Startups brauchen mehr Sichtbarkeit

Als Business Angel muss man in Zeiten der Krise kreativ werden. Startups haben mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen und suchen folglich vermehrt nach frischem Kapital, die Stimmung unter den Investoren ist aber gedämpft was sich in deutlich in verringerter Bereitschaft für neue Investitionen zeigt. Der Wettbewerb um die verbliebenen Investoren ist damit so hoch wie noch nie und der Kampf um jeden zahlenden Kunden umso bedeutender will man überleben. Was also tun? Wird der Staat alle retten? Wohl eher nicht. Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten mit verschiedenen Initiativen die Sichtbarkeit für Startups zu erhöhen und Instrumente für Fundraising zur Verfügung zu stellen.

Hacking Fundraising

Wir können unmöglich alle Projekte betreuen die an uns herangetragen werden. Das haben wir früh erkannt. Im ersten Lock-Down war meine Inbox täglich voll und wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir in dieser Situation helfen können. Die Entscheidung viel auf ein günstiges on-demand Kursprogramm, ergänzend zu bereits bestehenden Online-Beratungsangeboten von Venionaire Capital, unter dem Titel „Hacking Fundraising„, welches seit gestern online ist. Wir mussten das Rad nicht neu erfinden, dennoch kostete die Produktion des Video-Materials und der Downloads mehr Zeit als wir uns ursprünglich dachten.

Wir stellen Gründern ein DIY (do-it-yourself) Kit für Fundraising bestehend aus einer Toolbox (Downloads) zur Verfügung die u.a. 300 Investoren (Status Liste) und einen Videokurs enthält. Der Kurs hilft typische Fehler im Fundraising zu vermeiden und wertvolle Zeit zu sparen wenn man sich auf die Ansprache von Investoren vorbereitet bzw. mit diesen bereits in oberflächlichen Verhandlungen steckt. Der Kurs ersetzt keine professionelle Begleitung eines Prozesses, erhöht aber sicherlich die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss eines Deals. Know-how und Erfahrung ist in diesem Bereich nicht zu unterschätzen.

100 Startups – Made in Austria

Eine weitere Initiative die ich aktuell mit viel Herzblut unterstütze ist das Buch „100 Startups – Made in Austria“. Hier wählt die Startup Community 100 Startups die in einem englischsprachigen Buch von Home Town Media (Maggie Childs) in Interviews ihre Geschichte erzählen dürfen. Das Buch wird dank einer Kooperation mit go-international in allen Außenhandelsstellen der WKÖ aufliegen und international sehr viel Sichtbarkeit erzeugen. Wir haben großartige Gründer und Startups, mit fantastischen und bewegenden Geschichten die wir erzählen müssen.

Der Startup-Standort hat darüber hinaus in Sachen Ökosystem viel zu bieten und wir werden natürlich auch über die wichtigsten Player schreiben. So ein Projekt ist ein kleines Mammut – aber es macht auch Spaß und dank Partnern wie dem Science Park Graz, der Wirtschaftsagentur Wien, derBrutkasten, European Super Angels Club und vielen mehr verteilt sich die Last auf verschiedene Schultern. Schön zu sehen, dass wir im Ökosystem an einem Strang zeihen wenn es darauf ankommt.

Tech – Made in Europe

Eine weitere Initiative die in der Krise entstanden ist und dank der freundlichen Unterstützung von Felix Häusler – dem Gründer von www.grape.io – schnell umgesetzt werden konnte ist „TECH – MADE in EUROPE“ eine offene App die europäischen Softwarelösungen als Alternative zu internationalen Riesen positioniert.

In einem Interview mit Business Angels Europe (BAE) habe ich kürzlich erklärt, warum es wichtig ist das wir aktuell auf unsere „eigenen“ Lösungen vertrauen und nicht immer gleich internationale Services nutzen. Jeder Euro Umsatz hilft heute Arbeitsplätze zu erhalten und die Krise damit aktiv abzumildern. Man muss dabei nicht einmal große Abstriche machen – Lösungen aus Europa können sich wirklich sehen sehen lassen und müssen sich im direkten Vergleich nicht verstecken, auch wenn die Konkurrenz Milliarden wert ist.

Kopf hoch – gemeinsam schaffen wir das!

Wenn das Marktumfeld schwierig wird, kann man laut um Hilfe rufen – oder die Ärmel aufkrempeln und selbst Lösungen suchen. Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Wir werden nach der Krise wissen, wer unsere Freunde sind, welche Firmen bzw. Unternehmer bereit waren eine Extra-Meile zu gehen und mit einem Blick zurück wissen welche Entscheidungen besser gewesen wären. Wenn wir aber nichts versuchen, dann fahren wir mit Sicherheit an die Wand. Darauf hab ich keinen Bock und ich werde unermüdlich versuchen so vielen wie möglich zu helfen, die bereit sind an Lösungen zu arbeiten.

Neues Buchprojekt: 100 Startups – Made in Austria

Es freut mich ganz besonders, dass mein neues Buchprojekt gemeinsam mit Florian Kandler und dem Verlag Hometown Media in Umsetzung geht. Unter dem Titel „100 Startups – Made in Austria“ werden wir Gründergeschichten von 100 Startups beleuchten, die ihren Weg machen. Wir werden von zukünftige Hidden Champions, von Deep-Tech bis zu digitalen Wettbewerbern in kurzen Fakten Checks und Interviews vorstellen. Das Buch selbst wird global beworben, an ausgewählte VCs in ganz Europa versandt. Die Community selbst wählt aus einer Liste von rund 200 Startups, welche 100 Unternehmen für das Buch eingeladen werden sollen.

Hintergrund zum Buch

Die Idee zu „100 Startups – Made in Austria“, entstand gemeinsam mit dem Verlag Home Town Media. Es ist handelt sich bis zu einem bestimmten Grad um eine englischsprachige Fortführung des früheren Buch-Projekts „Erfolgsgründer: Made in Austria“ von Berthold Baurek-Karlic, Fabian Greiler und Helmut Pöllinger (November 2014) Taschenbuch. Der Aufbau des Buchs wird etwas verändert und soll für den Leser dadurch noch interessanter werden. Das Ziel ist international mehr Aufmerksamkeit auf das gewachsene Ökosystem in Österreich zu lenken. Unser neues Buch baut auf dem rund 6 Jahre alten Buchprojekt Erfolgsgründer auf. Es wird sich aber in wesentlichen Punkten unterscheiden. Die Community selbst wird diesmal entscheiden, wer für ein Interview in dem Buch eingeladen wird. Gemeinsam mit Florian Kandler haben wir ein paar sog. growth-hacks entwickelt, die den Startups viel Reichweite abseits vom Buch selbst bringen sollen. Viel zu oft, leiden heimische Startups darunter international zu wenig Sichtbarkeit zu bekommen, wie aufmerksame Leser bereits in meinen letzten Beiträgen auf diesem Blog gelesen haben.

Welche 100 Startups sollen ins Buch?

Auf der Landing-Page zum Buch kann man seit heute für seine Favoriten abstimmen. Die Stimmenabgabe ist einmal täglich möglich. Das österreichische Startup Ökosystem hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben sich mehr und mehr innovative Unternehmer und Investoren gefunden, die etwas verändern wollten. Erste internationale Erfolge waren als Bestätigung dieses Wegs wichtig.

Mittlerweile lesen wir regelmäßig von internationalen Größen, die in heimische Startups investieren. Der Austrian Startup Monitor 2019 belegte in Zahlen, wie groß der Wirtschaftsfaktor Startups geworden ist. 2.200 Startups wurden seit 2008 gegründet, wovon 9 von 10 Mitarbeiter angewachsen sind und laufend neue Arbeitsplätze geschaffen haben. In Summe arbeiteten rund 17.500 Menschen in österreichischen Startups. Finanziert wurden startups zu 52% mit Wachstumskapital. Bemerkenswert ist das 90% der Startups bereits Ende 2019 Umsätze im Ausland verbuchten und somit die DNA möglicher zukünftiger Hidden Champions in sich tragen.

Der mehrfache Unternehmensgründer und Co-Autor des Buchs, Florian Kandler unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Erfolgreiche Unternehmen wissen oft gar nicht, wie stark ihre Geschichte einen indirekten Einfluss auf unsere Wirtschaft übt. Jedes Mal wenn sie ihr Wissen und ihre Story mit Jungunternehmern und der Community teilen, passiert in den Köpfen der Zuhörer etwas. Es sind Stories, die Menschen zum Unternehmertum bringen und Wissen, das der nächste Generation von GründerInnen auf ihrem unternehmerischen Weg hilft.“. Florian lernte 2011 als er im Silicon Valley lebte, wie wertvoll es ist wenn erfahrene Unternehmer Wissen mit einem teilen. Er propagiert seither die #PayItForward Geisteshaltung und geht selbst mit gutem Beispiel voran, wie Freunde seine Podcasts „Gründer und Zünder“ oder Leser des Austrian Startup Monitors, oder seines Buches „Business Angels vs. Business Devils“ wissen.


Margaret Childs, ist in der Startup-Szene seit Jahren sehr aktiv und war als Verlegerin perfekt. Als Gründerin des englisch sprachigen Magazins und der zugehörigen Online-Platform „Metropole“ blickt sie regelmäßig hinter die Kulissen der Bundeshauptstadt Wien und teilt wissenswertes über alles was sich in Österreich tut. Zu ihren Lesern zählt eine internationale Community – sogenannte Expats. Corporate Publishing ist neben dem Magazin ein wesentlicher Teil ihres Geschäfts geworden und somit hat sie das Buchprojekt initiiert von Florian Kandler und Berthold Baurek-Karlic sofort angesprochen. „Wir wollen das Bewusstsein für Startups – Made in Austria schärfen. Es gibt großartige Erfinder und Gründer in Österreich, diese sind aber häufig in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Die Pandemie hat uns aufgezeigt, dass wir diesen Produkten, Services und Europäischen Alternativen zu internationalen Tech-Riesen mehr Beachtung schenken müssen.“.

Du willst unser Projekt unterstützen? Der Vorverkauf ist eröffnet, die beste Unterstützung ist eine Ausgabe unserer Hardcover „Special Edition“ vorab zu bestellen -> siehe Infoseite 100 Startups – Made in Austria.

Tech – Made in Austria – wichtiger den je!

Was ist eigentlich los mit uns Österreichern? Wir sind doch nicht ohne Hausverstand auf die Welt gekommen. In ökonomischen Fragen setzt dieser dennoch regelmäßig viel zu oft aus. Wenn wir als Nation halbwegs unbeschadet aus der Krise kommen wollen, müssen wir zusammenrücken und müssen mehr den je Zusammenarbeiten. Jeder kann helfen, in dem etwas mehr Sensibilität für regionale Produkte, Services und Dienstleistungen aufgebracht wird. Ein klein wenig gesunder Patriotismus ist heute angebracht, keine Aufrufe zum Klassenkampf á la „Millionärssteuer“. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass es maximal im Bundeshaushalt (wo letztes Jahr mehr als EUR 190 Mrd. Ausgaben verbucht wurden), das Potenzial für Einsparungen lege, wobei (realistisch) Einsparungen hier wohl ebenfalls kaum rasch umsetzbar sind. Was bleibt, ist die Wirtschaft anzukurbeln, die Beschäftigung nach oben zu bekommen und damit wiederum Steuereinnahmen in den nächsten Jahren.

Nachbars Rasen ist grüner

Jede Woche lese ich auf Facebook, LinkedIN in Beiträgen, wo sich Menschen echauffieren über die reichsten Milliardäre der Welt, wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg und ihre Konzerne wie Amazon, Microsoft und Facebook. Zu reich und zu mächtig sind sie alle samt geworden. In der Welt der Technologie-Riesen spielen wir Österreicher bzw. Europäer nicht mit, aber gestohlen wurde uns auch nichts. Wir haben hier schlicht eine Welle verschlafen. Warum eigentlich? Österreich ist doch ein Land mit weltweit erfolgreichen Unternehmen (siehe Leitbetriebe Österreich). Weit über 200 Hidden Champions (gem. EU Definition), setzen bis heute nicht nur in einer Branche Standards. Darauf dürfen wir stolz sein. Das Geschäft mit Bits & Bytes kann bei uns ebenfalls funktionieren, aber wir müssen darauf vertrauen und in unsere Hidden Champions von morgen investieren. Raunzen bringt uns nicht weiter. Jeder Konsument kann in diesem Bereich, als Kunde, mit einem Investment in heimische Lösungen helfen. Digitalisierung ist eine riesen Chance für den Standort, das Thema gehört weder den Amerikanern noch den Chinesen.

Dornröschen wach auf

Europa hat vieles verschlafen. Das Bewusst sein das wir in totale Abhängigkeit geschlittert sind haben in den letzten Wochen wirklich alle hautnah mitbekommen. Im Shock – nach 40 Jahren fehlgesteuerter Politik – jegliche Produktion nach Hause zu holen, halte ich für überzogen. Die Globalisierung werden wir nicht Rückabwickeln können. Eine Zeitreise in die Vergangenheit und ein wieder herbei sehnen der Industrialisierung wäre ein Rückschritt, abgesehen davon das es unrealistisch ist dies kurzfristig unter Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit zu bewerkstelligen. Es würde schon reichen, wenn wir bei regionalen Onlineshops kaufen, statt bei Amazon, wenn wir Kommunikationslösungen wie Grape (aus Wien), statt Slack, Videotelefonie von Eyeson (aus Graz) statt Zoom, Webinare mit courseticket.com statt über gotowebinar anbieten.

Wenn wir auf E-Commerce, Software und Kommunikationssektor schauen, sieht es fast so aus als ob es keine Alternativen zu US Lösungen gebe. Das ist aber ein Irrtum, ich habe selbst bewusst vor vielen Jahren begonnen in die meisten der oben genannten Firmen investiert weil ich keine Abhängigkeit internationaler Tech-Konzerne in diesem Bereich haben wollte. In der Breite sind diese Lösungen noch viel zu unbekannt, das wird sich aber ändern – wenn wir alle etwas sensibler darauf achten welche Lösungen wir einsetzen. Es gibt immer noch Branchen (wie z.B. Apotheken) die das Internet gerne verbieten würden, der Online-Handel wird dort – trotz Angeboten aus ihren eigenen Reihen, wie Beavit.at – noch als feindlich betrachtet. Diese Abwehrhaltung hat dazu geführt das Schweizer, Tschechische und Holländische Online-Apotheken einen Siegeszug starten konnten und in Österreich täglich weitere Marktanteile abknabbern. Wachen wir hier auch erst auf, wenn es zu spät ist? Die Taxi Innung hat hundert tausende Euro in Klagen gegen UBER investiert, statt eine vernünftige Branchenlösung auf den Markt zu bringen, die dem Kunden, vergleichbare Vorteile gebracht hätte. Mit welchem Erfolg? Warum können wir uns so schlecht mit einem Online-Business anfreunden? Warum unterstützen und motivieren wir nicht heimische Unternehmen in diesen Bereich hineinzuwachsen?

Ich habe die Hoffnung, dass Europa – unser Dornröschen – in Sachen Digitalisierung in durch die Krise ein klein wenig aufgewacht ist. Die Corona-Pandemie zwang auch den letzten Verweigerer zur Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Bereits Jahre zuvor wurden Förderungen und Initiativen für mehr Risikokapital in Europa vorangetrieben, sie zeigten aber nur schleppend Wirkung – wenn wir das Ausmaß der globalen Transformation der Wirtschaft betrachten. Es haben sich vor allem “Insider” mit der Materie beschäftigt und kleine Erfolge gefeiert, aber von einer breiten Bewegung sind wir noch weit entfernt. Meines Erachtens sollte es große steuerliche Anreize (etwa Freibeträge) geben, die Milliarden für eine Aufholjagt auf diesem Sektor entfesseln.

Mangels kurzfristig zu erwartender Erfolge, waren bisher Politik und Konzern-Vorstände mit echten Investitionen (weil zuviel „Risiko“) in Zukunftstechnologien bisher zu verhalten. Nehmen wir die Raiffeisen Bank International, das einzige Bankhaus in Österreich das einen Corporate Venture Fonds aufgelegt hat, mit EUR 15 Millionen. Der Größe des Konzerns wären EUR 150 Millionen. im europäischen Vergleich und EUR 500 Millionen im internationalen Vergleich angemessen gewesen. Der erste Schritt wurde hier aber wenigstens gesetzt, wo sind die übrigen Banken und Pensionskassen? Wenn Finanzinstitute nicht in die Zukunft unseres Standorts investieren, wer dann?

Einzelne Erfolge gab es im Startup Sektor natürlich – auch auf unserem Kontinenten – trotz angezogener Handbremse. Sie haben als Leuchttürme gezeigt was möglich ist. Die stiefmütterliche Sicht auf Innovation, muss heute ein Ende haben. Mit angezogener Handbremse ist kein Rennen zu gewinnen, und Krisen sind nicht zuletzt ein Motor für Innovation. Sie treffen uns außerhalb der Komfortzone, wo wir mit mutigen Schritten entgegnen können.

Nicht blenden lassen

Opportunisten gibt es immer. Sie vertreten die Ansicht, dass wir gut aufgestellt sind in Europa ohne dabei zuviel in Fakten einzutauchen. Der einfältige Verweis auf erste Unicorns tut weh. Es gibt natürlich Beispiele aus Europa die es in die Weltelite der Tech-Startups geschafft haben, der globale Anteil dieser ist aber verschwindend gering und bei weitem nicht der wirtschaftlichen Position von Europa in der Welt angemessen. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, nicht alles was glänzt ist Gold. Man darf sich nicht täuschen lassen. Man muss schon auch hinterfragen warum, wer Erfolg gehabt hat und versuchen daraus zu lernen.

Meistens findet man internationale DNA, hinter den erfolgreichsten Startups. Die Gründer hätten es wahrscheinlich überall geschafft – so eben auch sogar aus Europa heraus. Europäische Investoren glänzen zu meist mit schnellen Exits, man verkauft bevor man ein nachhaltiges Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Wir sind so zum Weltmeister im Export von Talenten und Technologien geworden. Schauen wir auf ein erfolgreiches Unternehmen mit internationaler Beteiligung – N26 (die ausgewanderten Österreicher), die aus Berlin heraus ein Unicorn gebaut haben. Die Mittel und die Unterstützung (abgesehen von den Business Angels erster Stunde, die sehr schnell herausgekauft wurden), kamen maßgeblich vom US Investor Peter Thiel, sowie u.a. den chinesischen Technologieriesen HorizonX und Tencent. Warum waren nicht von Anfang an auch große Europäer dabei? Ich kann mir nur auf den Kopf greifen, wenn heimische Politiker diese Erfolgsgeschichte für sich verbuchen wollen, der Beitrag war hier (leider) minimal – ich hätte hier gerne stärkeres Engagement europäischer Investoren gesehen und frage mich, wie solche Stories angesichts des kolportierten Investionskontrollgesetzes zu wiederholen sind.

Wir müssen Umdenken

Ja, wir müssen umdenken. Es muss ja nicht gleich “Silicon-Valley-Mindset“ sein. Man muss nicht gleich den Anzug an den Nagel hängen und ab morgen mit Jeans, Holzfäller-Hemd, Hoodie und langem Bart – ganz im Stil eines Hipsters – ins Büro gehen. Veränderung passiert von innen. Es reicht schon wenn wir ein klein wenig mehr Hausverstand in Wirtschaftsfragen einfließen lassen und akzeptieren die Digitalisierung als Chance zu sehen. Wenn wir ein klein wenig mehr Mitdenken, hinterfragen, lernen und zusammenhalten, haben wir bereits ein Rezept zum Erfolg.

In Österreich verwechseln wir gerne Solidarität mit Vollkasko-Versicherung. Wir fordern viel zu schnell vom Staat ein Probleme für uns zu lösen. Was wäre wenn, wir selbst Teil der Aufholjagd werden? Was wäre wenn wir wieder stolz werden auf “Made in Austria” oder “Made in Europe” und unser Land gemeinsam wieder aufpäppeln?

Wie? Ganz einfach, Computer auf, Google an und lernen, oder als Konsumenten (inkl. Staat, Land, Gemeinde und Kammern als Vorbilder) mit überlegten Kaufentscheidungen. Wir entscheiden selbst, wo wir uns sauer verdientes Geld ausgeben. Wir entscheiden, ob das Geld in Österreich arbeitet und damit im Wirtschaftskreislauf kommt – oder ob wir es ins Ausland schicken und die reichsten Milliardäre noch mehr füttern. Ein klein wenig Patriotismus ist heute angebracht, ich denke sogar das wir eine Pflicht dazu haben.

Wenn wir nicht begreifen und im kleinen beginnen umzudenken, werden wir Schritt für Schritt in Richtung Planwirtschaft gehen, oder gar einen Staatsbankrott heraufbeschwören. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft verschwinden, wenn Unternehmen verschwinden. Der Staat als Arbeitgeber alleine wird hier nicht helfen.

Change beginnt beim Kopf

In einem Unternehmen, genauso wie in einem Staat, ist es wichtig das die Führungsspitze einen Change-Prozess einläutet und trägt. Es ist wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen. Impulse aus der Masse, kann man nur erwarten, wenn man einen Weg selbst vorlebt (außer man legt es auf eine Revolution an). In Österreich haben wir genau in diesem Punkt bisweilen ein veritables Problem. Die vorgelebten Beispiele von Oben fehlen. Die Wirtschaftskammer, Ministerien, Schulen und Krankenhäuser kaufen – leider – eine Flut an Produkten, Services und Dienstleistungen aus dem Ausland (Microsoft & Co.), obwohl es heimische Anbieter gebe die international durchaus erfolgreich sind. Aus meiner Sicht ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Unternehmer. Man bedenke das hier Gelder aus Kammerbeiträgen genutzt werden, um Konkurrenz aus dem Ausland zu finanzieren. Gerade in der Krise wurden Unternehmer an den Rand der Gesellschaft gedrückt, zu Bittstellern gemacht, in dieser Phase zählen Umsätze mehr den je. Wenn wir uns schon darauf verständigen den Konjunkturmotor anzuwerfen, dann bitte mit Signalwirkung!

Österreichs Startup Rettungsschirm – „Austrian Runway Fund“

Ein Massensterben der Innovationstreiber Österreichs, der Startups, ist nicht im Interesse der Politik und dringend notwendige Maßnahmen für diesen Sektor wurden letzte Woche vorgestellt. Wir wissen ja, dass das Sentiment der Investoren im Moment einem Abwärtstrend unterliegt und das Startups dringend Kapital benötigen, um zumindest stabilisiert durch die Krise zu kommen.

Letzte Woche wurde Österreichs Rettungsschirm für Startups vorgestellt. Die Politik holte bereits vor ein paar Wochen Konzepte diverser Interssensvertretungen (AAIA, AVCO, WKÖ) und des Think Tanks Austrianstartups ein. Ich habe hier natürlich gerne tatkräftig mitgearbeitet. Der Corona Hilfsfonds (eine Art Zuschuss der AWS für Investmentrunden) und der Corona Venture Fonds, dessen Management nun ausgeschrieben wird, bilden den Kern des Pakets. Was muss der Fonds können, um volle Wirkung zu entfalten?

Corona Venture Fonds – „Austrian Runway Fund“

Im Zuge der Sondierung geeigneter Lösungen wurde der in Großbritannien geforderte „Runway Fund“ unseren politischen Entscheidungsträgern – als best-practice – vorgeschlagen. Das britische Vorbild basiert auf einer Forderung der gewichtigen Londoner Ökosystem Vertreter, wartet aber bis heute auf seine Umsetzung. Der „Austrian Runway Fund“ (wie ich „unseren“ Corona Venture Fund jetzt nenne), ist in der Idee und in Anlehnung an diesen Ansatz vollkommen richtig. Ich frage mich aber, ob man das „britische Modell“ bei uns eins zu eins abbildbar ist?

Im britischen Modell ist vorgesehen, dass „Convertible Debt“, also Wandeldarlehen oder Wandelanleihen, gewerblich investiert wird. In unseren Breitengraden ist hier ein juristischer Seiltanz oder gar Kampf vorprogrammiert, da man hier leicht ins Bankwesengesetz (BWG) rutscht und somit der Fondsmanager eine Banklizenz bräuchte – was wohl nicht im Sinne der Erfinder ist. Venture Capital Fonds sind strickt Eigenkapital Investments bzw. Instrumente vorbehalten!

Der angedachte Venture Fonds soll in atemberaubender Geschwindigkeit (angestrebt werden nur wenige Wochen) von privaten Investoren befüllt werden. Diese Investoren erhalten als Anreiz eine bis zu 50%ige Garantie der Republik für ihr Kapital. Während mir führende Marktteilnehmer letzte Woche mitteilten, dass es für sie schwierig werden würde, das Kapital in der nötigen Zeit aufzustellen – sie sind wohl in stärker betroffenen Investoren-Zielgruppen unterwegs – trudelten bei uns erste Anfragen nach einem Investment in einen solchen Fonds ein. Investoren kamen (pro-aktiv) auf uns zu. Wir mögen uns für das Management des Fonds bewerben, so der einheitliche Tenor – was uns natürlich ehrt. Wir hatten es aber auch vor, das sei hier ganz offen gesagt.

Wir nehmen uns dieser Aufgabe mit bedacht an und haben bereits mit den Vorbereitungen begonnen, soweit es möglich ist. Wie der Fonds letztlich ausgeschrieben wird, das werden wir erst nächste Woche erfahren. Wir rechnen jedenfalls mit Anpassungen zu dem kolportierten britischen Modell, bedingt durch vorgegebene Rechtsnormen. Die Ziele des Fonds sind jedoch klar:

1.) Es soll in jene Startups investiert werden, die bereits vor der Krise eine Runde am Weg hatten,
2.) mit dem Ziel schnell zu agieren und
3.) in Form von dringend benötigtem Eigenkapital.

Gemeinsam mit meinen Experten bei Venionaire Capital habe ich ein Konzept ausgegraben, welches in Landes- und Beteiligungsverwaltungen der Bundesländer altbekannt und bewährt ist. Es handelt sich um einen „Equity Mezzanin“ Ansatz, welcher es uns erlauben würde im Eilverfahren – in enger Zusammenarbeit mit großen Partnern – eine Vielzahl von Investments nach einem Standardverfahren zu evaluieren und zu standardisierten Bedingungen zu investieren. Binnen wenigen Wochen könnten wir so 50 bis 100 Investments in Form von Eigenkapital machen und würden Investoren und Steuerzahlern eine gute Ertragschance im Fonds gewähren. Das Risiko, dass die staatliche Haftung schlagend wird, kann einerseits durch die breite Streuung, aber auch durch die Wahl dieses Instruments stark reduziert werden. Startups würden darüber hinaus über ihre Hausbank zusätzlich Zugang zu den staatlich garantierten Finanzierungen erhalten, da das zusätzliche Eigenkapital beim Erreichen der URG Kriterien sofort helfen wird. Das Investment des Fonds wäre damit sofort ein vielfaches Wert. Der Fonds selbst könnte in unserem Ansatz im übrigen auch binnen einer Woche aufgesetzt werden und bei der FMA zur Registierung gebracht werden.

Startups würden durch unseren Lösungsansatz ihre wertvollen Talente an Board halten, Technologien, Produkte, Services weiterentwickeln und letztlich an einem soliden Weg aus der Krise arbeiten, können.

Schulterschluss der Community erforderlich

Wir sind uns bewusst, dass es für dieses Instrument einen Schulterschluss der heimischen Startup-Szene brauchen wird. Keine leichte Übung, ob der verschiedenen Machtgefüge und Interessenlagen. Ich bin dafür, jetzt zusammen zu arbeiten und an einem Strang zu zeihen. Wir wollen möglichst viele Stakeholder, aus allen wesentlichen Hubs in Österreich – von Tirol bis Wien – an Board haben. Das Angebot zur Kooperation ist draußen und wir haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Wir sind zuversichtlich eingestellt, dass dieser Schulterschluss gelingen kann. In unserem Ansatz wollen wir jedenfalls einer breiten Gruppe von Marktteilnehmern ein Stück weit Kontrolle und Einsicht gewähren, da alle die Gewissheit haben müssen das Gelder fair, gerecht und auch nachhaltig investiert werden. Wir sind nicht die größten, auch nicht die stärksten und mit Sicherheit nicht die lautesten Marktteilnehmer, aber wir stehen für Fairness, Offenheit und Transparenz bei Venionaire.

Die ersten Rettungspakete halfen nur beschränkt – das Angebot des Corona Rettungsschirms bzw. des „Austrian Runway Funds“ ist eine riesen Chance dem Ökosystem den bitter notwendigen Rückhalt zu geben. URG Kriterien standen mangels ausreichend starker Eigenkapitalquoten als häufigster Ausschlussgrund in der Kritik. Ein schnelles und wirksames Eigenkapital-Instrument kann unglaublich positive Wirkung entfalten.

Wer unseren Weg unterstützt, oder weitere Ideen hat – die wir gerne soweit möglich berücksichtigen – bitte auf LinkedIN kommentieren!

Pleiten, Chinesen und Protektionismus

Die Virusepidemie beschert uns mehr und mehr das Risiko einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Der Goldpreis steigt, Investoren suchen einen sicheren Hafen. Der Ölpreis ist in den Keller gefallen, reduzierte Fördermengen waren die Folge. Die Gemüter in Middle-East sind erhitzt. In Europa ist das Klima nicht minder angespannt. Italien und der Rest der EU spüren die Folgen der Pandemie haut nah. Wir leben in Quarantäne, Home-Office wurde verordnet für Wochen – das neue Hashtag #quarantanamo spricht für sich. In Deutschland legt eine Rechtsanwältin bereits ihre Zulassung zurück, weil sie den Rechtsstaat für gestorben erachtet, auch hierzulande diskutieren Experten in Diskussionsrunden über die teils massiven Eingriffe in unsere Freiheit – der einfache Bürger ist längst überfordert. Juristen bringen immer häufiger die Frage der Verhältnismäßigkeit auf. In einem Punkt sind wir uns alle (hoffentlich) immer noch einig: Kein Preis den wir als Volkswirtschaft zahlen, kann den Wert der geretteten Menschenleben übersteigen. Wir erleben eine Ausnahmesituation!

Überlegt und vorausschauend handeln müssen wir dennoch. Die Nerven wegwerfen, hilft nicht. Gemeinsam schaffen wir das. Als Unternehmer muss ich eine Lanze für unsere Wirtschaft brechen. Wir befördern diese gerade geschlossen auf die Intensivstation und schauen nicht richtig hin! Analog zu Krankenhäusern, sind auch hier die Kapazitäten beschränkt. Wenn zu viele (gute) Firmen gleichzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geraten, werden wir eine Kettenreaktion sehen und reihenweise Pleiten sehen. Es drohen explodierende Arbeitslosenzahlen, die Abwanderung von Talenten und der Verlust von wertvollem Know-How auf dem unser Wohlstand aufbaut, ist die Folge. Wenn zu viele Firmen ans Beatmungsgerät – also Liquidität – müssen, um zu überleben, dann stellt sich schnell die Frage wer überleben darf und wer nicht? Einige werden aus der Insolvenz vielleicht wiederbelebt, aber sicher nicht alle, Insolvenzen sind generell in unserem Rechtsstaat niemandem zu wünschen.

Freundliche Investoren, so genannte White-Knights, Business Angels, Venture Fonds oder klassische Private Equity Fonds, werden bei weitem nicht der Aufgabe gewachsen sein – es gibt einfach nicht genügend davon in unseren Breitengraden. Deren Lust zu investieren schwindet auch (siehe Grafik 1) Was können wir – Konsumenten, Unternehmer, Bürger – tun? Wie werden wir Teil der Lösung? Entscheidungsträger und Experten versuchen alles – der Staat ist aber keine Vollkaskoversicherung. Es wird reagiert so gut es geht, naturgemäß bleiben aber Antworten auf brennende Fragen der Unternehmer aus und sie haben viele Sorgen dieser Tage.

Grafik 1 – Quelle: www.venionaire.com

Verblüffend, eine Pandemie ist kein Schwarzer Schwan, sagen die Ökonomen. Wir mussten tragischer Weise damit rechnen. Dennoch wurden wir überrascht. Haben wir uns zu wenige Gedanken über Krisenszenarios gemacht? Wie konnte das passieren? In Europa droht nicht nur ein starker Einschnitt in unseren komfortablen Wohlstand, es steht auch unsere Innovationskraft und damit die Zukunftssicherung unserer Volkswirtschaft auf dem Spiel. Firmen brauchen jetzt schnelle, unbürokratische Unterstützung. Liquidität und Stabilität, müssen sichergestellt werden, sonst fallen wir um Jahrzehnte zurück.

Wer die Krise als Chance sieht und angreift, etwa mit Staatsfonds (z.B. aus China), der kann aus so einer Krise massiv Kapital schlagen. Es ist keine beliebte Strategie, aber wenn man selbst die Chance ziehen lässt darf man sich meines Erachtens auch nicht beschweren. „Protektionismus“ – also das beschränken ausländischer Investitionen – erscheint als Reaktion eines Staates nur all zu logisch. Den Firmen hilft aber das Aussperren der Investoren nicht, es schützt in erster Linie staatliche und somit strategische Interessen, die wirtschaft braucht am Ende alternative Zugänge zur Finanzierung. Die EU hat entsprechende Verordnungen zu Investitionskontrolle bereits seit längerem in Umsetzung, in Deutschland und Frankreich wurden 2018 und 2019 entsprechende Gesetze erlassen und weitere Staaten ziehen langsam nach. Bisher wurden die Gesetze noch kaum exekutiert – ändert sich das nun? Die Gefahr dieser Gesetze ist, dass sie zu einem Boomerang werden. In Europa haben wir einen viel zu schwachen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektor, wir können uns eigentlich gar nicht leisten ausländische Investoren auszusperren. Wir würden mit nur wenigen Alternativen da stehen und Betriebe erst recht in die Pleite schicken.

40 Jahre zuspät für Protektionismus

Wer mich kennt weiß, dass ich seit vielen Jahren kritisiere das wir über Jahrzehnte viel zu leichtfertig über den Ausverkauf unserer mittelständischen Unternehmen hinweg gesehen haben. Schulter zuckend haben wir zur Kenntnis genommen, wenn Flaggschiffe der Mittelstandsindustrie von Chinesen gekauft wurden. Wir haben viel zu häufig bei Exits von Startups und deren Abwanderung ins Ausland gejubelt und Investoren für diese Erfolge gefeiert. In diesen Momenten hatten wir genaugenommen Steuergelder und Innovationskraft verloren – eher traurig, wenn man drüber nachdenkt. Wir hätten uns aber fragen müssen warum kein Europäer solche Firmen kauft? Ein wenig Ärger, zur rechten Zeit, hätte uns vielleicht wach gerüttelt und eine wichtige Erkenntnis gebracht. Wir hätten immer schon einen funktionierenden Private Equity Markt gebraucht. Gerade jetzt noch viel mehr als jemals zuvor. Private Equity kann die Intensivstation für unsere Wirtschaft sein.

In schmerzlicher Erinnerung sind mir noch zu gut die Milliardenübernahme des österreichischen Automobilzulieferers ZKW durch LG-Automotive (Süd Korea), Mitte 2018, im selben Jahr wurde Wolford aus Vorarlberg verkauft. Bereits 2009 ist der staatliche chinesische Luftfahrtkonzern AVIC beim Oberösterreischen High-Tech Unternehmen FACC maßgeblich eingestiegen. Die Liste der Unternehmen mit signifikanter chinesischer Beteiligung in Österreich ist sehr lang, sie reicht von C-Quadrat, über Steyr Motors, Rosenberger, bis zu Palfinger, oder der ehem. Hypo oder auch Raiffeisen Vorarlberg. Würde man Eigentümer aus Indien, den USA oder UK hinzufügen bzw. Abwanderungen von Startups ergänzen, würde die Liste noch viel länger.

Jetzt in der Krise wollen wir plötzlich eine Korrektur einleiten? Etwas zu spät, fürchte ich. Böse Zungen behaupten 40 Jahre zuspät. Vielleicht, besser spät als nie? Wenn wir dem also einen Riegel – ein Investitionskontrollgesetz – vorspannen, wer finanziert unsere Unternehmen dann? Gibt es Doping für den Notarzt Private Equity?

Welche Alternativen haben wir?

Selbst unsere nationalen Fonds sind Sammelbecken internationaler Investoren, größere Summen stemmen wir bislang nicht aus den eigenen Reihen. Für einen Private Equity Manager klingt es im ersten Moment gerade zu verrückt, wenn man verordnet das ausländische Investitionen fortan stärker kontrolliert und allenfalls sogar ausgesperrt werden sollen. Ist es das Aus für Private Equity in Österreich, oder erleben wir einen unerwarteten Aufstieg, eine Heldengeschichte?

Die Regierung hat zweifelsohne erkannt, dass privates Eigenkapital (etwa von Business Angels, Venture Capital oder Private Equity Fonds) wichtiger ist den je – davon bin ich überzeugt. Der Private Equity Markt (inkl. Venture Capital) könnte für institutionelle Investoren leicht attraktiver gemacht werden. Sie verwalten die größten Vermögen Österreichs und könnten mit einen kleinen Anteil davon großes bewirken. Nur 5% ihrer Assets-under-Management würden das verfügbare Private Equity in Österreich mindestens vervielfachen. Bestehende Fonds konnten mit frischem Kapital sofort, mit gegebener regionaler Nähe und Expertise investieren. Sie würden Firmen auffangen und ein gestärktes Wachstum nach der Krise ermöglichen. Der Ausverkauf an internationale Investoren und Staatsfonds wäre damit eingedämmt und die Flut an Patienten auf der Intensivstation bliebe aus.

Anreize für Business Angels wären ebenfalls in Hinblick auf Startups wichtig. Alleine werden sie auch nicht alle auffangen könne, aber ihre Wirkung sollte man auch nicht unterschätzen. Größere Startups, sog. Scaleups (> 30 Mitarbeiter und deutlich über EUR 1m Finanzierung), bräuchten allerdings Investments in der Größenordnung mehrerer Millionen. Diese könnten müssen wiederum durch Fonds – Venture Capital – kommen. Kurzarbeit, das Stunden von Steuern oder Sozialabgabe oder Garantien für Kredite, verschieben bei vielen betroffenen Firmen nur Symptome – 4 Wochen Stillstand, ohne Aussicht auf eine baldige Rückkehr zu einem normalen Marktumfeld hinterlassen ihre Spuren – das hochfahren nach der Krise wird viel Kraft benötigen.

Wir brauchen Mut zu echten Investments

Die Conclusio ist offensichtlich. Was es wirklich bräuchte wäre eine mutige Stärkung des heimischen Private Equity (inkl. Venture Capital) Sektors. Es wäre die einfachste Alternative und würde ein besseres Signal senden als Staatsfonds oder Garantien, die in Konkurrenz zu bestehenden Marktteilnehmern treten. Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren in diesem Sektor, sind direkt, aktiv und mit marktüblichen Gewinnabsichten für den Steuerzahler (als Investor) auch ein Garant dafür, dass das Geld nach 5-10 Jahren mit guten Renditen zurück kommt. Die spezifische Expertise für verschiedene Branchen und Industrien der Fondsmanager und die regionale Nähe wären große Vorteile. Wir haben gute Manager, vertrauen wir ihnen.

5 Gründe – Warum 2020 Tech-Aktien fliegen werden

Nach einem guten Börsenjahr 2019, dürfen wir uns 2020 auf ein noch besseres Jahr freuen. Insbesondere für Technologiewerte – sog. Tech-Aktien – sehen die Vorzeichen gut aus und das freut mich natürlich besonders. Eine Blase oder Rezession sehe ich persönlich nicht (vgl. Auslblick 2020), im Gegenteil der Konsum hat im 4. Quartal 2019 überrascht und ich sehe aufgrund einiger Parameter besonders großes Potenzial für Tech-Aktien. Wie regelmäßige Leser meines Blogs wissen investiere ich als Business Angel regelmäßig in Gründungsphasen (Startups), über Venture Vehikel durch mein Unternehmen Venionaire Capital in Wachstumsphasen und rücke mit meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ Tech-Aktien ins Rampenlicht, die ich besonders stark empfinde. Meine Positionen im Wikifolio ändern sich laufend, es gibt aber regelmäßig Werte die länger vertreten sind – die behalte ich aber auch im Auge. Die letzten zwei Jahre waren für mich gute Börsenjahre – mein Wikifolio erzielte durchschnittlich 11,3% p.a., was deutlich über der Performance europäischer bzw. der deutschen Börsen lag. Ich hoffe eure Portfolios sind ebenfalls gut gelaufen und wir können uns an dieser Stelle gemeinsam freuen.

Quelle: Screenshot (25.12.2019), Wikifolio.com

Ich bin aber keines Wegs ein Börsen-Guru und möchte auch nicht so verstanden werden. Mein persönliches Interesse und meine Analysen dürfen auch nicht als Beratung oder Anlageempfehlung verstanden werden. Ich teile meine Eindrücke, da ich ein großer Fan von Social Trading bin und freue mich immer wieder über den Austausch und Diskurs mit gleichgesinnten. Technologie-Aktien (vgl. NASDAQ) liefen generell sehr gut in den letzten Jahren und das hat gute Gründe.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, einer Zeit in der die Welt auf den Kopf gestellt wird. Wer nicht laufend innoviert, verliert! So wird beispielsweise Tesla ein höherer Marktwert beigemessen als so manchem „alten“ Automobilriesen – das entspricht sicher nicht dem inneren Wert des Unternehmens heute, aber es sagt viel über die Zukunftschancen der Konzerne aus die von Anlegern beigemessen werden. Es ist eine Zeit in der es hinter verschlossenen Türen rund geht. Eine Zeit in der die ärmsten Reich und die Reichen alles verlieren können. Wie erkennt man aber die Zeichen und die richtigen Trends? Habe ich nur Rückenwind von einem globalen Trend oder macht sich die harte Arbeit doch bezahlt? Kann man Alpha erzielen und besser als der Markt veranlagen? Diese Fragen müsst ihr für euch selbst beantworten. Ich persönlich erwarte neben einem äußerst positiven Marktumfeld für Venture Capital und Startups (siehe Ausblick 2020) jedenfalls ein sehr starkes Jahr für Tech-Aktien und ich erkläre gerne warum:

1. Mehr Ressourcen, zu geringeren Kosten

Der scheinbar „plötzliche“ Durchbruch exponentieller Technologien hat immer sehr logische Gründe (das gilt in jeder Innovationswelle) und es gab auch immer Vorboten die man mit etwas Glück, Erfahrung und Verstand erkennen konnte. Der Siegeszug der Digitalisierung steht direkt im Zusammenhang mit der Entwicklung von Kosten und der Verfügbarkeit von skalierbaren Speichermedien und Rechenleistung – hier sind „Cloud-Services“ von Microsoft und Amazon neben vielen anderen wahre Gamechanger und spitzen Geschäftsmodelle. Speicher und Rechenleistung ist fast unbegrenzt verfügbar. Eine gewisse Abhängigkeit (andererseits wohl eine stabile Kundenbeziehung) wird aufgrund geringer Kosten weitläufig in Kauf genommen. Zur selben Zeit ist die Bandbreite des Internets (sowie dessen Abdeckung) noch nie so groß gewesen, wie heute und es gibt immer noch sehr viele Menschen auf dieser Welt die eingeschränkten Zugang haben!

Quelle: Venionaire Capital

2. Die 6. Welle der Digitalisierung (AI) bringt exponentielles Wachstum

Wenn einem bewusst wird, dass bislang erst ein Drittel des globalen BiP digitalisiert wurde und erkennt man das die bisherige Entwicklung noch kaum einen positiven Anstieg der Produktivität bewirkte (vlg. New York – Innovation und Dynamik), dann versteht man schnell wie groß das Potenzial der Digitalisierung (auch heute noch) ist. Wir stehen nicht am Anfang, aber die Geschichte des Wandels ist definitiv noch nicht geschrieben – wohl erst die ersten 6 Kapitel.

Das nächste Kapital – Künstliche Intelligenz – fasziniert mich besonders. Auf diesem Gebiet haben die Technologie Riesen (Amazon, Google, Facebook, Alibaba, Tencent, etc.) die Nase vorne, da sie schlicht auf einer Unmenge bislang ungenutzter oder zumindest nur schwach genutzter Daten sitzen.

Quelle: World Economic Forum, Accenture

3. Das Potenzial in Europa wird erst gezündet

Europa ist zwar noch gem. WIPO Statistik dank der Schweiz, Schweden und England unter in den Top 5 der innovativsten Ländern der Welt vertreten. Die Region verlor aber Jahr für Jahr deutlich an Boden und es ist leider zu erwarten das keines dieser Länder an der Spitze bleiben wird. In Sachen „New-Economy“ wird Europa bereits länger als Schlusslicht bezeichnet. Zu lange hat man verabsäumt B2C Tech-Unternehmen zu entwickeln bzw. in diese zu investieren. Die Zahl der Tech-Riesen aus Europa ist folglich sehr klein bzw. beschämend. Rekordsummen bei Venture Capital Investments und die steigende Zahl der Unicorns in Europa liegt maximal im globalen Trend – diese Zahlen täuschen, wenn man den internationalen Vergleich unterlässt. Zugpferde sind heute China und die USA – obwohl Europa alles hat was ein Innovations-Champion braucht, ausgenommen der Finanzierung für die nächste Welle. Das Blatt soll sich 2020 aber wenden.

Die EU wird neben verschiedenen bestehenden Programmen der EIB und des EIF, (endlich) zusätzliche EUR 20 Mrd. (jährlich) investieren. Darüber hinaus hat der chinesische Technologiekonzern „Tencent“ (etwa bei N26 und WeChat investiert) angekündigt 2020 USD 10 Milliarden in Europa investieren zu wollen. Dieses Kapital kommt zur richtigen Zeit. Die Handbremse in Europa kann sich dadurch lockern und vielleicht sogar das ein oder andere Unternehmen beflügeln global aufzumischen. Ich hoffe das wir so auch spannende IPOs 2020 und 2021 zu sehen bekommen.

4. Positive Effekte des technologischen Wandels bislang unterschätzt

Gute Politik baut auf noch besseren Daten und Studien. Jüngste Analysen zeigen das es (bei allen bekannten Nachteilen) bislang unbeachtet positive soziale- wie auch wirtschaftliche Effekte im Zusammenhang mit der Digitalisierung gibt. Politik bzw. Förderungen staatlicher Stellen, in Europa, werden zielgerichteter und vermutlich deutlicher stärker investieren um Europa wieder an die Spitze zu bringen – jetzt wo man klarer sieht.

Quelle: World Economic Forum, Accenture

5. Die einzige Konstante ist Veränderung

Schon der griechische Philosoph Heraklit wusste: „Die einzige Konstante ist Veränderung“ und dieses Zitat ist heute aktueller den je. Innovationszyklen folgen so dicht aufeinander wie noch nie zuvor. Die Folgen sind spürbarer den je und Vorstände ist gefordert mutige Investitionsprogramme für die Zukunft zu lancieren. Die Folge sind höhere Budgests für M&A, Innovation und Corporate Venture Capital und dies wird von Aktionären positiv bewertet. Wer nicht innoviert, verliert – oder anderes gesagt, wer auf der Bremse sitzt den strafen die Investoren ab. Es war für Interessant von einem befreundeten Aktien-Analysten zu hören, dass sie heute mehr als früher auf diese Aspekte achten. Der Unternehmenswert an der Börse spiegelt letztlich das Zukunftspotenzial eines Unternehmens wieder. Heute könnte man auch sagen wie gut das Unternehmen mit dem „Innovationsdruck“ bewältigt.

Ähnliches Foto
Quelle: Smart Turn Effect

Conclusio

Man muss kein Genie sein um Eins und Eins zusammen zu zählen. Technologie Unternehmen sind gewohnt laufend zu innovieren, das bringt ihnen deutliche Vorteile und somit bessere Zukunftsstrategien. Produktivität wird stark durch künstliche Intelligenzen bestimmt werden, hier ist die Frage: Wer wird die Schaufel im Goldrausch verkaufen – wohl einer der Tech-Riesen. Für Unternehmen die an der Spitze eines Marktes sitzen gilt: Nicht ausruhen! Margen, Geschäftsmodelle und Services werden nicht mehr „nur“ von den angestammten Wettbewerbern adressiert, es gibt eine Menge Quereinsteiger und das wird die Aktienmärkte 2020 noch gewaltig auf den Kopf stellen.

In diesem Sinne wünsche ich viel Glück, Gesundheit und Erfolg im Jahr 2020.

Startup & Venture Capital – Ausblick 2020

Am Ende eines jeden Jahres schauen wir zurück und ziehen Bilanz, wir schauen aber auch nach vorne und wagen eine Prognose. Für dieses Jahr habe ich mir etwas neues überlegt – ich würde gerne eure Einschätzung zu den wichtigsten Fragen im Venture und Startup Markt (deutschsprachiger Raum: Deutschland, Östererreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Süd-Tirol) einfangen. Ich bitte in diesem Sinn um eure Einschätzung auf folgende Fragen:

Frage 1:

Das Wirtschaftswachstum in Europa (2020),

  • .. wird sich verlangsamen. (51%, 24 Votes)
  • .. wird gegenüber 2019 unverändert. (36%, 17 Votes)
  • .. wird sich beschleunigen. (13%, 6 Votes)

Total Voters: 47

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Frage 2:

Venture Capital Finanzierungen in Europa (in Euro), werden gegenüber 2019

  • .. weiter ansteigen. (67%, 30 Votes)
  • .. unverändert bleiben. (20%, 9 Votes)
  • .. zurück gehen. (13%, 6 Votes)

Total Voters: 45

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Frage 3:

Die Zahl der Unicorns aus Europa im Vergleich zu 2019,

  • .. steigt. (64%, 29 Votes)
  • .. sinkt. (16%, 7 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (11%, 5 Votes)
  • .. bleibt gleich. (9%, 4 Votes)

Total Voters: 45

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Frage 4:

Early Stage Investments in Euro werden gegenüber 2019,

  • .. ansteigen. (50%, 23 Votes)
  • .. unverändert bleiben. (28%, 13 Votes)
  • .. zurück gehen. (22%, 10 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (0%, 0 Votes)

Total Voters: 46

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Frage 5:

Later Stage Investments in Euro werden gegenüber 2019

  • .. steigen. (71%, 30 Votes)
  • .. unverändert bleiben. (14%, 6 Votes)
  • .. zurück gehen. (14%, 6 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (0%, 0 Votes)

Total Voters: 42

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Frage 6:

Aktivität von Corporate Venture Capital Fonds in Euro,

  • .. wird gegenüber 2019 ansteigen. (71%, 29 Votes)
  • .. wird gegenüber 2019 zurückgehen. (17%, 7 Votes)
  • .. wird gegenüber 2019 unverändert. (10%, 4 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (2%, 1 Votes)

Total Voters: 41

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Frage 7:

Die Zahl der Secondary Fonds

  • .. steigt gegenüber 2019. (57%, 24 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (19%, 8 Votes)
  • .. bleibt gegenüber 2019 unverändert. (12%, 5 Votes)
  • .. sinkt gegenüber 2019. (12%, 5 Votes)

Total Voters: 42

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Was braucht ein gutes Fundraising Pitch-Deck?

Fernsehshows wie „2 Minuten 2 Millionen“ oder „Höhle der Löwen“ haben den „Elevator Pitch“ von Startups in unseren Breitengraden erst so richtig berühmt gemacht – diese Shows zeigen aber ein etwas verzerrtes Bild der Realität (wie ihr euch sicher schon gedacht habt). Wenn ein Startup vor Investoren tritt und sein Unternehmen vorstellt, dann hat es regelmäßig rund 10 Minuten bis eine Stunde (im Einzelgespräch) dafür Zeit Investoren zu überzeugen. Das Ziel ist es nach dem Pitch in tatsächliche Verhandlungen zu treten – es muss also Interesse geschürt werden. Von einem ähnlichen Zeitbudget kann man ausgehen, wenn Startups ihr Deck einem Venture Fund schicken. Analysten werden zwischen 10 Minuten bis zu max. einer Stunde (inkl. Rückfragen) investieren, um eine erste Einschätzung für ihr Dealflow Meeting zu schreiben.

Was packt man also in so ein Pitch-Deck hinein? Wie schafft man es seine Geschichte („Equity Story“) richtig zu erzählen? Einer der berühmtesten Investoren – Guy Kawasaki – hat eine Formel für das ideale Pitch-Deck entwickelt (siehe Bild 1). Ich finde die Übersicht fantastisch und empfehle sie mindestens einmal pro Woche einem Startup. Das zugehörige Buch – THE ART OF THE START 2.0 – sollte auch jeder Gründer gelesen haben :-).

The Only 10 Slides You Need in a Pitch

Bild 1 – Erstellt mit Visually.

Wer etwas mehr Hilfe bei der Erstellung der richtigen Slides braucht, wird auf der Webseite des Founder Institute einen sehr guten Leitfaden für das ideale Pitch-Deck finden. Praktisch an diesem Leitfaden ist, dass er prinzipiell der Struktur von Guy Kawasaki folgt und jede einzelne Folie mit praxisnahen Bespielen erläutert.

Ein paar Tipps von Herzen:

  • Nehmt euch Zeit für die Erstellung eures Pitch-Decks. Der Prozess zur Entwicklung eines richtig guten Decks kann schon mal 2 Wochen verschlingen.
  • Fragt so viele Gründer, die bereits über EUR 1 Million von Investoren erhalten haben, wie möglich um ihren Rat.
  • Nutzt Template und Design-Vorlagen – wie etwa Designhack.net oder – Investoren sehen laufend extrem hochwertige Präsentationen und da solltest Du nicht nachstehen.
  • Zwingt eure Inhalte aus wesentliche zu konzentrieren – 10 bis 12 Slides müssen reichen um das Interesse eines Investors zu wecken.
  • Vertraut auf keine Berater die nicht selbst einmal gegründet haben und selbst nie vor einem Investor gesessen sind.
  • Baut ein Pitch-Deck und haltet es immer aktuell! Ihr wollt nie einen Investor auf euer Deck warten lassen.
  • Achtet darauf das euer Pitch-Deck in einer Version mit mehr Text (für Email versandt), gekürzt (auf etwa 5-6 Slides) für adhoc Pitches oder auf einer Bühne – in etwa 2 Minuten, oder in der „Langversion“ in 10 Minuten gemütlich präsentiert werden kann.

Wer kann mir helfen?

Viele Gründer begehen den Fehler ihren Steuerberater oder Anwalt um Hilfe zu ersuchen – die meisten davon haben aber kaum, bis gar keine Erfahrung mit Fundraising. Wir arbeiten seitens Venionaire Capital zum Beispiel mit einzelnen Partnern von KPMG (Smart Start) eng zusammen, die selbst aktiv Erfahrung als Business Angels haben. Gemeinsam haben wir Europas führendes Investoren Netzwerk aufgebaut – European Super Angels Club.

Wenn du selbst nicht weiterkommst und aus dem Berater-Dschungel einfach nicht mehr hinaus siehst – schreib mir einfach eine direkte Nachricht. Ich helfe gerne persönlich weiter wo ich kann (das ist schließlich mein Job), wir bieten via Venionaire Capital auch regelmäßig Fundraising-Workshops für Start-Ups an. Als Spezialisten für Fundraising helfen unsere Spezialisten auch gerne hands-on bei Pitch-Decks, Finanzplänen, Unternehmensbewertungen (inkl. Muster-Term-Sheets). Wir haben sogar schon eine Reihe von Startups sehr erfolgreich für ihre Auftritte bei der „Höhle der Löwen“ oder „2 Minuten 2 Milliionen“ vorbereitet. Wenn ihr wollt, bekommen wir euch richtig Fit fürs Fundraising – ich verstehe aber auch, wenn du es zunächst auf eigene Faust probieren willst.

Startup Bewertung (k)ein Kinderspiel

Venture Capital Fonds haben dieses Jahr erneut Rekordvolumen eingesammelt, noch nie wurde soviel in Europas Tech-Startups investiert, gleichzeitig ging allerdings die Zahl der Transaktionen zurück. Diese Zahlen sagen uns, der Markt wird reifer, immer mehr europäische Startups schaffen es in den Unicorn Club. Die Zahl der Unicorns – stark dominiert aus China und den USA – ist so hoch wie noch nie, somit ist die Meldung über Rekordvolumen nicht gleichbedeutend damit das Europas Startup-Hubs zur Weltspitze aufschließen – sie folgen vielmehr dem globalen Trend (wenn überhaupt). Im Jahr 2019 gab es eine Rekordzahl von IPOs, gleichzeitig waren noch nie mehr Unicorns am Markt und das markiert den bisherigen Peak in der „Digitalen Revolution“, dieser Trend wird allerdings anhalten denke ich.

Der Wettbewerb um Funding für Startups in frühen Phasen wird unter dessen härter. Vor einigen Jahren reichte es noch ein gutes Team und schöne „erste“ KPIs zu zeigen. Von der nächsten Generation von Startups wird aber mehr erwartet! Nach der Digitalisierung von „alten“ Geschäftsmodellen und Prozessen, der Sammlung und Strukturierung wichtiger Datenpunkte, muss nun die Produktivität durch Automatisierung und Künstliche Intelligenzen gesteigert werden. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Sind Milliarden Bewertungen gerechtfertigt?

Völlig willkürlich sind Startup-Bewertungen in der Tat nicht, auch wenn das angesichts der vielen Unicorns schwer zu glauben ist. Die berufliche bzw. professionelle Praxis folgt klaren Regeln und Standards – wie sie etwa in den IPEV Guidelines (http://www.privateequityvaluation.com/Valuation-Guidelines) festgeschrieben sind. Wer selbst einmal rechnen möchte wie viel sein Startup oder vielleicht das nächste Investment wirklich Wert ist, kann ab jetzt ein neues Tool nutzen.


FREE START-UP VALUATION CALCULATOR

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Der Startup-Bewertungsrechner bildet die zwei wichtigsten Bewertungsmodelle der Venture Industrie ab – in meinem Interview mit derBrutkasten heute morgen habe ich mehr dazu erklärt, ein paar Tipps für die Benutzung des Rechners gegeben und auch gleich mit ein paar Mythen aufgeräumt.

Empfehlung: Ich schreibe Regelmäßig für das Online Medium derBrutkasten (eines der führenden Startup-Medien im deutschsprachigen Raum) – viel Spass beim Lesen – unter diesem Link findet ihr alle meinen bisherigen Beiträge.

Nur 1% Startups haben Erfolg

Mit einem Startup Erfolg zu haben sieht leichter aus als es ist. Wir sehen immer nur die fröhlichen Gesichter der erfolgreichsten Gründer und vergessen das 99% der Unternehmen beim Versuch die Welt zu erobern scheitern. Daran ist durchaus auch das überzeichnet positive Bild in den Medien schuld, aber sicher nicht ausschließlich, es liegt auch an der Generation Y (der Generation “Startup”) selbst.

Das Bild in sozialen Medien wird perfekt poliert – so sind wir aufgewachsen, wir haben uns früh spielerisch mit Medien auseinandergesetzt und gelernt sie zu nutzen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Generation Y tatsächlich sehr frustriert ist und geradezu einen kulturellen Druck verspürt Erfolge zu feiern, alles und noch mehr zu erreichen.

Der Ruf nach einer “Kultur des Scheiterns” dieser – meiner – Generation wird meines Erachtens oft falsch verstanden. Es mag etwas Schizophren klingen, aber wer die Generation richtig versteht, versteht das Misserfolge gefeiert werden müssen. Man rückt das positive in den Vordergrund, das erlernte – vergisst die verlorenen Millionen – und vermeidet somit das Stigma des Verlierers.

Generation Y = Generation Startup

Viel zu viele in unserer Generation eifern gepimpten Facebook und Instagram Profilen nach. Einige nutzen die technischen Möglichkeiten und versuchen ihre Träume und Visionen für eine „bessere Welt“ zu realisieren und entwickeln ein Produkt oder einen Service und testen ihren Business Case am Kunden. Schnell testen, aber auch schnell wieder verwerfen ist die Devise. Wer den Schritt in ein Startup wagt, verlässt die Komfortzone und begibt sich auf eine verrückte Achterbahnfahrt. Am Anfang erwarten viele das schnelle Geld – wie viel Arbeit am Weg dort hin wartet, erkennt man kurz darauf.

Grafik 1 – Quelle: Neil Perkin

Die Erwartungen und die Realität auf diesem Weg zum Erfolg klaffen bei sog. First-Time Foundern sehr stark auseinander. Ich habe viele Gründer in den letzten Jahren kennengelernt und leider auch eine Menge scheitern gesehen. Wir (Investoren) suchen täglich die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Uns sind die typischen Entwicklungsphasen eines Startups (siehe Grafik 1) nur zu gut bekannt. Wenig verwunderlich ist das Business Angels und VCs den selben Prozess aus ihrem Blickwinkel betrachtet anders sehen (siehe Grafik 2).

Grafik 2 – Quelle: Tribal Advisors

Einen Totalverlust erleiden im übrigen die wenigsten Gründer – dies trifft am ehesten die Investoren (wenn überhaupt). Das Gründerleben muss man sich aber dennoch leisten können. Gehälter sind nicht garantiert und die ein oder andere Durststrecke ist vorprogrammiert. Viele der erfolgreichsten Gründer könnten sich leisten durchzuhalten. Das ist Kriegs entscheidend da das Timing der wichtigste Erfolgsfaktor ist und falsches Timing kann man (manchmal) aussitzen.

Quelle: Venionaire Capital

Über Misserfolge spricht man nicht

In unserem Breitengraden spricht man nicht gerne über Misserfolge. Im Gegenteil man ist bemüht diese Meldungen möglichst positiv zu verpacken, da man sonst als Verlierer abgestempelt wird. Ich habe am eigenen Leib erfahren was es heißt im Startup-Ökosystem geprügelt zu werden als wir unseren ersten Fonds nicht auf die Straße brachten. Die wenigsten haben mir direkt ins Gesicht gesagt, dass sie enttäuscht sind und für die Hintergründe hatte niemand Zeit. Was soll ich sagen: „Wir haben viel gelernt – ein Rückschlag passiert den besten – wir sind aber froh das wir durchgehalten haben und danken jenen die immer zu uns gestanden haben“.

Wer ein Unternehmen eröffnet geht ein Risiko ein. Wer ein Startup startet, den Anspruch auf exponentielles Wachstum erhebt und sich dafür radikaler Innovation bedient – der riskiert noch viel mehr. In diesem Fall bewegt sich das Gründerteam noch viel weiter aus der persönlichen Komfortzone, da man bewusst auf den (meist langwierigen) Aufbau einer Kundenbasis oder die Entwicklung einer Technologie setzt. Wachstum aus eigenem Umsatz ist in diesem Fall kaum möglich.

Fakt: Das Risiko der Selbstständigkeit oder etwa Investments in hoch riskante Startups wird steuerlich in Österreich nicht abgegolten – auch die Situation der „Versicherung“ ist mitunter nachteilig. In manchen Fällen kann man Förderungen einreichen und so Zuschüsse oder günstigere Kredite erhalten. Ein Angestellter ist in der Regel besser dran als ein Unternehmer! Hier könnten wir noch viel von anderen Ländern u.a. UK lernen.

In einem Land wie Österreich – wo man die Vollkasko Mentalität quasi erfunden hat – ist Unternehmertum nicht all zu beliebt. In Fernsehsendungen wie „Hölle der Löwen“ oder „2 Minuten, 2 Millionen“ fiebert man eifrig mit und freut sich mit dem ein oder anderen Gründer des es schafft..

Viele der dort präsentierten Ideen sind durchaus unterhaltsam – keine Frage. Für alle die es amüsanter finden wenn etwas daneben geht und ein Unternehmer so richtig auf die Schnauze fällt darf man ankündigen, dass bald eine Fernsehsendung zu diesem Thema kommt – powered by fuckupnightsvienna.

Die Unicorn Herde

Durch die Digitalisierung, breite Verfügbarkeit von leistungsstarken Computern, Mobiltelefonen, sehr viel einfacheren Programmiersprachen und durch nahezu flächendeckendes Breitband-Internet ist ein regelrechter Startu-Boom ausgelöst worden. Selbst die Wirtschaftswissenschaft (Betriebswirtschaftslehre) erfährt durch diese stark wachsenden Unternehmen, eine Renaissance. Wer einen guten Job haben möchte sollte Data Scientist werden Digital Management, Big Data Analytics und Artificial Intelligence an den besten Unis der Welt bereits online studieren – siehe Harvardx. Es gibt eine extreme Nachfrage nach Talenten in diesem Bereich und ich bin überzeugt das diese noch steigen wird.

Grafik 3 – Quelle: CBInsights

Man könnte sagen es reicht den Laptop aufzumachen um die Welt zu verändern … tatsächlich gehört aber noch viel mehr dazu. Statistisch wird man es mit weniger als 1% Wahrscheinlichkeit schaffen in die Herde der Unicorns aufzuschließen – die Chancen sind aber immer noch besser als Lotto zu spielen.

Grafik 4 – Quelle: CBInsights

Fonds investieren immer weniger in Ideen – sie wollen Kennzahlen bzw. einen Beleg dafür sehen das jemand bereit ist für ein Produkt tatsächlich zu bezahlen. Die Wunden der Dot.com Bubble sind noch tief – man hat dazu gelernt und will die selben Fehler nicht noch einmal machen. Investoren sichern darüber hinaus das Risiko ihrer Investments heute auch sehr viel stärker ab. Liquiditätsvorzüge (Liquidation Preferences) mit einem Multiple größer 2x sind keine Seltenheit mehr.

Erfolgsfaktoren vs. Misserfolgsfaktoren

Es ist eine alte Weisheit, aber ich werde nicht müde sie zu teilen: “Die beste Geschäftsidee, verliert gegen die zweit Beste – insb. wenn diese Idee das bessere Team treibt.”. Das Geheimnis vieler Startups liegt in der Umsetzung der Idee, nicht in der Einzigartigkeit und am Timing. Die Chancen eines Startups steigen nicht durch die bloße Höhe von Investments die es erhält – im Gegenteil zu viel Kapital kann (insb. am Anfang) sogar ein Nachteil sein. Mit vollen Taschen ist man z.B. schnell versucht ein Produkt mit schwacher Retention zu stark zu bewerben, so verbrennt man Kunden und auch seine Marke.

Accelerator und die richtigen Business Angels helfen viele Anfängerfehler zu vermeiden. Diese Investoren bzw. Programme bringen in der Regel auch gesteigerte Medien-Reichweite mit sich. Geschickte Startups verstehen diese Hebel sogar noch zu verstärken – so etwa Pynk, das Startup publizierte unmittelbar nach der Aufnahme in das 360Lab einem Medium Artikel der wiederum durch das Team des 360Lab Accelerators viral verbreitet wurde.

Bei einem Accelerator geht es darum das Produkt zu schärfen, Reichweite zu gewinnen, die besten Investoren kennen zulernen und als Team zu wachsen. 360Lab inszeniert die Auswahl der Startups für den Batch (5 aus den letzten 10 Finalisten) bereits als Fernsehshow „XCite“ – in der Jury durfte ich kürzlich in Warschau sitzen – so entstehen gute Bilder die man in den folge Monaten perfekt vermarkten kann.

Gerade zu toxisch kann es für ein Startup sein, wenn unerfahrene Investoren ihren Schützlingen bei wichtigen Entscheidungen im Weg stehen oder diese in eine falsche Richtung beraten. In diesem Fall sind Probleme vorprogrammiert.

Zwei Klassiker sind:

  • Zu viele kleine Investoren, die alle auf dem Cap-Table stehen wollen, aber nicht genug „fire-power“ für Folgerunden mitbringen. Das macht Entscheidungen mitunter schwierig und Folgeinvestoren winken sehr häufig ab.
  • Die Teilnahme an einem Accelerator wird oft kurzsichtig betrachtet. Ich sehe immer wieder das Investoren Gründern die Teilnahme untersagen, weil sie vermeintlich bereits eine höhere Bewertungen bezahlt haben. Die Konditionen von Programmen wie sie etwa Seedcamp, Y-Combinator, 360Lab oder Startup Bootcamp bieten werden schlicht falsch verstanden – es geht dabei um viel mehr als um ein Cash-Investment!

Ich wünsche euch viel Glück mit euren Ventures – meldet euch einfach wenn ihr Fragen habt via LinkedIN.