SYS“ aus Kaisermühlen und Amadeus Artists Vienna werden 2021 zu weltweiten Botschaftern eines neuen Kulturerlebnisses: „Hochkarätige Oper in Virtual Reality“ – vielfach versucht, viele Jahre undenkbar und von Konsumenten wie Künstlern verschmäht. Nach dem Corona Jahr könnte dieser Zugang plötzlich Akzeptanz erfahren. Warum? Mutationen des Virus lassen (ältere) Menschen trotz Impfung vorsichtiger werden, wir werden uns an jährliche Auffrischungen gewöhnen müssen und Technologie aus Risikoüberlegungen weiterhin akzeptieren. Eine Innovation aus der Opernstadt Wien revolutioniert die klassische Musikwelt erneut – die Geschichte hat durchaus Potenzial. 

7.) „Private Equity – inkl. Venture Capital (Growth)“ wird erneut Rekorde brechen. Einerseits steigt die Zahl der Scale-Ups, andererseits werden vermehrt Startups neu gegründet. Viele Neugründungen, als Antwort auf die hohe Arbeitslosigkeit, ergeben aber nicht automatisch revolutionäre Geschäftsmodelle. Es entsteht ein trügerisches Bild, da auch Innovationszyklen von Beschleunigern, wie etwa neue Technologien, befeuert werden und hier wartet der Markt auf das nächste große Ding.

Die Qualität der Startups in Europa steigt insgesamt. Der Wettbewerb um Business Angels, Early Stage Fonds und Venture Fonds wird jedoch ebenfalls massiv ansteigen, da die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage weiter wird. Der Ruf nach neuen Fonds und zur Mobilisierung von mehr Kapital – insb. für neue Investments – wird erneut lauter werden. Fondsmanager drehen ihre Beteiligungen tendenziell immer später. Sie lassen sie – zwangsläufig länger wachsen und wetten auf größere Exits (das nachgeschossene Geld aus dem Krisenjahr 2020, muss vernünftig arbeiten).

8.) „Politik für Innovation„. Europa hat im Wettrennen mit den USA und China bisher nicht nur einen viel zu langsameren Start, sondern auch viel zu schwache Akzente gesetzt. Der Fehler wurde erkannt. Mit dem Investitionskontrollgesetz (bzw. der EU Richtlinie), sollte die Wirtschaft in der EU geschützt werden. Internationale Investoren siedeln sich nun direkt in Europa an und die EU macht an allen Fronten (von Uni Spin-Offs bis zur Europäischen Suchmaschine) mobil. Die EU und einzelne Mitgliedsstaaten der Union stellen bislang unvergleichlich starke Vehikel zur Stärkung des Eigenkapitals vor. Der EUR 10 Milliarden Zukunftsfonds in Deutschland bzw. der bereits länger etablierte Dachfonds für Venture Capital und Private Equity in Dänemark (Vaekstfonden) dienen als Schablone für andere Standorte. Die Grundidee ist einfach. Kapital von institutionellen Investoren und Corporates soll mobilisiert werden und von privaten Fondsmanagern an verschiedene Teams verteilt werden – vereinzelt erlauben die Vehikel auch Co-Investments (direkt). Die Standorte innerhalb der EU sind in diesem Zusammenhang in einem harten Wettbewerb – jeder will die besten Talente anziehen und langfristig steuern und know-how für sein Land sichern.

Das verfügbare Kapital in Europa soll im Jahr 2021 deutlich erhöht werden, ob es aber vervielfacht wird (wie es nötig wäre!), bezweifeln Experten (vgl. Sifted, Dez. 2020).

9.) „Rahmenbedingungen“ – der Staat greift wichtige Reformschritte, welche seit Jahren von Interessenvertretern des Startup- und Investoren-Ökosystems gefordert werden, auf. Die richtigen Rahmenbedingungen sollen einerseits Gründungen, aber auch Mitarbeiterbeteiligungen vereinfachen. Kapital von privaten (Business Angels) und für Venture Capital bzw. Private Equity Fonds soll ebenfalls mobilisiert werden. In diesem Zusammenhang erwarte ich steuerliche Anreize für Investitionen in Startups, für Firmen und private Investoren.

Weniger wahrscheinlich, aber mindestens so wichtig, erachte ich ein breit angelegtes rechtliches Reformpaket. Angefangen beim BWG, über Gesellschaftsrecht und bis hin zum Arbeitsrecht muss Österreich Gesetze an eine neue Normalität anpassen. Eine Entbürokratisierung wie sie im Regierungsprogramm an vielen Stellen steht, wäre mehr als wünschenswert.

10.) „EU Förderungen“ – werden von Österreichs Unternehmen als Quelle der Hoffnung (darunter nicht ausschließlich Startups!) entdeckt. Die Förderungen galten bisher als besonders bürokratisch und aufgrund äußerst geringer Wahrscheinlichkeit auf einen Zuschlag als unattraktiv. Die FFG, AWS und die Europäischen Förderangebote – von EIC, über EIF, bis EIB – erreichen mehr Unternehmer als jemals zuvor.

In Österreich steht eine Vereinfachung der Förderlandschaft, kurz mehr Effizienz und Transparenz, auf der politischen Agenda (so zumindest mein Verständnis). In der Praxis stelle ich mir das schwierig vor, da die Programme von vielen Institutionen vergeben werden. Wenn es zu einer Verteidigung der Töpfe in den Institutionen kommt, haben wir ein Pat. Aus meiner Sicht kann ein „quick-win“ erzielt werden, in dem das alte „Double Equity“ Programm dauerhaft durch den Covid Hilfsfonds ersetzt wird.

11.) „Konjunktur vs. Optimismus“ – unser Finanzminister wünscht sich mehr Optimismus als Konjunkturmotor. (vgl. diePresse). Ich fürchte aber das es mehr brauchen wird. 2021 droht eine überschießende Inflation – diese Geldentwertung ist per Definition kein Konjunkturmotor. Welche Maßnahmen tatsächlich gesetzt werden, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen und die Konjunktur dabei am Leben zu halten – während wir in einem Negativ-Zins-Umfeld sind – wird die Köpfe der führenden Volkswirte der EU sicherlich rauchen lassen.

12.) „Arme Länder erhalten Impfstoffe später„. Während wir uns in den reichen Ländern der Welt den Luxus einer Debatte – pro und contra – zur Impfpflicht erlauben, sterben Menschen in armen Ländern und haben nur geringe Aussicht einen Impfstoff gegen Covid-19 zu kommen. Globale Lösungen für die großen globalen Probleme müssen von unserer Generation vorangetrieben werden – wenn wir uns zurücklehnen und zusehen, wird sich nichts verändern.

2021 erwarte ich vermehrt das aufkommen von impact startups, einen neuen Boom von Stiftungen in Europa, da viele Unternehmer (gefühlt) nach der überstandenen Krise auch gerne etwas zurückgeben wollen.

13.) „Bitcoin Millionäre“ langsam taut es, die Krypto-Eiszeit könnte endgültig vorbei sein und eine Revolution der Finanzmärkte vor der Tür stehen. Tatsächlich ist hinter den Kulissen in den letzten Jahren sehr viel in Sachen Regulierung passiert, was Kryptowährungen und verbrieften Wertpapieren auf der Blockchain (etwa Security Token) den endgültigen Durchbruch ermöglichen könnte. Die Rede ist von Steuern, AML Richtlinien und der MICA (MIFID für Krypto). 2021 werden erste Banken die Verwahrung von Krypto-Assets anbieten.

14.) „Business Angel Summit“ der sommerliche Event in Kitzbühel, welcher immer als europäisches Leuchtturm Event geplant war, wird 2021 wieder live stattfinden. Wir werden als Hauptsponsoren und Partner weiterhin versuchen, dieses Jahr wieder etwas mehr internationale Gäste und einen Hauch mehr Exklusivität in das Event einzubringen. Ich in guter Dinge das wir uns alle diesen Sommer in Kitzbühel treffen werden, sofern geimpft und gesund.

15.) „US VCs entdecken Europa“ – US Venture Fonds investieren in 2021 intensiver in Europa, als bisher, dieser Trend war bereits 2020 stark erkennbar. Als Antwort auf das Investitionskontrollgesetz haben immer mehr Fonds europäische Scouting Teams und Investment Vehikel für ein verstärktes Engagement in Europa in Stellung gebracht (vgl. TechCrunch, Nov. 2020).

Die Chance liegt auf der Hand. Günstige Bewertungen, gute Technologien, günstige Talente und ein sehr schwacher europäischer Private Equity / Venture Capital Markt, der (noch) keine echte Konkurrenz darstellt. Wenn wir einen Ausverkauf Europas verhindern wollen, brauchen wir Fonds die primär aus Europa finanziert wurden und somit einen Exit in Europa auch wahrscheinlicher machen. So oder so – für Scale-Ups ist die erhöhte Aufmerksamkeit der Amerikaner eine gute Nachricht. Die Zahl der europäischen Unicorns wird damit sicherlich steigen (vgl. CBInsights, Dez. 2020).

16.) „University Spin-Offs“ – ein weiteres Thema das wir in Österreich bereits länger diskutieren. Der Forschungsstandort, hat bisweilen zu wenige Ausgründungen hervorgebracht. Wie in meinem kürzlich erschienen Buch „100 Startups – Made in Austria“ zu lesen ist, sind nur rund 14% der Startups auf universitäre Forschungsarbeit zurückzuführen – das Potenzial für High-Tech Ausgründungen wird aber weit höher eingeschätzt. Insbesondere im Bereich Digital Health & Life Science gibt es großes Potenzial in Österreich. 2021 erwarte ich neue Initiativen in diesem Bereich.

17.) „Österreichische Unternehmen kaufen Startups„. Wenn es um Exits geht, schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits freue ich mich über jeden großen Exit eines europäischen Startups, auf der anderen Seite finde ich nicht frustrierender als dabei zuzusehen wie internationale Konzerne reihenweise europäische Startups kaufen. Wir brauchen mehr Akquisitionen aus Europa bzw. aus Österreich.

Im Jahr 2021 erwarte ich hier eine kleine Trendwende. Die M&A Aktivität sollte 2021 alleine deshalb steigen, da viele Firmen nur durch eine Konsolidierung überleben bzw. wettbewerbsfähig bleiben können. Es gibt auch durchaus gute Vorzeichen, dass der ein oder andere Konzern oder führende Mittelständler aus Österreich selbst das ein oder andere (angeschlagene) Startups kauft. Die Digitalisierung hat in der Krise einen Gang zugelegt. Wer aufholen will muss schnell handeln.

18.) „Börse als Alternative„. Nach einem der stärksten IPO Jahre der Geschichte, wo u.a. Asana, AirBNB, Palantir und Snowflake in den USA an die Börse gingen, stehen nächstes Jahr sagen führende Berater und Investmentbanken auch einen IPO-Boom in Europa voraus.

Ich erwarte auch aus Österreich die ein oder andere Überraschung. Persönlich bin ich fest davon überzeugt das sich auch aus unserer Region das ein oder andere Technologie-Unternehmen auf ein IPO (allerdings eher an der Deutschen Börse „Scale“ als in Wien) vorbereitet. Zugang zum Kapitalmarkt, Finanzierung für Akquisitionen und bessere Sichtbarkeit am Markt sind nur ein paar wenige Argumente die für einen solchen Schritt sprechen.

19.) „Nach Brexit, ist vor Brexit„. Ein Vertrag ist gelungen und wie Boris Johnson in seiner Weihnachtsansprache sagt „it is full of fish“. Nach meinem persönlichen dafürhalten, wird es mit den Briten so weitergehen wie es immer war. Es wird eine Diskussion darüber entstehen, ob sie sich an die Verträge nun halten oder nicht. Die mit der EU vereinbarten „vergleichbaren Standards“ die es aufrecht zu erhalten gilt, und andere durchaus komplexe Formulierungen werden vermutlich wieder ein Tauziehen der Mächte bringen und unsere Spitzenpolitiker von wichtigeren Themen ablenken. Ich hoffe das ich mich in diesem Punkt irre, fürchte aber das die nächste Runde für einen Handelsstreit schon sehr bald eingeläutet wird.

20.) „China wird Weltmacht #1„. Der Trend ist ungebrochen. Chinesische Unternehmen werden international weiter expandieren und die Welt muss sich gewissermaßen auf eine neue Weltordnung einstellen. Die führende Wirtschaftsmacht USA wird in kürze durch China abgelöst. In Europa können wir von dieser Entwicklung unter umständen profitieren, wenn wir z.B. verstärkt auf Joint-Ventures als Eintrittsbarriere in unseren Binnenmarkt setzen – dieses Konzept hat China sehr erfolgreich vorgelebt, wäre aber für Europa Neuland. 2021 erwarte ich in sofern eine Weichenstellung, als das die EU eine klare Chinastrategie ausgibt und notwendige Abkommen auf den Weg bringt.

21.) „Schreckgespenst Inflation„. Zur Entwicklung des Goldpreises oder Bitcoin möchte ich mich nicht äußern. Nur so viel: Nur Chuck Norris macht Prognosen zu Gold und Bitcoin, die auch eintreffen.

Die Stimmen die ein steigendes Inflationsrisiko sehen, werden lauter (vgl. BlackRock – Aktueller Blick auf Märkte, Dez. 2020). Microstrategy und Square haben bereits teile ihrer Bilanz in Bitcoin verlagert. Elon Musk deckt laut (via Twitter) darüber nach. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch in Österreich im Jahr 2021 einzelne Firmen zumindest kleine Teile ihrer Reserven in Bitcoin parken werden – sowohl aus Ertrags- aber vielleicht auch aus Risikoüberlegungen. Thorsten Polleit – ein deutscher Volkswirt der die Österreichische Schule der Nationalökonomie vertritt – sieht in der Flucht in Gold, angetrieben durch eine gestiegene Geldmenge M2, als einen klaren Indikator für ein erhöhtes Inflationsrisiko. Er ruft zur Vorsicht auf.

Soweit meine 21 Gedanken zu 2021. Ich bin gespannt auf eine angeregte Diskussion zu den einzelnen Punkten auf LinkedIN -> hier geht es zu meinem Profil.

Open Petition – Neuauflage Covid Hilfsfonds

Es ist meine erste Unterschriftenaktion bzw. „Online Petition“ für ein Anliegen, welche ich seit Tag Eins unterstütze. Ich war immer eine Freund konstruktiver Arbeit im Hintergrund. Für das Startup Ökosystem konnte so zu wenig erreicht werden. Zu viele Firmen stehen vor dem aus. Es brauchte eine Gruppe österreichischer Startups Monkee, Dealmatrix und Blockpit, die stellvertretend für viele weitere Startups ihren Mut sammelten und eine Petition zur Neuauflage des Covid-Hilfsfonds starteten. Die Politik hatte zuvor mehrfach über die Medien ausgerichtet, dass es keine Neuauflage des Instruments geben werde.

Das Ökosystem hingegen spürt was auf dem Spiel steht und stellt sich dagegen. „Ohne Geld keine startups. Der Covid Hilfsfonds ist in der Geschichte der Startups in Österreich potentiell das beste (staatliche) Instrument bisher – es bewegt privates Kapital und das Risiko für den Staat ist ziemlich gering (das Geld muss ja zurückbezahlt werden, der großteil wird das auch tun)“ erklärt Johann („Hansi“) Hansmann in seinem Kommentar, als einer der ersten Unterstützer der Petition. Es ist kein Zufall das führende Business Angels sowie der Business Angel of the Year 2020 – Níkolaus Futter, Angel Netzwerke wie die AAIA oder der European Super Angels Club die Gründer unterstützten. Sie waren es schließlich die ihre privaten Budgets ausgereizt haben, um Startups in diesem besonders schwierigen Jahr zu stützen. Nächste Jahr könnte es aber eng werden. Immer mehr Angels pausieren und werden restriktiver mit Investments. Es braucht also Anreize um Kapital zu mobilisieren, oder um solches aus dem Ausland anzuziehen.

Können Instrumente zu gut funktionieren?

Der Covid-Startup-Hilfsfonds wurde sehr gut, vielleicht zu gut, angenommen. Er war aber viel zu gering dotiert und folglich sehr schnell in voller Höhe ausgeschöpft. Zahlreiche Startups kämpfen seit dem ersten Lockdown verstärkt um Investoren und diese wurden genau in dieser Zeit immer weniger. Das Jahr 2020 zeigte zwar Rekordsummen im Bereich der Venture Capital und Angel Finanzierungen, dieses Bild ist aber verzerrt. Was man dabei leicht übersieht ist das die Startups unerwartet viel Geld brauchten, welches nachgeschossen werden musste. Aus Sicht des Investors bedeutet das, dass das Geld schlecht gearbeitet hat und zu schnell verbrannt war. Damit muss man rechnen, aber Investoren werden auch nicht unlimitiert zuschießen.

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Jene Startups die bereits eine Runde auf dem Weg hatten konnten in der ersten Runde des Covid-Hilfsfonds bereits einreichen. Wer aber zu langsam war, weil man z.B. durch die Krise eine ungeplante Runde machen musste, der hatte das nachsehen. Der Topf war in wenigen Monaten ausgeschöpft.

Gegenüber Standorten wie Berlin, London oder Paris sind Startups seit der Ausschöpfung des Covid-Hilfsfonds benachteiligt. Die genannten Hubs haben unser Erfolgsmodell nämlich kopiert und bieten es erfolgreich in Kombination mit viel größer dimensionierte Instrumenten (vgl. „Zukunftsfonds“) lokale Förderbanken an.

Neuauflage Covid Hilfsfonds

Unterstützt wird die Petition – ausgehend von den Startup GründerInnen – vom österreichischen Business Angel of the Year, Nikolaus Futter, von mir (Berthold Baurek-Karlic – Venionaire Capital, Business Angel Institute, European Super Angels Club) und der AAIA – Austrian Angels Investors Association, sowie zahlreichen weiteren Personen und Institutionen, die aktiv das Startup Ökosystem seit Jahren gestalten. Bereits nach einem Tag hatten über 150 Österreicher die Petition unterschrieben.

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„Der zweite Lockdown verschärft die ohnehin angespannte Situation für uns junge Unternehmen nochmals. Es besteht die Gefahr, dass die Zukunft der österreichischen Wirtschaftsentwicklung nachhaltig und dauerhaft beschädigt wird. Wir fordern daher eine Neuauflage des Covid-Startup-Hilfsfonds, mit einem Volumen von EUR 150 Millionen. Die Ausgestaltung als rückzahlbarer Zuschuss stellt sicher, dass ein Großteil der Unterstützungsgelder auch wieder an die Republik Österreich zurückfließen werden. Der dadurch geschaffene volkswirtschaftliche Effekt, die Zukunftsunternehmen Österreichs zu entwickeln und zu fördern, und neue Arbeitsplätze zu schaffen, wird ein Vielfaches der möglicherweise verlorenen Zuschüsse betragen.“ erklärt Florian Wimmer, Gründer von Blockpit.

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Innovation und Wachstum, neue Arbeitsplätze und Impulse für einen prosperierenden Standort sind wichtiger den je!

100 Startups – Made in Austria

Diese Woche wurde mein neues Buch „100 Startups Made in Austria“ veröffentlicht. Das Buch wurde gemeinsam mit dem englisch sprachigen Verlag hinter dem Wiener Expat-Magazin „Metropole“ – Home Town Media GmbH – produziert. Mein Co-Author Dr. Florian Kandler – auch bekannt als Pitch-Doktor der Puls4 Show „2 Minuten 2 Millionen“ oder Macher des Podcasts „Gründer und Zünder“ – und ich, hatten bei diesem Projekt unverzichtbare Unterstützung von gointernational, Venionaire Capital, von zahlreichen Sponsoren und genaugenommen vom gesamten Startup Ökosystem in Österreich.

Wir sind unendlich dankbar für die Dynamik und die Unterstützung die wir in diesem Projekt spüren und erfahren durften. Die Startup-Community selbst hat jene 100 Startups in einem öffentlichen Voting ausgewählt. Wir waren positiv überrascht über die vielen tausend Stimmen die über die Sommer Monate abgegeben wurden.

In unserem Buch, beleuchten wir die 10 größten Sektoren, von Fintech bis künstliche Intelligenz. Im Ergebnis zeigt dieses Buch den Einfallsreichtum, die Attraktivität und gewährt einen Blick hinter die Kulissen von einer Vielzahl von herausragenden Gründern. Das Buch ist ein Kompendium einiger der am schnellsten wachsenden und einflussreichsten Startups des Landes – jedes einzelne spiegelt Österreichs technisches Know-how, Innovationskraft und das hochwertige Bildungssystem, sowie das außerordentlich starke staatliche Fördernetzwerk wider.

Das Buch kann im Metropole Shop und bei Amazon erworben werden:

BUY LOCAL @ METROPOLE (VIENNA)

Das Ziel unseres Buchs ist es die internationale Aufmerksamkeit auf die aufstrebende österreichische Startup-Szene zu richten. Das Buch wird in rund 200 Ländern, in Büros von Advantage Austria, aufliegen. Das Startup-Ökosystem in Österreich wurde dieses Jahr bereits von einem der international wichtigsten Tech-Medien „TechCrunch“ als besonders aufstrebend bezeichnet – bis an die Spitze ist es aber noch ein sehr harter und weiter Weg.

„Österreich ist eine kleine, offene Wirtschaft im Herzen Europas mit engen Verbindungen sowohl zu anderen Ländern der Europäischen Union als auch zu weiter entfernten Volkswirtschaften. Der Export von Produkten und Dienstleistungen macht mehr als 50% des österreichischen BIP aus, so dass Handel und Investitionen eine „Win-Win-Situation“ schaffen. Rund 62.000 österreichische Exporteure unterhalten regelmäßige Handels- und Investitionsbeziehungen zu Partnern in über 200 Ländern weltweit“. erklärt Dr. Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, WKO

„Es ist unser Ziel, Österreich als Vorreiter in Sachen Innovation zu positionieren“. ergänzt Dr. Margarete Schramböck, Bundesministerin für digitale und wirtschaftliche Angelegenheiten.

Ohne Partner wie go-international oder Incubatoren bzw. Acceleratoren wie dem Science Park Graz, der Wiener Wirtschaftsagentur, der Standort Agentur Tirol und privaten Ökosystem Stützen wie dem Business Angel Institute, KPMG (Smart Start), Binder Grösswang, Verbund (Startup Accelerator) oder derBrutkasten, wäre so ein Projekt nicht möglich gewesen. DANKE!

Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation

Ich kann mich noch gut erinnern, als unsere Politiker an die Medien getreten sind und sagten „Koste es was es wolle“ versprochen haben, die Wirtschaft aufzufangen. Eine Pandemie wie wir sie heute haben, hatten wir nicht erwartet. Wir wurden eiskalt erwischt. Geld in die Hand nehmen wie einst Kreisky, statt einem Nulldefizit war plötzlich die Devise. Das Pandemiegesetz wurde kurzerhand geändert – einen generellen Schadenersatz wollte man dann doch nicht leisten. Egal. In der ersten Welle hatten die Unternehmer noch Rücklagen. Jeder hat versucht so schnell und professionell zu reagieren, wie es nur möglich war. Wir lernten von der neuen Politik des „Hammer and Dance“. Wir gewöhnten uns und unsere Kollegen bzw. Mitarbeiter an Home-Office. Wir entwickelten neue digitale Produkte. Die Lernkurve war steil. Die tägliche Corona Statistik kam auf die Startseite von ORF.at. Die Hoffnung auf Rettungsprogramme und Förderungen – zur Abfederung des Schadens – war groß, die Ernüchterung bei vielen Unternehmern leider auch. Die zweite Welle trifft uns härter. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Kräfte sind verzerrt. Die Ratlosigkeit ist groß. Die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation, aber die Betreuung bleibt vorerst aus. Quo vadis?

Wieviel kann man Unternehmern zumuten?

Als unser geschätzter Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer sinngemäß sagte, die Wirtschaft liege auf der Intensivstation und wir werden sie wiederbeleben, atmeten wir durch. Unternehmer wissen, dass Milliarden an Geldmitteln aus Beiträgen in der Kammer liegen. Die Kriegskasse ist voll. Danach kommt die Reha (der Wideraufbau). Es war alles klar. Die Hoffnung das Klein- und Mittelbetriebe aufgefangen werden war groß. Es würde hart werden, aber die Chance das wir das meistern, war gegeben. Natürlich mussten wir auch akzeptieren, dass nicht jedem geholfen werden kann. Strenge Regeln werden Missbrauch verhindern und das war / ist gut so.

Wir Unternehmer haben darüber hinweggesehen, dass das Pandemiegesetz kurz vor dem sog. „Lockdown“ geändert wurde. Eigentlich hätten wir auf die Strasse gehen müssen. Das Gesetz hatte vielen Betrieben einen Anspruch auf Schadenersatz gesichert. Eine Pandemie ist in gewisser Weise eine Naturkatastrophe, niemand hat Schuld daran und genau deshalb sollte es in einem Land wie Österreich ein engmaschiges Auffangnetz geben.

Unternehmer haben alle Energie und Mittel, die sie noch zur Verfügung hatten, investiert, um möglichst gestärkt oder wenigstens mit geringem Schaden aus der Krise zu kommen. Die Hoffnung war ein „V“ Effekt, ein kurzer Einbruch der Wirtschaft, den man durchtauchen kann. Möglichst schnell wieder zurück zum Normalzustand, das war das Ziel. Arbeitsplätze sollten und mussten erhalten werden. Wenn es bald wieder bergauf gehen soll, dann darf man niemanden entlassen. Für jeden Unternehmer sind Angestellte die höchste Priorität (auch wenn das vielleicht nicht immer so wirkt). Man weiß über die Existenzen, Familien und Schicksale und natürlich auch, dass man ohne Mitarbeiter nicht wieder hochfahren kann.

Anfangs wurden Unternehmer noch in Sounding-Boards eingebunden. Interessensvertretungen, wurden aktiv eingebunden. Später wurde mit Michael Altrichter ein „Startup Beauftragter“ medienwirksam vorgestellt und dann wurde es still. Die Realität war ernüchternd. In vielen Branchen und für viele Betriebe griffen die angebotenen Programme nicht. Bürokratie und rechtliche Hürden führten dazu das Garantien vielfach nicht für die Kreditvergabe von Banken ausreichten. Teilweise waren Fördertöpfe so klein, dass sie innerhalb eines Tages leer waren – man hatte seitens der Politik die Nachfrage vielfach derart falsch eingeschätzt, dass man den Eindruck bekam es geht ehr um Pressekonferenzen als echte Hilfe. Ansprechpartner gab es keine mehr.

Betriebe die Mitarbeiter in Kurzarbeit hatten, und sich an die Regeln gehalten haben mussten bei der Endabrechnung ebenfalls die ein oder andere Überraschung hinnehmen. Die Richtlinien zur Abrechnung, waren zum Zeitpunkt der Vergabe noch unklar – am Ende muss der Unternehmer mit der Auslegung des AMS leben und in einigen Fällen sogar einen Teil der Zuschüsse die er nach langer Wartezeit erhalten hat zurückbezahlen. Da kommt Freude auf und der Druck auf Sparmaßnahmen steigt einmal mehr.

Die einst kolportierte Geschwindigkeit in den Medien wurde nicht eingehalten. Die bereite Maße bekam das gar nicht mit, sie wahren vielfach vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Umso größer das erstaunen, wenn man erzählt wie kompliziert die Maßnahmen tatsächlich in der Praxis sind und wieviel länger es dauert bis man Gewissheit hatte. In Pressekonferenzen wurde eine gewaltige Show abgezogen. Die Belastung für die Liquidität, der emotionale Stress (durch Unsicherheit) für Unternehmer war unermesslich. Da ist auch verständlich das die Emotionen hochgehen. Während Mitarbeiter einen Anspruch auf Geld am Ende des Monats hatten, mussten Unternehmer mit der Unsicherheit und den wagen Auskünften von Beamten leben deren Gunst plötzlich zur Überlebenssicherung von Betrieben wichtig war. Man war nicht mehr selbstständig, sondern fremdbestimmt.

Heute sind die Kassen leer, die Wirtschaft ist über den Sommer – nach den Lockerungen der sog. Covid-Maßnahmen – nicht wieder so stark zurückgekommen wie gewünscht. Aufholen konnte man die Verluste des Lockdowns nicht. Jene die sich mit geförderten Krediten über Wasser halten konnten sind heute überschuldet. Viele Betriebe haben keine andere Wahl, also nochmal in die Pedale zutreten und alles geben. Reichen wird es trotz aller Anstrengungen vielfach nicht. Die Puste geht schneller aus als noch Anfang des Jahres und die Verzweiflung viel größer. Man muss damit Rechnen, dass es kein Rettungsnetz gibt. Kündigungen sind ein Indiz dafür das wir in keine Rezession, sondern in eine waschechte Depression schlittern. Die Zahl der zu erwartenden Insolvenzen lasst mich bleich vor Angst werden.

Wer glaubt Neugründungen werden das Wirtschaftswachstum wieder zurückbringen, der vergisst das es im Schnitt rund 8 Jahre dauert, um einen Betrieb eine Million-Umsatz und nachhaltig positiven Ergebnissen aufzubauen. Der Verweis auf die Finanzkrise (wo primär Banken betroffen waren) ist trügerisch. Damals wurden mehrheitlich top ausgebildete Menschen arbeitslos. Diesmal sind alle Einkommens- und Ausbildungsschichten betroffen. Das sind naturgemäß weniger Akademiker weil es schlicht weniger davon gibt. Investoren gibt es auch weniger und damit ein schwierigeres Umfeld für Gründungen.

Die zweite Welle wird brutal

Jetzt kommt eine zweite Welle. Pünktlich zum Herbst. Pünktlich zum Beginn der Grippe-Saison. Diesmal liegen unsere Betriebe auf der Intensivstation. Die Abwehrkräfte sind geschwächt, sie befinden sich in einem Überlebenskampf. Eine Impfung (Vorbereitung im Sommer) gab es (gefühlt) nicht. Der große Unterschied zur ersten Welle ist, dass das Vertrauen fehlt. Unternehmer sollen sich (wenn es nach der Politik geht) für Investitionsprämien bewerben, oder Lehrlinge einstellen – also Investieren. Man fragt sich womit?

Während der im Wahlkampf um Wien verhaftete Finanzminister mit der EU über ein zweites Fixkostenzuschussprogramm streitet, verzweifeln jene die ihm Geld in die Kassen spielen sollten. Das erste Fixkostenzuschussprogramm war, kein besonders attraktives und wurde entsprechend wenig angenommen. Programme wie der Covid-Hilfsfonds hingegen hatten sehr hohen Zuspruch, damit konnte schnell Kapital von privaten Investoren mobilisiert werden. Heute ist dieses Programm ausgelaufen und die Politik hat sich klar gegen eine Aufstockung ausgesprochen. Investoren aus Österreich investieren daher eher im Ausland (etwa Berlin oder Hamburg), wo ihr Kapital gehebelt wird. Man fragt sich, wieviel man der Wirtschaft eigentlich zumuten kann?

Gesetze, Regelungen und ein wenig Utopie

Ich bin kein Gastronom und auch kein Hotelier. Ich gestehe auch das ich mit keiner dieser wohl am am intensivsten betroffenen Berufsgruppen allzu viel (beruflich) zu tun habe. Mein gesunder Menschenverstand – mein eigenes Hirn – hingegen erlaubt mir ein paar bauernschlaue Gedanken: Wenn man wöchentlich, mit Vorliebe am Freitagabend, neue Regelungen vorstellt, die ab Montag gelten sollen – dann treiben wir Unternehmer über kurz oder lang direkt in die Burn-Out Klinik. Mir leuchtet ein, dass die Kommunikation von Neuigkeiten vor dem Wochenende, das Volk besonders gut erreicht – aber man darf nicht vergessen wer die angekündigten Verordnungen oder beschlossenen Gesetze sofort umsetzen muss. Gastronomie- und Hotel-Unternehmer schlagen sich hier seit Monaten die Wochenenden um die Ohren und kommen nicht zur Ruhe – von den Kosten, zusätzlichen Beratungsaufwänden wollen wir gar nicht erst anfangen.

Warum ergreifen wir nicht die Chancen, die in der Krise liegen? Dr. Keyvan Rastegar hat kürzlich im Startup-Online Magazin „Trending Topics“ viele valide Punkte zum Thema „Gesellschaftsrechtsreform“ aufgeworfen. Der Katalog an Ideen von Marktteilnehmern, die allesamt weder blöd noch blind sind, wäre lang. Warum fragt man nicht? Warum nicht das richtige tun? Warum nicht zusammenarbeiten? Parteien, Wahlkampf und Co. dürfen in einer Pandemie nicht bestimmend sein – hier gebe ich Innenminister Nehammer recht (er hatte dies gestern in der Freitagabend – Pressekonferenz gesagt)

Macht eine Bereinigung in der Unternehmenslandschaft Sinn?

Wer gerne leichtfertig argumentiert, die Wirtschaft soll ruhig mal ein reinigendes Gewitter erleben, der möge die nächsten Zeilen sehr aufmerksam lesen. Wenn ein Betrieb einmal geschlossen ist, kann man nicht einfach wieder öffnen. Die Wirtschaft kann also bei einem zurückkommen der Nachfrage nicht mehr so schnell hochfahren – da keiner etwas verkauft. Wer kaufen will kauft im Ausland. Unternehmen etablieren über Zeit ihre Marke, ihren Kundenstock, Vertrauen und internes Knowhow oder auch Patente. Bei einer Schließung oder einem Notverkauf geht das alles verloren. Kauft ein Ausländern, wandern Betriebe mittelfristig ab. Österreich ist als Standort sehr schön, aber nicht günstig.

Auf der Nachfrageseite brauchen wir eine kaufkräftige Kundschaft. Das gilt für den Endkunden, aber auch für den Firmenkunden. Investiert weder der eine noch der andere, sieht es düster aus. Sind zu viele Menschen in Arbeitslosigkeit, und die Betriebe geschlossen, dann haben wir ein Dilemma. In der Spieltheorie nennt man das ein Gefangenendilemma. Der Staat ist dann der letzte und mit Abstand größte Arbeitgeber, dieser bezahlt Gehälter aus Steuereinnahmen oder aus Staatsschuldverschreibungen (Staatsanleihen). Was passieren muss, wenn nur noch ein kleiner Teil „produktiver“ Privatwirtschaft über ist? In so einer Depression, einem Dilemma ohne Firmen und ohne Arbeitsplätze ist auch er Staat gezwungen Menschen freizusetzen – außer man entscheidet sich für das Kommunismus.

Was aber am gefährlichsten ist an diesem Szenario, ist der soziale Zündstoff, der in der Vernichtung von Arbeitsplätzen und betrieblichen Vermögen steckt. In der Geschichte waren solche Rahmenbedingungen stets Brandbeschleuniger für Unruhen und sogar für Kriege. Es ist nicht verkehrt, wenn wir sagen: „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut.“

Gehen wir bitte – mit Maske – vor die Tür, schauen wir mit anderen Augen auf Unternehmer. Zeigen wir etwas Respekt und helfen wir wo wir können. Geben wir unserer demokratisch legitimierten Regierung Feedback, in guten wie in schlechten Zeiten. Ohne Feedback kann kein Manager arbeiten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir werden weiterhin so viele Unternehmer auf ihrem Weg begleiten, wie es uns möglich ist.

Startups brauchen mehr Sichtbarkeit

Als Business Angel muss man in Zeiten der Krise kreativ werden. Startups haben mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen und suchen folglich vermehrt nach frischem Kapital, die Stimmung unter den Investoren ist aber gedämpft was sich in deutlich in verringerter Bereitschaft für neue Investitionen zeigt. Der Wettbewerb um die verbliebenen Investoren ist damit so hoch wie noch nie und der Kampf um jeden zahlenden Kunden umso bedeutender will man überleben. Was also tun? Wird der Staat alle retten? Wohl eher nicht. Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten mit verschiedenen Initiativen die Sichtbarkeit für Startups zu erhöhen und Instrumente für Fundraising zur Verfügung zu stellen.

Hacking Fundraising

Wir können unmöglich alle Projekte betreuen die an uns herangetragen werden. Das haben wir früh erkannt. Im ersten Lock-Down war meine Inbox täglich voll und wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir in dieser Situation helfen können. Die Entscheidung viel auf ein günstiges on-demand Kursprogramm, ergänzend zu bereits bestehenden Online-Beratungsangeboten von Venionaire Capital, unter dem Titel „Hacking Fundraising„, welches seit gestern online ist. Wir mussten das Rad nicht neu erfinden, dennoch kostete die Produktion des Video-Materials und der Downloads mehr Zeit als wir uns ursprünglich dachten.

Wir stellen Gründern ein DIY (do-it-yourself) Kit für Fundraising bestehend aus einer Toolbox (Downloads) zur Verfügung die u.a. 300 Investoren (Status Liste) und einen Videokurs enthält. Der Kurs hilft typische Fehler im Fundraising zu vermeiden und wertvolle Zeit zu sparen wenn man sich auf die Ansprache von Investoren vorbereitet bzw. mit diesen bereits in oberflächlichen Verhandlungen steckt. Der Kurs ersetzt keine professionelle Begleitung eines Prozesses, erhöht aber sicherlich die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss eines Deals. Know-how und Erfahrung ist in diesem Bereich nicht zu unterschätzen.

100 Startups – Made in Austria

Eine weitere Initiative die ich aktuell mit viel Herzblut unterstütze ist das Buch „100 Startups – Made in Austria“. Hier wählt die Startup Community 100 Startups die in einem englischsprachigen Buch von Home Town Media (Maggie Childs) in Interviews ihre Geschichte erzählen dürfen. Das Buch wird dank einer Kooperation mit go-international in allen Außenhandelsstellen der WKÖ aufliegen und international sehr viel Sichtbarkeit erzeugen. Wir haben großartige Gründer und Startups, mit fantastischen und bewegenden Geschichten die wir erzählen müssen.

Der Startup-Standort hat darüber hinaus in Sachen Ökosystem viel zu bieten und wir werden natürlich auch über die wichtigsten Player schreiben. So ein Projekt ist ein kleines Mammut – aber es macht auch Spaß und dank Partnern wie dem Science Park Graz, der Wirtschaftsagentur Wien, derBrutkasten, European Super Angels Club und vielen mehr verteilt sich die Last auf verschiedene Schultern. Schön zu sehen, dass wir im Ökosystem an einem Strang zeihen wenn es darauf ankommt.

Tech – Made in Europe

Eine weitere Initiative die in der Krise entstanden ist und dank der freundlichen Unterstützung von Felix Häusler – dem Gründer von www.grape.io – schnell umgesetzt werden konnte ist „TECH – MADE in EUROPE“ eine offene App die europäischen Softwarelösungen als Alternative zu internationalen Riesen positioniert.

In einem Interview mit Business Angels Europe (BAE) habe ich kürzlich erklärt, warum es wichtig ist das wir aktuell auf unsere „eigenen“ Lösungen vertrauen und nicht immer gleich internationale Services nutzen. Jeder Euro Umsatz hilft heute Arbeitsplätze zu erhalten und die Krise damit aktiv abzumildern. Man muss dabei nicht einmal große Abstriche machen – Lösungen aus Europa können sich wirklich sehen sehen lassen und müssen sich im direkten Vergleich nicht verstecken, auch wenn die Konkurrenz Milliarden wert ist.

Kopf hoch – gemeinsam schaffen wir das!

Wenn das Marktumfeld schwierig wird, kann man laut um Hilfe rufen – oder die Ärmel aufkrempeln und selbst Lösungen suchen. Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Wir werden nach der Krise wissen, wer unsere Freunde sind, welche Firmen bzw. Unternehmer bereit waren eine Extra-Meile zu gehen und mit einem Blick zurück wissen welche Entscheidungen besser gewesen wären. Wenn wir aber nichts versuchen, dann fahren wir mit Sicherheit an die Wand. Darauf hab ich keinen Bock und ich werde unermüdlich versuchen so vielen wie möglich zu helfen, die bereit sind an Lösungen zu arbeiten.

Neues Buchprojekt: 100 Startups – Made in Austria

Es freut mich ganz besonders, dass mein neues Buchprojekt gemeinsam mit Florian Kandler und dem Verlag Hometown Media in Umsetzung geht. Unter dem Titel „100 Startups – Made in Austria“ werden wir Gründergeschichten von 100 Startups beleuchten, die ihren Weg machen. Wir werden von zukünftige Hidden Champions, von Deep-Tech bis zu digitalen Wettbewerbern in kurzen Fakten Checks und Interviews vorstellen. Das Buch selbst wird global beworben, an ausgewählte VCs in ganz Europa versandt. Die Community selbst wählt aus einer Liste von rund 200 Startups, welche 100 Unternehmen für das Buch eingeladen werden sollen.

Hintergrund zum Buch

Die Idee zu „100 Startups – Made in Austria“, entstand gemeinsam mit dem Verlag Home Town Media. Es ist handelt sich bis zu einem bestimmten Grad um eine englischsprachige Fortführung des früheren Buch-Projekts „Erfolgsgründer: Made in Austria“ von Berthold Baurek-Karlic, Fabian Greiler und Helmut Pöllinger (November 2014) Taschenbuch. Der Aufbau des Buchs wird etwas verändert und soll für den Leser dadurch noch interessanter werden. Das Ziel ist international mehr Aufmerksamkeit auf das gewachsene Ökosystem in Österreich zu lenken. Unser neues Buch baut auf dem rund 6 Jahre alten Buchprojekt Erfolgsgründer auf. Es wird sich aber in wesentlichen Punkten unterscheiden. Die Community selbst wird diesmal entscheiden, wer für ein Interview in dem Buch eingeladen wird. Gemeinsam mit Florian Kandler haben wir ein paar sog. growth-hacks entwickelt, die den Startups viel Reichweite abseits vom Buch selbst bringen sollen. Viel zu oft, leiden heimische Startups darunter international zu wenig Sichtbarkeit zu bekommen, wie aufmerksame Leser bereits in meinen letzten Beiträgen auf diesem Blog gelesen haben.

Welche 100 Startups sollen ins Buch?

Auf der Landing-Page zum Buch kann man seit heute für seine Favoriten abstimmen. Die Stimmenabgabe ist einmal täglich möglich. Das österreichische Startup Ökosystem hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben sich mehr und mehr innovative Unternehmer und Investoren gefunden, die etwas verändern wollten. Erste internationale Erfolge waren als Bestätigung dieses Wegs wichtig.

Mittlerweile lesen wir regelmäßig von internationalen Größen, die in heimische Startups investieren. Der Austrian Startup Monitor 2019 belegte in Zahlen, wie groß der Wirtschaftsfaktor Startups geworden ist. 2.200 Startups wurden seit 2008 gegründet, wovon 9 von 10 Mitarbeiter angewachsen sind und laufend neue Arbeitsplätze geschaffen haben. In Summe arbeiteten rund 17.500 Menschen in österreichischen Startups. Finanziert wurden startups zu 52% mit Wachstumskapital. Bemerkenswert ist das 90% der Startups bereits Ende 2019 Umsätze im Ausland verbuchten und somit die DNA möglicher zukünftiger Hidden Champions in sich tragen.

Der mehrfache Unternehmensgründer und Co-Autor des Buchs, Florian Kandler unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Erfolgreiche Unternehmen wissen oft gar nicht, wie stark ihre Geschichte einen indirekten Einfluss auf unsere Wirtschaft übt. Jedes Mal wenn sie ihr Wissen und ihre Story mit Jungunternehmern und der Community teilen, passiert in den Köpfen der Zuhörer etwas. Es sind Stories, die Menschen zum Unternehmertum bringen und Wissen, das der nächste Generation von GründerInnen auf ihrem unternehmerischen Weg hilft.“. Florian lernte 2011 als er im Silicon Valley lebte, wie wertvoll es ist wenn erfahrene Unternehmer Wissen mit einem teilen. Er propagiert seither die #PayItForward Geisteshaltung und geht selbst mit gutem Beispiel voran, wie Freunde seine Podcasts „Gründer und Zünder“ oder Leser des Austrian Startup Monitors, oder seines Buches „Business Angels vs. Business Devils“ wissen.


Margaret Childs, ist in der Startup-Szene seit Jahren sehr aktiv und war als Verlegerin perfekt. Als Gründerin des englisch sprachigen Magazins und der zugehörigen Online-Platform „Metropole“ blickt sie regelmäßig hinter die Kulissen der Bundeshauptstadt Wien und teilt wissenswertes über alles was sich in Österreich tut. Zu ihren Lesern zählt eine internationale Community – sogenannte Expats. Corporate Publishing ist neben dem Magazin ein wesentlicher Teil ihres Geschäfts geworden und somit hat sie das Buchprojekt initiiert von Florian Kandler und Berthold Baurek-Karlic sofort angesprochen. „Wir wollen das Bewusstsein für Startups – Made in Austria schärfen. Es gibt großartige Erfinder und Gründer in Österreich, diese sind aber häufig in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Die Pandemie hat uns aufgezeigt, dass wir diesen Produkten, Services und Europäischen Alternativen zu internationalen Tech-Riesen mehr Beachtung schenken müssen.“.

Du willst unser Projekt unterstützen? Der Vorverkauf ist eröffnet, die beste Unterstützung ist eine Ausgabe unserer Hardcover „Special Edition“ vorab zu bestellen -> siehe Infoseite 100 Startups – Made in Austria.

Tech – Made in Austria – wichtiger den je!

Was ist eigentlich los mit uns Österreichern? Wir sind doch nicht ohne Hausverstand auf die Welt gekommen. In ökonomischen Fragen setzt dieser dennoch regelmäßig viel zu oft aus. Wenn wir als Nation halbwegs unbeschadet aus der Krise kommen wollen, müssen wir zusammenrücken und müssen mehr den je Zusammenarbeiten. Jeder kann helfen, in dem etwas mehr Sensibilität für regionale Produkte, Services und Dienstleistungen aufgebracht wird. Ein klein wenig gesunder Patriotismus ist heute angebracht, keine Aufrufe zum Klassenkampf á la „Millionärssteuer“. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass es maximal im Bundeshaushalt (wo letztes Jahr mehr als EUR 190 Mrd. Ausgaben verbucht wurden), das Potenzial für Einsparungen lege, wobei (realistisch) Einsparungen hier wohl ebenfalls kaum rasch umsetzbar sind. Was bleibt, ist die Wirtschaft anzukurbeln, die Beschäftigung nach oben zu bekommen und damit wiederum Steuereinnahmen in den nächsten Jahren.

Nachbars Rasen ist grüner

Jede Woche lese ich auf Facebook, LinkedIN in Beiträgen, wo sich Menschen echauffieren über die reichsten Milliardäre der Welt, wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg und ihre Konzerne wie Amazon, Microsoft und Facebook. Zu reich und zu mächtig sind sie alle samt geworden. In der Welt der Technologie-Riesen spielen wir Österreicher bzw. Europäer nicht mit, aber gestohlen wurde uns auch nichts. Wir haben hier schlicht eine Welle verschlafen. Warum eigentlich? Österreich ist doch ein Land mit weltweit erfolgreichen Unternehmen (siehe Leitbetriebe Österreich). Weit über 200 Hidden Champions (gem. EU Definition), setzen bis heute nicht nur in einer Branche Standards. Darauf dürfen wir stolz sein. Das Geschäft mit Bits & Bytes kann bei uns ebenfalls funktionieren, aber wir müssen darauf vertrauen und in unsere Hidden Champions von morgen investieren. Raunzen bringt uns nicht weiter. Jeder Konsument kann in diesem Bereich, als Kunde, mit einem Investment in heimische Lösungen helfen. Digitalisierung ist eine riesen Chance für den Standort, das Thema gehört weder den Amerikanern noch den Chinesen.

Dornröschen wach auf

Europa hat vieles verschlafen. Das Bewusst sein das wir in totale Abhängigkeit geschlittert sind haben in den letzten Wochen wirklich alle hautnah mitbekommen. Im Shock – nach 40 Jahren fehlgesteuerter Politik – jegliche Produktion nach Hause zu holen, halte ich für überzogen. Die Globalisierung werden wir nicht Rückabwickeln können. Eine Zeitreise in die Vergangenheit und ein wieder herbei sehnen der Industrialisierung wäre ein Rückschritt, abgesehen davon das es unrealistisch ist dies kurzfristig unter Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit zu bewerkstelligen. Es würde schon reichen, wenn wir bei regionalen Onlineshops kaufen, statt bei Amazon, wenn wir Kommunikationslösungen wie Grape (aus Wien), statt Slack, Videotelefonie von Eyeson (aus Graz) statt Zoom, Webinare mit courseticket.com statt über gotowebinar anbieten.

Wenn wir auf E-Commerce, Software und Kommunikationssektor schauen, sieht es fast so aus als ob es keine Alternativen zu US Lösungen gebe. Das ist aber ein Irrtum, ich habe selbst bewusst vor vielen Jahren begonnen in die meisten der oben genannten Firmen investiert weil ich keine Abhängigkeit internationaler Tech-Konzerne in diesem Bereich haben wollte. In der Breite sind diese Lösungen noch viel zu unbekannt, das wird sich aber ändern – wenn wir alle etwas sensibler darauf achten welche Lösungen wir einsetzen. Es gibt immer noch Branchen (wie z.B. Apotheken) die das Internet gerne verbieten würden, der Online-Handel wird dort – trotz Angeboten aus ihren eigenen Reihen, wie Beavit.at – noch als feindlich betrachtet. Diese Abwehrhaltung hat dazu geführt das Schweizer, Tschechische und Holländische Online-Apotheken einen Siegeszug starten konnten und in Österreich täglich weitere Marktanteile abknabbern. Wachen wir hier auch erst auf, wenn es zu spät ist? Die Taxi Innung hat hundert tausende Euro in Klagen gegen UBER investiert, statt eine vernünftige Branchenlösung auf den Markt zu bringen, die dem Kunden, vergleichbare Vorteile gebracht hätte. Mit welchem Erfolg? Warum können wir uns so schlecht mit einem Online-Business anfreunden? Warum unterstützen und motivieren wir nicht heimische Unternehmen in diesen Bereich hineinzuwachsen?

Ich habe die Hoffnung, dass Europa – unser Dornröschen – in Sachen Digitalisierung in durch die Krise ein klein wenig aufgewacht ist. Die Corona-Pandemie zwang auch den letzten Verweigerer zur Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Bereits Jahre zuvor wurden Förderungen und Initiativen für mehr Risikokapital in Europa vorangetrieben, sie zeigten aber nur schleppend Wirkung – wenn wir das Ausmaß der globalen Transformation der Wirtschaft betrachten. Es haben sich vor allem “Insider” mit der Materie beschäftigt und kleine Erfolge gefeiert, aber von einer breiten Bewegung sind wir noch weit entfernt. Meines Erachtens sollte es große steuerliche Anreize (etwa Freibeträge) geben, die Milliarden für eine Aufholjagt auf diesem Sektor entfesseln.

Mangels kurzfristig zu erwartender Erfolge, waren bisher Politik und Konzern-Vorstände mit echten Investitionen (weil zuviel „Risiko“) in Zukunftstechnologien bisher zu verhalten. Nehmen wir die Raiffeisen Bank International, das einzige Bankhaus in Österreich das einen Corporate Venture Fonds aufgelegt hat, mit EUR 15 Millionen. Der Größe des Konzerns wären EUR 150 Millionen. im europäischen Vergleich und EUR 500 Millionen im internationalen Vergleich angemessen gewesen. Der erste Schritt wurde hier aber wenigstens gesetzt, wo sind die übrigen Banken und Pensionskassen? Wenn Finanzinstitute nicht in die Zukunft unseres Standorts investieren, wer dann?

Einzelne Erfolge gab es im Startup Sektor natürlich – auch auf unserem Kontinenten – trotz angezogener Handbremse. Sie haben als Leuchttürme gezeigt was möglich ist. Die stiefmütterliche Sicht auf Innovation, muss heute ein Ende haben. Mit angezogener Handbremse ist kein Rennen zu gewinnen, und Krisen sind nicht zuletzt ein Motor für Innovation. Sie treffen uns außerhalb der Komfortzone, wo wir mit mutigen Schritten entgegnen können.

Nicht blenden lassen

Opportunisten gibt es immer. Sie vertreten die Ansicht, dass wir gut aufgestellt sind in Europa ohne dabei zuviel in Fakten einzutauchen. Der einfältige Verweis auf erste Unicorns tut weh. Es gibt natürlich Beispiele aus Europa die es in die Weltelite der Tech-Startups geschafft haben, der globale Anteil dieser ist aber verschwindend gering und bei weitem nicht der wirtschaftlichen Position von Europa in der Welt angemessen. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, nicht alles was glänzt ist Gold. Man darf sich nicht täuschen lassen. Man muss schon auch hinterfragen warum, wer Erfolg gehabt hat und versuchen daraus zu lernen.

Meistens findet man internationale DNA, hinter den erfolgreichsten Startups. Die Gründer hätten es wahrscheinlich überall geschafft – so eben auch sogar aus Europa heraus. Europäische Investoren glänzen zu meist mit schnellen Exits, man verkauft bevor man ein nachhaltiges Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Wir sind so zum Weltmeister im Export von Talenten und Technologien geworden. Schauen wir auf ein erfolgreiches Unternehmen mit internationaler Beteiligung – N26 (die ausgewanderten Österreicher), die aus Berlin heraus ein Unicorn gebaut haben. Die Mittel und die Unterstützung (abgesehen von den Business Angels erster Stunde, die sehr schnell herausgekauft wurden), kamen maßgeblich vom US Investor Peter Thiel, sowie u.a. den chinesischen Technologieriesen HorizonX und Tencent. Warum waren nicht von Anfang an auch große Europäer dabei? Ich kann mir nur auf den Kopf greifen, wenn heimische Politiker diese Erfolgsgeschichte für sich verbuchen wollen, der Beitrag war hier (leider) minimal – ich hätte hier gerne stärkeres Engagement europäischer Investoren gesehen und frage mich, wie solche Stories angesichts des kolportierten Investionskontrollgesetzes zu wiederholen sind.

Wir müssen Umdenken

Ja, wir müssen umdenken. Es muss ja nicht gleich “Silicon-Valley-Mindset“ sein. Man muss nicht gleich den Anzug an den Nagel hängen und ab morgen mit Jeans, Holzfäller-Hemd, Hoodie und langem Bart – ganz im Stil eines Hipsters – ins Büro gehen. Veränderung passiert von innen. Es reicht schon wenn wir ein klein wenig mehr Hausverstand in Wirtschaftsfragen einfließen lassen und akzeptieren die Digitalisierung als Chance zu sehen. Wenn wir ein klein wenig mehr Mitdenken, hinterfragen, lernen und zusammenhalten, haben wir bereits ein Rezept zum Erfolg.

In Österreich verwechseln wir gerne Solidarität mit Vollkasko-Versicherung. Wir fordern viel zu schnell vom Staat ein Probleme für uns zu lösen. Was wäre wenn, wir selbst Teil der Aufholjagd werden? Was wäre wenn wir wieder stolz werden auf “Made in Austria” oder “Made in Europe” und unser Land gemeinsam wieder aufpäppeln?

Wie? Ganz einfach, Computer auf, Google an und lernen, oder als Konsumenten (inkl. Staat, Land, Gemeinde und Kammern als Vorbilder) mit überlegten Kaufentscheidungen. Wir entscheiden selbst, wo wir uns sauer verdientes Geld ausgeben. Wir entscheiden, ob das Geld in Österreich arbeitet und damit im Wirtschaftskreislauf kommt – oder ob wir es ins Ausland schicken und die reichsten Milliardäre noch mehr füttern. Ein klein wenig Patriotismus ist heute angebracht, ich denke sogar das wir eine Pflicht dazu haben.

Wenn wir nicht begreifen und im kleinen beginnen umzudenken, werden wir Schritt für Schritt in Richtung Planwirtschaft gehen, oder gar einen Staatsbankrott heraufbeschwören. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft verschwinden, wenn Unternehmen verschwinden. Der Staat als Arbeitgeber alleine wird hier nicht helfen.

Change beginnt beim Kopf

In einem Unternehmen, genauso wie in einem Staat, ist es wichtig das die Führungsspitze einen Change-Prozess einläutet und trägt. Es ist wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen. Impulse aus der Masse, kann man nur erwarten, wenn man einen Weg selbst vorlebt (außer man legt es auf eine Revolution an). In Österreich haben wir genau in diesem Punkt bisweilen ein veritables Problem. Die vorgelebten Beispiele von Oben fehlen. Die Wirtschaftskammer, Ministerien, Schulen und Krankenhäuser kaufen – leider – eine Flut an Produkten, Services und Dienstleistungen aus dem Ausland (Microsoft & Co.), obwohl es heimische Anbieter gebe die international durchaus erfolgreich sind. Aus meiner Sicht ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Unternehmer. Man bedenke das hier Gelder aus Kammerbeiträgen genutzt werden, um Konkurrenz aus dem Ausland zu finanzieren. Gerade in der Krise wurden Unternehmer an den Rand der Gesellschaft gedrückt, zu Bittstellern gemacht, in dieser Phase zählen Umsätze mehr den je. Wenn wir uns schon darauf verständigen den Konjunkturmotor anzuwerfen, dann bitte mit Signalwirkung!

Wie kommen wir aus der Krise?

In der letzten Woche ist, nach dem European Venture Sentiment Index, nun auch der ausführliche Venture Sentiment Bericht der Deutschen Börse erschienen. Die Berichte kommen zum selben Ergebnis, die Stimmung der Venture Investoren fällt ab. Beide Berichte zeigen klare Trends auf und sollten uns durchaus zum Nachdenken bringen. Investoren würden eher im eigenen Portfolio helfen, frisches Kapital für neue Investments, wird aber sehr viel restriktiver vergeben werden. Rund ein Viertel der Startups könnte Existenz bedroht sein.

In unserem westlichen Nachbarland – der Schweiz – kämpfen Nikolas Berg und viele weitere prominente Vertreter der dortigen Startup Community, um einen staatlichen Venture Capital Fonds der Investments privater Investoren bzw. privater Fonds verdoppelt. In Österreich wurde mit dem Corona Hilfsfonds bereits ein solches Modell vorgestellt, die Ausschreibung des Corona Venture Fonds-Managements lässt aber noch auf sich warten.

Weniger neue Investments

Nur wenige Investoren machen aktuell “business as usual” und sind bereit mitten in der Krise Deals abzuschließen – die die Innovationskraft eines Standorts birgt das große Gefahren. 78% der Investoren sehen ihr Portfolio von der Pandemie betroffen. 82,8% haben angegeben, dass sie mehr „Energie“ als üblich auf bestehende Beteiligungen konzentrieren. Neue Investitionen werden eher in Form von “Cherry Picking” erfolgen, erwartungsgemäß zu günstigen Bewertungen, in Erwägung gezogen. Die Vorschau des European Venture Sentiment Index fiel ebenfalls negativ aus – in wieweit die jeweiligen Startup-Rettungsschirme das Sentiment nächstes Quartal abfangen können steht noch in den Sternen.

Soweit so klar. Das Stimmungsbild bestätigt sich laufend – was tun wir aber eigentlich um wieder aus der Krise zu kommen? Lasst uns mal konkrete über Maßnahmen nachdenken und ein Stimmungsbild hierzu zeichnen. Was brauchen Startups wirklich? Greifen die bisherigen Maßnahmen ausreichend? Wie stehen die Chancen unserer Startups nach der Krise?

Greifen aktuelle Hilfsprogramme?

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Informationen zu Hilfsprogrammen?

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Startups brauchen derzeit wirklich?

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Der Innovations- Startup-Standort braucht mehr Sichtbarkeit und Attraktivität

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Wie schnell brauchen Startups eine Lösung?

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Ich würde mir eine stärkere Einbindung von Experten wünschen:

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Der Startup Beauftragte (Michael Altrichter) vertritt meine Interessen:

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Das Krisenmanagement der Regierung in Bezug auf Startups beurteile ich aktuell mit:

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Österreichs Startup Rettungsschirm – „Austrian Runway Fund“

Ein Massensterben der Innovationstreiber Österreichs, der Startups, ist nicht im Interesse der Politik und dringend notwendige Maßnahmen für diesen Sektor wurden letzte Woche vorgestellt. Wir wissen ja, dass das Sentiment der Investoren im Moment einem Abwärtstrend unterliegt und das Startups dringend Kapital benötigen, um zumindest stabilisiert durch die Krise zu kommen.

Letzte Woche wurde Österreichs Rettungsschirm für Startups vorgestellt. Die Politik holte bereits vor ein paar Wochen Konzepte diverser Interssensvertretungen (AAIA, AVCO, WKÖ) und des Think Tanks Austrianstartups ein. Ich habe hier natürlich gerne tatkräftig mitgearbeitet. Der Corona Hilfsfonds (eine Art Zuschuss der AWS für Investmentrunden) und der Corona Venture Fonds, dessen Management nun ausgeschrieben wird, bilden den Kern des Pakets. Was muss der Fonds können, um volle Wirkung zu entfalten?

Corona Venture Fonds – „Austrian Runway Fund“

Im Zuge der Sondierung geeigneter Lösungen wurde der in Großbritannien geforderte „Runway Fund“ unseren politischen Entscheidungsträgern – als best-practice – vorgeschlagen. Das britische Vorbild basiert auf einer Forderung der gewichtigen Londoner Ökosystem Vertreter, wartet aber bis heute auf seine Umsetzung. Der „Austrian Runway Fund“ (wie ich „unseren“ Corona Venture Fund jetzt nenne), ist in der Idee und in Anlehnung an diesen Ansatz vollkommen richtig. Ich frage mich aber, ob man das „britische Modell“ bei uns eins zu eins abbildbar ist?

Im britischen Modell ist vorgesehen, dass „Convertible Debt“, also Wandeldarlehen oder Wandelanleihen, gewerblich investiert wird. In unseren Breitengraden ist hier ein juristischer Seiltanz oder gar Kampf vorprogrammiert, da man hier leicht ins Bankwesengesetz (BWG) rutscht und somit der Fondsmanager eine Banklizenz bräuchte – was wohl nicht im Sinne der Erfinder ist. Venture Capital Fonds sind strickt Eigenkapital Investments bzw. Instrumente vorbehalten!

Der angedachte Venture Fonds soll in atemberaubender Geschwindigkeit (angestrebt werden nur wenige Wochen) von privaten Investoren befüllt werden. Diese Investoren erhalten als Anreiz eine bis zu 50%ige Garantie der Republik für ihr Kapital. Während mir führende Marktteilnehmer letzte Woche mitteilten, dass es für sie schwierig werden würde, das Kapital in der nötigen Zeit aufzustellen – sie sind wohl in stärker betroffenen Investoren-Zielgruppen unterwegs – trudelten bei uns erste Anfragen nach einem Investment in einen solchen Fonds ein. Investoren kamen (pro-aktiv) auf uns zu. Wir mögen uns für das Management des Fonds bewerben, so der einheitliche Tenor – was uns natürlich ehrt. Wir hatten es aber auch vor, das sei hier ganz offen gesagt.

Wir nehmen uns dieser Aufgabe mit bedacht an und haben bereits mit den Vorbereitungen begonnen, soweit es möglich ist. Wie der Fonds letztlich ausgeschrieben wird, das werden wir erst nächste Woche erfahren. Wir rechnen jedenfalls mit Anpassungen zu dem kolportierten britischen Modell, bedingt durch vorgegebene Rechtsnormen. Die Ziele des Fonds sind jedoch klar:

1.) Es soll in jene Startups investiert werden, die bereits vor der Krise eine Runde am Weg hatten,
2.) mit dem Ziel schnell zu agieren und
3.) in Form von dringend benötigtem Eigenkapital.

Gemeinsam mit meinen Experten bei Venionaire Capital habe ich ein Konzept ausgegraben, welches in Landes- und Beteiligungsverwaltungen der Bundesländer altbekannt und bewährt ist. Es handelt sich um einen „Equity Mezzanin“ Ansatz, welcher es uns erlauben würde im Eilverfahren – in enger Zusammenarbeit mit großen Partnern – eine Vielzahl von Investments nach einem Standardverfahren zu evaluieren und zu standardisierten Bedingungen zu investieren. Binnen wenigen Wochen könnten wir so 50 bis 100 Investments in Form von Eigenkapital machen und würden Investoren und Steuerzahlern eine gute Ertragschance im Fonds gewähren. Das Risiko, dass die staatliche Haftung schlagend wird, kann einerseits durch die breite Streuung, aber auch durch die Wahl dieses Instruments stark reduziert werden. Startups würden darüber hinaus über ihre Hausbank zusätzlich Zugang zu den staatlich garantierten Finanzierungen erhalten, da das zusätzliche Eigenkapital beim Erreichen der URG Kriterien sofort helfen wird. Das Investment des Fonds wäre damit sofort ein vielfaches Wert. Der Fonds selbst könnte in unserem Ansatz im übrigen auch binnen einer Woche aufgesetzt werden und bei der FMA zur Registierung gebracht werden.

Startups würden durch unseren Lösungsansatz ihre wertvollen Talente an Board halten, Technologien, Produkte, Services weiterentwickeln und letztlich an einem soliden Weg aus der Krise arbeiten, können.

Schulterschluss der Community erforderlich

Wir sind uns bewusst, dass es für dieses Instrument einen Schulterschluss der heimischen Startup-Szene brauchen wird. Keine leichte Übung, ob der verschiedenen Machtgefüge und Interessenlagen. Ich bin dafür, jetzt zusammen zu arbeiten und an einem Strang zu zeihen. Wir wollen möglichst viele Stakeholder, aus allen wesentlichen Hubs in Österreich – von Tirol bis Wien – an Board haben. Das Angebot zur Kooperation ist draußen und wir haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Wir sind zuversichtlich eingestellt, dass dieser Schulterschluss gelingen kann. In unserem Ansatz wollen wir jedenfalls einer breiten Gruppe von Marktteilnehmern ein Stück weit Kontrolle und Einsicht gewähren, da alle die Gewissheit haben müssen das Gelder fair, gerecht und auch nachhaltig investiert werden. Wir sind nicht die größten, auch nicht die stärksten und mit Sicherheit nicht die lautesten Marktteilnehmer, aber wir stehen für Fairness, Offenheit und Transparenz bei Venionaire.

Die ersten Rettungspakete halfen nur beschränkt – das Angebot des Corona Rettungsschirms bzw. des „Austrian Runway Funds“ ist eine riesen Chance dem Ökosystem den bitter notwendigen Rückhalt zu geben. URG Kriterien standen mangels ausreichend starker Eigenkapitalquoten als häufigster Ausschlussgrund in der Kritik. Ein schnelles und wirksames Eigenkapital-Instrument kann unglaublich positive Wirkung entfalten.

Wer unseren Weg unterstützt, oder weitere Ideen hat – die wir gerne soweit möglich berücksichtigen – bitte auf LinkedIN kommentieren!

Pleiten, Chinesen und Protektionismus

Die Virusepidemie beschert uns mehr und mehr das Risiko einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Der Goldpreis steigt, Investoren suchen einen sicheren Hafen. Der Ölpreis ist in den Keller gefallen, reduzierte Fördermengen waren die Folge. Die Gemüter in Middle-East sind erhitzt. In Europa ist das Klima nicht minder angespannt. Italien und der Rest der EU spüren die Folgen der Pandemie haut nah. Wir leben in Quarantäne, Home-Office wurde verordnet für Wochen – das neue Hashtag #quarantanamo spricht für sich. In Deutschland legt eine Rechtsanwältin bereits ihre Zulassung zurück, weil sie den Rechtsstaat für gestorben erachtet, auch hierzulande diskutieren Experten in Diskussionsrunden über die teils massiven Eingriffe in unsere Freiheit – der einfache Bürger ist längst überfordert. Juristen bringen immer häufiger die Frage der Verhältnismäßigkeit auf. In einem Punkt sind wir uns alle (hoffentlich) immer noch einig: Kein Preis den wir als Volkswirtschaft zahlen, kann den Wert der geretteten Menschenleben übersteigen. Wir erleben eine Ausnahmesituation!

Überlegt und vorausschauend handeln müssen wir dennoch. Die Nerven wegwerfen, hilft nicht. Gemeinsam schaffen wir das. Als Unternehmer muss ich eine Lanze für unsere Wirtschaft brechen. Wir befördern diese gerade geschlossen auf die Intensivstation und schauen nicht richtig hin! Analog zu Krankenhäusern, sind auch hier die Kapazitäten beschränkt. Wenn zu viele (gute) Firmen gleichzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geraten, werden wir eine Kettenreaktion sehen und reihenweise Pleiten sehen. Es drohen explodierende Arbeitslosenzahlen, die Abwanderung von Talenten und der Verlust von wertvollem Know-How auf dem unser Wohlstand aufbaut, ist die Folge. Wenn zu viele Firmen ans Beatmungsgerät – also Liquidität – müssen, um zu überleben, dann stellt sich schnell die Frage wer überleben darf und wer nicht? Einige werden aus der Insolvenz vielleicht wiederbelebt, aber sicher nicht alle, Insolvenzen sind generell in unserem Rechtsstaat niemandem zu wünschen.

Freundliche Investoren, so genannte White-Knights, Business Angels, Venture Fonds oder klassische Private Equity Fonds, werden bei weitem nicht der Aufgabe gewachsen sein – es gibt einfach nicht genügend davon in unseren Breitengraden. Deren Lust zu investieren schwindet auch (siehe Grafik 1) Was können wir – Konsumenten, Unternehmer, Bürger – tun? Wie werden wir Teil der Lösung? Entscheidungsträger und Experten versuchen alles – der Staat ist aber keine Vollkaskoversicherung. Es wird reagiert so gut es geht, naturgemäß bleiben aber Antworten auf brennende Fragen der Unternehmer aus und sie haben viele Sorgen dieser Tage.

Grafik 1 – Quelle: www.venionaire.com

Verblüffend, eine Pandemie ist kein Schwarzer Schwan, sagen die Ökonomen. Wir mussten tragischer Weise damit rechnen. Dennoch wurden wir überrascht. Haben wir uns zu wenige Gedanken über Krisenszenarios gemacht? Wie konnte das passieren? In Europa droht nicht nur ein starker Einschnitt in unseren komfortablen Wohlstand, es steht auch unsere Innovationskraft und damit die Zukunftssicherung unserer Volkswirtschaft auf dem Spiel. Firmen brauchen jetzt schnelle, unbürokratische Unterstützung. Liquidität und Stabilität, müssen sichergestellt werden, sonst fallen wir um Jahrzehnte zurück.

Wer die Krise als Chance sieht und angreift, etwa mit Staatsfonds (z.B. aus China), der kann aus so einer Krise massiv Kapital schlagen. Es ist keine beliebte Strategie, aber wenn man selbst die Chance ziehen lässt darf man sich meines Erachtens auch nicht beschweren. „Protektionismus“ – also das beschränken ausländischer Investitionen – erscheint als Reaktion eines Staates nur all zu logisch. Den Firmen hilft aber das Aussperren der Investoren nicht, es schützt in erster Linie staatliche und somit strategische Interessen, die wirtschaft braucht am Ende alternative Zugänge zur Finanzierung. Die EU hat entsprechende Verordnungen zu Investitionskontrolle bereits seit längerem in Umsetzung, in Deutschland und Frankreich wurden 2018 und 2019 entsprechende Gesetze erlassen und weitere Staaten ziehen langsam nach. Bisher wurden die Gesetze noch kaum exekutiert – ändert sich das nun? Die Gefahr dieser Gesetze ist, dass sie zu einem Boomerang werden. In Europa haben wir einen viel zu schwachen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektor, wir können uns eigentlich gar nicht leisten ausländische Investoren auszusperren. Wir würden mit nur wenigen Alternativen da stehen und Betriebe erst recht in die Pleite schicken.

40 Jahre zuspät für Protektionismus

Wer mich kennt weiß, dass ich seit vielen Jahren kritisiere das wir über Jahrzehnte viel zu leichtfertig über den Ausverkauf unserer mittelständischen Unternehmen hinweg gesehen haben. Schulter zuckend haben wir zur Kenntnis genommen, wenn Flaggschiffe der Mittelstandsindustrie von Chinesen gekauft wurden. Wir haben viel zu häufig bei Exits von Startups und deren Abwanderung ins Ausland gejubelt und Investoren für diese Erfolge gefeiert. In diesen Momenten hatten wir genaugenommen Steuergelder und Innovationskraft verloren – eher traurig, wenn man drüber nachdenkt. Wir hätten uns aber fragen müssen warum kein Europäer solche Firmen kauft? Ein wenig Ärger, zur rechten Zeit, hätte uns vielleicht wach gerüttelt und eine wichtige Erkenntnis gebracht. Wir hätten immer schon einen funktionierenden Private Equity Markt gebraucht. Gerade jetzt noch viel mehr als jemals zuvor. Private Equity kann die Intensivstation für unsere Wirtschaft sein.

In schmerzlicher Erinnerung sind mir noch zu gut die Milliardenübernahme des österreichischen Automobilzulieferers ZKW durch LG-Automotive (Süd Korea), Mitte 2018, im selben Jahr wurde Wolford aus Vorarlberg verkauft. Bereits 2009 ist der staatliche chinesische Luftfahrtkonzern AVIC beim Oberösterreischen High-Tech Unternehmen FACC maßgeblich eingestiegen. Die Liste der Unternehmen mit signifikanter chinesischer Beteiligung in Österreich ist sehr lang, sie reicht von C-Quadrat, über Steyr Motors, Rosenberger, bis zu Palfinger, oder der ehem. Hypo oder auch Raiffeisen Vorarlberg. Würde man Eigentümer aus Indien, den USA oder UK hinzufügen bzw. Abwanderungen von Startups ergänzen, würde die Liste noch viel länger.

Jetzt in der Krise wollen wir plötzlich eine Korrektur einleiten? Etwas zu spät, fürchte ich. Böse Zungen behaupten 40 Jahre zuspät. Vielleicht, besser spät als nie? Wenn wir dem also einen Riegel – ein Investitionskontrollgesetz – vorspannen, wer finanziert unsere Unternehmen dann? Gibt es Doping für den Notarzt Private Equity?

Welche Alternativen haben wir?

Selbst unsere nationalen Fonds sind Sammelbecken internationaler Investoren, größere Summen stemmen wir bislang nicht aus den eigenen Reihen. Für einen Private Equity Manager klingt es im ersten Moment gerade zu verrückt, wenn man verordnet das ausländische Investitionen fortan stärker kontrolliert und allenfalls sogar ausgesperrt werden sollen. Ist es das Aus für Private Equity in Österreich, oder erleben wir einen unerwarteten Aufstieg, eine Heldengeschichte?

Die Regierung hat zweifelsohne erkannt, dass privates Eigenkapital (etwa von Business Angels, Venture Capital oder Private Equity Fonds) wichtiger ist den je – davon bin ich überzeugt. Der Private Equity Markt (inkl. Venture Capital) könnte für institutionelle Investoren leicht attraktiver gemacht werden. Sie verwalten die größten Vermögen Österreichs und könnten mit einen kleinen Anteil davon großes bewirken. Nur 5% ihrer Assets-under-Management würden das verfügbare Private Equity in Österreich mindestens vervielfachen. Bestehende Fonds konnten mit frischem Kapital sofort, mit gegebener regionaler Nähe und Expertise investieren. Sie würden Firmen auffangen und ein gestärktes Wachstum nach der Krise ermöglichen. Der Ausverkauf an internationale Investoren und Staatsfonds wäre damit eingedämmt und die Flut an Patienten auf der Intensivstation bliebe aus.

Anreize für Business Angels wären ebenfalls in Hinblick auf Startups wichtig. Alleine werden sie auch nicht alle auffangen könne, aber ihre Wirkung sollte man auch nicht unterschätzen. Größere Startups, sog. Scaleups (> 30 Mitarbeiter und deutlich über EUR 1m Finanzierung), bräuchten allerdings Investments in der Größenordnung mehrerer Millionen. Diese könnten müssen wiederum durch Fonds – Venture Capital – kommen. Kurzarbeit, das Stunden von Steuern oder Sozialabgabe oder Garantien für Kredite, verschieben bei vielen betroffenen Firmen nur Symptome – 4 Wochen Stillstand, ohne Aussicht auf eine baldige Rückkehr zu einem normalen Marktumfeld hinterlassen ihre Spuren – das hochfahren nach der Krise wird viel Kraft benötigen.

Wir brauchen Mut zu echten Investments

Die Conclusio ist offensichtlich. Was es wirklich bräuchte wäre eine mutige Stärkung des heimischen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektors. Es wäre die einfachste Alternative und würde ein besseres Signal senden als Staatsfonds oder Garantien, die in Konkurrenz zu bestehenden Marktteilnehmern treten. Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren in diesem Sektor, sind direkt, aktiv und mit marktüblichen Gewinnabsichten für den Steuerzahler (als Investor) auch ein Garant dafür, dass das Geld nach 5-10 Jahren mit guten Renditen zurück kommt. Die spezifische Expertise für verschiedene Branchen und Industrien der Fondsmanager und die regionale Nähe wären große Vorteile. Wir haben gute Manager, vertrauen wir ihnen.