5 Gründe – Warum 2020 Tech-Aktien fliegen werden

Nach einem guten Börsenjahr 2019, dürfen wir uns 2020 auf ein noch besseres Jahr freuen. Insbesondere für Technologiewerte – sog. Tech-Aktien – sehen die Vorzeichen gut aus und das freut mich natürlich besonders. Eine Blase oder Rezession sehe ich persönlich nicht (vgl. Auslblick 2020), im Gegenteil der Konsum hat im 4. Quartal 2019 überrascht und ich sehe aufgrund einiger Parameter besonders großes Potenzial für Tech-Aktien. Wie regelmäßige Leser meines Blogs wissen investiere ich als Business Angel regelmäßig in Gründungsphasen (Startups), über Venture Vehikel durch mein Unternehmen Venionaire Capital in Wachstumsphasen und rücke mit meinem Wikifolio „Digital Gamechangers“ Tech-Aktien ins Rampenlicht, die ich besonders stark empfinde. Meine Positionen im Wikifolio ändern sich laufend, es gibt aber regelmäßig Werte die länger vertreten sind – die behalte ich aber auch im Auge. Die letzten zwei Jahre waren für mich gute Börsenjahre – mein Wikifolio erzielte durchschnittlich 11,3% p.a., was deutlich über der Performance europäischer bzw. der deutschen Börsen lag. Ich hoffe eure Portfolios sind ebenfalls gut gelaufen und wir können uns an dieser Stelle gemeinsam freuen.

Quelle: Screenshot (25.12.2019), Wikifolio.com

Ich bin aber keines Wegs ein Börsen-Guru und möchte auch nicht so verstanden werden. Mein persönliches Interesse und meine Analysen dürfen auch nicht als Beratung oder Anlageempfehlung verstanden werden. Ich teile meine Eindrücke, da ich ein großer Fan von Social Trading bin und freue mich immer wieder über den Austausch und Diskurs mit gleichgesinnten. Technologie-Aktien (vgl. NASDAQ) liefen generell sehr gut in den letzten Jahren und das hat gute Gründe.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, einer Zeit in der die Welt auf den Kopf gestellt wird. Wer nicht laufend innoviert, verliert! So wird beispielsweise Tesla ein höherer Marktwert beigemessen als so manchem „alten“ Automobilriesen – das entspricht sicher nicht dem inneren Wert des Unternehmens heute, aber es sagt viel über die Zukunftschancen der Konzerne aus die von Anlegern beigemessen werden. Es ist eine Zeit in der es hinter verschlossenen Türen rund geht. Eine Zeit in der die ärmsten Reich und die Reichen alles verlieren können. Wie erkennt man aber die Zeichen und die richtigen Trends? Habe ich nur Rückenwind von einem globalen Trend oder macht sich die harte Arbeit doch bezahlt? Kann man Alpha erzielen und besser als der Markt veranlagen? Diese Fragen müsst ihr für euch selbst beantworten. Ich persönlich erwarte neben einem äußerst positiven Marktumfeld für Venture Capital und Startups (siehe Ausblick 2020) jedenfalls ein sehr starkes Jahr für Tech-Aktien und ich erkläre gerne warum:

1. Mehr Ressourcen, zu geringeren Kosten

Der scheinbar „plötzliche“ Durchbruch exponentieller Technologien hat immer sehr logische Gründe (das gilt in jeder Innovationswelle) und es gab auch immer Vorboten die man mit etwas Glück, Erfahrung und Verstand erkennen konnte. Der Siegeszug der Digitalisierung steht direkt im Zusammenhang mit der Entwicklung von Kosten und der Verfügbarkeit von skalierbaren Speichermedien und Rechenleistung – hier sind „Cloud-Services“ von Microsoft und Amazon neben vielen anderen wahre Gamechanger und spitzen Geschäftsmodelle. Speicher und Rechenleistung ist fast unbegrenzt verfügbar. Eine gewisse Abhängigkeit (andererseits wohl eine stabile Kundenbeziehung) wird aufgrund geringer Kosten weitläufig in Kauf genommen. Zur selben Zeit ist die Bandbreite des Internets (sowie dessen Abdeckung) noch nie so groß gewesen, wie heute und es gibt immer noch sehr viele Menschen auf dieser Welt die eingeschränkten Zugang haben!

Quelle: Venionaire Capital

2. Die 6. Welle der Digitalisierung (AI) bringt exponentielles Wachstum

Wenn einem bewusst wird, dass bislang erst ein Drittel des globalen BiP digitalisiert wurde und erkennt man das die bisherige Entwicklung noch kaum einen positiven Anstieg der Produktivität bewirkte (vlg. New York – Innovation und Dynamik), dann versteht man schnell wie groß das Potenzial der Digitalisierung (auch heute noch) ist. Wir stehen nicht am Anfang, aber die Geschichte des Wandels ist definitiv noch nicht geschrieben – wohl erst die ersten 6 Kapitel.

Das nächste Kapital – Künstliche Intelligenz – fasziniert mich besonders. Auf diesem Gebiet haben die Technologie Riesen (Amazon, Google, Facebook, Alibaba, Tencent, etc.) die Nase vorne, da sie schlicht auf einer Unmenge bislang ungenutzter oder zumindest nur schwach genutzter Daten sitzen.

Quelle: World Economic Forum, Accenture

3. Das Potenzial in Europa wird erst gezündet

Europa ist zwar noch gem. WIPO Statistik dank der Schweiz, Schweden und England unter in den Top 5 der innovativsten Ländern der Welt vertreten. Die Region verlor aber Jahr für Jahr deutlich an Boden und es ist leider zu erwarten das keines dieser Länder an der Spitze bleiben wird. In Sachen „New-Economy“ wird Europa bereits länger als Schlusslicht bezeichnet. Zu lange hat man verabsäumt B2C Tech-Unternehmen zu entwickeln bzw. in diese zu investieren. Die Zahl der Tech-Riesen aus Europa ist folglich sehr klein bzw. beschämend. Rekordsummen bei Venture Capital Investments und die steigende Zahl der Unicorns in Europa liegt maximal im globalen Trend – diese Zahlen täuschen, wenn man den internationalen Vergleich unterlässt. Zugpferde sind heute China und die USA – obwohl Europa alles hat was ein Innovations-Champion braucht, ausgenommen der Finanzierung für die nächste Welle. Das Blatt soll sich 2020 aber wenden.

Die EU wird neben verschiedenen bestehenden Programmen der EIB und des EIF, (endlich) zusätzliche EUR 20 Mrd. (jährlich) investieren. Darüber hinaus hat der chinesische Technologiekonzern „Tencent“ (etwa bei N26 und WeChat investiert) angekündigt 2020 USD 10 Milliarden in Europa investieren zu wollen. Dieses Kapital kommt zur richtigen Zeit. Die Handbremse in Europa kann sich dadurch lockern und vielleicht sogar das ein oder andere Unternehmen beflügeln global aufzumischen. Ich hoffe das wir so auch spannende IPOs 2020 und 2021 zu sehen bekommen.

4. Positive Effekte des technologischen Wandels bislang unterschätzt

Gute Politik baut auf noch besseren Daten und Studien. Jüngste Analysen zeigen das es (bei allen bekannten Nachteilen) bislang unbeachtet positive soziale- wie auch wirtschaftliche Effekte im Zusammenhang mit der Digitalisierung gibt. Politik bzw. Förderungen staatlicher Stellen, in Europa, werden zielgerichteter und vermutlich deutlicher stärker investieren um Europa wieder an die Spitze zu bringen – jetzt wo man klarer sieht.

Quelle: World Economic Forum, Accenture

5. Die einzige Konstante ist Veränderung

Schon der griechische Philosoph Heraklit wusste: „Die einzige Konstante ist Veränderung“ und dieses Zitat ist heute aktueller den je. Innovationszyklen folgen so dicht aufeinander wie noch nie zuvor. Die Folgen sind spürbarer den je und Vorstände ist gefordert mutige Investitionsprogramme für die Zukunft zu lancieren. Die Folge sind höhere Budgests für M&A, Innovation und Corporate Venture Capital und dies wird von Aktionären positiv bewertet. Wer nicht innoviert, verliert – oder anderes gesagt, wer auf der Bremse sitzt den strafen die Investoren ab. Es war für Interessant von einem befreundeten Aktien-Analysten zu hören, dass sie heute mehr als früher auf diese Aspekte achten. Der Unternehmenswert an der Börse spiegelt letztlich das Zukunftspotenzial eines Unternehmens wieder. Heute könnte man auch sagen wie gut das Unternehmen mit dem „Innovationsdruck“ bewältigt.

Ähnliches Foto
Quelle: Smart Turn Effect

Conclusio

Man muss kein Genie sein um Eins und Eins zusammen zu zählen. Technologie Unternehmen sind gewohnt laufend zu innovieren, das bringt ihnen deutliche Vorteile und somit bessere Zukunftsstrategien. Produktivität wird stark durch künstliche Intelligenzen bestimmt werden, hier ist die Frage: Wer wird die Schaufel im Goldrausch verkaufen – wohl einer der Tech-Riesen. Für Unternehmen die an der Spitze eines Marktes sitzen gilt: Nicht ausruhen! Margen, Geschäftsmodelle und Services werden nicht mehr „nur“ von den angestammten Wettbewerbern adressiert, es gibt eine Menge Quereinsteiger und das wird die Aktienmärkte 2020 noch gewaltig auf den Kopf stellen.

In diesem Sinne wünsche ich viel Glück, Gesundheit und Erfolg im Jahr 2020.

Startup & Venture Capital – Ausblick 2020

Am Ende eines jeden Jahres schauen wir zurück und ziehen Bilanz, wir schauen aber auch nach vorne und wagen eine Prognose. Für dieses Jahr habe ich mir etwas neues überlegt – ich würde gerne eure Einschätzung zu den wichtigsten Fragen im Venture und Startup Markt (deutschsprachiger Raum: Deutschland, Östererreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Süd-Tirol) einfangen. Ich bitte in diesem Sinn um eure Einschätzung auf folgende Fragen:

Frage 1:

Das Wirtschaftswachstum in Europa (2020),

  • .. wird sich verlangsamen. (51%, 24 Votes)
  • .. wird gegenüber 2019 unverändert. (36%, 17 Votes)
  • .. wird sich beschleunigen. (13%, 6 Votes)

Total Voters: 47

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Frage 2:

Venture Capital Finanzierungen in Europa (in Euro), werden gegenüber 2019

  • .. weiter ansteigen. (67%, 30 Votes)
  • .. unverändert bleiben. (20%, 9 Votes)
  • .. zurück gehen. (13%, 6 Votes)

Total Voters: 45

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Frage 3:

Die Zahl der Unicorns aus Europa im Vergleich zu 2019,

  • .. steigt. (64%, 29 Votes)
  • .. sinkt. (16%, 7 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (11%, 5 Votes)
  • .. bleibt gleich. (9%, 4 Votes)

Total Voters: 45

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Frage 4:

Early Stage Investments in Euro werden gegenüber 2019,

  • .. ansteigen. (50%, 23 Votes)
  • .. unverändert bleiben. (28%, 13 Votes)
  • .. zurück gehen. (22%, 10 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (0%, 0 Votes)

Total Voters: 46

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Frage 5:

Later Stage Investments in Euro werden gegenüber 2019

  • .. steigen. (71%, 30 Votes)
  • .. unverändert bleiben. (14%, 6 Votes)
  • .. zurück gehen. (14%, 6 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (0%, 0 Votes)

Total Voters: 42

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Frage 6:

Aktivität von Corporate Venture Capital Fonds in Euro,

  • .. wird gegenüber 2019 ansteigen. (71%, 29 Votes)
  • .. wird gegenüber 2019 zurückgehen. (17%, 7 Votes)
  • .. wird gegenüber 2019 unverändert. (10%, 4 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (2%, 1 Votes)

Total Voters: 41

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Frage 7:

Die Zahl der Secondary Fonds

  • .. steigt gegenüber 2019. (57%, 24 Votes)
  • .. kann ich nicht einschätzen. (19%, 8 Votes)
  • .. bleibt gegenüber 2019 unverändert. (12%, 5 Votes)
  • .. sinkt gegenüber 2019. (12%, 5 Votes)

Total Voters: 42

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Was braucht ein gutes Fundraising Pitch-Deck?

Fernsehshows wie „2 Minuten 2 Millionen“ oder „Höhle der Löwen“ haben den „Elevator Pitch“ von Startups in unseren Breitengraden erst so richtig berühmt gemacht – diese Shows zeigen aber ein etwas verzerrtes Bild der Realität (wie ihr euch sicher schon gedacht habt). Wenn ein Startup vor Investoren tritt und sein Unternehmen vorstellt, dann hat es regelmäßig rund 10 Minuten bis eine Stunde (im Einzelgespräch) dafür Zeit Investoren zu überzeugen. Das Ziel ist es nach dem Pitch in tatsächliche Verhandlungen zu treten – es muss also Interesse geschürt werden. Von einem ähnlichen Zeitbudget kann man ausgehen, wenn Startups ihr Deck einem Venture Fund schicken. Analysten werden zwischen 10 Minuten bis zu max. einer Stunde (inkl. Rückfragen) investieren, um eine erste Einschätzung für ihr Dealflow Meeting zu schreiben.

Was packt man also in so ein Pitch-Deck hinein? Wie schafft man es seine Geschichte („Equity Story“) richtig zu erzählen? Einer der berühmtesten Investoren – Guy Kawasaki – hat eine Formel für das ideale Pitch-Deck entwickelt (siehe Bild 1). Ich finde die Übersicht fantastisch und empfehle sie mindestens einmal pro Woche einem Startup. Das zugehörige Buch – THE ART OF THE START 2.0 – sollte auch jeder Gründer gelesen haben :-).

The Only 10 Slides You Need in a Pitch

Bild 1 – Erstellt mit Visually.

Wer etwas mehr Hilfe bei der Erstellung der richtigen Slides braucht, wird auf der Webseite des Founder Institute einen sehr guten Leitfaden für das ideale Pitch-Deck finden. Praktisch an diesem Leitfaden ist, dass er prinzipiell der Struktur von Guy Kawasaki folgt und jede einzelne Folie mit praxisnahen Bespielen erläutert.

Ein paar Tipps von Herzen:

  • Nehmt euch Zeit für die Erstellung eures Pitch-Decks. Der Prozess zur Entwicklung eines richtig guten Decks kann schon mal 2 Wochen verschlingen.
  • Fragt so viele Gründer, die bereits über EUR 1 Million von Investoren erhalten haben, wie möglich um ihren Rat.
  • Nutzt Template und Design-Vorlagen – wie etwa Designhack.net oder – Investoren sehen laufend extrem hochwertige Präsentationen und da solltest Du nicht nachstehen.
  • Zwingt eure Inhalte aus wesentliche zu konzentrieren – 10 bis 12 Slides müssen reichen um das Interesse eines Investors zu wecken.
  • Vertraut auf keine Berater die nicht selbst einmal gegründet haben und selbst nie vor einem Investor gesessen sind.
  • Baut ein Pitch-Deck und haltet es immer aktuell! Ihr wollt nie einen Investor auf euer Deck warten lassen.
  • Achtet darauf das euer Pitch-Deck in einer Version mit mehr Text (für Email versandt), gekürzt (auf etwa 5-6 Slides) für adhoc Pitches oder auf einer Bühne – in etwa 2 Minuten, oder in der „Langversion“ in 10 Minuten gemütlich präsentiert werden kann.

Wer kann mir helfen?

Viele Gründer begehen den Fehler ihren Steuerberater oder Anwalt um Hilfe zu ersuchen – die meisten davon haben aber kaum, bis gar keine Erfahrung mit Fundraising. Wir arbeiten seitens Venionaire Capital zum Beispiel mit einzelnen Partnern von KPMG (Smart Start) eng zusammen, die selbst aktiv Erfahrung als Business Angels haben. Gemeinsam haben wir Europas führendes Investoren Netzwerk aufgebaut – European Super Angels Club.

Wenn du selbst nicht weiterkommst und aus dem Berater-Dschungel einfach nicht mehr hinaus siehst – schreib mir einfach eine direkte Nachricht. Ich helfe gerne persönlich weiter wo ich kann (das ist schließlich mein Job), wir bieten via Venionaire Capital auch regelmäßig Fundraising-Workshops für Start-Ups an. Als Spezialisten für Fundraising helfen unsere Spezialisten auch gerne hands-on bei Pitch-Decks, Finanzplänen, Unternehmensbewertungen (inkl. Muster-Term-Sheets). Wir haben sogar schon eine Reihe von Startups sehr erfolgreich für ihre Auftritte bei der „Höhle der Löwen“ oder „2 Minuten 2 Milliionen“ vorbereitet. Wenn ihr wollt, bekommen wir euch richtig Fit fürs Fundraising – ich verstehe aber auch, wenn du es zunächst auf eigene Faust probieren willst.

Startup Bewertung (k)ein Kinderspiel

Venture Capital Fonds haben dieses Jahr erneut Rekordvolumen eingesammelt, noch nie wurde soviel in Europas Tech-Startups investiert, gleichzeitig ging allerdings die Zahl der Transaktionen zurück. Diese Zahlen sagen uns, der Markt wird reifer, immer mehr europäische Startups schaffen es in den Unicorn Club. Die Zahl der Unicorns – stark dominiert aus China und den USA – ist so hoch wie noch nie, somit ist die Meldung über Rekordvolumen nicht gleichbedeutend damit das Europas Startup-Hubs zur Weltspitze aufschließen – sie folgen vielmehr dem globalen Trend (wenn überhaupt). Im Jahr 2019 gab es eine Rekordzahl von IPOs, gleichzeitig waren noch nie mehr Unicorns am Markt und das markiert den bisherigen Peak in der „Digitalen Revolution“, dieser Trend wird allerdings anhalten denke ich.

Der Wettbewerb um Funding für Startups in frühen Phasen wird unter dessen härter. Vor einigen Jahren reichte es noch ein gutes Team und schöne „erste“ KPIs zu zeigen. Von der nächsten Generation von Startups wird aber mehr erwartet! Nach der Digitalisierung von „alten“ Geschäftsmodellen und Prozessen, der Sammlung und Strukturierung wichtiger Datenpunkte, muss nun die Produktivität durch Automatisierung und Künstliche Intelligenzen gesteigert werden. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Sind Milliarden Bewertungen gerechtfertigt?

Völlig willkürlich sind Startup-Bewertungen in der Tat nicht, auch wenn das angesichts der vielen Unicorns schwer zu glauben ist. Die berufliche bzw. professionelle Praxis folgt klaren Regeln und Standards – wie sie etwa in den IPEV Guidelines (http://www.privateequityvaluation.com/Valuation-Guidelines) festgeschrieben sind. Wer selbst einmal rechnen möchte wie viel sein Startup oder vielleicht das nächste Investment wirklich Wert ist, kann ab jetzt ein neues Tool nutzen.


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Der Startup-Bewertungsrechner bildet die zwei wichtigsten Bewertungsmodelle der Venture Industrie ab – in meinem Interview mit derBrutkasten heute morgen habe ich mehr dazu erklärt, ein paar Tipps für die Benutzung des Rechners gegeben und auch gleich mit ein paar Mythen aufgeräumt.

Empfehlung: Ich schreibe Regelmäßig für das Online Medium derBrutkasten (eines der führenden Startup-Medien im deutschsprachigen Raum) – viel Spass beim Lesen – unter diesem Link findet ihr alle meinen bisherigen Beiträge.

Nur 1% Startups haben Erfolg

Mit einem Startup Erfolg zu haben sieht leichter aus als es ist. Wir sehen immer nur die fröhlichen Gesichter der erfolgreichsten Gründer und vergessen das 99% der Unternehmen beim Versuch die Welt zu erobern scheitern. Daran ist durchaus auch das überzeichnet positive Bild in den Medien schuld, aber sicher nicht ausschließlich, es liegt auch an der Generation Y (der Generation “Startup”) selbst.

Das Bild in sozialen Medien wird perfekt poliert – so sind wir aufgewachsen, wir haben uns früh spielerisch mit Medien auseinandergesetzt und gelernt sie zu nutzen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Generation Y tatsächlich sehr frustriert ist und geradezu einen kulturellen Druck verspürt Erfolge zu feiern, alles und noch mehr zu erreichen.

Der Ruf nach einer “Kultur des Scheiterns” dieser – meiner – Generation wird meines Erachtens oft falsch verstanden. Es mag etwas Schizophren klingen, aber wer die Generation richtig versteht, versteht das Misserfolge gefeiert werden müssen. Man rückt das positive in den Vordergrund, das erlernte – vergisst die verlorenen Millionen – und vermeidet somit das Stigma des Verlierers.

Generation Y = Generation Startup

Viel zu viele in unserer Generation eifern gepimpten Facebook und Instagram Profilen nach. Einige nutzen die technischen Möglichkeiten und versuchen ihre Träume und Visionen für eine „bessere Welt“ zu realisieren und entwickeln ein Produkt oder einen Service und testen ihren Business Case am Kunden. Schnell testen, aber auch schnell wieder verwerfen ist die Devise. Wer den Schritt in ein Startup wagt, verlässt die Komfortzone und begibt sich auf eine verrückte Achterbahnfahrt. Am Anfang erwarten viele das schnelle Geld – wie viel Arbeit am Weg dort hin wartet, erkennt man kurz darauf.

Grafik 1 – Quelle: Neil Perkin

Die Erwartungen und die Realität auf diesem Weg zum Erfolg klaffen bei sog. First-Time Foundern sehr stark auseinander. Ich habe viele Gründer in den letzten Jahren kennengelernt und leider auch eine Menge scheitern gesehen. Wir (Investoren) suchen täglich die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Uns sind die typischen Entwicklungsphasen eines Startups (siehe Grafik 1) nur zu gut bekannt. Wenig verwunderlich ist das Business Angels und VCs den selben Prozess aus ihrem Blickwinkel betrachtet anders sehen (siehe Grafik 2).

Grafik 2 – Quelle: Tribal Advisors

Einen Totalverlust erleiden im übrigen die wenigsten Gründer – dies trifft am ehesten die Investoren (wenn überhaupt). Das Gründerleben muss man sich aber dennoch leisten können. Gehälter sind nicht garantiert und die ein oder andere Durststrecke ist vorprogrammiert. Viele der erfolgreichsten Gründer könnten sich leisten durchzuhalten. Das ist Kriegs entscheidend da das Timing der wichtigste Erfolgsfaktor ist und falsches Timing kann man (manchmal) aussitzen.

Quelle: Venionaire Capital

Über Misserfolge spricht man nicht

In unserem Breitengraden spricht man nicht gerne über Misserfolge. Im Gegenteil man ist bemüht diese Meldungen möglichst positiv zu verpacken, da man sonst als Verlierer abgestempelt wird. Ich habe am eigenen Leib erfahren was es heißt im Startup-Ökosystem geprügelt zu werden als wir unseren ersten Fonds nicht auf die Straße brachten. Die wenigsten haben mir direkt ins Gesicht gesagt, dass sie enttäuscht sind und für die Hintergründe hatte niemand Zeit. Was soll ich sagen: „Wir haben viel gelernt – ein Rückschlag passiert den besten – wir sind aber froh das wir durchgehalten haben und danken jenen die immer zu uns gestanden haben“.

Wer ein Unternehmen eröffnet geht ein Risiko ein. Wer ein Startup startet, den Anspruch auf exponentielles Wachstum erhebt und sich dafür radikaler Innovation bedient – der riskiert noch viel mehr. In diesem Fall bewegt sich das Gründerteam noch viel weiter aus der persönlichen Komfortzone, da man bewusst auf den (meist langwierigen) Aufbau einer Kundenbasis oder die Entwicklung einer Technologie setzt. Wachstum aus eigenem Umsatz ist in diesem Fall kaum möglich.

Fakt: Das Risiko der Selbstständigkeit oder etwa Investments in hoch riskante Startups wird steuerlich in Österreich nicht abgegolten – auch die Situation der „Versicherung“ ist mitunter nachteilig. In manchen Fällen kann man Förderungen einreichen und so Zuschüsse oder günstigere Kredite erhalten. Ein Angestellter ist in der Regel besser dran als ein Unternehmer! Hier könnten wir noch viel von anderen Ländern u.a. UK lernen.

In einem Land wie Österreich – wo man die Vollkasko Mentalität quasi erfunden hat – ist Unternehmertum nicht all zu beliebt. In Fernsehsendungen wie „Hölle der Löwen“ oder „2 Minuten, 2 Millionen“ fiebert man eifrig mit und freut sich mit dem ein oder anderen Gründer des es schafft..

Viele der dort präsentierten Ideen sind durchaus unterhaltsam – keine Frage. Für alle die es amüsanter finden wenn etwas daneben geht und ein Unternehmer so richtig auf die Schnauze fällt darf man ankündigen, dass bald eine Fernsehsendung zu diesem Thema kommt – powered by fuckupnightsvienna.

Die Unicorn Herde

Durch die Digitalisierung, breite Verfügbarkeit von leistungsstarken Computern, Mobiltelefonen, sehr viel einfacheren Programmiersprachen und durch nahezu flächendeckendes Breitband-Internet ist ein regelrechter Startu-Boom ausgelöst worden. Selbst die Wirtschaftswissenschaft (Betriebswirtschaftslehre) erfährt durch diese stark wachsenden Unternehmen, eine Renaissance. Wer einen guten Job haben möchte sollte Data Scientist werden Digital Management, Big Data Analytics und Artificial Intelligence an den besten Unis der Welt bereits online studieren – siehe Harvardx. Es gibt eine extreme Nachfrage nach Talenten in diesem Bereich und ich bin überzeugt das diese noch steigen wird.

Grafik 3 – Quelle: CBInsights

Man könnte sagen es reicht den Laptop aufzumachen um die Welt zu verändern … tatsächlich gehört aber noch viel mehr dazu. Statistisch wird man es mit weniger als 1% Wahrscheinlichkeit schaffen in die Herde der Unicorns aufzuschließen – die Chancen sind aber immer noch besser als Lotto zu spielen.

Grafik 4 – Quelle: CBInsights

Fonds investieren immer weniger in Ideen – sie wollen Kennzahlen bzw. einen Beleg dafür sehen das jemand bereit ist für ein Produkt tatsächlich zu bezahlen. Die Wunden der Dot.com Bubble sind noch tief – man hat dazu gelernt und will die selben Fehler nicht noch einmal machen. Investoren sichern darüber hinaus das Risiko ihrer Investments heute auch sehr viel stärker ab. Liquiditätsvorzüge (Liquidation Preferences) mit einem Multiple größer 2x sind keine Seltenheit mehr.

Erfolgsfaktoren vs. Misserfolgsfaktoren

Es ist eine alte Weisheit, aber ich werde nicht müde sie zu teilen: “Die beste Geschäftsidee, verliert gegen die zweit Beste – insb. wenn diese Idee das bessere Team treibt.”. Das Geheimnis vieler Startups liegt in der Umsetzung der Idee, nicht in der Einzigartigkeit und am Timing. Die Chancen eines Startups steigen nicht durch die bloße Höhe von Investments die es erhält – im Gegenteil zu viel Kapital kann (insb. am Anfang) sogar ein Nachteil sein. Mit vollen Taschen ist man z.B. schnell versucht ein Produkt mit schwacher Retention zu stark zu bewerben, so verbrennt man Kunden und auch seine Marke.

Accelerator und die richtigen Business Angels helfen viele Anfängerfehler zu vermeiden. Diese Investoren bzw. Programme bringen in der Regel auch gesteigerte Medien-Reichweite mit sich. Geschickte Startups verstehen diese Hebel sogar noch zu verstärken – so etwa Pynk, das Startup publizierte unmittelbar nach der Aufnahme in das 360Lab einem Medium Artikel der wiederum durch das Team des 360Lab Accelerators viral verbreitet wurde.

Bei einem Accelerator geht es darum das Produkt zu schärfen, Reichweite zu gewinnen, die besten Investoren kennen zulernen und als Team zu wachsen. 360Lab inszeniert die Auswahl der Startups für den Batch (5 aus den letzten 10 Finalisten) bereits als Fernsehshow „XCite“ – in der Jury durfte ich kürzlich in Warschau sitzen – so entstehen gute Bilder die man in den folge Monaten perfekt vermarkten kann.

Gerade zu toxisch kann es für ein Startup sein, wenn unerfahrene Investoren ihren Schützlingen bei wichtigen Entscheidungen im Weg stehen oder diese in eine falsche Richtung beraten. In diesem Fall sind Probleme vorprogrammiert.

Zwei Klassiker sind:

  • Zu viele kleine Investoren, die alle auf dem Cap-Table stehen wollen, aber nicht genug „fire-power“ für Folgerunden mitbringen. Das macht Entscheidungen mitunter schwierig und Folgeinvestoren winken sehr häufig ab.
  • Die Teilnahme an einem Accelerator wird oft kurzsichtig betrachtet. Ich sehe immer wieder das Investoren Gründern die Teilnahme untersagen, weil sie vermeintlich bereits eine höhere Bewertungen bezahlt haben. Die Konditionen von Programmen wie sie etwa Seedcamp, Y-Combinator, 360Lab oder Startup Bootcamp bieten werden schlicht falsch verstanden – es geht dabei um viel mehr als um ein Cash-Investment!

Ich wünsche euch viel Glück mit euren Ventures – meldet euch einfach wenn ihr Fragen habt via LinkedIN.

7 Kennzahlen die Startups kennen müssen

Startups erobern die Welt. Investoren zahlen (scheinbar) fantastische Bewertungen und so mancher Banker schüttelt seinen Kopf. Grund genug, einen Überblick der sieben wichtigsten Kennzahlen (für Digital Startups) zu geben die sich professionelle Investoren ansehen, um Startups zu analysieren. Diese Kennzahlen verwenden Startups entsprechend regelmäßig, um ihr Unternehmen zu steuern.

Die erfolgreichsten Startups und Investoren verfolgen nahezu obsessiv Kennzahlen und versuchen diese laufend durch gezielte Experimente zu optimieren.

Kundengewinnungskosten – engl. Customer Acquisition Cost (CAC)


CAC ist der durchschnittliche Geldbetrag, den ein Startups für Vertrieb, Marketing und damit verbundene Ausgaben ausgeben muss, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Die Kennzahl sagt etwas über die Effizienz der getroffenen Marketingaktivitäten aus. Die Kennzahl wird aussagekräftiger, wenn sie mit einigen der anderen untenstehenden Kennzahlen kombiniert wird – oder etwa im Vergleich zum CAC der Wettbewerber.

TIPP: Venture Capital Fonds haben in der Regel einen ganz guten Überblick über „übliche“ Kundengewinnungskosten eines Startups in einem Geschäftsfeld und einer entsprechenden Entwicklungsphase – daher ist es ratsam früh mit Investment Managern zu sprechen und Zielwerte die sie erwarten zu erfragen!

Kundenbindungsrate – engl. Customer Retention Rate (CRR)

Kunden zu gewinnen ist eine Sache – man kann Downloads letztlich einkaufen. Kunden zu behalten ist daher die Kür! Die CRR beschreibt wie viele Kunden zahlende bzw. aktive Nutzer bleiben. Üblicherweise betrachtet man diese Kennzahl im Monats- oder Jahresvergleich und sollte einen Wert > 30% (mindestens) erreichen. Als Faustregel kann man sich merken das ein Investment in Kundenbindung nur in Fünftel so viel kostet, wie einen neuen Kunden zu gewinnen!

Der Kehrwert dieser Kennzahl wird Churn-Rate (oder Absprungrate) genannt und beschreibt den Prozentsatz der Kunden, welche ein Startup in einem bestimmten Zeitraum verliert. Eine hohe Kundenbindungsrate ist ein Indikator dafür das man Kunden begeistert und ein „wertvolles“ Produkt entwickelt hat – es ist in der Tat nicht einfach bei der Fülle an Apps die ein Nutzer auf sein Handy lädt oder Software die ein Unternehmer aktiviert in tägliche Nutzung zu kommen bzw. diesen für langfristige Zahlungspläne zu überzeugen.

TIPP: Kunden mit sehr schwacher Aktivität oder gar Inaktivität ihres Produkts direkt fragen: „Warum nutzt du unser Produkt nicht mehr? Was können wir verbessern? Lernen sie von ihren Kunden.

Wert eines Kunden im Lebenszyklus – engl. Lifetime value (LTV)

Der Lifetime Value (LTV) ist der durchschnittliche Nettowert eines Kunden für Ihr Unternehmen über die geschätzte Dauer der Beziehung zu Ihrem Unternehmen bzw. Produkt. Das Verständnis dieser Zahl, insbesondere in Bezug auf CAC, ist entscheidend für den Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens.

Manche Investoren sehen diese Kennzahl Verhältnis von CAC zu LTV als die goldene Metrik. Sie ist ein sehr einfacher Indikator für die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells. Wenn ein Unternehmen vorhersehbar und wiederholt ein hohes Verhältnis dieser Kennzahl erreicht, dann ist es nachhaltig.

Der Nachteil dieser Kennzahl ist, dass Startups in frühen Entwicklungsstadien schlicht den LTV ihrer Kunden noch nicht qualifiziert einschätzen können.

TIPP: Zur Berechnung des LTV empfehle ich das Harvard Modell.

Wachstumsdynamik – engl. Lead Velocity Rate (LVR)

Die LVR ist meine Lieblingskennzahl – auch wenn sie in unseren Breitengraden erst langsam den Markt durchdringt. Die Kennzahl beschreibt den Wachstumsprozentsatz der qualifizierten Leads von Monat zu Monat. Sie misst die Entwicklung ihrer Kundenpipeline und hat mehr Aussagekraft für mich als Venture Capital bzw. Business Angel Investor als ihr Umsatz (da dies ein Vergangenheitswert ist), da man mit Wachstumskapital nur die Verkaufskraft verstärken nicht aber „erfinden“ kann. Die Aussage der Kennzahl ist sehr einfach: Wie viele potenzielle Kunden haben sie tatsächlich in ihrer Pipeline.

Ist kein ausreichend großer Trichter an qualifizierten Leads vorhanden – hat das Startup in der Regel noch gar keinen „professionellen“ Vertrieb aufgesetzt und müsste zunächst ein operatives Thema lösen, bis es mit dem Verkauf richtig loslegen kann – das Risiko eines Investments in einem solchen Stadium ist deutlich höher.

[ (#) Qualifizierte Leads aktueller Monat – (#) Qualifizierte Leads letzter Monat ] / (#) Qualifizierte Leads letzter Monat X 100 = (%) Lead Velocity Rate

TIPP: Vergangenheitswerte werden gerne zur Schätzung des zukünftigen Potenzials herangezogen, daher sollte man den Vertrieb möglichst von Beginn an mit dieser Kennzahl steuern.

Amortisation der Kundengewinnungskosten – engl. CAC Amortisation

Wie lange dauert es bis wir die Kosten der Kundengewinnung (CAC) verdient haben. Wir sprechen also von Tagen, Wochen, Monaten – dieser KPI misst, wie lange es dauert, bis ein Kunde genügend Umsatz generiert hat, um den CAC zu decken. Diese Kennzahl hat einen direkten Einfluss auf den Cashflow und damit auf die Wachstumsgeschwindigkeit aus eigener Kraft.

TIPP: Diese Kennzahl sollte kleiner als 12 Monate sein, idealerweise bei max. 3 Monaten. Faustregel: Kommt ein Produkt nach spätestens 3 Monaten ins verdienen – ist es ein gutes Produkt.

Verbrennungsrate (ungedeckte Kosten) – engl. monthly burn

Kostenrechnung ist ein alter Hut. Wer seine Einnahmen und monatlichen Ausgaben (fix und variabel) versteht, versteht sein Unternehmen. Die „Burn Rate“ ist einfach der negative Nettobetrag des Cashflows.

Beispiel: Wenn ein Unternehmen den Monat mit EUR 30,000 in Bar beginnt und den Monat mit EUR 10,000 in Bar beendet, beträgt die Burn-Rate EUR 20,000. Die Kennzahl wird häufig missbräuchlich verwendet – in dem man damit die Gesamtkosten des Unternehmens fälschlicherweise betitelt. Wenn der monatliche Netto-Cashflow eines Unternehmens positiv ist, verbrennt es kein Geld.

TIPP: Wer gut Haushaltet lebt länger. Ich empfehle regelmäßig auf Kosten zu achten, da das Geld von Investoren teuer ist und man sich schnell die Gunst dieser verbauen kann wenn man schlecht wirtschaftet.

Laufzeit bis zum Ende der Liquidität – engl. Runway

Entscheidend für das Überleben eines jeden Startups ist die „Runway“. Sie beschreibt das Maß für die Zeitspanne, in der einem Unternehmen das Geld ausgeht – üblicherweise ausgedrückt in Monaten.

Die Laufzeit bis zum Ende der Liquidität wird berechnet, indem die verbleibenden Barmittel durch den monatlichen Verbrauch dividiert werden.

TIPP: Investoren ziehen es vor, eine konservative Schätzung der Kennzahl zu sehen und reagieren nahezu allergisch wenn diese zu optimistisch angegeben wird. Mit einer Investmentrunde holt man sich üblicherweise eine Runway von mind. 18 Monaten ins Haus (bei vollem Wachstum). Sollte die „runway“ eines Unternehmens unter 12 Monate sinken ist es Zeit mit dem Fundraising zu beginnen, sinkt sie unter 6 Monate ist Vorsicht geboten und man sollte Kosten senken bzw. eine Überbrückungsfinanzierung  „Bridge-Round“ starten.

Wie man Investoren findet?

Fundraising ist knifflig – man muss viele Bälle jonglieren und letztlich das Tagesgeschäft und die Finanzierung unter einen Hut bekommen. Das richtige Netzwerk, eine gute Equity Story, Verhandlungspsychologie, Timing und Erfahrung führen zum Erfolg. Unerfahrene Gründer haben hier einen drastischen Nachteil und das ist ganz natürlich. Die meisten Rookie-Gründer stolpern buchstäblich durch ihre erste Investmentrunde und überzeugen dabei mehr oder weniger erfahrene Business Angels – wobei sich dies oft erst 12 bis 24 Monate später herausstellt.

Business Angels sind meist sehr tief in den Startup-Ökosystemen verwurzelt und sind es gewohnt, junge Talente in einem sehr frühen Entwicklungsphasen zu entdecken, abzuholen und aufzubauen. Venture Funds steigen erst später ein und sind in ihrer Zugangsweise ein Stückchen anders.

Fonds haben in der Regel eine viel höhere Sichtbarkeit – alleine schon mal weil sie mehr Geld verwalten und ein ganzes Vollzeit Team beschäftigen. Sie pflegen ihre Marke und sind pro-aktiv in der Kommunikation und das hat einfache Gründe:

  • Eine gute Marke generiert zusätzlichen Deal-Flow,
  • sie stärkt die Position am Verhandlungstisch,
  • sie erhöht die Sichtbarkeit ihrer Portfoliounternehmen und zieht letztlich auch Investoren (sog. LPs) für ihre Fonds an.

Als Startup sollte man sich nicht unbedingt in einem ersten Schritt gleich an einen Fonds wenden. Häufig ist es besser einen Business Angel oder Mentor zu finden.

Venionaire unterstützt seit fast sieben Jahren Start-Ups bei der Mittelbeschaffung und Skalierung ihrer Geschäfte. In der Zeit ist das Wort „Start-Up“ fast schon inflationär geworden und die Investoren-Landschaft hat sich in Europa und den USA auch erheblich verändert. Heute gibt es viele neue Spieler am Feld und wöchentlich kommen neue dazu. Das Geschäft ist heute streng reguliert (siehe AIFM Gesetz) – die Zeiten für Cowboys sind vorbei.

Es gibt neben traditionellen Fonds heute auch viele Investmentnetzwerke (u.a. superangels.club), Family Offices, Stiftungen sowie einzelne vermögende Privatpersonen die regelmäßig und durchaus professionell in Start-Ups investieren. Aktuell sind rund 400 Business Angels in Österreich in Netzwerken registriert und man geht von weiteren 800 Personen aus die auf eigene Faust aktiv sind.

Gute Investoren teilen ihre Erfahrungen und helfen uns neue Investoren regelmäßig weiterzubilden – da es auch auf Seiten der Investoren Fehler gibt die man dringend vermeiden sollte. Das Business Angel Institute, welches ich vor einigen Jahren mitgegründet habe, bietet mittlerweile seine Investoren-Trainings in Europa und im Arabischen Raum (Saudi Arabien und Bahrain) als Marktführer an.

Wie findet man den richtigen Investor?

Gut 90% der Gründer ziehen das Thema Fundraising direkt an sich – weil sie vermeidlich Kosten sparen wollen und sich der Verantwortung stellen wollen. Löblich, aber nicht immer ganz schlau. Die internen Kosten werden gerne vernachlässigt. Gründer sollten sich sich auf ihre Produkte konzentrieren, Teams entwickeln und Meilensteine erreichen – 3-6 Monate auf ein anderes Thema (wie etwa Fundraising) zu konzentriert kann für ein Start-Up zu einem echten Problem werden.

Nachstehender 10 Punkte Leitfaden (ursprünglich auf Englisch auf venionaire.com von mir veröffentlicht) soll helfen, das Thema Fundraising so effizient wie möglich zu strukturieren und zu gestalten:

  • Bauen Sie einen „Funnel“ (Trichter) für Investoren, genau wie Sie es für Ihre Werbe-Newsletter (hoffentlich) machen – z.B. Landing Page & Newsletter über HubSpot / MailChimp.
  • Starten sie mindestens sechs Monate vor Ihrer nächsten Runde mit der verstärkten Aktivierung ihres Trichters.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Aktivierung jener Investoren, die über Ihre Kanäle ein aktives Engagement für Ihr Produkt und Ihr Team zeigen (lassen Sie Tools wie HubSpot die Auswertung machen).
  • Pflegen Sie intensive Beziehungen zu rund 10 Investoren und lernen sie wonach diese Investoren suchen (KPIs, Traction, Team, etc.).
  • Kommunizieren Sie Ihre Unternehmensentwicklung durch ihren Investoren-Newsletter (inkl. der Pipeline zukünftiger Investoren).
  • Bespielen Sie regelmäßig und professionell die Presse, Social Media und Konferenzen.
  • Halten Sie Ihr Pitchdeck und Ihre Unterlagen immer für Investoren bereit (niemand sollte darauf warten müssen).
  • Seien Sie vernünftig in Bezug auf Bewertung und Konditionen – professionelle Investoren werden Sie nicht ausnutzen, da in den kommenden Runden zu Problemen führt und da sie in der Regel sehr auf ihren Ruf achten.
  • Laden Sie Ihre bestehenden Investoren frühzeitig zu einer Überbrückungsfinanzierungsrunde „Bridge“ ein (falls nötig). Wenn Ihnen die Liquidität ausgeht, wird Ihre Position außerordentlich gefährlich. Sie verlieren viel Energie, Unternehmensanteile und Vertrauen der Stakeholder.
  • Verhandeln Sie nicht zu lange – schließen Sie Ihre Runden innerhalb von maximal drei Monaten ab!

Wenn Sie den Luxus haben, sich zwischen Investoren entscheiden zu können, empfehlen ich Ihnen einige Parameter abzufragen:

  • Anzahl der Portfoliounternehmen / Investmentmanager

Warum? Sie möchten wissen, ob sie über Ressourcen verfügen, um Ihr Unternehmen in der nächsten Entwicklungsphase zu unterstützen.

  • Internationales Expertennetzwerk

Warum? Es ist einfacher, einem bestehenden Netzwerk beizutreten, als eines von Grund auf neu zu erstellen.

  • Unterstützungsnetzwerk (Öffentlichkeitsarbeit, Personalwesen, Growth Hacking, Entwickler, etc.)

Warum? Sie benötigen Dienstleistungen, um Ihr Unternehmen zu stärken. Während Marketing in der Regel eher einfach zu lösen ist, wird die Einstellung von Talenten mit internationaler Erfahrung früher oder später zu einem echten Problem in jedem Hub werden.

  • Aktive Co-Investoren mit Portfoliounternehmen

Warum? Je besser ein Investor seine Investitionen auswählt und strukturiert, desto besser sind seine Beziehungen zu hoch angesehenen Co-Investoren. Einige Investoren werden sogar Co-Investoren einladen, ein Unternehmen während der Due Diligence zu begutachten.

  • Die Laufzeit des aktuellen Fonds und der Desinvestitionsdruck auf frühere Fonds.

Warum? Die meisten Fonds haben eine Laufzeit von zehn Jahren, nach 3-5 Jahren Investition und fünf Jahren Ernte müssen sie ihr Portfolio verkaufen. Sie wollen nicht im Portfolio eines Fonds landen, der schon bald durch unter Abverkaufsdruck steht.

Ein letzter Tipp:

Lassen Sie sich nicht von Stereotypen von Fondsmanagern täuschen. Man hat mir tausendmal gesagt, dass Investmentbanker im Vergleich zu ehemaligen Unternehmern schlechte VC-Investoren sind. Die Wahrheit ist aber das beide „Gruppen“ für sich nicht besonders gute Chancen haben – außer sie verschränken ihr Know-How. Ich habe mehrere Firmen gegründet und das Investmentbanking Geschäft über fast 10 Jahre von Grund auf gelernt. Erfahrungen aus beiden Welten helfen mir täglich.

Warum überhaupt die Positionierung? Es ist einfach Marketing – ehemalige Gründer positionieren sich gründerfreundlich und dafür reklamieren sie regelmäßig bessere Konditionen (einige übertreiben das – Achtung!). Banker haben häufig einen nüchterneren Zugang zu Zahlen und Prozessen, da sie wissen das es leichter ist mit professionell aufgestellten Startups zu arbeiten, ganz besonders in Folgerungen. In der Regel überzeugen Sie mit besseren „Later-Stage“ Investment Zugängen. Ideal ist es wenn ein Investor know-how aus beiden Welten in seinen Reihen hat.

2019 wird spannend!

  • Politische Börsen, Brexit und technologischer Wandel.
  • Venture Capital erneut stark.
  • Der nächste Krypto-Hype kommt bestimmt.
  • Startups 2019: Was kommt als nächstes?

2018 war ein aufregendes, aber auch turbulentes Jahr für Innovationsbegeisterte. Die Höhe der Venture Capital Investments kletterte auf ein neues Rekordniveau, während Aktienmärkte in Europa und in den USA stark unter Druck waren. In diesem Umfeld viel auch der Kurs meines Wikifolios. Neues Jahr, neue Chance. 2019 wird es sicherlich wieder Gelegenheit geben auf die ein oder anderen Rally aufzuspringen. Ich bin zuversichtlich das wir ein besseres Börsejahr vor uns haben.

Politisch ging es letztes Jahr wirklich rund: Die Brexit-Verhandlungen gingen ins Finale aber bisher ist nichts entschieden. Die Gefahr eines harten Brexits lebt, aber auch das „Kein Brexit“ Szenario ist mittlerweile denkbar. Im nahen und mittleren Osten kam es zu einer Neuordnung der Kräfte. Mit dem Rückzug der USA aus der Region haben Russland und die Türkei das Zepter in der Hand. Israel ist über die Entwicklungen alles andere als Glücklich und beobachtet kritisch. Die USA unter der Führung von Präsident Donald Trump haben einen Handelsstreit mit der Volksrepublik China zu lösen und in den etablierten Volkswirtschaften kämpfen nahezu alle Industrien weiterhin mit der digitalen Transformation. Die Dieselgate Affaire hat die Automobil Industrie zusätzlich getroffen.

Dringend müssen neue (gute) Margengeschäfte gefunden werden und das bedeutet das man viele eingefahrene Strukturen, Produkte und Services überdenken muss. Der Schmerz ist groß genug – endlich wird investiert. Dieser Umstand befeuert den Venture Capital und Private Equity Markt in Europa, da nun auch institutionelle Investoren langsam aufwachen und erkennen, dass Zeit ist die Portfolios neu auszurichten. Aber welche Themen werden wirklich heiß im nächsten Jahr?

Diese 3 Startup Vertikals werden 2019 am stärksten!

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Kryptowährungen und Blockchain – das war wohl das führende Gesprächsthema, quer durch alle Medien, Industrien und Interessensgruppen. Man konnte kaum ein Abend verbringen ohne zumindest kurz über dieses Thema zu sprechen, auch wenn die Technologie noch immer in sehr experimentellem Stadium zu sein scheint und echt sinnvolle Anwendungen weiterhin auf sich warten lassen.

Der nächste Hype kommt bestimmt

Zum Jahresanfang stürzten die Kurse von Kryptowährungen (allen voran Bitcoin (BTC)), nach ihrem raketenhaften Aufstieg (BTC zum 31.12.2017 > USD 20.000) zum Ende des letzten Jahres, in den Keller (BTC per 31.12.2018 > USD 3.500,–). Die Erklärung zu den Hintergründen der drastischen Kursbewegungen von Jahresende 2017 werden heute noch von US-Behörden auf mögliche illegale Aktivitäten untersucht. Die „Krypto-Euphorie“ aus 2017 war aber sicherlich nicht die letzte – in diesem Punkt sind sich alle Marktteilnehmer einig – die Blockchain-Technologie macht in vielen Bereichen Sinn und würde sich durchsetzen. Einige sprechen sogar von einer Revolution des Internets. Soweit würde ich aber nicht gehen.

Es kehrte Ernüchterung ein. Die Bewertung eines fairen Marktpreises für digitale Assets (am Beispiel von Krypto Gold = Bitcoin) erwies sich unter Finanzmarkt Experten als äußerst schwierig / unmöglich. Wenn ein Asset in einem Markt nicht objektiv bewertet werden kann, dann kann man kaum von einem guten Tausch- oder Wertaufbewahrungsmittel ausgehen. Selbst Experten aus der Krypto-Szene waren sich letztes Jahr sehr uneins darüber welche Entwicklung die Kurswerte der führenden Krypto-Assets in den nächsten 12 Monaten nehmen würden.

Macht nichts – der nächste Hype kommt bestimmt. Wir werden uns mit dem Thema alle noch sehr viel beschäftigen und wer (erst) jetzt damit beginnen möchte, dem empfehle ich diese Zusammenfassung der NZZ als Einstieg.

Der Finanzsektor rüstet auf

Die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen werden dann steigen, wenn die Technologie in sinnvollen Anwendungen (mehr als nur ICO Manifestos) in der Breite ankommt und die Finanzindustrie Produkte auf den Marktbringt die den Handel mit diesen Assets – etwa über ein ETF – auch für Retail-Kunden deutlich erleichtert. Egal ob man es gut findet oder nicht – es geht in diese Richtung, auch wenn sich die US-Behörden bisher (noch) intensiv dagegen stemmen.  

Die Finanzindustrie (Banken, Börsen, Dienstleister), insbesondere die großen Investmentbanken an der Wall Street, haben sich letztes Jahr stark mit dem Thema Krypto beschäftigt und massiv aufgerüstet. Wenn der nächste Krypto-Hype einsetzt, will man vorbereitet sein und selbst ein Stück vom Kuchen haben. Selbst die Börse Stuttgart etwa hat im August bereits eine eigene ICO Plattform für den Herbst 2018 angekündigt (bisher aber noch nicht fertiggestellt) auf dem Markt.

Die Nachrichten um eine mögliche Zulassung oder auch nicht Zulassung sogenannter Krypto ETFs in den USA bewege die Krypto-Märkte regelmäßig (sagen Insider). Institutionelle Anleger würden auf diese Instrumente geradezu warten, liest man quer über alle Krypto-Medien. Einfache Indexgebundene Wertpapiere (sog. ETNs) die die Wertentwicklung des Bitcoin abbilden, werden – wie man mit einer kurzen Google Recherche nach einem „Bitcoin Tracker ETN“ sieht – bereits gehandelt.

Regulierung & Standortpolitik

Regulatorisch hat sich in Sachen Digitalisierung / Startups (insb. in Hinblick auf Blockchain & FinTechs) in den letzten 2 Jahren enorm viel getan. Henry Kissinger –  einst einer der wichtigsten Berater von Richard Nixon – unterstrich die dringliche Notwendigkeit eines Digital-Ministeriums Ministeriums (mit Hinweis auf Artificial Intelligence). Sein Vergleich ist drastisch – aber am Punkt: Man stelle sich vor was passiert sei mit den Inkas als die Kolonialisten und die Poken kamen – so wird es uns gehen, wenn wir die neuen Technologien nicht im Griff haben.

Hierzu Lande hat die Regierung immerhin ein Digital-Ministerium mit einer ernsthaften Agenda aufgesetzt und mit Margarete Schramböck eine sehr starke Ministerin im Amt. Wenn wir uns ernsthaft mit neuen Technologien beschäftigen wollen, Innovation in „Sandboxes“ außerhalb bestehender Regularien experimentell erlauben wollen, wird es solche Ministerien und auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit in der EU brauchen.

Der Mut zu einer eigenen Artificial Intelligence Strategie in der EU wäre großartig, aber das trauen sich in Europa leider noch – bis auf einige wenige Ausnahmen – nicht sehr viele zu.

Conclusio

Das Jahr 2019 wird spannend. Allen Lesern und Wegbegleitern einen guten Rutsch und viel Erfolg, Glück und Gesundheit im neuen Jahr!

TOP 10 Venture Trends 2019

Rückblickend waren die letzten Jahre in Sachen Digitalisierung und Innovation bereits sehr stark. 2017 war ein Rekordjahr für Venture Capital, 2018 wird meiner Beobachtung nach sogar noch stärker ausfallen und im Jahr 2019 dürfen wir uns zusätzlich auf eine Reihe großer Exits und viele Börsegänge (auch in Europa) freuen. Einzelne Startup Segmente werden stark konsolidieren (etwa FinTechs) und einzelne e-Health Startups werden die die neuen heißen Eisen der Szene.

2019 verspricht schon heute spannend zu werden und steht damit ganz im Zeichen der letzten Jahre. Ich kann mich nicht – auch nicht mit einem Blick in die Geschichtsbücher – an eine Periode erinnern, die derartige Umwälzungen (in Friedenszeiten) hervorbrachte, wie wir sie in den letzten Jahren erleben durften. Von einem Peak sind wir aber noch weit entfernt – in denke das dieser Trend jedenfalls noch bis 2025 anhält.

Die Top 10 wertvollsten Unternehmen der Welt sind heute fast ausschließlich Tech-Giants – ein gänzlich anderes Bild als in den Jahren 1990 oder 2001.

Quelle: https://paymentandbanking.com/die-wertvollsten-unternehmen-1990-2018/

Heute wie damals sind es Rohstoff-Unternehmen die das Ranking anführen, nur das der führende Rohstoff heute Daten und nicht mehr Mineralöl ist.  Unternehmen wie Apple, Alphabet (Google), Amazon, Microsoft, Facebook, Berkshire, JP Morgen Chase, Exxon Mobil und VISA – haben ihre Geschäftsmodell entweder gut umgestellt oder seit jeher auf Daten aufgebaut. Einzig Berkshire Hathaway (Warren Buffets Investment Unternehmen) würde ich als sehr traditionelle Vermögensverwaltung mit einem weiterhin sehr strikten Value-Ansatz bezeichnen.

Anmerkung: In der Infografik wurde meines erachtens TENCENT nicht berücksichtigt, welche meiner Meinung nach in dieser Liste aufscheinen müssten. 

Was aber bringt das Jahr 2019? Werden Tech-Firmen weiterhin dominieren? Welche Regionen werden aufsteigen und welche absteigen? Über Wikifolio verwalte ich transparent ein Musterportfolio von Unternehmen, welche ich als DIGITAL GAMECHANGER bezeichne. Was ich für 2019 erwarte – insbesondere auch für mein Tagesgeschäft „Venture Capital“ habe ich in diesem Blog zusammengefasst.

Technisch

Technologien verändern Industrien, unabhängig von deren regionaler Dominanz oder inhaltlichen Ausprägung (etwa Gesundheit, Produktion, Handel, Finanzen) – das macht sie für Venture Capital Investoren so attraktiv und gleichzeitig für etablierte Unternehmen so gefährlich. Ich gehe davon aus das Venture Capital Fonds mit starkem Technologie Fokus bessere Resultate erzielen werden, als jene die in Services und Plattformen investieren.

Technisch sehe ich sehr viel Aktivität und technisch starke Lösungen im Bereich Künstlicher Intelligenz. Ich erwarte für 2019 das vermehrt Anwendungen zur Produktivitätssteigerung in verschiedenen Branchen (erstmals stark spürbar für den Endkonsumenten) zur Anwendung kommen werden.

Bereits 2019 werden wir (auch in Europa) erstmals im Alltag vermehrt den Trend der Robotisierung wahrnehmen und ernsthafte Diskussionen führen wie viele „ungeliebte“ Jobs von leistbaren Maschinen übernommen werden können und sollten. Welche Veränderungen dies für die Arbeitswelt bedeutet.

Ich bin aber überzeugt – nicht nur weil ich Technologie liebe – das letztlich die Vorteile der Robotisierung überwiegen werden, Fehlervermeidung den Menschen den Alltag erleichtert und repetitive Arbeiten Ressourcen für komplexere Service Fälle frei macht, die heute aufgrund von Kostendruck vernachlässigt werden.

Trends nach Verticals

Ich bezeichne Startups oder Scale-Ups gerne als Schwarm von Piranhas – die jeder für sich nur einen sehr kleinen Bereich anknabbern, aber in ihre Summe disruptive Wellen bzw. Bewegungen auslösen. Wenn man sich die zeitliche Folge der „disruptierten“ Industrien in Verbindung mit der Entwicklung der digitalen Technologien (PC, Mobile, Internet of Things und bald Mixed Reality) ansieht, so fällt einem schnell auf das es hier nicht bloß eine Korrelation, sondern vielmehr eine Beschleunigung also einen exponentiellen Drift gibt der die Durchschlagskraft der Entwicklung verstärkt hat.


Quelle: https://www.duvalunionconsulting.com/

Ich sehe für 2019 starke Weichenstellungen für Scale-Ups – in diesem Sinne: „Unternehmen in der Internationalisierung“ – in folgenden zwei Branchen aufkommen:

  • e-Health

Der Gesundheitssektor ist komplex, die Daten sind heikel, aber der Kunde (Patient) schreit nach besseren Lösungen die dem Stand der Zeit entsprechen. Praktische Ärzte werden ihr Stethoskop gegen handliche Ultraschallgeräte tauschen, Labors die einzelne Bakterien-Kulturen analysieren werden von Next Generation Sequencing überholt und der Mensch selbst wird durch bessere Tracking Lösungen mit stärkerem Bewusstsein für Ernährung, Bewegung und Präventiv Medizinische Ansätze ausgestattet. All das verringert letztlich Kosten der staatlichen Gesundheitsversorgung und verringert Risiken (Kosten) bei Versicherungen.

Ich bin überzeugt, dass dieser Sektor gespeist u.a. durch Corporate Venture Fonds von Versicherungen, aber schrittweise auch mit stärkerer staatlicher Subvention (in Europa), wachsen wird. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns im Rahmen des European Super Angels Clubs bereits dieses Jahr auf dieses Thema gestürzt und mit sehr viel Aufwand in ganz Europa die besten Lösungen am Markt analysiert und hervorgehoben.

  • Reg-Tech (die besseren FinTechs)

Die Welt hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht nur zum positiven verändert. Terrorismus, Geldwäsche, aber auch Wirtschaftskrisen sind zu einem globalen Problem mutiert, welche man durch drastische Verschärfungen in Regulierungen von Finanzmärkten, -instituten und Dienstleisteren (bis zu KYC beim Anwalt oder AML Prüfung beim Notar). Der Aufwand der damit Verbunden ist und die Fülle an Prozessen die neu geschaffen werden müssen, darf man getrost als Problem bezeichnen. Banken die ihr AML4 Prozesse nicht im Griff haben müssen mit enormen Strafen rechnen – so zahlte etwa ING unfassbare EUR 775 Mio. dieses Jahr.

Conclusio: Die Probleme die FinTechs lösen sind vernachlässigbar im Vergleich, zu den Lösungen die führende RegTechs anbieten. Der Markt ist riesig, die Zahlungsbereitschaft der Kunden lässt sinnvolle Geschäftsmodelle zu, aber es braucht extrem starke Lösungen – nur wenige schaffen es in der harten B2B Welt zu bestehen. Das österreichische RegTech Kompany hat es international geschafft zu einem führenden Scale-Ups in diesem Segment zu werden und ich bin sehr stolz dieses Unternehmen in unserem Portfolio zu haben.

Marktstruktur

Wir sehen nach 2017, mit Sicherheit auch 2018 und 2019 Rekordjahre im Bereich „Venture Capital“. Die Umwälzung der Industrien ist so stark, dass man auch mehr als das doppelte Kapital zur Verfügung stellen könnte und selbst dann wären noch immer hoch qualitative Deals möglich – möglicherweise sogar bei einem Vielfachen. Was allerdings stoppen würde währe der Brain-Drain – der Ausverkauf der Talente ins Ausland. Je mehr Kapital durch europäische Corporates und institutionelle Investoren bereitgestellt wird, umso mehr (regionales) Interesse würde auch an Exits entstehen.

  • Corporate Venture Capital

In den letzten Jahren war langsam zu beobachten, dass große Konzerne langsam aufgewacht sind und Corporate Venture Capital (CVC) Einheiten aufgelegt haben. Was noch vor wenigen Jahren einige wenige Konzerne (fast exotisch und ohne viel Aufsehen) begonnen haben wurde 2018 ein „Standard“. Wer 2019 keinen CVC hat, der hat dringend etwas nachzuholen!

Ich gehe davon aus, dass wir 2019 eine Reihe neuer CVC’s, verstärkt auch aus der Welt der führenden Mittelstandsunternehmen sehen werden. Die Corporate Venture Capital Association – der ich als Board Member mit Fokus auf den österreichischen Markt dienen darf – hat sich formiert, um Erfahrungen, Netzwerk und konzentrierten Austausch zu Rahmenbedingungen mit der Politik zu koordinieren. Diese Organisation wird auch als Anlaufstelle für Corporates dienen die sich in diesem Bereich betätigen wollen.

  • Venture-IPOs

Mit den Wachstumsmarkt Segmenten „SCALE“ (Börse Frankfurt), sowie „FIRST“ (Nasdaq Nordic) hat sich in Europa eine echte Alternative zu konventionellen later-stage Venture Capital Finanzierungen etabliert. Selbst das dritte Marktsegment der Wiener Börse öffnet sich per Ende Jänner 2019 KMU’s und man kann noch von einer Reihe weiterer Börsen lesen, die sich öffnen wollen.

Ich erwarte für 2019 und 2020 starke Jahre für Venture IPOs, als Alternative aber auch als Ergänzung zu herkömmlichen Finanzierungsformen über Fonds. Viele europäische Investoren hätten durch ein Listing erstmals die Chance auch Venture Risiken zu nehmen – da sie so (wenn auch nur beschränkt) liquide werden.

Gesetzgeber in vielen europäischen Ländern überlegen im Zuge von Reformen des Gesellschaftsrechts,  die Aktiengesellschaften zu überdenken und zu vereinfachen – so auch in Österreich (gibt zumindest das letzte Startup Frühstück bei Digitalisierungsministerin Schramböck zu hoffen).

  • Tokenization

Nach dem Bitcoin bzw. Crypto Investment Hype des letzten Jahres, hat die Verbriefung als Wertpapier über die Blockchain (sog. Tokens) einen regelrechten Siegeszug vollbracht. Verschiedene europäische Börsen sind ganz vorne dabei, diese Security Tokens handelbar zu machen (bisher ist dies der „missing link“).

Ich glaube fest daran das Security Tokens bereits 2019 an verschiedenen Börsen handelbar sein werden. Ich sehe allerdings nicht die größten Investment Chancen in Tokens, sondern vielmehr in dern Infrastruktur rundherum (insb. RegTECH).

Regional

Wer sich mit Asset-Management bzw. Asset-Allokation beschäftigt, der muss in seiner Allokation auch regionale bzw. Makro Trends berücksichtigen und hier finde ich insbesondere den „Trump Effekt“ sehr spannend.

  • Europa holt auf

Europa versucht es doch noch mal selbst. In den Regierungsprogrammen verschiedener Staaten – so auch Deutschland und Österreich – wurde festgeschrieben das man initiativen für mehr Risikokapital auflegen möchte.  Staatsfonds, Dachfonds, Förderungen, verschiedenste rechtliche Reformen und Sandboxes sollen Europa schneller und Wettbewerbsfähiger machen. Talente sollen in Europa bleiben bzw. sogar angelockt werden.

Obwohl der Weg zur Weltspitze ein steiniger ist, habe ich große Hoffnung das diese Initiativen greifen werden und Europa eine Chance hat.

  • China statt USA

Die US Wirtschaftspolitik und der Appetit nach uneingeschränkter Datenkontrolle führt zunehmend zu einem Imageverlust der Vereinigten Staaten von Amerika im Startup Ökosystem. Die Weltmacht Nummer 1, wird zwar im Jahr 2019 weiterhin die #1 bleiben, aber wir werden vermehrt Ausflüge, Kooperationen und Co-Investments mit Partnern in Asien (insb. China) sehen. Österreich unterzeichnete gerade neue Kooperationen für das GIN Programm mit Süd Korea und war mit großen Delegationen im Jahr 2018 sowohl in Singapur und China unterwegs.

Europa nähert sich langsam an Asien an und beginnt die USA stärker in Wettbewerb zu stellen. Ich nenne das den „Trump Effekt“ – nicht zuletzt weil ich es für wahrscheinlich halte das ein offenerer Präsident mit einer globaler ausgerichteten Politik das Blatt schnell wieder drehen könnte.

FinTechs – Der Alptraum der Banken

Fintechs sind in aller Munde – es handelt sich dabei um innovative (software)  Finanzlösungen die traditionelle Banken bzw. deren Services ins Visier nehmen. Die dahinter stehenden Technologien sind vielfältig (etwa AI, Big Data, IoT, etc.). Die sogenannten Challenger-Banken Revolut (UK) sind bereits in der Liga der Unicorn bzw. im Fall von N26 (DE) am besten Weg dort hin. Während etablierte Bankhäuser einen schweren Rucksack in der digitalen Transformation zu tragen haben, schaffen es Quereinsteiger vom Start weg effizienter aufgestellt zu sein. Goldman Sachs und Wirecard sind gute Bespiele für Banken die Digitalisierung zu  ihrem Vorteil nutzen. Keine Frage Corporates spielen immer stärker mit im globalen Venture Capital Markt – aber der Druck für den Banken Sektor steigt ganz besonders.

Quelle: KPMG Venture PULSE Q4 2017 (Infographic)

Prozesse und Geschäftsmodelle, aber auch die unternehmerische Kultur der Banken muss sich um 180 Grad drehen. Fintechs verstehen sich als Teil eines Ökosystems, sie dienen als Plattformen, stellen ihre Kunden (tatsächlich) in den Mittelpunkt und konzentrieren sich auf wenige Services die sie bis ins letzte Detail perfektionieren. In anderen Bereichen kooperieren sie mit anderen FinTechs.

Blind Side Disruption – Banken gegen Tech-Konzerne

Ein legendärer Ausspruch viel auf der IBM InterConnect 2015 von Citigroup’s damaliger Digital & Marketing Officer Heather Cox über die Zukunft von Banking: “People need banking, but they don’t necessarily need banks.” – heute spüren wir bereits das sie recht hatte. Die stärksten Wettbewerber der Banken kommen nicht aus der Welt der Start-Ups, es sind vielmehr die Internet Giganten Alibaba (Alipay), Apple (Apple Pay), Samsung (Samsung Pay), Google (Google Pay) und Facebook (Instram hat kürzlich Payment vorgestellt) die angreifen.

Die disruptive Kraft der Fintechs wird gerne herunter gespielt. Startups, seien hip, schnell und agil – aber etablierte Banken haben eine gewaltige Kundenbasis und eine große Kriegskasse, das gibt ihnen (noch) Sicherheit. Der PWC Global FinTech Report 2017 zeigt allerdings das über 80% der Bank-Manager sehr wohl wissen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung bedroht sind. Wir werden später in diesem Artikel sehen, dass sie bislang aber noch recht zaghaft auf diese Bedrohung durch Investments oder Akquisitionen reagieren.


 


Fintechs verhalten sich ein wenig wie Piranhas – sie knabbern, jeder für sich, eine Nische an und das macht sie in ihrer Summe so unglaublich unangenehm – da man ja unmöglich gegen alle gleichzeitig kämpfen kann. Den Kunden hingegen wird eine bessere Nutzerfreundlichkeit und 24/7 Verfügbarkeit angeboten. Banken bisher in kaum einem Fall darauf gefasst wie schnell sich Geschäftsmodelle und das Kundenverhalten verändern können. Im Jahr 2017 kam es endgültig mit höherer Priorität auf die Agenda.

Banken lernen schnell und versuchen sich besser auf den Markt einzustellen. So wird Goldman Sachs den Handel mit Bitcoin aufnehmen, die Zahl der Corporate Venture Capital Fonds von Banken steigen und Payment- bzw. Finanzdienstleister zeigen vermehrt in Akquisitionen auf. Das Eindringen neuer Akteure auf einem etablierten Markt, ist ein typischer Effekt einer industriellen Revolution – wie die „Digitale Transformation“ eine ist – ich nenne diesen Effent „Blind Side Disruption“ (Angriff aus dem „Toten Winkel“).

Wer Investiert in Fintechs?

Die stärksten Kapitalgeber für Fintechs sind nicht Banken, diese schlossen zwar 2017 mit dem bislang höchsten Anteil (19%) im Verhältnis zu allen VC Transaktionen ab – der Trend zeigt damit steil nach oben – aber angesichts der Bedrohungslage, scheint dies eine verhältnismäßig kleine Zahl zu sein.

Quelle: KPMG – PULSE of Fintech Report Q4 2017

Etwa im selben Verhältnis vielen die Akquisitionen der Banken aus. Ich erwarte, dass sich dieses Bild in den nächsten zwei Jahren massiv verändern wird – allerdings scheint es auch vermehrt IPOs zu geben, was bei gutem Wind an den Börsen die Bewertungen für strategische Käufer deutlich anheben wird.

Quelle: CB Insights, Feb 2018 (Banks are finally going after Fintechs)

Europäische Banken sind im direkten Vergleich zu US Banken im Bereich Corporate Venture Capital noch deutlich zögerlicher – hier ist also am meisten Bewegung zu erwarten.

Quelle: CB Insights, April 2018

US Banken investieren deutlich aktiver in Fintechs.

Quelle: CB Insights, Feb. 2018

Ein (vielleicht leicht überzogener) Ausblick

Es ist schwer zu sagen ob die heutigen Bankfilialen bald als Internet-Cafés dienen werden oder etwa als Co-Working Spaces. Ob es im Online-Banking bald an einen Krypto-Broker (wie Bitpanda oder Coinfinity) angeschlossen werden, kann ich genau so wenig vorhersagen – Revolut bietet dieses Feature jedenfalls schon heute (dürfte ein gutes Geschäft sein). Robo-Advisory (a la Scalable Capital) und Wikifolio liegen jedenfalls schon heute im Trend und ich nehme nicht an das dieser abreißt. Crowd-Investing (etwa über CONDA) bzw. Bergfürst für Immobilienprojekte – erfreuen sich ebenfalls starken Wachstums! Meiner Meinung nach wird es im Investment Sektor zeitnahe zu Akquisitionen kommen – oder riskiert man weiterhin Marktanteile abzugeben?

Es bleibt spannend?!?

 

Weitere Quellen:

CB Insights – Global FinTech Report Q3 2017

KPMG PULSE of FinTech Q4 2017